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Was die Glocke geschlagen hat Die Geschichte der Kirchwehrener Glocken von Helga Lindner Glocken begleiten uns - sofern wir uns heute noch von ihnen ansprechen lassen - auf unserem gesamten Lebensweg. Sie begleiten das Kind auf seinem Weg zur Taufe, den Konfirmanden, das Brautpaar und schließlich den Toten zu seiner letzten Ruhestätte. Sie laden zum Gottesdienst ein und künden vom Tod eines Gemeindegliedes. Früheren Generationen hatten die Glocken noch viel mehr zu sagen, und ihre vielfältigen Botschaften wurden verstanden, sie strukturierten das Leben und den Alltag.
Sie war, wie schon aus der Läuteordnung hervorgeht, nicht immer allein. 1622 wurde in den Kirchenrechnungen eine Ausgabe für einen zerbrochenen Glockenklopfer vermerkt; anscheinend war also eine ältere Glocke schon vor 1617 vorhanden. In relativ kurzen Abständen musste der Klopfer an dieser Glocke immer wieder erneuert werden: 1637, 1649, 1656, und schließlich wurde die Glocke selbst 1675 vom Glockengießermeister Hans Hansen umgegossen. Das Material muss sehr spröde gewesen sein, denn schon zwanzig Jahre später wurde die Glocke von Meister Joh. Heinr. Grove wiederum neu gegossen. In der Rechnung heißt es, die alte Glocke habe 393 Pfund gewogen, wovon 25 Pfund ins Feuer gegangen seien; die neue Glocke wog 424 Pfund. Eine wesentliche Verbesserung ist aber offenbar nicht erzielt worden, denn schon 1708 war die Glocke abermals geborsten. Sie wurde sogleich wieder umgegossen, wofür Meister Thomas Riedeweg in Hannover 3 Schock Eier, 8 Pfund Flachs, 3 Pfund Wachs und 6 Pfund Talg erhielt. Doch war die Leidensgeschichte der Glocke damit noch nicht zuende.
Um die Mittel aufzubringen, hatte man in der Gemeinde zu Spenden aufgerufen. In Kirchwehren wurden 8 Taler 3 Groschen gegeben, in Lathwehren 9 Taler. Außerdem hatten das Fräulein von Alten zur Dunau 4 Taler 24 Groschen und Förster Reichenau 7 Taler gespendet Einen Zuschuss von 20 Talern genehmigte das Konsistorium. Vor Ort vergrößerte der Schmied Crull den Klöppel, und Schuster Nardten fertigte ein neues Glockenseil. Doch während des Ersten Weltkriegs fiel diese Glocke dem Rohstoffhunger der Rüstungsindustrie zum Opfer. 1917 hatte ihre letzte Stunde geschlagen, sie wurde endgültig eingeschmolzen. Die Gemeinde bekam eine Entschädigung von 762,50 Mark, die wenige Jahre später ein Opfer der Inflation wurden. Zeitweilig hat es noch eine dritte kleine Glocke ohne Klöppel gegeben, die vom Schlaghammer der Turmuhr angeschlagen wurde. 1818 wurde sie außer Gebrauch genommen und schließlich 1825 als „über-flüssig und unnütz“ verkauft. 1935 hatte man genügend Kapital für eine neue Glocke zusammengetragen, und diese wurde auf einem festlich geschmückten Wagen eingeholt, vierspännig, flankiert von vier „Ehrenjung-frauen“. Die Inschrift der Glocke entsprach dem Zeitgeist: „Gegossen im Jahr der Saarbefreiung“. Doch der nächste Krieg wurde schon eifrig vorbereitet, und so sollte der Klang der neuen Glocke die Gemeinde nicht lange erfreuen. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch sie für die Rüstung eingefordert und eingeschmolzen. Seitdem muss sich die Gemeinde mit dem Geläut einer Glocke zufrieden geben. |