In diesem Gottesdienst geht es um die Frage, weshalb wir oft gehemmt sind, Gott zum Thema unserer Gespräche zu machen. Zur Ursachenforschung gehört auch ein illustrierter Abstecher in die Kirchengeschichte.

zur Predigt ...

Ablauf dieses Gottesdienstes:


Musik zum Anfang (Orgel)

1. Szene: Im Fitnesscenter
Zwir Frauen kommen auf dem Trimmrad über den Glauben ins Gespräch.
Das Stück ist erhältlich in der Willow-Creek-Edition und wurde von uns bearbeitet.

Begrüßung:
So kann es elektrisieren, wenn eine es schafft, von Gott zu reden, und sei es auch noch so zaghaft. Da bekommt auch eine gestresste und müde Mutter neue Energie. Von Gott zu reden macht glücklich. Ich begrüße Sie und euch deshalb heute in unserem »Besonderen Gottesdienst« mit dem Titel: »Endlich von Gott reden - das Selbstverständliche aussprechen«. Es gibt viele, die sich das wünschen und hoffen, dass genau das möglich wird: endlich unbefangen von Gott zu reden.

Die Linda hat da anscheinend mit den Leuten in ihrem Hauskreis lange drüber nachgedacht: wie kann man von Gott reden, wie kommt man mit Menschen so ins Gespräch, dass Gott ein Thema wird. Und auf einmal realisiert sie, dass sie in genau der Situation ist, auf die sie sich vorbereitet hat, und vor der sie natürlich auch Angst gehabt hat. Aber als sie dann vorsichtig und sicher auch nicht 100prozentig geschickt einen Anfang macht, da erlebt sie, dass sie auf Resonanz stößt. Für die andere ist das gar keine Zumutung, im Gegenteil, sie ist sogar ein bisschen interessiert, vor allem, als sie merkt, dass da auch für ihr Problem mit den Kindern eine Lösung oder eine Hilfe liegen könnte.

Und dieser kleine Schritt nach vorn reicht aus, um Linda für den Rest des Tages fröhlich zu machen und wahrscheinlich sinkt sie am Abend erschöpft wie immer, aber mit einem guten Gefühl ins Bett.

Denn es macht uns froh, wenn wir den Durchbruch schaffen und situationsangemessen Gott ins Gespräch bringen. Wir sind dann nahe an unserer Bestimmung, und das tut uns immer gut. Und es ist unsere Bestimmung, mit Gott zu leben, und dann auch von ihm zu reden, denn wir sind so, dass wir über alles reden wollen, das uns bewegt, das ist auch eine Grundbestimmung des Menschen. Eigentlich ist Gott das Selbstverständlichste von der Welt. Und dann müssten wir dieses Selbstverständliche auch aussprechenkönnen.

Wenn das aber bei Gott nicht so richtig zu klappen scheint, dann muss es etwas geben, was uns ausbremst. Es muss einen besonderen Grund geben, weshalb wir über alles gern erzählen, aber das Thema Gott lähmt Menschen die Zunge. Warum? Auch darüber wollen wir nachdenken.

Aber auch schon bevor wir das alles zu Ende bedacht haben, wollen wir Gott loben und ihn unter uns willkommen heißen. Bis wir das gedanklich alles sauber geklärt haben, das kann dauern. Wir werden auch vorher schon den großen Gott loben.

Lied: Groß ist unser Gott (aus: Feiert Jesus 2, 41)
Lied: Über alle Welt (aus: Feiert Jesus 2, 180)
Lied: Keiner ist wie du (aus: Feiert Jesus 2, 49)

Gebet

Lesung (Apostelgeschichte 10,24-44)
24 Am Tag darauf kamen sie in Cäsarea an. Kornelius hatte seine Verwandten und die engsten Freunde zusammengerufen und erwartete sie. 25 Als Petrus durchs Hoftor trat, kam ihm Kornelius entgegen und warf sich vor ihm nieder. 26 Doch Petrus zog ihn hoch und sagte: »Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch!«

27 Er sprach noch weiter mit ihm und betrat dabei das Haus. Als er die vielen Leute sah, 28 sagte er zu ihnen: »Ihr wißt, daß ein Jude nicht mit einem Nichtjuden verkehren und vollends nicht sein Haus betreten darf. Aber mir hat Gott gezeigt, daß ich keinen Menschen als unrein oder unberührbar betrachten soll. 29 Deshalb bin ich eurer Einladung ohne Widerrede gefolgt. Aber jetzt möchte ich doch gern erfahren, warum ihr mich gerufen habt!«

30 Kornelius antwortete: »Es war vor drei Tagen, ungefähr zur selben Zeit wie jetzt. Ich betete hier im Haus zur Gebetszeit um drei Uhr nachmittags, als plötzlich ein Mann in leuchtendem Gewand vor mir stand 31 und sagte: 'Kornelius, Gott hat deine Gebete erhört, und er will dir das Gute vergelten, das du den Armen getan hast. 32 Schicke darum Boten nach Joppe und laß Simon mit dem Beinamen Petrus zu dir bitten! Er ist zu Gast beim Gerber Simon unten am Meer!' 33 Da habe ich sofort zu dir geschickt, und ich freue mich, daß du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott versammelt und bereit zu hören, was der Herr dir aufgetragen hat.«

34 Petrus begann zu sprechen: »Wahrhaftig, jetzt begreife ich, daß Gott keine Unterschiede macht! 35 Er liebt alle Menschen, ganz gleich, zu welchem Volk sie gehören, wenn sie ihn nur ernst nehmen und tun, was vor ihm recht ist. 36 Seinem Volk Israel hat er die Botschaft verkünden lassen, daß er Frieden gestiftet hat durch Jesus Christus - aber dieser Jesus Christus ist ja der Herr über alle! 37 Ihr habt sicherlich erfahren, was sich im jüdischen Land zugetragen hat, beginnend in Galiläa, nachdem Johannes zur Taufe aufgerufen hatte. 38 Ihr wißt von Jesus aus Nazaret, den Gott zum Retter bestimmt und mit seinem Geist und seiner Kraft erfüllt hat. Wo er hin kam, tat er Gutes und heilte alle, die der Teufel in seiner Gewalt hatte; denn Gott stand ihm bei. 39 Wir können alles bezeugen, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat.

Die Juden töteten ihn, sie hängten ihn ans Kreuz, an das Fluchholz. 40 Aber Gott hat ihn am dritten Tag vom Tod auferweckt und ihn sichtbar erscheinen lassen - 41 nicht vor dem ganzen Volk, sondern vor den Zeugen, die er im voraus dazu bestimmt hatte. Wir, die Apostel, sind diese Zeugen; wir haben mit Jesus gegessen und getrunken, nachdem er von den Toten auferstanden war. 42 Und uns gab Jesus den Auftrag, dem Volk Israel zu verkünden und zu bezeugen, daß er von Gott zum Richter über die Lebenden und die Toten eingesetzt ist. 43 Alle Propheten haben von ihm gesprochen; sie bezeugen, daß durch die Macht seines Namens alle Menschen die Vergebung ihrer Schuld empfangen sollen, alle, die auf ihn vertrauen.«

44 Petrus hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da kam der Heilige Geist auf alle herab, die bei Kornelius versammelt waren und die Botschaft hörten.

Lied: Man lobt dich in der Stille (Evangelisches Gesangbuch 323)

Ansprache mit Bildern: Ein Abstecher in die Kirchengeschichte

Warum ist das für uns nicht selbstverständlich, einfach und unbefangen von Gott zureden, so wie Petrus das kann vor ganz fremden Leuten im Haus des Kornelius? Warum ist das anscheinend für uns ein Problem? Sind die Menschen einfach verstockt, wenn sie sich dagegen verschließen? Was ist da los? Damit wir das besser verstehen, möchte ich ein paar Bilder zeigen, die uns ganz schlaglichtartig zeigen sollen, woher das eigentlich kommen könnte, dass es kein einfaches Geschäft ist, von Gott zu reden.

tribunal.jpgIn diesen Wochen läuft im Fernsehen eine Serie mit dem Titel »Die geheime Inquisition«. Da wird erinnert an ein ganz dunkles Kapitel aus der Geschichte der Christenheit. Die Zeit, in der die Kirche mit Gewalt und Druck versucht hat, die Menschen in das offizielle Denksystem hineinzuzwingen und dort eingesperrt zu halten. Aus der befreienden Botschaft Jesu wurde eine Parteilinie, und die Menschen wurden mit Druck und Drohung auf Linie gebracht.

 

gefangen.jpgWehe, wenn du als Abweichler enttarnt wurdest! Dann konntest du schnell in die Kerker der Gedankenpolizei geraten. Diese kirchliche Gewalt nach innen war noch viel schlimmer als der Gesinnungsdruck der Pharisäer, gegen den Jesus gekämpft hatte.

 

ritter.jpg 

Und zu der Gewalt nach innen kam die Gewalt nach außen:

Mehrere Jahrhunderte lang führte die Elite des christlichen Abendlandes Krieg um Israel, Krieg um Jerusalem und die Heiligen Stätten. Die Kreuzzüge bedeuteten schreckliche Gewalt für alle, die mit diesen Vertretern des christlichen Abendlandes zu tun bekamen.

morden.jpgeroberung_jerusalem.jpg 

Bei der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug gab es ein schreckliches Gemetzel an den Einwohnern. Das Blut floss durch die Stadt wie Wasser nach einem Wolkenbruch. Über all legen Leichen. Und die Eroberer plünderten ausgiebig, bevor sie in sauberen Kleidern Gott für diesen Sieg dankten.

Können Sie sich vorstellen, wie sehr es dem Reden von Gott schadet, wenn Menschen unter der Parole »Gott will es« (das war der Slogan der Kreuzfahrer) losziehen und so etwas anrichten?
Ich könnte hier auch Bilder vom europäischen Bürgerkrieg zeigen, dem Dreißigjährigen Krieg, der vor allem in Deutschland ausgetragen wurde, und der zumindest am Anfang ein Religionskrieg zu sein schien. Dieser Krieg hat unser ganzes Volk für lange Zeit traumatisiert, und die Folgen spüren wir bis heute. Ist es ein Wunder, dass dadurch im Bewusstsein von Menschen das Bild des echten Jesus entstellt wird? Deswegen wollen wir uns nach diesen schrecklichen Bildern noch einmal an das echte Bild Jesu erinnern.

einzug_jesus.jpgJesus ist nicht mit Mord und Gewalt in Jerusalem eingezogen, sondern als Freund der Menschen, und sie haben das verstanden und haben ihn begeistert willkommen geheißen. Und das ist etwas ganz anderes als das, was die Staatskirche dann im Mittelalter daraus gemacht hat. Trotzdem, es ist etwas hängengeblieben am Namen Jesu, und das belastet uns bis heute. Und wir werden erst dann wieder selbstverständlich von Gott reden können, wenn wir einen deutlichen Trennungsstrich gezogen haben und uns aus dieser gewalttätigen Vergangenheit gelöst haben.

Dann wird uns das nicht mehr belasten und wir können wiederganz unbefangen von dem reden, was Jesus für uns und die Menschen der ganzen Welt getan hat.

Lied: Ich kann nicht schweigen (aus: Feiert Jesus 2, 214)
Predigt
Lied: Ich weiß, woran ich glaube (Evangelisches Gesangbuch 357)
Abkündigungen
Lied: Ist Gott für mich, so trete ... (Evangelisches Gesangbuch 351)
Fürbitte
Vaterunser
Entlassung
Segen
Lied: Segne uns, o Herr (aus: Feiert Jesus 2, 171)


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