Geschichte der 
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 
6b. Landesbischof Hanns Lilje (1947-1971) zur Übersicht  << >>

(Kurzbiografie)

Sein Name ist in Hannover festgehalten: Ein öffentlicher Platz im Herzen der Stadt, ein Haus für kirchliche Aktivitäten und die landeskirchliche Stiftung zur Förderung des Dialogs zwischen Theologie und Wissenschaft, Glaube und Gesellschaft, Kirche und Kunst sind nach ihm benannt.

Aber auch über seine Heimatstadt und die Landeskirche hinaus, deren erster Nachkriegsbischof er war, ist Hanns Lilje in lebendiger Erinnerung. Aufgewachsen in Hannover – sein Vater war Diakon an der Apostelkirche und er ein Schüler des Leibniz-Gymnasiums – war er nach kurzer Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg und Theologiestudium von 1925 bis 1927 der erste Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule. Durch seine Tätigkeit im Christlichen Studentenweltbund übersiedelte er, inzwischen verheiratet, nach Berlin, wurde er in der ökumenischen Bewegung aktiv und bekannt. Noch Bischof Lohse fand in den USA „als Nachfolger von Hanns Lilje" offene Türen, und er selbst wurde von 1968 bis 1975 einer der Präsidenten des Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Obwohl kein Widerstandskämpfer, brachten ihn seine engen Verbindungen nach dem 20. Juli 1944 in Gestapohaft, aus der ihn die Amerikaner 1945 befreiten. Eindrucksvoll sein Bericht über diese Zeit „Im finstem Tal" . Im Rückblick auf die Nazizeit sagte er 1950 auf der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD): „Es wird nicht anders gehen, als daß Deutschland ein ernstes und aufrichtiges Wort der Buße in der Judenfrage spricht".
 

In der kurzen Zeit nach 1945 als Oberkirchenrat wurde Lilje durch seine überfüllten „Offenen Abende" in der jungen Generation bekannt. Nach dem Rücktritt von Bischof Marahrens und der Wahl Liljes zum Landesbischof am 17. April 1947 halfen die „Kirchlichen Wochen", eine Idee Liljes und seine Art von Visitation in den Städten und Regionen seiner Landeskirche, ihn bekannt zu machen. Seine zugleich biblisch-klare wie menschennahe Predigt, die Betriebsbesuche und seine volksmissionarischen Vorträge waren prägend, wobei er auch für „die Gebildeten unter ihren (der Kirche) Verächtern" ein Gesprächspartner war - so im Goethejahr oder zu Bachfesten. Das „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt", seit 1948 von ihm herausgegeben, die Evangelische Akademie, seit 1952 in Loccum ,verschiedene biblisch- meditative Kommentare - es war nicht nur die Gunst der Stunde, sondern auch die Person, die da wirkte und in Erinnerung geblieben ist.

Heinz Zahrnt, damals Chefredakteur des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts (DAS), schrieb 1977: „Bedenke ich die Geschichte der evangelischen Kirche Deutschlands in der Nachkriegszeit, so fallen mir drei Namen ein: Otto Dibelius, Martin Niemöller und Hanns Lilje ... Otto Dibelius war vornehmlich ein Priester, Martin Niemöller ein Prophet, Hanns Lilje ein Weiser. Die Weisheitslehrer im Alten Testament waren gleichsam die ‚Intellektuellen' unter den Gläubigen. Sie suchten Aufklärung der Welt durch den Glauben und schmähten dabei die Vernunft nicht, ja hatten sogar eine Neigung zur Skepsis, vor deren Übermacht sie ihr Glaube bewahrte. Ein solcher Mann war Hanns Lilje."

(Hartmut Badenhop)
 
 

- Weitere Informationen finden Sie auch auf den Internetseiten der Hanns-Lilje-Stiftung -

 

Druckausgabe beider Biografien

Landeskirchliches Archiv Hannover