Im Lauf des Besuchs- und
Arbeitsprogramms wollten wir den Gästen auch zeigen, was gut im Kirchenkreis
Stolzenau-Loccum läuft. Stark ist er auf dem diakonischen Feld, geradezu
profiliert durch seine diakonischen Einrichtungen. Also setzten wir einen Besuch
in den Altenheimen Cura-Zentrum Uchte und Abt Uhlhorn-Haus Loccum, im Möbellager
und in der Kleiderkammer auf das Programm. Hier stellvertretend einige Eindrücke
vom Besuch in Uchte.
Die
Führungsriege des Cura-Zentrums Uchte – Vera Bundgaard, Annegret Bult und
Gunter Rahlfs – und der Aufsichtsratsvorsitzende Pastor Meyer-Najda nahmen
sich die Zeit und stellten den Gästen die Einrichtung auf Englisch vor und
machten mit ihnen einen ausführlichen Rundgang. Hinterher ermunterten sie:
„Gibt es Fragen?“ „Keine Fragen“, antwortete Olga Xoliswa Mayekiso, von
Hause aus Krankenschwester und im Gesundheitswesen tätig, „nur einen
Kommentar“: Es sieht alles sauber und hygienisch einwandfrei aus, ist bestens
eingerichtet und organisiert, die Atmosphäre wirkt freundlich, die Leute singen
auf dem Flur, und wer singt, fühlt sich wohl! Die Senioren sind gut aufgehoben
hier.
Auf
diesem Flur blieb die Delegation hängen, denn die Senioren sangen weithin hörbar
deutsche Volkslieder.
Aber
es ist sicher teuer. Wer bezahlt das? Wer kann das bezahlen? – Gelegenheit für
die deutsche Seite, von der in vielen Jahren erkämpften Pflegeversicherung für
alle zu berichten. Davon können Südafrikaner nur träumen.
Diese
Frage kam von den Gästen immer – so sicher wie das Amen in der Kirche. Schließlich
vertreten sie einen Kirchenkreis, den sie mit führen. „Durch die
Mitgliedschaft im Trägerverein des Hauses, durch die Einbindung in das
Diakonische Werk, durch regelmäßige Andachten im Haus, den Besuchsdienst der
Gemeinde und die Sterbebegleitung durch den Pastor“, führte Burkhard
Meyer-Najda aus. Ein positives Bild
vom Leben im Haus und der Verbindung zur Kirche entstand – da platzte der
Delegierte Joe Jongolo mit einer echt südafrikanischen Frage dazwischen.
Wenn
ich ihr das vorschlüge, sie würde protestieren, nicht einwilligen und sagen:
„Ihr, meine Kinder, seid zuständig. Ihr habt für mich zu sorgen!“ Bei uns
in Afrika ist nicht eine solche Einrichtung wie hier, sondern die Familie zuständig
für die Alten. Wir haben als Afrikaner Mühe, euer System (der Vorsorge) zu
verstehen. Bei uns gibt es keine solchen Altenheime. Was ich hier sehe und höre „is a good lesson for
me“.– Damit
war ein Fass aufgemacht! Und für jeden klar, dass hier zwei Welten aufeinander
trafen.
Die
südafrikanischen Gäste kommen aus dem Volk der isiXhosa, einer Gesellschaft,
in der die Familie groß geschrieben wird, die weit verzweigte Großfamilie
wohlgemerkt, die das soziale Netz bildet, in der jeder für die anderen
Familienglieder mitverantwortlich ist und dazu steht. – Auf unserer Seite
dagegen in der Regel Kleinfamilien in kleinen Wohnungen, wo auch bei gutem
Willen nicht genug Platz ist, die unselbständig gewordenen Verwandten
aufzunehmen, und deshalb Einrichtungen wie das Cura-Zentrum oder das Abt
Uhlhorn-Haus diese Aufgabe übernehmen.
Das
Nachgespräch zwischen Gästen, Begleitern und Stab des Hauses berührte auch
Fragen wie diese: ob die Bewohner Heimweh haben, eigene Möbel mitbringen
dürfen, was sie beim Einzug gewinnen, was verlieren, wie die Vereinzelung ohne
Familie, das Alleinsein auf sie wirken und was die ehrenamtlichen Helfer alles
tun.
„Hier
arbeiten ist nicht immer schön“, hieß es ehrlich und provozierte eine letzte
Frage nach der Motivation der Mitarbeitenden:
Die
Antwort der Pflegedienstleiterin
Bult sprach Bände: Natürlich spiele auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes
eine Rolle, aber vor allem „muss man die Menschen lieben, diese
Grundeinstellung muss da sein“. - Wohl denen, die in einem Haus leben, wo
dieser Geist bestimmt!
Text
und Fotos: Michael Flämig,
Mitglied
im Partnerschaftsausschuss des Kirchekreistages
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