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Jubiläum
Dorfhelferinnenstation Hambergen
am 2. April 2011
Text: Ps.
90,14+17
(Pastor Ulrich Marahrens)
„Gut, dass es euch gibt! Danke, für die tolle Hilfe!“
Vor gut 1 Jahr waren wir eingeladen nach Hannover zum 50-jährigen Jubiläum
des Ev. Dorfhelferinnenwerks Niedersachsen. Eine vielfarbige Bilderwand im
Altarraum der Neustädter Hof- und Stadtkirche bildete höchst eindrücklich
einen Blickfang für alle Gäste. Eine Einsatzfamilie hatte da beispielsweise
ihren Dank illustriert mit den Handabdrücken aller ihrer Familienangehörigen
und dazu diese Sätze geschrieben. So hatte sie dem Jubiläum sozusagen ihren
ganz eigenen Stempel aufgedrückt.
50-jähriges Jubiläum unserer Dorfhelferinnenstation heute,
erneut ein Anlass, die Arbeit der Einsatzkräfte in den Blick zu nehmen. Vielleicht
darf ich unserem Fest heute ergänzend mit ihren Händen ein Gesicht geben, sozusagen
gemalt mit Worten. Tatsächlich, die Arbeit einer Dorfhelferin lässt sich
nicht ersetzen durch den Einsatz eines Roboters, und sei er auch noch so
differenziert in seinen technischen Möglichkeiten. Hand-Arbeit ist hier
tagtäglich neu gefragt.
„Wenn Mama fehlt“, dieser Slogan des Dorfhelferinnenwerks
beschreibt kurz und treffend, wann und wozu seine Hilfe in Anspruch
genommen werden kann. Ein Unglücksfall, Krankheit, aber auch das
erfreuliche Ereignis einer Geburt, können der Grund dafür sein. Man muss
nicht Frau sein, um annähernd einzuschätzen, wo es da sehr bald zu
Engpässen kommen kann; und zu sehen, wie sehr hier helfende Hände gebraucht
werden. Das braucht eine solide, fundierte Ausbildung und hand-werkliche Fähigkeiten.
Solch ein Einsatz will gut organisiert sein. In jeder
Familie, in jedem Haushalt, in jedem Betrieb wieder neu und anders. Schließlich
wird die Dorfhelferin eine Zeitlang ein Teil des alltäglichen Familienlebens.
Und nur selten kann sie vorher abschätzen, was sie jeweils erwartet. Da
sind vielleicht Kinder, die sich erst einmal sehr verschlossen verhalten
gegenüber der Fremden. Ihre Hände verbergen sie noch hinten auf dem Rücken.
Vertrauen muss sehr einfühlsam gefunden werden. Auch nach Tagen noch gibt
es Tränen, weil die Kinder ihre Mutter vermissen. Manchmal bringt schon ein
tröstendes Wort und behutsame Berührung mit den Händen ganz viel.
Der Einsatz in der Küche und im Haushalt braucht alle
Kräfte. Es braucht Zeit, in Besonderheiten hineinzufinden; sich in den Räumen
zu orientieren; Lieblingsgerichte zu erkunden und vielleicht auch neue
Anregungen einzubringen, was bisher in der Familie noch nicht auf den
Esstisch kam. Kenntnisse über gesunde Ernährung finden mal mehr, mal
weniger Anklang.
Wo nötig, werden Kranke gut versorgt. Beispiele gäbe
es noch reichlich. Fragen Sie einmal unsere Dorfhelferinnen; sehr lebendig
und anschaulich können sie erzählen von ihrem bunten und vielgestaltigen
Alltag. „Gut, dass es euch gibt!“, es ist schön, wenn Einsatzfamilien das
hin und wieder zum Ausdruck bringen.
Gewiss, all das kann nicht jederzeit so ohne weiteres
und problemlos von der Hand gehen. Um so besser, wenn sich da nicht nur die
zwei Hände der Einsatzkraft rühren, sondern es in dem „kleinen, erfolgreichen
Unternehmen“ Familie Hand in Hand geht. Schließlich lebt es sich erst recht
gut miteinander, wo sich alle beteiligen, manchmal vielleicht auch schon
mit kleinen freundlichen Gesten.
Hand in Hand, das gilt für alle Einsätze vor Ort, das
gilt aber auch für die Organisation und Koordinierung in der Dorfhelferinnenstation,
in dem Kuratorium, in der Zusammenarbeit der Geschäftsführung und Einsatzleitung,
bis hin zu unserem Dachverband, dem Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen.
Miteinander wissen wir uns schließlich eingebunden in die christliche Gemeinde,
die Kirche Jesu Christi. Aus seinem Auftrag schöpfen wir unsere Kraft; aus
ihm speist sich unsere Arbeit. „Helfende Hände“, unter diesem Titel
berichtete früher eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift der Diakonie.
Gewiss, es gibt solch helfende Hände glücklicherweise nicht nur in der Diakonie,
unter dem Dach der Kirchen. Doch hier geschieht sie unter einem besonderen
Vorzeichen; dass wir die Kraft zur Hilfe nicht aus uns selbst schöpfen,
sondern aus Gott, der seine segnenden Hände immer über uns hält.
Fülle uns
frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben
lang. Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer
Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!
So möchte ich uns heute dieses Wort aus dem 90. Psalm
mit auf den Weg geben. 50 Jahre segensreiche Arbeit; unsere Freude an einem
solchen Tag kommt aus der Dankbarkeit. Aus Gottes Hand nehmen wir, was
gewesen ist; in seine Hände legen wir das, was kommt. Der Psalmbeter hat
das ganze Leben im Blick; mit allem, was dazu gehört; mit Freude, mit Scheitern,
mit Erfolgen, mit Rückschlägen. Er weiß, wie segensreich menschliche Arbeit
ist. Und wie gut es ist, sich in allem leiten zu lassen von Gottes Segen
und sich die Hände füllen zu lassen.
Lied: Mitten am Tag (FundStücke Nr.10)
Predigt im Gottesdienst zum
Heiligabend 2008
zu Lukas 2, 1-14 (Pastor Hüncken)
Liebe
Festgemeinde,
Im
Bericht der Hubschraubermannschaft, die über dem weiten Katastrophengebiet
gekreist und pausenlos Versorgungsgüter abgeworfen hatte, hieß es: »Eine
Landung durften wir einfach nicht wagen. Die fast verhungerten und von Elend gezeichneten Menschen
hätten unsere Vögel gestürmt und uns samt unserer Maschinen zerrissen.«
Ein sehr vernünftiger
Entschluss. Nur so konnten die Hilfssendungen rationell verteilt und die
größte Not beseitigt werden.
Hätte die
Hubschraubermannschaft anders gehandelt – wäre sie gelandet - wer weiß, vielleicht hätte sogar jemand
die Idee gehabt, die Besatzungsmitglieder als Geiseln zu gebrauchen und mit
ihrer Hilfe die entsendenden Staaten zu erpressen.
Nein, es war schon die
vernünftigste Lösung, oben zu bleiben und hier und da die Hilfspakete
einfach abzuwerfen.
Was wir heute feiern, ist
die erkennbare Unvernunft Gottes.
Nichts anderes erzählt
doch die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Gott kam zu den Menschen. Er
tat genau das, was jedem rationellen
Katastropheneinsatz ins Gesicht schlägt.
Und es geschah genau das,
was die Rettungsmannschaft für sich befürchtet hatte:
Die Menschen zerrissen
Gott, weil sie von ihm mehr Freiheit von der römischen Steuerpolitik wollten; weil die
Frommen durch ihn mehr religiöse
Befriedigung wollten, weil die Masse der Menschen mehr Wunder für ihre
Sensationsgierig haben wollte.
Wie konnte
Gott nur so unvernünftig sein, mitten unter den hungernden und von Elend gezeichneten
Menschen zu »landen«.
Der Mensch
gewordene Gott wurde zerrissen.
Dafür steht
die andere Erzählung, in der Menschen in der Hauptstadt Jerusalem Jesus
zujubelten: Hosianna, und später kreischen: Kreuziget ihn.
Sie sind
enttäuscht, er hat nicht das gebracht, was sie wünschten und erhofften.
Dann lieber
gar keinen als diesen Gott, dann lieber den fernen als den nahen.
Das Problem
von damals zieht sich durch die
Geschichte des Mensch gewordenen Gottes
bis heute hin.
Seit seiner
Landung wird er von Millionen und Milliarden von Menschen angegangen: Du
hast uns deinen Sohn gegeben, wir können dir nicht gleichgültig sein!
Nimm dich
unserer Katastrophen an: Nun gib uns, was wir brauchen.
Für die
Enttäuschung und oftmals auch Verzweiflung steht das „Warum“
Warum hast du
das geschehen lassen und bist nicht da gewesen – als Schutzengel, als
geglaubter naher Gott.
Warum: Es ist so schwer
auszuhalten, dass er, der Gekreuzigte, der den Tod ein für alle Mal
besiegte und der auferstand aus dem
Reich des Todes – dass er dem Tod mit Leid und Vergänglichkeitserfahrung,
mit Altern und Krankheit soviel Spielraum lässt.
Warum das Dunkel im Leben,
wo es doch sonst hell sein könnte
Das Göttliche in Menschlichen
bleibt anstößig, es schafft Widersprüche. Mehr, als gäbe es Gott nicht.
Gott – aus seiner Allmacht
wurde eine Krippe, aus seiner ewigen Herrlichkeit ein Kreuz.
ein Krippen-Gott und
zugleich ein gekreuzigter Gott. Er wird zerrissen, weil er den Menschen so
nahe kommt.
Da mag es uns selbst merkwürdig und irre erscheinen, wie groß
dieses Fest seiner Menschwerdung gefeiert wird.
Nein, so wenig Gottes Nähe
eine Lösung der Krisen und
Katastrophen des Lebens ist – so wenig kann dieses Fest als eine Antwort
auf das Landen Gottes in unsere Welt verstanden werden.
Das Weihnachtsfest ist
keine Antwort – es ist eben kein
Hosianna-Singen der jubelnden Christen-Massen.
Das Feiern seiner Geburt
ist Teil der Begegnung mit dem gelandeten Gott und seinem unvernünftigen
Handeln. .
Deshalb richtet auch Lukas
den Blick stärker auf die Hirten als auf die Engel.
Dadurch bereitet er den
Weg zur Begegnung mit Gott.
Hirte wurde man damals, wenn
es zu einem »ordentlichen« Beruf nicht reichte oder gewisse Umstände
nahelegten, für einige Zeit aus der Gesellschaft zu verschwinden. Für die
Hirten gehört die Nacht nicht nur zur Arbeitszeit, sondern zur Situation.
Sie sind Menschen im Dunkeln, auch wenn die Sonne scheint.
Die »Klarheit des Herrn«
leuchtete über sie.
Der Mensch gewordene Gott
sucht die Begegnung offenbar weniger mit den Menschen, die im Rampenlicht
stehen. Weil die vielleicht zu abgeklärt und zu sicher sind, um sich
fürchten zu können. Und darum vielleicht auch zu ausgebrannt, um sich zu
freuen. Menschen, die das Dunkle erfahren, sind sensibel für das Helle.
Die Lukas-Erzählung legt
es nahe, zu glauben, dass es zum Willen
des nahen Gottes gehört, dass das Dunkel da ist und Menschen im Dunkeln
wissen, dass Gott auf die Begegnung mit ihnen aus ist.
Gott erreicht damit, dass
wir immer wieder wie die Hirten, in Bewegung gebracht werden.
Dass wir zwischen Furcht
und Freude, zwischen Vertrauen und Angst suchen, der Oberflächlichkeit zu
entkommen und nach dem zu suchen, was zählt.
Gerade
durch das Dunkel im Leben werden wir dazu gebracht, dass wir uns auf den
Weg machen, um »die Geschichte zu sehen, die da geschehen ist«.
Das
ist ein Bewegung, die inmitten der Dunkelheiten, der Krisen und
Katastrophen Hoffnung enthält, die Rettung bringt, die Frieden schafft und eine Freude, die
etwas von Ewigkeit in sich trägt – unabhängig von gegenwärtigen Umständen.
Wir
gewinnen Unvergängliches, was uns leben lässt.
Allerdings:
Das Zeichen, das die Engel den Hirten an die Hand geben, ist kein
eindeutiges Zeichen: Krippe und Windeln – das gibt es allüberall.
Damals
wie heute gilt es, sich zu entscheiden, in welcher Gestalt einem Gott
begegnet.
Beweise
gibt es nicht. Irrtum ist eingeschlossen.
Der
gelandete Gott ist Mensch geworden.
Irren
ist Menschlich.
Das
kann es auch im Glauben sein.
Hier
stehen wir Christen mit unserem Weihnachtsfest plötzlich im Dialog mit den
Weltreligionen.
Sie
alle suchen ihren Zugang zu dem
einen Gott
Und
sie bieten ihre Religion an als
ihren eigenen Weg.
Den
anderen muss es merkwürdig vorkommen, dass unser Weg zu Gott über Kreuz und Krippe geht.
Wo
sich doch der eine Gott gerade durch
seine Göttlichkeit vom Menschsein
abhebt.
Und
wir müssen den anderen eingestehen: In unserer Religion gibt es noch
weniger Beweise als in anderen für diesen nahen Gott. In aller
Bescheidenheit müssen wir bekennen:
Unser
Glaube ist nicht die eine Wahrheit, wie es manchmal scheint.
das
Risiko des Irrtums bleibt stets eingeschlossen.
Glaube
ohne Risiko gibt es nicht -
Jedenfalls nicht unseren christlichen Glauben
So
wenig wie Liebe ohne Vertrauen.
Wenn
Weihnachten unter uns Christen so groß gefeiert wird – dann eben nicht als
Demonstration der Wahrheit – sondern als großes Lichterzeichen: Wir wissen
uns darauf angewiesen, dass Gott uns begegnet. Dass er aus uns „Menschen
seines Wohlgefallens“ macht.
Liebe
Festgemeinde,
Weil
das Weihnachtsfest in diesem Kontext zu stehen kommt – deshalb gilt es umso
mehr, dass wir uns bewegen lassen und dass wir unseren Glauben zu leben
wagen.
Das
mag in der vor uns liegenden Zeit mit der Aussicht auf eine neue Dimension
von Krisenerfahrung von umso größerer Bedeutung sein.
Die
Dunkelheiten nehmen zu – es gilt umso mehr, nicht auf die Dunkelheit zu
schimpfen, nicht mitzuschwimmen im großen Meer des Egoismus – aber auch
nicht zu verzagen.
Im
Glauben an den nahen Gott Vertrauen wagen,
indem
wir zu erkennen geben:
Das
unvernünftige Unternehmen Gottes geht weiter.
Die
Bewegung, die seine Landung auslöste,
hält bis heute an.
Wir
nehmen sie in uns auf und geben sie
weiter,
indem
wir leben
: Hoffnung und Vertrauen sind stärker als Ängste und Resignation,
Wir
nehmen die Bewegung auf, die seine Landung auslöste,
Indem
wir danach handeln: Solidarität ist wirksamer als die einzelne Spende.
Wir
nehmen die Bewegung auf, die Gottes Landung auslöste,
indem
wir gemeinsam und deutlich zeigen: Frieden und
Gerechtigkeit sind uns wichtiger als Öl und Geld.
Deshalb feiern wir
Weihnachten, weil wir in dieser Bewegung
ein großes Lichterzeichen für unsere Zukunft erfahren und es für
andere setzen wollen: Gott ist gelandet.
Wir sind auf dem Weg, zu sehen die Geschichte, die uns der
Herr kundgetan hat. Amen
Heino Hüncken
Pastor in Hambergen
Mail: heino.huencken@evlka.de
Predigt vom 13. Mai 2007
Pastor Heino Hüncken
Liebe
Gottesdienst-Gemeinde,
CrearTour
–
Das
ist ein zusammengesetztes Wort:
Aus Creativ – für das Künstlerische, das an diesem Wochenende in unserer Samtgemeinde ausgestellt wird
und zu betrachten ist.
Dazu
der zweite Begriff: Tour. Es gibt 25 Stationen, die auf der Tour
besucht werden können
25
Stationen, an denen Künstlerinnen
und Künstler ihre Werke ausstellen.
Erstmals
gehört auch unsere Kirche zu diesem Raum der offenen Tür im Rahmen der
Creatour.
Und
hier in der Kirche hören wir bei dem Wort
eben auch das ganz andere mit:
Kreartur – das Wort steht für Tiere und Pflanzen, es steht für
Geschaffenes, für etwas, was aus der Kreativität Gottes entsprungen ist.
So,
wie es in der ersten Schöpfungserzählung der Bibel
in der
Reihe der 6 Schöpfungstage aufgezählt wird.
Vom
Licht am ersten Tag bis zum letzten
Tag – bis zum Menschen.
Kreartur
– dazu gehört die Mariendistel.
Diese
Pflanze hat Frau Kolberg mit ihren Bildern ins rechte Licht gerückt.
Eine
Distel – ein lästiges Unkraut für jeden Gartenbesitzer.
Eine
Jahrtausend alte Heilpflanze – die in ihren Garten geweht wurde.
Eine
Kreatur, die so vieles widerspiegelt
von der Kreativität des
Schöpfers, mitsamt seiner Zuwendung zu uns Menschen.
Das
eine wie das andere ist in besonderer Weise wiederzuentdecken in der
Samenkapsel der Mariendistel. Sie sieht aus wie eine Dornenkrone.
Als
Christen hören wir sofort:
Die Schöpfung Gottes leidet an vielen Stellen, wie Christus als der Sohn
des Schöpfers unter der Dornenkrone
vor seinem Tod am Kreuz litt.
Die
Schöpfung braucht unser Mitgefühl!
Zugleich
hören und sehen wir in dieser Kreatur: Mit diesem Leiden Jesu hat Gott uns
von Sünden erlöst. Im Vertrauen zum Leiden und sterben Jesu finden wir zurück
zu unserer ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes: Wir sind erlöst,
befreit.
Wir
finden in unserer Erlösung die Kraft, auch die Schöpfung von den Fesseln
des Leidens zu befreien.
Auf
diesem zweiten Bild sehen wir:
Die Pflanze wiegt sich im Wind -
Sie
hat etwas von der Form eines Regenbogens angenommen –
Beschützend,
wie das Wort aus der anderen Urgeschichte von der Sintflut sagt:
Uneingeschränkt steht der Wille Gottes über seiner Schöpfung, sie zu
behüten und zu bewahren.
In
dem so geschaffenen lichtvollen Hoffnungsraum, den die Mariendistel unter diesem Bogen schafft, sind Frauen zu sehen.
Leicht
angedeutet, aber doch als solche zu erkennen.
Frauen.
Sie
kommen in der von Männern geprägten Gesellschaft, in der die Texte der Bibel entstanden, schlecht weg.
Sie
tauchen äußerst selten mit ihren Taten oder ihren Namen auf.
Sowohl
in der Bibel, als auch später in der Geschichte der Kirche.
Wir
wissen das alle und hören diese Kritik von Frau Kolberg mit:
Auch
wenn von der katholischen Kirche
Maria als Mutter Jesu erhöht und glorifiziert wird, bleibt die
Gleichberechtigung auf der Strecke.
Und wir sehen es gegenwärtig auch an dem Friedensprozess in
Nordirland:
Die beiden ehemaligen Feinden, der protestantische Vertreter und der
katholische Vertreter reichen sich
die Hände, um das Land nun in Frieden zu regieren.
Das
ist wunderbar!
Aber
es waren zwei Frauen – Mairied Corrigan und Betty Williams aus dem
katholischen und protestantischen Lager, die über Jahre hinweg ökumenische
Friedensmärsche organisierten.
Die
den Friedenprozess in Gang gesetzt und ermöglicht haben.
Frauen
gehen unter.
Hier
unter der Mariendistel treten die Frauen sichtbar hervor.
So
wie der Wert alles Geschaffenen in der Distel spürbar wird, so auch alles Geschaffene in dem Bild der
Frau.
Ins
rechte Licht gerückt, damit der Mensch – Frau wie Mann zurückfindet zu dem,
was er nach Gottes Willen vor allem anderen als seine Kreatur ist: Sein
Ebenbild.
Erlöste,
befreite Kreatur.
Der
Mensch – die Frau : Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.
Der
Mensch – der Mann – Kreatur – Ebenbild des Schöpfergottes.
Nur
eben: Die Ebenbildlichkeit existiert nur gemeinsam, in der von Gott
gewollten Vielfalt und Unterschiedlichkeit
Das
macht Gottes Schöpfung aus.
Was so unterschiedlich ist, das gehört zusammen.
Frau
und Mann,
Mensch
und Tier, Mensch, Tier Pflanze,
Kinder und Erwachsene.
Alles
zusammen ist erst Kreatur: Von Gott Geschaffenes.
Darin
erfährt der Mensch den beglückenden Reichtum der Schöpfung Gottes.
Unser
Leben ist eingebettet in diese wunderbaren Zusammenhänge der Schöpfung.
Unter
dem Regenbogen, unter der Verheißung, dass alles bewahrt werden soll, durch
die und den, die mit der Ebenbildlichkeit Gottes ausgestattet worden sind.
Im
Umgang mit der Schöpfung sind wir gefordert wie Mütter und Väter im
Miteinander mit ihren kleinen Kindern.
Was
zu allererst zählt ist die Liebe.
Und
aus ihr heraus gilt zu tun, was dem Kind zu einer gesunden Entwicklung
verhilft.
Auch
in diesem Miteinander ist der Mensch in seiner göttlichen Ebenbildlichkeit
gefordert.
Erwachsene,
wie Mütter und Väter und Paten, aber auch wir als Wegbegleiter der Kinder,
nehmen die kleine, die liebesbedürftigen hinein in den Zusammenhang der
Schöpfung.
Sie
bekommen das Gefühl vermittelt,
Kreaturen zu sein – Geschaffenes, göttliches Geschenk - schon mit Gottes Ebenbildlichkeit
ausgestattet, aber noch in
ihrer Empfindsamkeit, in ihrer Verletzlichkeit, so, wie Frau Kolberg die
Verletzlichkeit dargestellt mit der
Nacktheit der Frauen und ihrer Körper.
Die
Kinder fordern uns in besonderer Weise zu diesem sensiblen Umgang heraus:
Die
Schöpfung zu behüten und zu
bewahren.
Alles
gehört in dieser Kreatürlichkeit zusammen.
Das
ist der Schatz, der uns als Kreaturen so reich macht.
Und
schließlich auch das gehört dazu
Der letzte Schöpfungstag, der Tag mit der Ruhe des Schöpfergottes.
Gerade
dieser Abschluss der Schöpfungserzählung zeigt an, dass die ganze Schöpfung
etwas Göttliches in sich trägt.
Etwas
Heiliges, dem Menschen nicht Verfügbares, etwas Geheimnisvolles.
Gott
ruhte am Ende.
Es
ist die Ruhe, in der er seine Schöpfung loslässt – eben wie ein liebender
Vater, wie eine liebende Mutter, die
ihre Kinder loslassen, dass sie eigene Wege gehen.
Zu
dieser Ruhe gehört die Bestätigung: Siehe es war ALLES gut.
Gott
ruhte am letzten Tag.
Pastor Ulrich Marahrens
Diamantene Konfirmation 5.11.2006
in Hambergen
Text: Jer.
29,1+4-7+10-14
1 Dies sind
die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest
der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an
das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte
4 So
spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich
von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:
5 Baut
Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte;
6 nehmt
euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und
gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch
dort, dass ihr nicht weniger werdet.
7 Suchet der Stadt Bestes, dahin
ich euch habe wegführen lassen, und betet
für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl.
10 Denn so
spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch
heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch
wieder an diesen Ort bringe.
11 Denn ich weiß wohl, was ich für
Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht
des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.
12 Und ihr
werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören.
13 Ihr
werdet mich suchen und finden; denn wenn
ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
14 so will ich mich von euch finden
lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und
euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch
verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort
bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.
Königsberg,
Swinemünde, Marienwerder, Danzig, man muss nicht in Erdkunde bewandert
sein, um diese Ortsnamen zu kennen. In unserem Kirchenbuch des
Konfirmationsjahrgangs 1946 fand ich sie unter den Geburtsorten der Mädchen
und Jungen. Viele von ihnen waren wohl mit den Flüchtlingstransporten im
Februar, März und am Ostersonntag des Jahres zuvor hierher nach Hambergen
gekommen. An einem Tag wie heute werden Erinnerungen wieder neu lebendig.
Da gab es auch die Vikarin Fräulein Vogel aus Tilsit, die damals den
Konfirmandenunterricht der Flüchtlingskinder übernahm.
Wie mögen Ihre Erfahrungen damals gewesen sein, als Sie den
Ort Ihrer Kindheit hinter sich ließen und auf teilweise abenteuerlichen
Wegen hierher gelangten? War es wohl gleich vorstellbar, hier neu Wurzeln
schlagen zu können oder es überhaupt zu wollen? Nicht überall werden Sie
sich willkommen gefühlt haben. Reibungslos kann es wohl kaum laufen, wenn
so viele auf einmal Lebensraum beanspruchen; wenn der Platz in der Schule
nicht mehr ausreicht und eine Klasse im Konfirmandensaal der Kirchengemeinde
untergebracht werden muss; wenn Lehrer entlassen werden aufgrund ihrer
Parteizugehörigkeit und durch neue Lehrkräfte ersetzt werden.
In unserem heutigen Predigttext finde ich manch eine
Parallele zu der Geschichte nicht nur unseres Ortes in der damaligen Zeit.
Es ist ein Teil eines Briefes, geschrieben vom Propheten Jeremia an die
Menschen, die aus ihrer Heimat Jerusalem nach Babylon vertrieben worden
waren. Kein Wunder, dass sie fragen: Wo ist nun unser Gott? Lassen Sie sich
erinnern, wenn ich einige Sätze daraus nochmals lese:
Lesung: V.4-7
Damals der Aufruf: Richtet euch ein in einer zunächst
fremden Umgebung. Klammert euch nicht an die Hoffnung einer baldigen
Rückkehr. Lasst es euch und den Menschen um euch zum Besten werden und
sucht die Gemeinschaft. Und für die Ortsansässigen bedeutet das: Gebt den
Hinzukommenden Raum unter euch. Es gibt Dörfer, wo heute noch manchmal zu
hören ist: Es hat uns auch ganz gut getan, dass wir nicht so unter uns
geblieben sind; dass „frisches Blut“ hineingekommen ist.
Welche Bedeutung mag es damals vor 60 Jahren für Sie gehabt
haben, in einer für Sie noch fremden Gemeinde konfirmiert zu werden;
verantwortliches Mitglied dieser christlichen Gemeinschaft zu werden; den
Segen Gottes für den weiteren Weg zugesprochen zu bekommen? Viele sind hier
geblieben, andere sind weitergezogen, schon bald oder später als
Erwachsene. Hier und anderswo, bis hin nach Nürnberg, haben Sie Lebensorte
für sich und Ihre Familien gefunden.
Der Prophet möchte damals Mut machen, seinen Platz in der
Gemeinschaft zu suchen. Und heute feiern Sie wieder Gottesdienst in unserer
schönen Kirche, die sich seit damals deutlich verändert hat. Nicht nur
dieses Gebäude, sondern auch das Umfeld und die Arbeit in der Gemeinde.
Jahrzehnte nach Ihrer Konfirmation (1989) wird das neue Gemeindehaus hier
neben der Kirche eingeweiht. Als Leitwort finden wir darin eben diesen
Satz: „Bemüht euch um das Wohl des Landes.“, anknüpfend an den Abschnitt
aus dem Buch Jesaja.
Ja, auf diesem Weg sind wir nicht nur in unserer St. Cosmae-
und Damiani – Gemeinde. Wir suchen immer wieder neu unseren Platz in sich
verändernden Zeiten und wirken immer nicht zu unserer eigenen Sicherung,
sondern zum Wohl der Allgemeinheit. „Bürger in Uniform“, diese
Kennzeichnung für Soldaten der Bundeswehr lässt sich für uns abwandeln als
„Bürger und Bürgerinnen in der Nachfolge Jesu“. Was uns verbindet, ist das
feste Vertrauen und der Glaube, dass Gott Frieden und nicht Leid für uns
als seine Kinder möchte.
Lied: 395,1-3 Vertraut den neuen Wegen
Neujahr - 1.Januar 2005 – Joh. 14, 1-6:
Liebe
Gemeinde,
nun
mussten wir ein altes Jahr bereits zum zweiten Mal mit einer ungeheuren
Naturkatastrophe abschließen. Letztes Jahre am 2. Weihnachtstag das
furchtbare Erdbeben in Bam im Iran .Jetzt dieses Seebeben in Südostasien.
Vom
Ausmaß her das Schrecklichste, das
ich persönlich neben dem Gau im Tschernobylreaktor 1986 erlebt habe.
Die
Höhe der Spenden lässt vermuten, dass viele Menschen genauso wie wir als
Kirchengemeinde sofort versucht
haben zu helfen.
Die
Katastrophe lässt uns ein Stück nachdenklicher in das Neue Jahr
gehen. Mit dieser Nachdenklichkeit brechen wir heute auf in das neue Jahr
wie zu einer Reise in ein unbekanntes, fernes Land.
Die
Naturkatastrophe wie auch
verschiedene Lebenserfahrungen verbinden die Nachdenklichkeit vielleicht mit einem Anflug von Furcht
beim Reiseantritt heute.
Und
manch ein Schatten der Gegenwart – wie Krankheit, Leiden lieber Freunde,
Arbeitslosigkeit in der Familie
verstärkt die bange Frage: Was wird wohl werden?
Mit dieser Zukunftsfrage sind wir
bei dem heutigen Predigttext gut aufgehoben.
Jesus
sagt: Euer Herz erschrecke nicht.......
Jesus
geht den Seinen voran. Sie dürfen ihm folgen.
Das
ist für den Weg in ein unbekanntes Land eine gute Voraussetzung.
In
Verbindung mit Jesus dürfen wir uns darauf verlassen: Was auch kommt: In
unserem Vertrauen zu ihm wird uns das gute Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
begleiten.
Darin
steckt soviel Trost, dass dieser Text auch zu den Texten für Beerdigungen
gehört.
Ob
dieser Trost den Opfern der Katastrophe hilft?
Wir
sehen die verzweifelten Menschen, die nach ihren Kindern, Müttern oder
Vätern suchen. Sie werden sie nicht finden.
Welche
Verletzung bleibt in der Seele.
Ich
denke mir: In der gegenwärtigen Verzweiflung ist Hilfe viel wichtiger als
Trost.
Aber
vielleicht später, bei all den Fragen, die kommen, die bleiben, die von nun
an das Leben der Hinterbliebenen insgesamt nachdenklicher machen.
Ja,
da mag es schon ein Trost sein zu wissen: Die Vorausgegangenen sind
zuhause.
Hinterbliebene
finde Halt in diesem Wort Jesu.
Diesem
Wunsch nach etwas zum Festhalten entspricht
die Reaktion des Jüngers Thomas.
Herr,
wir wissen nicht, wohin du gehst – und woher sollen wir den Weg kennen?
Mit
seiner Antwort weist Jesus zurück auf seine Person.
Ich
bin der Weg, die Wahrheit, das Leben.
Was
er als Hoffnung und Ermutigung anbietet
ist eben nicht ein fixe Idee oder eine Perspektive aus dem Bereich
der Spekulation.
Ich
bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Jesu
Antwort bringt die Zukunft in einen engen Zusammenhang mit ihm:
Wer seine Fragen, seine Ängste, seine Zukunftswünsche und Hoffnungen mit
Jesu Worten verbindet, der darf auf besondere Reise-erfahrungen hoffen:
Jesus selbst ist der Reisebegleiter.
Er
bittet, ihm in das unbekannte Land zu folgen und ihm dabei zu vertrauen.
Jesus
sagt: Er selbst – der Weg:
In der Nähe Jesu wird sich unser Leben im neuen Jahr verändern.
Manches
von diesen Veränderungen haben wir selbst in der Hand.
Und
es gibt vermutlich für uns alle
verschiedene Möglichkeiten, diese Entwicklung selber zu steuern.
Das
neue Jahr - Eine Wegstrecke mit neuen Chancen.
Wir
dürfen uns darauf freuen.
Mir
selbst scheint eine Aufgabe besonders wichtig.
Wir
haben sie im Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag entfaltet und reflektiert:
Wir
wollen lernen, abschiedlich zu leben.
Wir
wollen lernen, zu bejahen, dass
Abschiede zum Lebensweg dazu gehören.
mit
Abschieden leben lernen.
Die
kleinen wie die großen Abschiede
gestalten - so dass es uns selbst
und anderen gut tut, Abschied zu nehmen: Zum Beispiel dann, wenn ein
Mensch uns durch den Tod genommen wird, wenn wir den Verlust unserer
Gesundheit beklagen müssen, wenn wir
Aufgaben aufgeben, weil wir die Kräfte nicht mehr haben.
Zum
abschiedlichen Leben in Jesu Spur
gehört auch das bewusste Mitgefühl mit den Opfern der Katastrophe.
Jesus als unser Reisebegleiter führt uns immer
auch zu den Menschen, die Opfer sind.
Stellvertretend
für die Opfer jeder Katastrophe hat er das Gleichnis vom barmherzigen
Samariter erzählt.
Jesus
macht uns zu den Nächsten von Opfern, die am Wegesrand liegen.
Durch
uns wird es für sie menschlicher, durch uns wird ihnen geholfen - auch wenn
die globale Hilfe über Spenden
und unter anderem über den Einsatz
des Diakonischen Werkes geht.
Jesus
der Weg.
Jesus
selbst die Wahrheit:
Die
Wahrheit auf dem Weg durch das neue Jahr?
Wir
müssen wohl verstehen lernen, dass ein
Jahr immer eine überschaubare Wegstrecke unseres Weges zum Älterwerden ist.
Altsein
kann für uns selbst und für andere anstrengend, ja zermürbend sein, wenn
wir es nicht lernen, die Wahrheit anzunehmen:
Vor
allem die Wahrheit, uns selbst mit
unserem bisherigen Lebensweg
zu akzeptieren – auch mit dem, was spürbar weniger geworden ist.
In
Bremen werden die Bremer des Jahres
gesucht und in der Zeitung vorgestellt.
Wie
viele Ältere tauchen da auf, die
sich ehrenamtliche engagieren.
Ich
denke, das steht uns Christen gut an und schafft die Möglichkeit zum
sinnvollen Leben, wenn wir dieses ehrenamtliche Engagement mit einbeziehen.
Ich
bin die Wahrheit – sagt Jesus – er schafft den Freiraum, wahrhaftig sein zu
dürfen, zu mögen.
Ein
Jahr ist die Wegstrecke, auf der wir uns diese Wahrhaftigkeit aneignen,
zueigen machen können.
Und
schließlich:
Jesus
selbst das Leben :
Das
Vertrauen zu Jesus schafft Leben – Lebendigkeit, Gesundheit als Grundlage
des Lebens.
Für
das neue Jahr wünsche ich mir für uns Christen, dass wir etwas gegen die um
sich greifende Volkskrankheit tun. Gegen die Volkskrankheit Geiz.
Wir
mögen uns besinnen, was wir an nicht-materiellen Reichtümern besitzen.
Die
Nachfolger Jesu mögen sich dadurch von anderen unterscheiden, dass sie
großherzig bleiben in ihren Gedanken an Not leidende, hilfsbedürftige
Menschen,.
Nachfolger
Jesu mögen gesund sein durch ihre Bereitschaft, die Nächstenliebe ganz oben
auf uns Reisegepäck zu legen.
Wir
begeben uns auf die Reise. Wir starten.
Die
Nachdenklichkeit ist mit dabei. Das ist gut so.
Aber
vor allem, der verlässliche gute Reiseleiter ist dabei.
Wir
dürfen ihm vertrauen.
Dem
Weg, der Wahrheit und dem Leben.
So
wird die Wegstrecke sein Jahr sein: ein Jahr des Herrn.
Anno Domini.
Pastor
Heino Hüncken
7.November 2004:
Das Diamantene Konfirmationsjubiläum ist in Hambergen
inzwischen ein Festtag mit Tradition, neben dem Goldenen und dem Silbernen
Jubiläum, jeweils am ersten Sonntag im November. In diesem Jahr stand dabei
der Gottesdienst zugleich im Zeichen der FriedensDekade unter dem Motto
„Recht ströme wie Wasser“.
Pastor Ulrich Marahrens hielt die Predigt über den
Text zu diesem Sonntag aus der Reihe der Friedensgebete: Gen. 9,12-13
„Welche Bilder mögen Sie, liebe Konfirmationsjubilare,
besonders vor Augen haben an einem Tag wie heute? Welche Erinnerungen
werden lebendig an Ihre Konfirmandenzeit vor 60 Jahren? Durch die
Aufzeichnungen in der Gemeindechronik zieht sich 1944 eine blutige Spur,
die der Krieg in unserer Umgebung gelegt hat. Mehrmals wurden Personenzüge
auf der Strecke zwischen Osterholz-Scharmbeck und Lübberstedt von
Flugzeugen aus bombardiert. Oder Vieh wurde auf den Weiden durch Beschuss
aus der Luft getötet. Häuser wurden in Schutt und Asche gelegt.
Die
Bedrohung mag auch hier auf dem Lande tagtäglich greifbar gewesen sein,
wenn die Bevölkerung mit einemmal mitten im Alltag durch die Sirenen in die
Bunker gerufen wurde.
1944
– das war auch das Jahr des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20.
Juli vier Monate nach Ihrer Konfirmation. Ob Sie sich wohl als Jugendliche
für solche Nachrichten interessiert haben mögen? Jedenfalls waren diese
Ereignisse wie auch die spätere Hinrichtung der Männer, die das Attentat
geplant hatten – einige von ihnen Männer der Kirche – nicht dazu angetan,
die Aussichten auf ein baldiges Ende des Krieges zu stärken.
Ob
Sie als Kinder damals wohl mit besonderer Freude zum Himmel gesehen haben,
wenn sich dort an einem Tag mit dem besonderen Mix von Regen und
Sonnenschein am Horizont ein Regenbogen zeigte. Ob Sie sich wohl auf den
Weg dorthin gemacht haben, wo dieser bunte Himmelsbogen unten auf die Erde
traf. Ein Schatz soll dort ja zu finden sein. Ja, zu allen Zeiten hat sich
die besondere Faszination dieses Lichtphänomens erhalten, zu allen Zeiten
ist es ein zauberhaftes Bild von besonderem Reiz geblieben, wenn sich ein
Regenbogen über die Landschaft spannt.
Es
mag sein, dass Ihnen damals auch die biblische Geschichte von Noah und
seiner Arche begegnet ist, die mit diesem Zeichen des Regenbogens ihr versöhnliches
Ende findet. Nach aller Zerstörung, nach der verheerenden Katastrophe, in
der Gott den Menschen als der strafende Richter begegnet, nun dieses
Zeichen der Versöhnung, ein Mahnmal sozusagen für den letztlich doch guten,
bewahrenden Willen Gottes zugunsten seiner Schöpfung.
Die
Andachten zur FriedensDekade möchten uns heute dieses Bild vor Augen
stellen: „Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte
zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden
Generationen. Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das
Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ (1. Mose 9,12-13)
Ein
Friedenszeichen, ich stelle mir vor, nach 5 Jahren Krieg werden sich bei
Ihrer Konfirmation am Sonntag vor Ostern 1944 viele danach gesehnt haben.
Heute möchte dieses Naturereignis für uns als ein solches Friedenszeichen
hinter oder über all unseren Erinnerungen stehen. Es ist schon denkwürdig
und erschreckend, wenn nach mehreren Jahrzehnten im Blick auf unsere Welt
auch in unseren Breiten sich wieder neu die Angst vor dem Gespenst des
Krieges breit machen möchte.
Doch
Vernichtung und Tod soll nach Gottes Willen nicht das letzte Wort über
seine Schöpfung haben. Sein letztes Wort ist die Zusage: „Solange die Erde
steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und
Winter, Tag und Nacht.“ Wie gut ist es doch, sich unter solche Verheißung
gestellt zu wissen, gegen alle Angst. Gott hat einen Bund mit uns Menschen
geschlossen, mit dem er verspricht, dass nach seinem Willen niemand aus
solcher Verheißung herausfallen wird.
Daran
möchten wir uns in dieser FriedensDekade gemeinsam mit vielen Gemeinden und
christlichen Gruppierungen erinnern lassen. Und damals vor 60 Jahren haben
Sie sich mitten in einer bedrohten Zeit in diesen Bund hineinstellen
lassen. Ein Bund, der Geltung gehabt hat für alle bisherigen und für alle
kommenden Generationen. In Jesus aus Nazareth hat dieser Bund greifbar
Gestalt angenommen.
„Stimmt
es, Gott, dass du den Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen die
Menschen gesetzt hast?“, schreibt Dom Helder Camarra zu der Geschichte von
Noah und der Sintflut. Und er fährt fort: „Dann schaffe doch am Himmel ein
mächtiges Zeichen, das die Gewissen der Völker erschüttert, dass sie sehen,
Kriege sind ein Irrtum.“
Doch,
es stimmt, wer den Regenbogen nicht übersieht, wer den Friedenszeichen
nachgeht, den Zeichen der Versöhnung und Gerechtigkeit, wird einen Schatz
entdecken können, der Hoffnung macht und ermutigt, selber zu Boten des
Friedens zu werden.“
Ulrich Marahrens, Bahnhofstr. 2, 27729 Hambergen
eMail: Ulrich.Marahrens@evlka.de
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