DENK-MAL-AN-DIAKONIE
Armut in unserer
Gemeinde
Am Tag des offenen Denkmals, der bundesweit am Sonntag, 5. September stattfindet, wird in Niedersachsen auch die Woche der Diakonie eröffnet (5.- 12. September 2010). Selbstverständlich wird die St. Peter- Paul-Kirche dann geöffnet sein. Aber sie wird nicht nur zur Besichtigung eines Denkmals einladen, sondern auch zu einer Ausstellung und zu mehreren Veranstaltungen in der Woche der Diakonie mit dem Leitgedanken: DENK-MAL-AN-DIAKONIE DIAKONIE-IN-UNSERER-GEMEINDE
Im „Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ legt es sich nahe, unter diesem Leitgedanken das Thema „Armut“ in den Mittelpunkt der Woche der Diakonie zu stellen, konkret: „Armut auf dem Land.“
Zu diesem Thema hat Anfang des Jahres das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche eine Studie vorgelegt, die nicht nur in der kirchlichen Öffentlichkeit Beachtung gefunden hat. Wir freuen uns, dass der Leiter des Instituts, Prof. Dr. Gerhard Wegner, am Mittwoch, 8. September nach Hermannsburg kommen wird, um diese Studie vorzustellen und mit uns darüber zu diskutieren.
Zur Vorbereitung der Studie wurden in fünf niedersächsischen Landkreisen Menschen befragt, die nicht über genügend Mittel für den Lebensunterhalt verfügen – und darum von Armut bedroht sind oder bereits in Armut leben.
Davon betroffen sind rund 16% der Bevölkerung unseres Landes, also jeder sechste Mitmensch, dem wir begegnen! Was diese Zahlen noch erschreckender macht, als sie ohnehin schon sind, ist das darin enthaltene Wachstum der Armut um ein Drittel in den zurückliegenden 10 Jahren. Und wenn Armut wächst, wächst auch der Reichtum zu gleichen Anteilen. An einer Faustregel kann man sich das gut verdeutlichen: die Mittelschicht ist auf zwei Drittel der Bevölkerung geschrumpft, das verbleibende Drittel verteilt sich zu gleichen Teilen auf Arme und Reiche. Und die Tendenz für diese wenig beachtete Form des Wachstums ist steigend – die soziale Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wird immer größer, Geringverdiener werden ärmer, die Spitzenverdiener werden reicher.
Noch einmal zurück zu der Studie „Armut auf dem Lande“: Es wird niemanden überraschen zu erfahren, dass Armut in ländlichen Regionen genau so verbreitet ist wie in Städten. Als ein deutlich erkennbarer Unterschied ist jedoch festzustellen, dass die von Armut betroffenen Menschen auf dem Land nicht als arm identifiziert werden wollen. Sie tun viel, um den Mangel zu verbergen. Aus Scham werden Hilfsangebote nicht genutzt oder Ansprüche auf Hilfeleistungen nicht geltend gemacht. Die Betroffenen fühlen sich beobachtet, abgehängt und ausgegrenzt.
Wenn Armutsbekämpfung nicht nur für globale Mega-Projekte stehen soll, gilt es, auch bei uns, vor Ort in Hermannsburg mit Armutsüberwindung anzusetzen. Dabei sollten drei Gesichtspunkte leiten: Armut unter uns wahrnehmen, Ursachen für die Armut erkennen, Spielräume für ihre Behebung nutzen. Dann wird zu überprüfen und zu überlegen sein, ob das ausreicht, was wir im Bereich Diakonie in unserer Gemeinde schon unternehmen – oder ob wir uns noch mehr zumuten und vornehmen können.
Zur Beantwortung dieser Fragen soll uns die bevorstehende Woche der Diakonie Aufforderung sein und Anregungen geben. Wir sind gespannt, konkrete Vorschläge dazu aus der Gemeinde zu erhalten: DENK-MAL-AN-DIAKONIE – ARMUT IN UNSERER GEMEINDE
Henrich Scheffer