PAZ-Artikel vom 03.09.2005
Strahlendes Gotteshaus mit kleinen Kostbarkeiten: Die St.-Urban-Kirche in Klein Ilsede. Pfarrer Joachim Jeska, der seit November 2003 in Klein Ilsede ist, deutet auf das restaurierte Schmuckstück – den malerischen Flügelaltar. Der Taufständer von 1726 ist ein Vermächtnis von Catharine Dorothee Metzing.
Isabell Massel (3)
Kirche
Altarbild

Kirche in Kürze

Kirche: St.-Urban-Kirche, Klein Ilsede; spätgotischer Bruchsteinbau; alter Teil um 1400 erbaut; Erweiterung um 1600; Dachreiter mit Wetterfahne von 1580.
Pfarrer:
Joachim Jeska
Sitzplätze:
150
Besonderheiten:
Flügelaltar wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert; zinnerne Taufkanne von 1701; Taufständer von 1726.
Orgel: Furtwängler von 1877

„Wenn’n von Peine üüt up’e Bunnesstrate 444 duur Lüttjen Ilse fäuert un uber’ne Anhöchte kumen is, liggt rechter Hand de Kerke. Ein mott genau henkeiken, se is nich gruut un Büme verdecket Sömmerdag de Sicht.“ Man geht „ . . . von’e Breiten Strate üüt nah de Kerke“, erfährt etwas über den „Fachwarkanbü mit griesen Balken“, wird um die Kirche geleitet und liest, „Dat de Daakreiter 1580 up et Daak kamm, vertellt de Windfahne. In de Kerke harin kummt’n up’e Südseite. Da, wu de Treppenstufen nah’n Chor rupgahet, is dat Middelstücke von einen Balken mit blage Farbe anepinselt. In witte Farbe steiht da de Tahl 1600. Tahl un Balken weiset hen up Jahr un Stelle, wann un wu de Fackwarkdeil anebüet wuren is . . .“ Über den Flügelaltar erfährt man neben anderen Einzelheiten „Mit blage Farbe in verscheidensten Tünen is an’n miersten epinselt wuren.“ 
Nachzulesen ist das unter der oben zitierten Überschrift in dem Buch „Spiegelsplitter-Speegelsplitter-Speigelsplitter“, erschienen im „Isensee Verlag Oldenburg“.
Wie unsere Kirche in dieses Buch kommt, möchten Sie wissen?
Der Herausgeber, Albert Rüschenschmidt aus Saerbeck bei Münster, bat mich vor einiger Zeit, für eine größere plattdeutsche Anthologie einen Sachtext zu schreiben. Nachdem er immer wieder beharrlich nachgefragt hatte, verfasste ich eine plattdeutsche Beschreibung unserer Kirche.
Im Januar 2008 wurde das Buch in der „Landesbibliothek Oldenburg“ vorgestellt. Es ist sehr beachtenswert, was der Herausgeber auf 600 Seiten zusammengetragen hat. Texte aus acht Bundesländern bzw. Stadtstaaten zu den Bereichen Kirche, Politik, Kultur, Literatur, um einige zu nennen. Zu den Verfassern gehören u.a. „Ministerpräsidenten bzw. Erste Bürgermeister von Stadtstaaten, Minister, Wissenschaftler, Pastoren, Lehrer sowie andere kompetente Frauen und Männer.“ (Presseinfo des Verlages)
Im Themenkreis Kirche ist St. Urban eingereiht zwischen Lambertuskirche in Oldenburg, Dom in Osnabrück, Stadtkirche St. Marien in Wittenberg, Dom in Münster, Lambertikirche Münster. Zu verstecken braucht sich unsere kleine Kirche aber nicht, auch wenn mancheiner sich beim Lesen folgender Worte wundert: „Up’e Empore, den „Hühnerwiem oder Häuhnerweim“, as de Lüttjen Ilstieschen segget, kummt’n an’e Nordwestkante uber’ne enge Wendeltreppe. De Luie, dei da buben sittet, mött beistig uppassen, dat se nich’n Kopp an den niedrigen Balkens stöttet.“
Was Besucher großer Kirchen nicht empfinden können, steht am Schluss: „Dreiht’n sik um un kikt in Richtung Üütgang, ward’n nochemal gewahr, wu eng allet is. Ein kann ahnen, dat alle, dei bei Andacht un Gottesdeinst in disse Kerke tähupe sittet, dichte beinanner sind wei’ne grute Fameilige in’e güen Stübe.“

Christina Sufka

De evangelsch-luthersche St. Urban Kerke
in Lüttjen Ilse (Klein Ilsede)

Wo der Altar Flügel hat

„Die kleinen Gotteshäuser der Region“ (14): Der Altar der St.-Urban-Kirche in Klein Ilsede ist ein echter Blickfang

Das ist unser Schmuckstück“, sagt Pfarrer Dr. Joachim Jeska und deutet auf den prächtigen Flügelaltar im Chorraum der St.-Urban-Kirche in Klein Ilsede. Diesen Hinweis hätte es gar nicht gebraucht, denn die drei in warmen Farbtönen schimmernden Tafeln des Kunstwerks ziehen sofort die Blicke der Besucher auf sich. Dabei erstrahlen die Gemälde seit kurzem in einem ganz besonderen Glanz.
Im Frühjahr 2005 wurde das wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammende Meisterstück in liebevoller Handarbeit für insgesamt 6500 Euro restauriert und am 22. Mai wieder geweiht. Die Flügel des Altars zeigen zwei Adelige von Schwicheldt mit Petrus und Johannes dem Täufer. Im Mittelteil, welches erst 1839 von dem Maler Nieß ausTaufbecken Hannover nach dem Original-Vorbild gestaltet wurde, ist eine Kreuzigungsgruppe dargestellt. Lange Zeit hingen die Bilder an der Nordseite des Chores. Erst 1961 fanden sie ihren neuen Platz auf den Altar und stellen seitdem den Blickfang des Gotteshauses dar. Aber auch über den Altar hinaus ist die Kirche reizvoll, obschon sie von außen eher schlicht wirkt. Pfarrer Jeska betont vor allem die dichte Atmosphäre durch die flache Decke. „Als Besucher fühlt man sich sofort geborgen, und der Kontakt zur Gemeinde ist sehr intensiv“, erzählt er und lenkt dann den Blick auf die Anfänge der Kirche.
Wie lange das Gotteshaus schon besteht, ist jedoch nicht genau bekannt. Der Ort Klein Ilsede findet erstmals 1345 als „luttiken Ylsede“ urkundliche Erwähnung. Irgendwann im 14. Jahrhundert wurde dann der spätgotische Bruchsteinbau errichtet. Im Jahre 1600 fand eine Erweiterung des Gebäudes um einen mehreckigen Chor aus Fachwerk zur Ostseite statt. Mit Aufkommen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Gemeindemitglieder stetig an. Schnell bot die kleine Kirche nicht mehr genug Raum und die Verantwortlichen beschlossen, eine neue Empore einzubauen. Große Veränderungen erfuhr die Kirche auch 1877 beim Einbau einer Furtwängler-Orgel. Ihr musste der barocke Altar weichen. Seitdem steht das Instrument im Chorraum hinter einem schlichteren „Tisch des Herren“, der erst – wie erwähnt – 1961 eine Aufwertung durch die Epitaphe erhielt.
An Altargeräten sind zwei silberne Abendmahlskelche, eine zinnerne Taufkanne von 1701 und eine Weinkanne vorhanden. Lautstarke Kostbarkeiten stellen die beiden Glocken dar, die im mit graublauem Schiefer gedeckten Dachreiter hängen. Die eine stammt von 1724 und die andere von 1972. Das kleine Gotteshaus beherbergt noch zahlreiche andere kleinere Schätze wie einen Taufständer von 1726, verschiedene Kruzifixe sowie eine alte Bibel. Pfarrer Jeskas Einschätzung über den malerischen Flügelaltar könnte somit auch auf die gesamte Kirche übertragen werden: Ein echtes Schmuckstück.

Der Taufweg

 

Große Veränderungen gab es während der letzten Monate um unsere Kirche herum. Sie werden es alle bemerkt haben. Die Eingangspforten waren ausgehängt, der Asphalt und die alten Gehwegplatten wurden entfernt. Es mussten größere Erdbewegungen vorgenommen, werden, bevor Firma Michel neu pflastern konnte. Aber das war noch nicht alles. Ist Ihnen aufgefallen, dass viel mehr verändert wurde, als nur der Belag des Weges? Ich lade Sie ein, den Weg gedanklich mit mir zu gehen, um Sie auf alle Neugestaltungen aufmerksam zu machen.
Wir betreten am Haupttor von der Breiten Straße aus den neuen Weg. Rote Steine im Ziegelformat führen geschwungen auf die Kirche zu. Dahinter steht der Gedanke, dass man sich durch die Taufe hindurch der Kirche nähert. Die leichten Schwingungen des Weges symbolisieren das Wasser der Taufe, das sich vor der Kirchentür in einem „See“ sammelt. Jeder Weg zur Kirche eine Tauferinnerung!
Der TaufwegPassend dazu fand gleich vorne links an der Pforte das Taufbecken des Konfi-Jahrgangs 2007 seinen neuen Platz, daneben steht die fröhlich-bunte Bank des Konfi-Jahrgans 2011. Ein Stück weiter, nahe bei der Eberesche, dem Geschenk der Partnergemeinde Weissenborn, finden sich drei Grabsteine aus dem 19. Jahrundert, die beim Abbruch der kleinen Mauer zum Ehrenmal ausgegraben wurden. Sie sollen daran erinnern, dass früher der Friedhof direkt an der Kirche lag. Von hier aus ist gut zu sehen, dass der neue Weg in leichter Steigung zum Vorplatz der Kirche führt. Die Stufe vor der Kirche ist verschwunden. Nun können Rollatoren oder Kinderwagen mühelos von draußen nach drinnen gerollt werden. Der Vorplatz ist deutlich größer geworden: bei den sommerlichen Kirchenkaffees, nach Trauungen, Konfirmationen oder besonderen Gottesdiensten reichte bisher der Platz oft nicht aus für alle Gäste. Begrenzt wird der „Taufsee“ durch hohe Buchsbaumkegel und bunte Hortensien. Auch der Weg an der Westseite der Kirche zur Straße „Im Schlage“ schlängelt sich jetzt ein wenig. Der Zugang wurde verlegt auf die andere Seite der großen Kastanie, mit dem Effekt, dass nun auch hier keine Stufen mehr den Weg zur Kirche behindern. Last not least schmücken drei neue stilvolle Außenlampen die Kirche, und verbreiten in der dunklen Jahreszeit besonders heimeliges Licht.
Der Zugang zum Ehrenmal, das nicht der Kirchengemeinde gehört, sondern der Kommune, erfuhr ebenfalls einige Veränderungen. Einer der Pfeiler, die die Treppenstufen eingrenzen, wurde abgetragen und neu gesetzt. Der Aufgang ist schmaler geworden und fügt sich so harmonischer in das Gesamtbild von Kirche und Ehrenmal ein. Der Höhenunterschied vom Weg zur Rasenfläche des Ehrenmals – früher getrennt durch die niedrige Mauer, wurde ausgeglichen und mit Rasen eingesät. Die Kommune stimmte den Veränderungen am Ehrenmal zu, die Kosten übernimmt jedoch die Kirchengemeinde.
EinweihungAm Erntedankfest wurde unser wunderschöner neuer Weg würdig eingeweiht. Vor der Kirchentür zerschnitten Pastor und Kirchenvorstand am Ende des Gottesdienstes ein rotes Band, nachdem Pastor Jeska einen Segen gesprochen hatte. Dann nahm die große Gemeinde Taufweg und Taufsee „in Besitz“. Bei verschiedenen Suppen und Wein zog sich der Talk am (Kirch)Turm bei sommerlichen Temperaturen bis in den frühen Nachmittag hin.
Zwei Jahre hat die Planung gedauert. Etliche Sitzungen des Kirchenvorstands und viele Telefonate und Besprechungen vor Ort mit den Fachleuten vom Amt für Bau- und Denkmalpflege waren nötig, bis endlich das Konzept des Taufweges abgesegnet war. Eine Neugestaltung in diesem Umfang konnte nur mit Hilfe der Erbschaft von Frau Hildegard Lange finanziert werden
Firma Michel richtete die 5-wöchigen Bauarbeiten so ein, dass zum sonntäglichen Gottesdienst der Zugang zur Kirche möglich war. Ein besonderer Dank geht an den Firmeninhaber Joachim Michel – er gab wichtige Hinweise und Tipps - und an seine Mitarbeiter, die teilweise in mühevoller Handarbeit Erde und Kies bewegen mussten. Das Ergebnis der guten Zusammenarbeit ist sehenswert! Ein besonderer Dank geht an Pastor Jeska für die Idee des „Taufweges“ und an Wolfgang van Heesch vom Kirchenvorstand für sein zeitintensives Engagement!

 

Ingrid Strüwe