Susanne: Guten Morgen!
Ingrid: Guten Morgen!
Klaus: Guten Morgen!
Susanne:
Habt ihr schon die Sektgläser rausgeholt?
Ingrid: Wer hat denn Geburtstag?
Susanne:
Unnsinn - keiner hat Geburtstag! Was Besseres!
Klaus: Ist deine Scheidung jetzt durch?
Susanne:
Da kannst du lange warten. Nee, aber wißt ihr denn nicht? Der
Karsten?
Klaus: Was ist mit dem?
Susanne: Mensch, ihr kriegt wohl gar nichts mit! Die haben 6 Richtige
gehabt.
Ingrid: Hör auf, das gibts doch gar nicht!
Susanne: Doch, ich hab das von Gaby, die war am Samstag abend noch kurz
bei ihnen drüben, kurz nach der Ziehung. Gaby sagt, die
sind völlig ausgetickt. Da ist sie lieber gleich wieder
gegangen. Weißt du, was die kriegen? Ein bißchen mehr
als eine Million!!
Ingrid: Eine Million! Was machen die bloß mit soviel Geld?
Klaus: Da sehe ich keine Probleme. Guck mal raus, vielleicht steht da
unten auf dem Parkplatz schon ein Porsche!
Susanne: Gaby sagt, die wollen sich jetzt erstmal ein großes Haus
kaufen, mit Swimming-Pool und Sonne und Alpenblick und so.
Klaus: Typisch Karsten - ein bißchen bieder war er schon immer.
Ingrid: Ob der heute überhaupt noch zur Arbeit kommt?
(Telefon klingelt)
Susanne: (nimmt Hörer ab)
Ja, hier Brauerei Hopfen und Malz AG ... ja, hier ist der
Vertrieb ... ja, können wir liefern ... der Preis? Eine
Million. ... wieso zu teuer? ... ja, vielleicht das
nächste Mal ... auf wiederhören.
Ich würde jetzt erstmal einen draufmachen, wenn ich der Karsten
wäre. Drei Monate Ferien, auf Hawaii oder in Florida.
Klaus: Vielleicht lädt er uns ja ein. Aber wie ich den Karsten kenne,
schenkt er höchstens Helga ein paar Klunker und legt
das Übrige sicher an, und dann macht er weiter wie bisher.
Ingrid:
Wie haben die das eigentlich verkraftet, als sie das hörten?
Susanne: Gaby sagt,
Helga hat sofort beschlossen, daß sie jetzt einen
Monat lang nicht mehr kocht und sie dafür essen gehen,
jeden Tag woanders hin. Die Kinder sind ja noch zu
klein, um das richtig mitzukriegen; Tobias wollte nicht
mehr zur Schule gehen. Er meinte, als Sohn eines
Millionärs braucht er das nicht mehr. Und er will jetzt
einen eigenen Fernseher haben.
Klaus: Die müssen sich ganz schön umstellen - Hat man ja schon gehört,
daß eine Ehe so was schlecht verkraftet, wenn einer
plötzlich das große Geld hat. Ingrid, du hast doch da
Erfahrung, dein Mann bringt ja auch einiges nach Hause,
oder?
Ingrid: So lange ist das ja auch noch nicht so. Ich kann mich noch gut
erinnern, wie das war, als Werner noch wenig verdiente,
und ich konnte nicht arbeiten; Das war ziemlich eng.
Klaus: Aber jetzt habt ihrs doch geschafft.
Ingrid: Ja, aber manchmal habe ich das Gefühl, früher ging es uns
besser. Ich weiß noch, wir hatten damals so wenig Geld,
daß ich für uns beide manchmal nur ein Schnitzel gehabt
habe, das ich dann in zwei dünne Teile geschnitten und
paniert und schön dekoriert habe, damit es nach was
aussah. Heute haben wir kein Problem, einfach mal essen
zu gehen, aber damals war es noch was anderes.
Susanne: Also, wie das früher gewesen sein muß - einfach schrecklich.
Ingrid: Ich kann mich sogar noch an die Zeit kurz nach dem Krieg
erinnern. Ich war da ja noch ganz klein. Wir lebten auf
dem Hof bei meiner Oma. Und dann saßen am Mittagstisch
auch noch Flüchtlinge und ehemalige Fremdarbeiter und
manchmal auch Soldaten auf dem Weg nach Hause. Manchmal
war das ziemlich wildes Volk, und es war auch oft
knapp. Aber wenn meine Oma am Anfang das Tischgebet
sprach, dann waren auch die wilden Kerle da artig und
zahm.
Klaus: Ich glaube, der Karsten ist gerade unten auf dem Parkplatz.
Susanne: Laß mal sehen, was hat er denn für ein Auto?
Klaus: Seinen grünen Mercedes, wie immer.
Susanne: Hach, so was Schäbiges!
Ingrid: Gleich kommt er!
Susanne: Heute wird nicht mehr gearbeitet, heute wird gefeiert!
Klaus: Hoffentlich hat er das nötige Kleingeld mitgebracht.
Karsten: Guten Morgen, tut mir leid, daß ich zu spät bin. Ich
mußte erst noch Helga mit dem Kleinen zum Arzt bringen, der hat irgendwas am Ohr.
(setzt sich)
(Pause)
Susanne: Sag mal, wie fühlt man sich eigentlich so, Karsten?
Karsten: Wie fühlt man sich? Kann nicht klagen, der Rücken ist
wieder o.k..
Klaus: Komm, spuck aus, wie fühlt man sich mit so viel Geld?
Karsten: Was soll'n das? Soviel verdiene ich nun auch wieder
nicht.
Klaus: Sei ehrlich, wie fühlt man sich als Lottokönig?
Karsten: Wieso Lottokönig? Ich habe noch nie getippt oder so.
Ingrid: Susanne hat uns erzählt, sie hat von Gaby gehört, daß ihr einen
Haufen Geld gewonnen habt.
Karsten: Wieso kommt Gaby darauf? Ach so - jetzt weiß ich. Gaby
war ja Samstag noch kurz bei uns. Und unser Großer,
Tobias, der spielt in der Schule in so einem Stück mit
über eine Familie, die sechs Richtige haben. Und wir
haben das am Samstag gerade noch mal geübt, weil doch
heute die Aufführung ist. Und die Gaby war
zwischendurch kurz da - die muß das irgendwie in den
falschen Hals gekriegt haben. Der Tobias spielt das
wirklich ziemlich gut.
(Pause)
Klaus: Ach so.
Susanne: Aus der Traum.
Ingrid: Vielleicht sollten wir dann unser Geld doch
wieder mit Arbeit verdienen.
(Telefon klingelt)
Susanne: (nimmt Hörer ab) Guten Morgen, hier Brauerei Hopfen und Malz
AG ... Nett, daß Sie noch mal anrufen ... Sie wollten noch mal über den Preis sprechen?
Ja, wir könnten Ihnen da vielleicht ein ganz besonderes Angebot machen ... .