Geschichte der 
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 
2. Die Reformation - der christliche Weg gabelt sich << 1 2 3 4 5 6 7 8 >>

Die Reformation brachte tiefgreifende religiöse und kirchliche Veränderungen in den niedersächsischen Raum. Viele Menschen sprach Luthers Lehre von der bedingungslosen Liebe und Gnade Gottes an.
 
In Ostfriesland verbreitete sich die neue Lehre durch den Einfluss der benachbarten Niederlande bereits ab 1519/20. In vielen größeren Städten wurden evangelische Prediger von den Stadträten zunächst ohne Zustimmung des Landesherrn berufen (z. B. Braunschweig 1528, Einbeck 1529, Göttingen 1530, Lüneburg 1531, Hannover 1533, Hildesheim 1542, Osnabrück 1543, Verden 1555). 

Auch manche Adlige, die Patronatsherren von Kirchen waren und deshalb Pfarrer für die Pfarrstellen vorschlagen konnten, beriefen evangelische Pfarrer, ohne die Zustimmung der Fürsten abzuwarten. 

Allmählich öffneten sich auch die Fürsten der evangelischen Lehre und führten sie in ihren Ländern ein: 
1525 im Fürstentum Lüneburg, 
1540 im Fürstentum Calenberg-Göttingen, 
1543 in Ostfriesland, dem Emsland und dem Bistum Osnabrück, 
1558 in der Grafschaft Schaumburg, 
1568 im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel usw. 

Zu den wichtigsten Reformatoren im niedersächsischen Raum gehörten Urbanus Rhegius (Bild oben) und Antonius Corvinus. Rhegius wirkte ab 1527 im Herzogtum Lüneburg unter Herzog Ernst dem Bekenner, Corvinus wurde 1540 von der Herzogin Elisabeth mit der Reformierung des Fürstentums Calenberg-Göttingen beauftragt.
 

 
Nach und nach wurden Kirchenordnungen erlassen, die nicht nur die Grundsätze der kirchlichen Lehre festlegten, sondern auch das Schulwesen und die Armenversorgung regelten. 

Oberhäupter der protestantischen Kirche waren nicht mehr der Papst und die altgläubigen Bischöfe, sondern die jeweiligen Landesherren in ihrem Herrschaftsgebiet. Zur Leitung der Kirchen wurden Konsistorien gegründet und die kirchliche Verwaltung eng mit der staatlichen verbunden.
 

Evangelische Kirchenspaltung und Gegenreformation

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begannen erbitterte Auseinandersetzungen über den Umfang der Reform und das richtige Verständnis der evangelischen Lehre. Aus den  Lehrunterschieden entwickelten sich die lutherische und die reformierte Kirche; in Teilen Ostfrieslands, in der Grafschaft Bentheim und der Herrschaft Plesse (Bovenden) wurde die reformierte Konfession vorherrschend. Daraus entstand im 19. Jahrhundert die Ev.-reformierte Kirche, deren Verwaltungssitz heute in Leer ist. 

In kleineren Gebieten um Hildesheim, um Osnabrück und im Eichsfeld konnte sich die evangelische Lehre langfristig nicht behaupten, da dort katholische Bischöfe als Landesherrn regierten und die evangelische Lehre bekämpften. 
 

 
 
Druckausgabe Seite 1-2
Landeskirchliches Archiv Hannover