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Jesus
sagte: 3 »Hört zu! Ein Bauer ging aufs Feld, um zu
säen. 4 Als er die Körner ausstreute, fiel ein Teil von
ihnen auf den Weg. Da kamen die Vögel und pickten sie auf. 5
Andere Körner fielen auf felsigen Grund, der nur mit einer
dünnen Erdschicht bedeckt war. Sie gingen rasch auf, weil sie
sich nicht in der Erde verwurzeln konnten; 6 aber als die Sonne
hochstieg, vertrockneten die jungen Pflanzen, und weil sie keine
Wurzeln hatten, verdorrten sie. 7 Wieder andere Körner fielen
in Dornengestrüpp, das bald die Pflanzen überwucherte
und erstickte, so daß sie keine Frucht brachten. 8 Andere
Körner schließlich fielen auf guten Boden; sie gingen
auf, wuchsen und brachten Frucht. Manche brachten dreißig
Körner, andere sechzig, wieder andere hundert.« 9
Und Jesus sagte: »Wer Ohren hat, soll gut zuhören!« ... 13
Jesus fragte die Zwölf und die anderen Jünger: »Versteht
ihr dieses Gleichnis denn nicht? Wie wollt ihr dann all die
anderen Gleichnisse verstehen? 14 Der Bauer, der die Samenkörner
ausstreut, sät die Botschaft Gottes aus. 15 Manchmal fallen
die Worte auf den Weg. So ist es bei den Menschen, die die
Botschaft zwar hören, aber dann kommt sofort der Satan* und
nimmt weg, was in ihr Herz gesät wurde. 16 Bei anderen ist es
wie bei dem Samen, der auf felsigen Grund fällt. Sie hören
die Botschaft und nehmen sie sogleich mit Freuden an; 17 aber sie
kann in ihnen keine Wurzeln schlagen, weil diese Leute unbeständig
sind. Wenn sie wegen der Botschaft in Schwierigkeiten geraten oder
verfolgt werden, werden sie gleich an ihr irre. 18 Wieder bei
anderen ist es wie bei dem Samen, der in das Dornengestrüpp
fällt. Sie hören zwar die Botschaft, 19 aber sie
verlieren sich in ihren Alltagssorgen, lassen sich vom Reichtum
verführen und leben nur für ihre Wünsche. Dadurch
wird die Botschaft erstickt und bleibt wirkungslos. 20 Bei anderen
schließlich ist es wie bei dem Samen, der auf guten Boden
fällt. Sie hören die Botschaft, nehmen sie an und
bringen Frucht, manche dreißigfach, andere sechzigfach,
wieder andere hundertfach.« |
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Kennen
Sie die Trauer Gottes um ein Leben, aus dem er nicht machen kann,
was eigentlich daraus werden soll? Können Sie etwas davon
fühlen, wie es in Gottes Herzen aussehen muß, wenn er
ein Leben lang versucht, immer wieder mit einem Menschen ins
Gespräch zu kommen und immer wieder stößt er auf
nachhaltige Abwehr? Gottes Problem ist ja nicht das, was unser
Problem wäre: daß wir uns verletzt und abgelehnt fühlen
würden, wenn jemand uns so beharrlich zurückweisen
würde. Gott denkt daran, was aus einem Menschenleben alles
werden könnte, wenn er da wirklich mit hinein dürfte.
Was könnte er da alles tun, damit man im Rückblick nicht
sagen muß: mein Leben war ein einziger Terminkalender. Mein
Leben war eine einzige Plackerei. Oder auch: mein Leben war
eigentlich ohne besondere Bedeutung. Es ist eigentlich gar nicht
viel passiert in meinem Leben.
Gott
möchte ja mit seiner ganzen Größe in unser kleines
Leben kommen und dafür sorgen, daß wir dabei sind, wenn
er die Welt zu seinem Ziel bewegt. Gott möchte uns miterleben
lassen, wie Menschen befreit werden von Lasten, die sie ein Leben
lang getragen haben; wir sollen dabei sein, wenn unerträglicher
Druck weicht, wenn Trauer und Depression ihre Macht verlieren; wir
sollen es auch an uns selbst erleben, wie Gott spricht und Friede
einzieht in unsere aufgewühlte Seele. Wir sollen Zeugen sein,
wenn Menschen gesund werden, wenn Gebete erhört werden und
Unheil abgewendet wird, wir sollen staunen darüber, wie
Mächte gestürzt werden, die Menschen in ihrer Gewalt
gehabt haben, und wir sollen die Freude erleben, daß
Menschen umkehren und das Leben wählen, statt dem Tod, der
Gewalt und dem Hochmut zu dienen.
Gott
möchte, daß wir Jünger und Jüngerinnen Jesu
sind, daß wir ihm nachfolgen, und das heißt nicht, daß
wir Jesus imitieren, sondern daß wir unser Leben so leben,
wie er es leben würde. Das ist das Ziel für jedes
Menschenleben, und Besseres kann niemandem geschehen.
Mit
diesem Angebot begegnet Gott uns, und wir erleben es als Zumutung,
weil wir uns so gewöhnt haben an unser Leben ohne ihn, und
wir scheuen davor zurück, da etwas zu wagen. Können Sie
die Trauer im Herzen Gottes nachfühlen, wenn er hineinkommen
will in unser Leben, weil er uns dieses Geschenk geben will, und
dann wird er jedes Mal höflich hinauskomplimentiert? Und wir
sagen ihm jedes Mal ganz höflich, daß es eben viel
wichtigere Dinge gibt als ihn, löbliche, anständige,
wichtige Dinge, die uns leider hindern, sein Geschenk anzunehmen?
Wohlanständige Ziele wie Familie, Beruf, gesellschaftliche
Verpflichtungen, lobenswertes Engagement, aber sie können uns
genauso von Gott trennen wie Sünde, Gewalt und Lüge.
Gottes
Ziel war nie so ein christlicher Zuckerguß über unserem
Lebenskuchen, sondern er will den Teig verändern, er will an
das Rezept und neuen Kuchen nach neuem Rezept backen. Deshalb
versucht er alles, um uns so nah wie möglich zu sein,
schließlich schickt er seinen Sohn zu uns, aber dann
verschließen wir unser Herz vor ihm.
Wir
haben es in der Szene vorhin gesehen, wie ein Mensch sich ein
Leben lang vor Gott verschließen kann. Und es sieht so
vernünftig aus, und erst im Alter wird deutlich, daß es
eben nicht der Streß ist und die Zeitknappheit und was alles
noch dazugehört, sondern der Wunsch, daß Gott auf
Distanz bleibt, weil er zu viel verändern würde.
Ich
habe so viel Menschen erlebt, die mir gesagt haben: ich würde
ja gern öfter zum Gottesdienst kommen, aber im Moment geht es
nicht, ich muß so viel arbeiten, ich muß mich um meine
Familie kümmern, mein Mann will das Essen genau dann auf dem
Tisch haben, wenn Gottesdienst ist, aber wenn das alles mal vorbei
ist, dann komme ich auch wieder. Und dann ist die Familie aus dem
Haus und der Mann ist gestorben und der Terminkalender leerer,
aber glauben Sie, daß Menschen dann tun, was sie sich
vorgenommen haben?
Wenn
wir den Ruf Gottes nicht heute annehmen und ihm folgen, welchen
Grund haben wir zu glauben, daß wir es Zukunft tun werden?
Das wird mit der Zeit eher immer schwerer. Die Verpflichtungen
nehmen nicht ab. Und die Menschen, die uns immer neue
Beschäftigungen aufdrücken, die sterben auch nicht aus.
Jesus
hat in dem Gleichnis von der Saat und dem vierfachen Ackerfeld die
Lage so geschildert, wie sie auch heute nach 2000 Jahren noch ist.
Die Pantomimegruppe hat es uns gezeigt, und die Szene mit den
Dornen vorhin ist ja zum Glück noch nicht die letzte gewesen.
Jesus vergleicht Menschen und ihre Reaktion auf seine Worte mit
Böden verschiedener Qualität. Der Same macht einen Test
auf die Härte dieser Böden, und das Evangelium testet
die Härte unserer Herzen.
Da
gibt es einmal die Menschen, die von vornherein verschlossen sind
gegenüber dem Evangelium. Menschen, hart wie harter,
festgetretener Boden. Da hat der Samen des Wortes Gottes keine
Chance. Die kümmern sich nicht um diese ganze
Gefühlsduselei. Sie sind so voll Mißtrauen gegenüber
dem Leben, daß sie ihren Panzer keinen Augenblick öffnen.
Alles andere wäre in ihren Augen Schwäche.
Normalerweise trifft man sie nicht oder nur sehr selten in
Kirchen an, deswegen kann ich mich hier kurz fassen. Ein Bauer
lockert den harten Boden mit dem Pflug auf, und der Pflug Gottes
sind Leiden und Schmerzen. Wenn
Dann
gibt es den felsigen Boden, der mit einer dünnen Erdkruste
bedeckt ist. Das sind die Menschen, bei denen unter einer
scheinbar zugänglichen Oberfläche doch ein harter
Widerstand gegen das Evangelium verborgen ist. Menschen, die das
Christentum gut finden, die nie aus der Kirche austreten würden,
die vielleicht sogar Zeit und Geld opfern, aber nicht sich selbst
geben. Aber Gott will ganz tiefe Wurzeln schlagen in unserem
Leben. Er will unser Herz ganz durchdringen. Und es ist mit dem
Glauben so, wie mit der Pflanze: wenn sie nicht weiter wachsen
kann, dann geht sie ein. Es gibt keinen Weg dazwischen, entweder
der Glaube wächst oder er stirbt, es gibt Voranschreiten und
es gibt Rückgang, aber nichts dazwischen. Wenn du dich also
daran erinnerst, daß dein Glaube früher mal viel
lebendiger und stärker gewesen ist, und jetzt ist das alles
nicht mehr so wie damals, dann mach dir klar: wenn du dem
tatenlos zusiehst, dann wirst du über kurz oder lang
verlieren, was du gehabt hast. Es wird dir wie Sand zwischen den
Fingern zerrinnen, und am Ende wirst du es noch nicht einmal mehr
merken, daß du alles verloren hast. Und das, wovon du
einmal frei geworden bist, als du zu glauben angefangen hast, das
wird zurückkommen, und es wird dich wieder in Besitz nehmen,
und du wirst ihm wieder dienen müssen. Deshalb: reiß
die Mauer nieder, die Gott aussperrt aus deinem wirklichen Leben,
laß nicht zu, daß er bei dir immer wieder auf Granit
beißt, hör auf, die Festung zu verteidigen, die Gott
beharrlich Widerstand leistet. Nicht die anderen und nicht Gott
werden sonst den Schaden haben, sondern du. Jesus erzählt
das Gleichnis nicht zum Spaß. Es ist wirklich so. Willst du
es denn unbedingt austesten?
Dann
sind da noch die Dornen und Disteln. Jesu sagt: das ist ein Bild
für die Alltagssorgen und für die Begierden des
Herzens. So nah steht das bei Jesus nebeneinander: der
treusorgende Familienvater, der Haus und Hof instand hält,
und der Mensch mit dem wüsten Leben, der alle Menschen um
sich herum nur ausnutzt. Unter andere Blickrichtung ist das ein
himmelweiter Unterschied, aber wenn es um die Nachfolge Jesu
geht, dann ist es egal, ob uns das Büro, die Kneipe oder
schlimmere Orte, die Familie oder das Fernsehen davon abhalten.
Wahrscheinlich ist es bei den meisten Menschen heute inzwischen
die enorme Belastung durch wirkliche oder selbstgeschaffene
Verpflichtungen, der Wunsch, möglichst viel in die paar
Lebensjahre hineinzupacken. Einerseits erlegen wir uns das selbst
auf, und andererseits versuchen andere uns hineinzuziehen in
immer mehr Aktivitäten, und das können genausogut auch
kirchliche Aktivitäten sein, die Jesus im Weg stehen.
Wobei
es nicht so einfach ist, nur Aktivität zu verteufeln und
Ruhe zu loben: natürlich ist die Nachfolge Jesu etwas sehr
aktives, die kann uns bis an den Rand unserer Kräfte bringen
und darüber hinaus, und ein beschauliches, gemütliches
Leben ist Gott deswegen nicht lieber als ein voll- und
übergefülltes. Aber es geht darum, daß wir
wirklich Jesus die Mitte sein lassen, so simpel das auch klingt.
Wir müssen es tatsächlich wagen, nicht zu fragen: wie
kann ich meinen Tageslauf, meine Familie und meinen Beruf so
einrichten, daß auch noch ein Platz für Gott bleibt?
Sondern wir müssen uns trauen zu fragen: Herr, da ist mein
Leben, was willst du, was ich damit machen soll?
Ein
Jünger Jesu ist nicht einfach jemand, der an eine bestimmte
Sache glaubt, damit er in den Himmel kommt. Jesus wartet auf
Leute, die sagen: »ich bin vielleicht ganz unbedeutend,
aber ich gehöre dir! Ich brauche vielleicht länger, um
mich aufzuraffen, aber ich gehöre dir Gott!« Und dann
geht es darum, so zu leben, wie Jesus mein Leben leben würde.
Und man rutscht da nicht einfach hinein. Man muß eine
Entscheidung treffen. Und wenn man die getroffen hat, dann sieht
der nächste Schritt der Nachfolge für jeden anders aus.
Wir haben es da tatsächlich schwieriger als die ersten
Jünger Jesu. Die realisierten ihre Entscheidung für ihn
sofort, indem sie aufstanden und alles hinter sich ließen -
ihre Netze, ihre Fischerboote, ihre Häuser - das war hart,
aber es war eindeutig.
Für
uns ist das heute tatsächlich oft viel undeutlicher. Wir
leben in viel unübersichtlicheren Verhältnissen, und
die kommen noch dazu zu zur Trägheit unserer Herzen. Ich
hätte dazu aber einen Vorschlag, und ich möchte ihn
sagen, obwohl er auch mißbraucht werden kann. Normalerweise
sehen andere viel deutlicher an uns, was wir tun müßten.
Das hat auch seine Schattenseiten, und jeder von uns hat sich
schon mal über ungebetene Ratschläge geärgert.
Aber vielleicht sollten wir doch dieses eigentlich ärgerliche
Phänomen nutzen und uns gegenseitig ernsthaft fragen: was
meinst du, was es für mich bedeuten würde, mein Leben
so zu leben, wie Jesu es tun würde? Sag du mir, wo siehst du
Defizite bei mir, wo mache ich faule Kompromisse? Sag mir, was
müßte ich hinter mir lassen, wenn ich mit Jesus gehen
will? Hilf mir doch mit dem schärferen Blick, den du auf
mein Leben hast! Und wenn das nicht bloß Besserwisserei
sein soll, dann ist es gar nicht so einfach, da eine
verantwortliche Antwort zu geben. Und das kann dann sicher nur so
gehen, daß wir uns gegenseitig begleiten und auch die
Folgen von nicht so guten Ratschlägen gemeinsam bedenken.
Aber ob wir da nicht viel stärker merken könnten, daß
wir alle in einem Boot sitzen, wenn wir Jesus wirklich nachfolgen
wollen, und uns da einer dem anderen weiterhelfen könnten?
Dann
wird es passieren, was Jesus zum Glück eben auch
ankündigt: daß der Same auf gutes Land fällt, daß
wir gutes Land sind, daß wir ein Leben führen, das
Frucht bringt, ein Leben, das tatsächlich ein Kanal vom
Himmel zur Erde ist. Es ist die Trauer Gottes, wenn wir das
Evangelium bei uns nicht leben lassen. Aber es ist seine große
Freude, wenn in unserem Leben seine Saat aufgeht und der Ertrag
für viele andere gut ist, wenn seine Art ausstrahlt von uns
und das Leben Jesu sich fortsetzt in vielen anderen veränderten
Leben.
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