|
Gegenüber werden Surfbretter verkauft, nebenan ist die Kneipe, auf der Straße tobt nachts der Drogenhandel – das ist die Nachbarschaft, in der die St.Michael’s Lutheran Church liegt und lebt und Zeugnis der Liebe Gottes sein will. Sie ist eine von sechs Gemeinden, die zusammen die Durban Central Parish bilden – in der Innenstadt und einigen Vororten der Hafengroßstadt Durban in der Provinz KwaZulu/Natal im Osten Südafrikas. Aufgrund des Pastorenmangels gibt es nur einen Vollzeit-Pastoren für die sechs Gemeinden. Er wird unterstützt von pensionierten Pastoren, einem Pastoren im Ehrenamt und zahlreichen Laienpredigern.
St.Michael’s ist das Zentrum der Parish und die einzige Gemeinde in der Innenstadt Durbans. Zwei Gemeinden liegen in den alten „Townships“ Lamontville und Chesterville, die von den kleinen Häuschen des staatlichen Wohnungsbaus der Vergangenheit und Gegenwart geprägt sind. Drei weitere Gemeinden – Seaview, Othandweni und Wentworth – liegen in sog. „Suburbs“ in denen Gemeindeglieder, die zur Mittelschicht gehören, in größeren Häusern mit Garten wohnen. Die Cato Crest Gemeinde liegt in einem „Squatter camp“ – einem Elendviertel bestehend aus Blechbuden, die gerade mit Staatsgeldern – Straßenzug um Straßenzug – durch kleine Häuschen mit Elektrizität und fließend Wasser ersetzt werden. Gottesdienste werden meist in isiZulu gefeiert – nur in Wentworth und im Frühgottesdienst in St.Michael’s wird in Englisch gefeiert.
Durban – oder EThekwini (bei der Bucht) – hat alle Licht- und Schattenseiten einer südafrikanischen Großstadt: Krankenhäuser mit europäischem Standard und Kliniken, die manchmal noch nicht einmal Aspirin haben, schillernde riesige Einkaufszentren und Luxuswohnviertel neben Armensiedlungen, deren Verschläge aus Pappe, Blech und Plastiktüten in Deutschland nicht mal einen Hund beherbergen würden. Und jeden Tag kommen neue Menschen vom Lande dazu – vom Elend getrieben oder der Hoffnung gezogen.
Unter diesen Menschen sind die Gemeinden der Durban Central Parish vielfältig gefordert: Hoffnung verkünden und verkörpern, Balsam für geschundene Seelen und eine Schulter für die Weinenden sein, den Verstummten eine Stimme sein.
Neben der üblichen Gemeindearbeit (Gottesdienste, Trauerfeiern, Hochzeiten, Konfirmandenunterricht – und die Arbeit der „Leagues“ – d.h. Gruppen für Männer, Frauen, Jugendliche, junge Erwachsene, usw.) engagieren sich Gemeindeglieder in verschiedenen Projekten.
- In dem PUSH Projekt gibt es häusliche Pflege AIDS-Kranker und die Unterstützung von „child-headed Families“ (Familien ohne Eltern, bei denen die älteren Geschwister – ca. 12 Jahre alt - die jüngeren – Kleinkinder - alleine „erziehen“). Gerade wurde eine kleine Bäckerei in Lamontville eröffnet. Mit dem Profit sollen die, die in der häuslichen Krankenpflege arbeiten, etwas finanziell unterstützt werden.
- An zwei Universitäten wurden Studierende angesprochen – nun gibt es Lutherische Studierenden-Gruppen (ELCSASO), die Vielen, die recht verloren vom Lande in die Großstadt zum Studium ziehen, Unterstützung und Halt bieten.
- Partnerschaften sind geschlossen worden – z.B. zu einem Kindergarten, der vor 10 Jahren von Flüchtlingsfrauen aus dem Kongo, Ruanda und Burundi gegründet wurde. Im dritten Stock eines heruntergekommenen Hochhauses in der Innenstadt Durbans werden über 100 Kinder – Flüchtlingskinder und Südafrikaner – liebevoll mit wenigen Mitteln betreut. Wir unterstützen wie wir können – u.a. mit der Vermittlung einer Freiwilligen aus unserer Partnerkirche in USA, die nicht nur in unserem Bäckereiprojekt, sondern eben auch im Kindergarten mithilft.
- Die Innenstadtgemeinde – St.Michael’s – wächst. Sonntags sind in dem Hauptgottesdienst 300 und mehr Besucher – Durchschnittsalter ist dabei 30. Der Alltag in der Großstadt ist hart, der Verlust klarer Maßstäbe wie noch in den intakteren Sozialstrukturen auf dem Lande vorhanden ist für viele eine Überforderung – umso größer ist die Suche nach Orientierung, nach Halt und nach Hoffnung. Dies zu leben und weiterzugeben ist ständig neue Herausforderung für Gottes Kinder – auch in der Großstadt Durban.
|