„Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen…“

Auch wer zuhause bleibt, aber Besuch begleitet! So geschehen gut zwei Wochen an der Seite der südafrikanischen Delegierten. Durch ihre Beobachtungen und Kommentare lernten wir, unsere Lebensverhältnisse und das Gemeindeleben mit ihren Augen zu sehen.

 

Im Lauf des Besuchs- und Arbeitsprogramms wollten wir den Gästen auch zeigen, was gut im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum läuft. Stark ist er auf dem diakonischen Feld, geradezu profiliert durch seine diakonischen Einrichtungen. Also setzten wir einen Besuch in den Altenheimen Cura-Zentrum Uchte und Abt Uhlhorn-Haus Loccum, im Möbellager und in der Kleiderkammer auf das Programm. Hier stellvertretend einige Eindrücke vom Besuch in Uchte.

Das Kronenkreuz der Diakonie, fanden die Delegierten am Ende des Besuches im CURA-Zentrum, sei der rechte Rahmen für eine Gruppenaufnahme.

Gut aufgehoben im Altenheim?

Die Führungsriege des Cura-Zentrums Uchte – Vera Bundgaard, Annegret Bult und Gunter Rahlfs – und der Aufsichtsratsvorsitzende Pastor Meyer-Najda nahmen sich die Zeit und stellten den Gästen die Einrichtung auf Englisch vor und machten mit ihnen einen ausführlichen Rundgang. Hinterher ermunterten sie: „Gibt es Fragen?“ „Keine Fragen“, antwortete Olga Xoliswa Mayekiso, von Hause aus Krankenschwester und im Gesundheitswesen tätig, „nur einen Kommentar“: Es sieht alles sauber und hygienisch einwandfrei aus, ist bestens eingerichtet und organisiert, die Atmosphäre wirkt freundlich, die Leute singen auf dem Flur, und wer singt, fühlt sich wohl! Die Senioren sind gut aufgehoben hier.


Auf diesem Flur blieb die Delegation hängen, denn die Senioren sangen weithin hörbar deutsche Volkslieder.

 

Aber es ist sicher teuer. Wer bezahlt das? Wer kann das bezahlen? – Gelegenheit für die deutsche Seite, von der in vielen Jahren erkämpften Pflegeversicherung für alle zu berichten. Davon können Südafrikaner nur träumen.

„Welche Rolle spielt die Kirche hier?“

Diese Frage kam von den Gästen immer – so sicher wie das Amen in der Kirche. Schließlich vertreten sie einen Kirchenkreis, den sie mit führen. „Durch die Mitgliedschaft im Trägerverein des Hauses, durch die Einbindung in das Diakonische Werk, durch regelmäßige Andachten im Haus, den Besuchsdienst der Gemeinde und die Sterbebegleitung durch den Pastor“, führte Burkhard Meyer-Najda aus.  Ein positives Bild vom Leben im Haus und der Verbindung zur Kirche entstand – da platzte der Delegierte Joe Jongolo mit einer echt südafrikanischen Frage dazwischen.

„Bei allem Respekt – meine Mutter ins Altersheim???“

Wenn ich ihr das vorschlüge, sie würde protestieren, nicht einwilligen und sagen: „Ihr, meine Kinder, seid zuständig. Ihr habt für mich zu sorgen!“ Bei uns in Afrika ist nicht eine solche Einrichtung wie hier, sondern die Familie zuständig für die Alten. Wir haben als Afrikaner Mühe, euer System (der Vorsorge) zu  verstehen. Bei uns gibt es keine solchen Altenheime. Was ich hier sehe und höre „is a good lesson for me“.– Damit war ein Fass aufgemacht! Und für jeden klar, dass hier zwei Welten aufeinander trafen.

Die südafrikanischen Gäste kommen aus dem Volk der isiXhosa, einer Gesellschaft, in der die Familie groß geschrieben wird, die weit verzweigte Großfamilie wohlgemerkt, die das soziale Netz bildet, in der jeder für die anderen Familienglieder mitverantwortlich ist und dazu steht. – Auf unserer Seite dagegen in der Regel Kleinfamilien in kleinen Wohnungen, wo auch bei gutem Willen nicht genug Platz ist, die unselbständig gewordenen Verwandten aufzunehmen, und deshalb Einrichtungen wie das Cura-Zentrum oder das Abt Uhlhorn-Haus diese Aufgabe übernehmen.

Was üblich und tagein tagaus normal erscheint, wird durch Besuch hinterfragt, plötzlich mit anderen Augen gesehen: „Sind wir auf einem guten Weg?“

Das Nachgespräch zwischen Gästen, Begleitern und Stab des Hauses berührte auch  Fragen wie diese: ob die Bewohner Heimweh haben, eigene Möbel mitbringen dürfen, was sie beim Einzug gewinnen, was verlieren, wie die Vereinzelung ohne Familie, das Alleinsein auf sie wirken und was die ehrenamtlichen Helfer alles tun.

„Hier arbeiten ist nicht immer schön“, hieß es ehrlich und provozierte eine letzte Frage nach der Motivation der Mitarbeitenden:

„What keeps the workers here to go on?“ 

Die Antwort  der Pflegedienstleiterin Bult sprach Bände: Natürlich spiele auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes eine Rolle, aber vor allem „muss man die Menschen lieben, diese Grundeinstellung muss da sein“. - Wohl denen, die in einem Haus leben, wo dieser Geist bestimmt!

Text und Fotos: Michael Flämig,

Mitglied im Partnerschaftsausschuss des Kirchekreistages

 

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