
Ich beschreibe hier die Funktionalität eines Bullman C-4 Laptops unter Fedora Core 4 Linux nach meinen Erfahrungen. Wer also ein solches oder vergleichbares Gerät besitzt und mit dem löblichen Gedanken spielt, ein Linux Kernels 2.6 darauf zu installieren, der wird hier einige Informationen vorab finden.
Über Ergänzungen und Anregungen zu meiner Seite freue ich mich. Bitte schickt sie an andr.bergmann@gmx.de.
Ich besitze das Gerät dienstlich jetzt seit knapp fünf Jahren und arbeite täglich damit. Dabei benutze ich ausschließlich Linux. Ich erstelle Texte und verwalte Kontakte mit OpenOffice, nutze das Internet und damit verbundene Kommunikationsmöglichkeiten (Mail, ICQ, Skype), mache Präsentationen und spiele Medien damit ab. In diesen fünf Jahren habe ich gelernt, welche Möglichkeiten Linux im Bürobereich bietet und wie ich kleinere Unbequemlichkeiten (meist entstanden dadurch, dass Hersteller ihre Schnittstellen nicht offenlegen) umschiffen kann.
Mit dem Gerät an sich bin ich zufrieden. Es hat in dieser Zeit noch keinen ernsthaften Defekt gegeben. Allerdings gibt es schon ein paar Dinge, die nerven:
Da wäre z.B., dass man vom Hersteller wenig erwarten darf. Wenn auch damit geworben wurde, dass ihre Geräte besonders linuxfreundlich sind, gibt es dafür weder Anhaltspunkte (beim Kauf war sogar eher das Gegenteil der Fall und die Grafikkarte macht teilweise heute noch Probleme!), noch können die Mitarbeiter auch nur Tipps geben. Darüber hinaus bekam ich das Gerät mit einem veralteten BIOS geliefert, das bewirkte, dass die (unter Linux ziemlich wichtige) Pipe-Taste nicht funktionierte. Um das Aufspielen einer neuen Version durfte ich mich dann (trotz fehlendem Floppy-Laufwerks) selbst kümmern.
Nerven tun auch die Akkus. Der im Lieferumfang enthaltene gab nach nur sechs Monaten seinen Geist auf. Ich habe jetzt einen neuen für 150 € bei Bullman erworben, der gerademal 1,5 Std. läuft.
Unter die Kategorie „Nicht nachgedacht“ fällt, dass das BIOS keine eigene Speichererhaltungsbatterie besitzt. Das bedeutet: Wenn ich den Akku entferne (wie das übrigens in der Bedienungsanleitung bei längerer Lagerung vorgeschlagen wird) und kein Netzteil angeschlossen habe, kann ich die mühsam angepassten Änderungen im BIOS jedes Mal wieder vornehmen.
| Prozessor: | Pentium Celeron (Coppermine) 700 Mhz | Wird gut unterstützt. |
| Chipsatz: | SiS 5513 (IDE), SiS 85C503/5513 (ISA) | Wird gut unterstützt. |
| Grafikadapter: | SiS 630 PCI / AGP | Grafische Oberfläche läuft. GLX (grafische Beschleunigung) läuft. Videos und Bilder können nur mittels VESA-Treiber auch auf der Konsole angezeigt werden. Bei Anschluss eines externen Monitors (z.B. Beamer) darf die Farbtiefe nicht über „tausende“ (16 bit) liegen. |
| Netzwerkgerät: | Davicom Semiconductor 10/100 Ethernet | Keine Probleme unter Linux. Modul heißt „dmfe“. |
| PCMCIA-Socket: | O2 Micro, OZ6812 Card Bus Controller | Pcmcia-Service kann ohne Fehlermeldung unter Nutzung des Moduls „yenta_socket“ gestartet werden. Die Funktionalität habe ich bislang nicht getestet. |
| Soundgerät: | C-Media Electronics CM8738 | Wird automatisch erkannt und läuft ohne Probleme. Das Modul heißt „snd_cmipci“ |
| Modem: | C-Media Electronics CM8738 | Da ich bislang kein Modem benutzen musste, kann ich zur Unterstützung nichts sagen. |
| DVD-Laufwerk: | Matshita DVD-ROM SR-8175 | Keine Probleme unter Linux. |
| Festplatte: | Fujitsu MHN2200AT (18 GB) | Keine Probleme unter Linux. |
| USB-Controller: | SiS USB 1.0 (2 Anschlüsse) | Keine Probleme unter Linux. Modul nennt sich „ohci_hcd“. |
| Touchpad |
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Tritt bei Neustart in Aktion, wenn keine PS2-Mouse angeschlossen ist. |
| Keyboard: | AT Translated Set 2 | Keine Probleme unter Linux. |
| Infrarot-Schnittstelle |
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Habe ich keine Verwendung für und habe sie nicht getestet. |
Ich habe seit RedHat 8.0 immer nur auf die nächste Version upgedated. Aber das unterscheidet sich von einer Neuinstallation nur insofern als dass du deine Partitionen nicht einrichten musst und statt dass du ein Systemprofil (Desktop, Server, etc.) wählst, einfach deine vorhandenen Pakete aktualisiert werden.
Wahrscheinlich ersparst du dir mit einer Neuinstallation sogar einigen Ärger, der eigentlich immer nach einem Update in Form von kleinen Anpassungsfehlern auf dich wartet.
Ich gehe davon aus, dass du die vier Fedora Core 4 Iso-Images von der Fedora-Homepage runtergeladen und auf CD gebrannt hast. Nach dem Einlegen der ersten CD und einem Neustart, sollte – falls du im BIOS das CD-Laufwerk vor der Festplatte als Startlaufwerk definiert hast – das Menu der Fedora-Installation erscheinen. Wenn nicht, kann das auch an der Art der CD liegen. Bei mir funktionieren z.B. keine CD-Rohlinge der Marke "Intenso“.

Ein einfaches „Return“ lädt den provisorischen Kernel und das Installationsprogramm „Anaconda“.
Hier erwartet dich die erste Überraschung: Vermutlich Dank der teilweise immer noch schlechten Unterstützung der SiS-Grafikkarte ist der Bildschirm merkwürdig geteilt. Ein Stück von unten ist jetzt oben zu sehen. Falls dein Rechner die minimalen Voraussetzungen für eine grafische Installation (256 MB Speicher, 400 Mhz Prozessor) erfüllt, ist das nur lästig. Nach den ersten Fragen wird dann aber der grafische Mode aktiviert und alles ist gut. Schlechter sind die dran, die weiter im Textmode installieren müssen.

Im Betrieb taucht dieses Problem übrigens bei Benutzung der SVGAlib wieder auf. Die SVGAlib kommt da zum Einsatz, wo man Grafik auf der Textkonsole darstellen möchte. Wählt man hier den SiS-Treiber, so hat man wieder diese merkwürdige Zerstückelung des Bildschirms. Beheben kann man das Problem, in dem man stattdessen den VESA-Treiber lädt. Ich weiß allerdings nicht, ob diese Lösung irgendwie auf das Anaconda-Problem anwendbar ist.
Wenn du deine Partitionen neu einrichten musst, macht dir das Programm „Diskdruid“ das Leben leichter. Erstelle auf jeden Fall eine getrennte Partition „/“ und „/home“. Auf diese Weise sind deine persönlichen Daten von deinem System getrennt. Das ist sinnvoll, wenn du mal eine Neusinstallation machen willst. Außerdem musst du eine Swap-Partition einrichten. Für den Fall, dass du irgendwann „Suspend-to-Disk“ einrichten willst, empfehle ich dir mehr Speicher als deinen internen Speicher zu reservieren, da dieser dann komplett auf die Swap-Partition geschrieben wird.
Der Installationsvorgang sollte ohne weitere Überraschungen vonstatten gehen. Beim Bootloader Grub solltest du auf alle Fälle „neu installieren“ und NICHT „aktualisieren“ wählen. Bei einer vorherigen Fedora-Version wurde bei mir danach nämlich gar nichts mehr geladen.
Wenn die CD aus dem Laufwerk entfernt ist, kommt der spannende Moment des ersten Neustarts.
Solltest du irgendwann einmal Probleme mit dem Startvorgang haben, kannst du übrigens immer von der ersten CD booten und beim Menu „rescue[Return]“ eingeben. Die CD lädt nun den Kernel und eine schlanke Root-Shell mit gemounteten Partitionen. Hier kannst du nach Herzenslust administrieren.
Fedora Core 4 (Codename Stentz) nutzt einen Kernel der Version 2.6.11. Mit dem Standard-Kernel sollte beim Erststart eigentlich alles funktionieren. Nur ist er durch seine Universalität auch ziemlich groß. Ich bevorzuge einen schlanken Kernel mit dem Nötigsten, was dieser Laptop braucht. Meine Config-Datei findest du hier zum Runterladen. Einfach in den Ordner deines Kernel-Sourcecodes (z.B. /usr/src/linux-2.6.11) als „.config“ einfügen, ggf. mit „make menuconfig“ anpassen (wenn du z.B. lieber APM statt ACPI haben möchtest oder einige abgefahrene Zusatzgeräte benutzt) und nach den Anweisungen der README-Datei kompilieren.
Mit dem BIOS-abhängigen Powermanagement APM sollte es keine Probleme geben.
Spannender wird es bei dem flexibleren – weil Betriebssystem-gesteuerten – ACPI. Zuerst einmal muss ACPI als Powermanager aktiviert sein. Dazu müssen die entsprechenden Module in der Kernel-Config-Datei aktiviert und APM am besten von vornherein deaktiviert sein. Nach dem Kompilieren und Installieren des Kernels wird ACPI dann beim Start als Standard-Powermanager erkannt (kannst du mit „dmesg | less“ kontrollieren).
Zusätzlich musst du den Dienst „acpi“ starten. Das geschieht mit Hilfe des Scriptes „/etc/init.d/acpid start“ am besten bei jedem Start automatisch. Bei mir erkennt das System nun den Powerbutton, den LID-Button (wird beim Schließen bzw. Öffnen des Monitors aktiviert), die Batterie und das Netzgerät. Es gibt drei Power-Einstellungen für die CPU (C1-C3) und fünf Sleep-Modes (S0-S5).
Ich habe meinen Powerbutton nun so konfiguriert, dass das System beim Drücken herunter fährt.
Außerdem verfällt der Computer in den Sleep-Modus, wenn man den Monitor schließt. Das heißt, dass die Aktivität der CPU heruntergefahren wird, die Festplatte und der Lüfter auf Standby gehen. Leider bleibt der Monitor an :-( Für Tipps bin ich sehr dankbar. Beim Öffnen dauert es ein paar Sekunden und alles ist wieder einsatzbereit.
Da ich öfters in der Konsole arbeite und so nicht ständig den Energielevel meiner Batterie auf der Taskleiste mitverfolgen kann, habe ich außerdem ein kleines Script geschrieben, dass mich bei leerer Batterie vor Datenverlust bewahrt. Es meldet sich mit einem schwer zu überhörenden Ton und gibt mir dann noch eine Minute Zeit, das Netzteil anzuschließen, bevor es das System automatisch herunterfährt.
Wenn du es ebenso einrichten willst, dann kopiere die folgenden Texte und speichere sie unter den angebenen Namen.
event=.*
action=/etc/acpi/actions/battchk.sh
event=button/lid
action=echo 1 > /proc/acpi/sleep
event=button/power
action=/sbin/shutdown -h now
#!/bin/sh
if [ $(cat /proc/acpi/battery/BAT0/state | grep -c discharging) -gt 0 ]; then
if [ $(cat /proc/acpi/battery/BAT0/state | grep -c critical) -gt 0 ]; then
if [ ! -e /var/lock/subsys/batt_chk ]; then
touch /var/lock/subsys/batt_chk
echo "Batterie kritisch! Computer wird in 1 Minute heruntergefahren..." > /dev/systty
# Die naechste Zeile ggf. mit vorhandener WAV-Datei anpassen
play /usr/share/sounds/error.wav
sleep 1m
if [ $(cat /proc/acpi/battery/BAT0/state | grep -c discharging) -gt 0 ]; then
shutdown -h now
else
rm -f /var/lock/subsys/batt_chk
fi
fi
fi
fi
Fällt dir beim Start auf, dass das „ß“ durch merkwürdige Zeichen ersetzt wird? Dann probier doch mal, ob du in der Konsole (nicht unter X) überhaupt Umlaute eingeben kannst. Sollte das nicht der Fall sein, solltest du – zumindest in Fedora Core 4 – UTF-8 als Standard-Schriftsatz definieren. Dazu musst du folgende Dateien mit diesen Inhalten versehen:
LANG="de_DE.UTF-8"
SUPPORTED="de_DE.UTF-8:de_DE:de"
SYSFONT="lat0-16"
KEYBOARDTYPE="pc"
KEYTABLE="de-latin1-nodeadkeys"
Ab Fedora Core 3 kann folgendes Problem auftreten: Wenn das Netzwerk-Interface (z.B. eth0) beim Start aktiviert wird, aber keine aktive Verbindung besteht, wird ständig folgende Fehlermeldung auf allen aktiven Terminals ausgegeben:
eth0: Tx timeout – resetting
Ehrlich, ich habe keine Ahnung warum. Ich weiß allerdings wie man das Problem beheben kann. Sicher gibt es elegantere Methoden, aber diese ist ziemlich effektiv. Sie bewirkt, dass bei Ausgabe des Fehlers das Interface runtergefahren wird. Bei Bedarf kann es wieder als root mit „/sbin/ifup eth0“ gestartet werden. Hänge folgende Zeilen an die genannte Datei an:
if [ $(dmesg | grep -c "eth0: Tx timeout - resetting") -gt 0 ]; then
/sbin/ifdown eth0
fi
Unter Gnome musste ich außerdem das Paket „xscreensaver“ auf die vorherige Version 4.18-4 downgraden, um die gewohnte Auswahl an Screensavern nutzen zu können. Dazu einfach das entsprechende Paket vom Fedora-Server herunterladen und als root mit „rpm -Uvh“ downgraden.
DVDs ruckeln leider unter X, selbst mit aktivierter Grafikbeschleunigung. Ich habe das Problem so gelöst, dass ich sie inzwischen von der Konsole aus mit „mplayer“ abspiele. Das mag nicht jedem liegen. Mplayer ist alles andere als einfach zu bedienen. Bei eingelegter DVD sollte folgender Befehl - als root ausgeführt - dazu führen, dass der Haupttrack ruckelfrei abgespielt wird:
mplayer -vo vesa -alang de -af volume=+10 dvd://1
Wer DVDs unbedingt unter X abspielen will, sollte das ebenfalls durch „mplayer“ mit der Option „-framedrop“ tun. Sieht nicht ganz so schön aus, führt aber zumindest dazu, dass der Ton und das Bild synkron sind. Für „mplayer“ gibt es auch eine grafische Bedienungsoberfläche, die ich bislang jedoch nicht installiert habe. Wozu auch? Schon mal die Gesichter von Windows-Nutzern gesehen, wenn man DVDs von der Konsole abspielt? ;-)
Dieser Artikel ist sicher nicht vollständig. Ich bin gerne bereit, deine Erfahrungen mit einfließen zu lassen, damit andere weniger Ärger haben. Schick mir deine Problemlösungen einfach per Mail zu.