Bild-Epitaph
des Bauermeisters Matthias Schieffen in der Gimter Kirche
Was versteht man unter einem Epitaph?
Die Gimter Kirche verfügt über
ein Bild-Epitaph aus dem Jahre 1612. Hierzu hat Otto Borcherding (Pastor in Gimte
von 1947 - 1955) eine Abhandlung geschrieben, die nachfolgend in Auszügen
wiedergegeben wird. D. Hesse, Ortsheimatpfleger des Ortsteiles Volkmarshausen,
Telefon 05541/4665 hat eine Abschrift von der Abhandlung gefertigt und diese freundlicherweise
für die Erstellung dieser Homepage zur Verfügung gestellt.
Vorbemerkung: Seitwärts von dem Bilde des Gekreuzigten und zwar links vom
Beschauer befinden sich die Abbildungen des Stifters und seiner drei Söhne.
Gegenüber auf der rechten Seite, unter dem Kreuz, ist, in knieender Haltung
wie ihr Mann und ihre Söhne, auch die Hausfrau des Stifters zu sehen. Die
Schreibweise haben wir der heutigen leicht angeglichen. Der Text ist dreigeteilt.
Inschrift des Bild-Epitahps (in gotischen,
meist Kleinbuchstaben)
| "das Buch der Weisheit
a: 4. Capitel: Der Gerecht(e) ob er gl(e)i(c)h zu zeitli(c)h stirbt, ist er doch
in der ruhe. Den(n) er gefellt gott woll, vnd ist ichm lieb vnd wird weg genom(m)en
aüs em leben vntter den sündern, vnd wird hingerückt, da(s) die
boßheit seinen verstandt ni(c)ht hat verkehre no(c)h falsche lehre seine
seele betriege". |
Ferner rechts vom Beschauer:
| "Deen diebosen
Exempell verführen vnd verderben einem das gütte, vnd die reitzende
lüst verkehrett vnschuldige hertzen. er ist bald vollkom(m)en worden vnd
hatt vielle jahre erfüllet denn seine seele gefellt gott./ Drum eilet er
mit ihnen aüs dem bösen leben". |
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Endlich unter dem Bilde des Gekreuzigten: "Anno
1612 dem 3. Martz hab ich matthias scieffen Catterina Hollemens aüß
Münden mein(er) Eheli(c)he(n) Haüfraw diße taffel allhier setzen
lassen vber meinen stüll meinen 3. Sohnen alls Petter, seines alltters. 13.
jar vnd gorgen seines alltters 11. Jahr vnd Hannes seines alltters 9. Jar, so
in gott sindt selleiglih endtslafen vnd ih(re) Rüchsthett hir an diessem
ohrt haben die weill ih dan Gott vnd der Kirchen zum ehren auch vns züm gedechtenüs
aüch gehabbte meüch so ich an dissem orttern als geindten volckmarshaüssen
jn die 14. Jar vor ein baürmeister vnd vorst(e)her erli(c)h gebrüchen
hab lasen aüch mich zu gotts lob vnd der Christliche gemeinschaft bey den
Se. hern Comysarigen (=Kommissarien) mitt stetts anhallten nicht er minder lassen
dat disse kirchen von dem loblichen Steiffts heiffarlthaüser zu lag vnd anordüngen
in ein folgenden stadt gebracht worden das gottes wor wiederumb heirin kleingt
vnd sc(hall)t (v)nd d(ie) betreuweten sellen wiederumb gespeist und getrinkt werden
wie er selbe(r) sagt: Eech, 20 (= Ezechiel 20, 12) ich gab iehn mein sabbath zum
zeichen zwischen mir und inen damit sie lernet(en), das ich der Herr sey der sie
"Heiliget p"." Die Tafelinschrift
spricht für sich selbst: Der ehrsame Bürgermeister Matthias Schieffen
hat mit ihr nicht nur seiner Ehefrau und seinen drei Söhnen, sondern nicht
zuletzt auch sich selbst bei Lebzeiten ihrer allen ein Denkmal setzen wollen,
was ihm wohl gelungen sein dürfte.
Das älteste gegenwärtig vorhandene Gimter Kirchenbuch setzt erst über
ein halbes Jahrhundert später ein (im Jahre 1668). Es vermeldet weder Schieffens
eigenen noch etwaiger erkennbarer Nachfahren Namen. Genaueres wissen wir im übrigen
weder über die Herkunft noch über den Verbleib der Familie Schieffen.
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