NACHBARGEMEINDE HEMELN-GLASHÜTTE-BURSFELDE
Der imposante romanische Westturm, der um 1200 auch zur Benutzung als Wehr- und Schutzturm errichtet wurde, gibt der Hemelner Kirche ihr
Gepräge. Die Schalllöcher sind durch Mittelsäulen unterteilt, deren Kapitelle mit dämonischen Masken verziert sind (ursprünglich zur Abwehr der bösen
Geister, die vom Westen her vermutet wurden). Seit dem ausgehenden Mittelalter erklingen hier die Glocken.
Der schmucklose heutige Kirchenbau wurde 1681 wie der damals renovierte Turm in Bruchsteinmauerwerk errichtet und ersetzte eine frühere und kleinere Kirche, die wie das Pfarrhaus und das ganze Dorf Hemeln unter dem 30-jährigen Krieg gelitten hatte. Weil aus Hannover keine finanzielle Hilfe
kam, haben die Hemelner den Neubau selber in die Wege geleitet und noch lange dafür Schuldendienst abgeleistet.
Als im 18. Jahrhundert die Sitzplätze der Kirche nicht ausreichten, baute man eine den Männern vorbehaltene Empore ein, die
ursprünglich fast bis zum Altar reichte und später zurückgebaut wurde.
Der aus Holz gefertigte Altar wurde 1686 von dem Künstler Fabaring geschaffen. Die Kanzel war über lange Zeit Teil der oberen Altarwand und erhielt bei der grundlegenden Renovierung 1966 ihren jetzigen Platz.
Der als Triptychon konzipierte Altaraufsatz zeigt zuunterst das Abendmahl in zeitgenössischer Darstellung: Christus, der Wissende und
Liebende inmitten seiner naiven und treuherzigen Jüngerschar. In der Mitte sieht man die Düsternis des Karfreitags als Bild dieser Weltzeit. Maria und Johannes unter dem Kreuz verkörpern den angefochtenen Glauben angesichts dieses Leidens. Je zwei Evangelisten zur Rechten und zur Linken berichten, was für uns
geschehen ist. Einer der Apostel (Johannes) hat an seiner rechten Hand sechs Finger. Ist das ein Versehen oder ein tiefsinniger Hinweis auf etwas?
Zuoberst steht der auferstandene Christus mit geöffneten Armen, dem Betrachter entgegenkommend, um ihn anzunehmen.
Die stärksten Eingriffe erfuhr das Innere der Kirche 1966:
Der Bodenbelag aus heimischen Buntsandsteinplatten wurde durch grauen Jura-Marmor ersetzt. Ebenso ersetzte man die alten Eichenbänke wie auch die
schmiedeeisernen Kronleuchter und Kerzenträger. Der Kirchenvorstand bemüht sich seit 1995 in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt um eine denkmalsgerechte Verbesserung des Inneren der Kirche.
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Zur zauber- und märchenhaften Ausstrahlung der Kirche und ihrer Umgebung passt ein Zitat aus dem „Gemeindebuch“ des „Evangelisch-lutherischen Kirchenverbandes Münden“ von 1959, herausgegeben (und redigiert?) vom damaligen Superintendenten Holscher:
„Schon in alter Zeit war Bursfelde ein bekannter Ort. Hier fand unter Ludwig dem Deutschen, wie die Geschichte berichtet, eine große sächsische Nationalversammlung statt. Hier wurde das Herzogtum Sachsen eingerichtet, das dem Grafen Ludolf übertragen wurde. Gar oft hat das Wesertal an dieser Stelle friedliche und kriegerische Züge erlebt. Hier, wo die Nieme, ein munterer Bach, in die Weser fließt, legte der Sohn Ottos von Northeim, Heinrich, den Grundstein des Benediktinerklosters zu Bursfelde (der Ort hatte ursprünglich einen anderen Namen). Er gründete das Kloster zu Ehren der Heiligen Thomae und Nicolai. Heinrich kam später auf einer Fahrt durch Friesland ums Leben und wurde in der Klosterkirche beigesetzt. Noch heute ist sein Grabstein im Seitenschiff der Ostkirche zu sehen.
Viele Jahrhunderte gingen ins Land. Die Kirche war im romanischen Stil gebaut worden und diente dem Kloster als geistlicher Mittelpunkt.
Leider war es auch damals so, dass zeitweilig das ruhige und friedliche Leben durch Kriege und Raubrittertum ein Ende fand. So kam es, dass Anfang des 15. Jahrhunderts das Kloster völlig in Verfall geriet und die Chronik aus dieser Zeit zu berichten weiß, dass „also in demselben nicht mehr denn eine eintzige Kuhe/ und Conventualperson/ welche erstere die letztere erhalten müssen/ übrig blieben ist/ die Closterkirche ist auch gantz baufällig/ und mit Stroh zur fremden Vieh-Herberge gedecket worden/“.
Johann IV., der schon in Reinhausen und Klus bei Gandersheim bewiesen hatte, dass er ein ausgezeichneter Klostervorsteher war, wurde nach dem verwaisten Kloster Bursfelde entsandt und ihm gelang der Aufbau in vorzüglicher Weise. Er legte den Grund zur berühmt gewordenen Bursfelder Congregation, einer Erneuerungsbewegung innerhalb der damaligen Klöster, die an manchen Orten die Zustimmung fand und das Mönchtum in die eigentlichen Bahnen wieder lenkte. Ausführend in dieser Idee wurden Abt Johannes V., ein Mitglied der alten Familie von Hagen. Durch seine Ausdauer gelang es ihm, die Benediktinerklöster in der Mainzer Diözese zum größten Teil zu reformieren. Man hat damals ständig Delegationen in die umliegenden Dörfer geschickt, die mit großer Geduld den Bahnbrechern der Erneuerung dienten. Es kamen dann Jahrzehnte der Ruhe und des friedlichen Aufbaues. In der Reformationszeit ging es zeitweilig hoch her, bis dann doch der evangelische Glaube seinen Einzug hielt. In jener Zeit fanden dann an der Kirche noch einmal größere Erneuerungsarbeiten statt. Man verlängerte den an sich schon ungewöhnlich großen Chor noch einmal nach Osten und zog dann eine Trennmauer zu dem westlichen Teil der Kirche, dem eigentlichen Kirchenschiff, um die Seitenteile so zu erhöhen, dass das Dach des Mittelschiffes gerade durchgeführt werden konnte. Der 30-jährige Krieg verheerte dann sehr viel am ganzen Klosterwesen, so dass danach die Restaurierungsarbeiten einsetzen mussten. Die damals abgetragenen Türme wurden dann in einer Erneuerung zu Anfang dieses Jahrhunderts wieder aufgebaut in der Weise, wie das äußere Bild des Aufbaus der Kirche sich heute noch gibt. Erhaben und einfach weisen die beiden schlichten Türme zum Himmel an der altehrwürdigen Klosterkirche. Immer wieder ist die Kirche ein Anziehungspunkt für Ausflüge von Gemeindegruppen, ein Ziel für Jugendfahrten, eine Möglichkeit, historische Untersuchungen vorzunehmen.“
Im Unterschied zu 1959 ist die Umgebung der Kirche heute nicht mehr durch den Wirtschaftsbetrieb des Klostergutes bestimmt, sondern durch das Tagungszentrum „Kloster Bursfelde“.
Die Stiftung Klosterkammer Hannover ist Eigentümerin der Gebäude. Die Missionarischen Dienste der Landeskirche engagieren sich mit der Finanzierung zweier Hauptamtlichen-Stellen (Diakon und Pastor). Der Kirchenkreis Münden ist mit einer Diakonenstelle und bei den Sachleistungen dabei. Die Kirchengemeinde finanziert die Küsterin. Der Freundeskreis Bursfelde ist u.a. beteiligt an der Finanzierung der Sekretariatsstelle.
Landeskirche, Sprengel, Kirchenkreis, die Kirchengemeinde, Gemeinden, Freundeskreis und befreundete Gruppen und Einzelne sowie die Gruppe der Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort sind in einem großen Netz miteinander dabei, von Einzelbegleitung über Kirchenführungen bis zu Meditationswochenenden und „Management for Benedict“ ein reichhaltiges Leben zu entfalten.
Bursfelde ist mit seiner Kirche und seinem vielfältigen Umfeld wieder ein Zentrum geistlichen Lebens geworden.