| Das Wunder der Schöpfung | ![]() |
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| © Walter Faerber | ||
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2 Der Himmel verkündet es: Gott ist groß |
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Wer sich unbedingt von Gott abschotten will, den kann man nur davor warnen, sich einfach so in die Natur hineinzubegeben; zu groß ist die Chance, dass sich in sein Herz auf einmal etwas Ehrfürchtiges und Überwältigendes einschleicht. Und wer darauf achtet, was eigentlich die Botschaft dieses Eindrucks ist, der wird merken: am besten passt dazu das Staunen über die Größe Gottes, der so ein gewaltiges Heer der Sterne aufbietet. Und all die Entdeckungen der modernen Naturbeobachtung sind eigentlich geeignet, um diesen Eindruck noch zu verstärken. Wir haben ja erst mit Hilfe von Teleskopen und Berechnungen herausgefunden, welche gewaltigen, unermesslichen Räume sich da oben auftun. Ein moderner Übersetzer der Psalmen hat das in einer interpretierenden Übertragung so ausgedrückt: »Die Milchstraßen singen Gottes Ruhm. All diese Wunder des Himmels sind eben nicht stumm und tot, sondern der Psalm spricht davon, dass sie eine eigene Sprache haben, die man einerseits nicht laut hören kann, und deren Ruf doch unüberhörbar ist. Diesen scheinbaren Widerspruch beschreibt die Übersetzung, die ich eben vorgelesen habe, so: »Seine Sprache ist wortlos, D.h., von der Schöpfung geht eine Wirkung aus, die nicht vordergründig
und propagandistisch ist, der man sich aber gar nicht so einfach
entziehen kann. Sie macht nicht laut und lärmend auf sich aufmerksam,
aber sie spricht kontinuierlich in unsere Seele hinein. Die Schöpfung redet
Alle diese - ich nenne es mal: Impulse - also alle diese Impulse, die aus der Schöpfung heraus uns erreichen, die sind nun aber nicht eindeutig und unverwechselbar; in all ihrer Eindringlichkeit bleiben es doch immer nur Hinweise, gegenüber denen man sich auch verschließen kann. Das ist gemeint, wenn es im Psalm über die Schöpfung heißt: 4 Kein Wort wird gesprochen, kein Laut ist zu hören, 5 und doch geht ihr Ruf weit über die Erde bis hin zu ihren äußersten Grenzen. Auch das Reden Gottes durch die Schöpfung ist wie alles Reden Gottes nicht so, dass uns keine andere Wahl bleibt als darauf zu hören. Gott dröhnt uns nicht zu, er beschwatzt uns nicht pausenlos, er ist nicht laut und aufdringlich. Es ist ein Rufen und Werben, das unser echtes Ich erreichen will. Es ist beständiges ruhiges Mitreden, das seine Wirkung tun wird. Man muss sich deutlich machen, wie sehr in der Bibel immer die Natur mitredet. Jesus z.B. verbrachte viel Zeit draußen. Er redete nicht in einem Kongresssaal, sondern am See Genezareth, auf einem Berg oder in der Wüste. Er machte mit seinen Jüngern lange Wanderungen von einem Ort zum anderen. Er fuhr mit ihnen im Boot auf dem See Genezareth - und jeder von uns, der schon mal Boot gefahren ist, weiß, dass es ein ganz eigenes Gefühl ist, in einem kleinen Boot auf dem Wasser zu sein. Wer weiß, ob nicht die Vögel über Jesus kreisten, als er davon sprach, dass Gott sich auch um die Spatzen kümmert. Und ob er nicht auf echte Blumen zeigte, als er von der Schönheit der Lilien auf dem Felde sprach. Seine Taufe fand im Freien statt, unter dem offenen Himmel Gottes. Und viele seiner Gleichnisse waren plausibel, weil die Menschen die Anschauung von Saat und Ernte vor sich hatten. Deshalb ist es so schade, dass wir heute immer mehr dazwischenschieben zwischen uns und die ursprüngliche Schöpfung. Natürlich ist das viel komfortabler, wenn wir geheizte Häuser haben und im Auto durch die Welt fahren, aber es entgeht uns auch ganz viel. Sie wissen wahrscheinlich, dass ich im Augenblick die Vertretung in Klein Ilsede mache, und ich habe mir am Anfang fest vorgenommen, wenn es irgend geht, den Weg dorthin mit dem Rad zu machen und nicht mit dem Auto. Und das habe ich bis jetzt auch ziemlich konsequent durchgehalten. Es hat ja auch in den letzten Wochen selten geregnet. Und ich merke, wieviel mir das gibt, wenn ich zwischendurch diese paar Minuten in den Feldern und Wiesen habe. Es ist einfach schön da, und ich komme danach erfrischt und mit guten Gedanken dort an. Natürlich würde ich mit dem Auto ein paar Minuten sparen, aber mir würde so viel entgehen. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen ich genauso genervt war wie die beiden Mädchen vorhin in der Szene von dem Naturgetue der Erwachsenen. Wir hatten an unserer Schule einen Kunstlehrer, und immer, wenn in der Nähe der Schule ein neues Haus gebaut wurde, dann klagte er darüber, dass uns der ganze Himmel zugebaut wird. Wir haben damals darüber gelacht. Wir fanden das albern. Heute verstehe ich, was er damit gemeint hat. Wo hat man bei uns eigentlich noch einen weiten Blick bis zum Horizont? Wir müssen rausgehen aus den Städten, bevor man den Blick frei schweifen lassen kann. Je größer die Stadt ist, um so kleiner wird das Stück Himmel, das man noch sehen kann. Das Erlebnis, unter einem gewaltigen Himmel zu stehen, ist für viele aus ihrem Alltag verschwunden. Genauso, wie man im Alltag nur noch selten das Erlebnis von wirklicher Stille hat, weil überall künstliche Lärmquellen stören. Und wie überall die Landschaft verschandelt ist durch weggeworfene Reifen, Getränkedosen, Papier und anderen Unrat. Und trotzdem passiert es auch heute, dass einer überwältigt wird
vom Anblick einer Sternschnuppe, vom Gedanken an die Massen von
Sternen, die da oben rumhängen, oder vom Rauschen des Windes in
den Bäumen. Ich habe die Vorkonfirmandinnen vorhin gebeten, etwas
über unseren Abendspaziergang bei der Konfirmandenfreizeit zu schreiben,
weil wir das da ganz regelmäßig erleben, dass die Gruppen tief beeindruckt
sind von dieser herrlichen Landschaft im Harz. Dieser Eindruck sucht
sich seinen Weg zu den Herzen. Man kann das nicht erzwingen, aber
es passiert eben ganz verlässlich, dass Menschen angesprochen werden
von der Stimme der Schöpfung, wenn sie ihr Herz nicht ganz dagegen
abschotten.
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