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„Da! Halt drauf!“,
ruft Ana Alvarez dem Fotografen von der Rückbank des
Kleinflugzeugs aus zu. Der reagiert sofort, zoomt lodernde
Flammen und verbrannte Mondlandschaft heran, drückt ab.
Zeitgleich hält Alvarez mit mithilfe eines GPS-Gerätes die
Koordinaten der Orte fest, an denen illegal brandgerodet
wird. Ana
Alvarez, Projektkoordinatorin des „Brot für die
Welt“-Partners ASOCIANA, einer Organisation der
Anglikanischen Kirche, erklärt das Prinzip der Zerstörung:
„Es ist einfach: Sie
roden mit schweren Maschinen, holen alle wertvollen Hölzer
aus dem Wald und verarbeiten minderwertige zu Kohle.“ Alles
Übrige scharren Bulldozer zu großen Haufen zusammen, Feuer
erledigen den Rest. So wird Platz für Monokulturen wie Soja,
Zuckerrohr oder die ölhaltige Färberdistel geschaffen –
Erzeugnisse, die in den Industrieländern begehrt sind und
satte Gewinne versprechen. Auch Europa ist ein guter
Abnehmer. Hier landet Soja als Futtermittel in
den Trögen von Schweinen und Rindern – während im
argentinischen Chaco jene hungern, denen das Land eigentlich
gehört: die indigene Bevölkerung.
Mit den
kartographierten GPS-Daten und den Luftaufnahmen sollen dem
Umweltministerium Verstöße gegen eine einstweilige Verfügung
aus dem Jahr 2008 bewiesen werden. Diese verbietet jegliche
Rodung in der Region. Informiert wird auch der Oberste
Gerichtshof, der damals auf die Verfügung drang – seinerzeit
ein großer Erfolg für ASOCIANA.
Als wäre der Kampf gegen das Agrobusiness
nicht schwer genug, müssen sich die indigenen Völker auch
mit den Kleinbauern auseinandersetzen. Dabei treffen zwei
Welten aufeinander: Die indigenen Völker leben vom Jagen und
Fischen, vom Früchte- und Honigsammeln im Wald.
Die Nachkommen europäischer Einwanderer hingegen betreiben
extensive Viehzucht. Ihre Rinder, Ziegen und Schafe dringen
in die Wälder ein und zerstören die Lebensgrundlage der
Indigenen.
Bereits 2001 nahm ASOCIANA daher Kontakt mit FUNDAPAZ auf,
einem Partner von „Brot für die Welt“, der die
Kleinbauernfamilien berät. Man einigte sich darauf, bei der
Provinzregierung
die Vergabe von Landtiteln einzufordern. Um zu klären, wer
das Land wie nutzt, hielten die Indigenen mit GPS-Geräten
die Koordinaten ihrer Honigsammelstellen, Fisch- und
Jagdgründe fest. Und die Kleinbauern kartographierten jene
Gebiete, die sie bis dahin für ihr Vieh genutzt hatten.
Das gemeinsame Vorgehen zeitigte Erfolg:
2007 unterzeichnete der damalige Gouverneur ein Dekret, in
dem die Übergabe des Landes an die indigenen Gemeinden und
die Kleinbauern angekündigt wird. Zwar ziert sich sein
Nachfolger noch, das Dekret tatsächlich umzusetzen, doch
scheint eine friedliche Lösung des Landkonflikts greifbar
nah. Text:
Ingvild Mathe-Anglas
Foto: Florian Kopp
Was kostet wie viel?
- Farbdruck einer Satellitenkarte: 10,- EUR
- Kosten für eine Busfahrt zur Provinzregierung: 20,-
EUR
- Druck von 200 Broschüren: 200,- EUR
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie im
Internet unter www.brot-fuer-die-welt.de/
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