Geschichte der 
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 
3. Kirchliches Leben in Niedersachsen im 17. -19. Jahrhundert << 1 2 3 4 5 6 7 8 >>
Nach den Wirren der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges galten im niedersächsischen Protestantismus des 17. Jahrhunderts praktizierte Frömmigkeit, Toleranz und Friedensgesinnung als die zentralen christlichen Tugenden. Sie wurden in der Erbauungsliteratur besonders gepflegt, zu deren Hauptvertretern der Celler Generalsuperintendent Johann Arndt (1555-1621) gehörte. 

Auch die Kirchenmusik blühte auf: Viele Kirchenlieder, die noch heute gesungen werden, entstanden in dieser Zeit, z. B. "Macht hoch die Tür", "Dir, dir, o Höchster, will ich singen" und viele andere.

Johann Arndt (1555-1621)
Das Auge Gottes Im 18. Jahrhundert versuchten viele evangelische Pfarrer, die christliche Lehre mit den Prinzipien der Aufklärung zu verbinden, sie warben für ein vernünftiges, praktisch ausgerichtetes Christentum. Rationalismus und Vernunftdenken wandten sich gegen den "Aberglauben" und warben für Toleranz unter den Religionen und Konfessionen, ließen aber auch die emotionale und soziale Seite der Kirche verblassen.
Dem trat ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Erweckungsbewegung entgegen. Sie forderte, den Eigenwert der Religion wieder mehr zu achten und Gottes Offenbarung in der Bibel und den Menschen stärker zu respektieren. Man griff die biblischen Aufgaben von Mission und Diakonie wieder auf: Missionswerke für das In- und Ausland wurden gegründet, ebenso Krankenhäuser, Alten-, Kinder- und Behindertenheime, die teilweise bis heute bestehen. Mit den Diakonischen Schwestern, den "Diakonissen", entstand für evangelische Frauen ein ganz neuer Berufs- und Lebensweg. Diakonissen in der Henriettenstiftung Hannover
Neustädter Kirche Celle In den gesellschaftlichen Umwälzungen der Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts hin sah sich auch die Kirche vor neue Aufgaben gestellt: In den rasch wachsenden Industriegebieten wurden zahlreiche neue Kirchen gebaut, die sozialen Aufgaben der Kirchengemeinden gestärkt, Diakone und Gemeindehelfer zur Unterstützung der Pastoren ausgebildet. Erstmals wurden für die Landeskirche eine einheitliche Gottesdienstordnung (Liturgie) und ein Gesangbuch für alle Gebietsteile eingeführt.

Der hannoversche Oberkonsistorialrat und Abt von Loccum Gerhard Uhlhorn (1826-1901) war eine treibende Kraft dieser Neuorientierung. Viele seiner Ideen gaben der hannoverschen Landeskirche im folgenden 20. Jahrhundert die Richtung und prägen sie bis heute.

Druckausgabe
Landeskirchliches Archiv Hannover