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Bericht eines Erdbebenhelfers
Göttingen/Port-au-Prince, 26.1.2010. Thomas Ziaja ist als Berufsfeuerwehrmann in Göttingen und ehrenamtlicher Erdbebenhelfer ein Profi. Was er aber bei seinem letzten Einsatz in Haiti leisten und miterleben musste, war auch für ihn unvorstellbar: Amputationen unter freiem Himmel, Leichen unter Trümmern, Exekutionen auf der Straße. Jetzt ist er nach einer achttätigen Tour mit einem USAR-Team (Urban Search and Rescue) durch das vom Erdbeben zerstörte Haiti zurückgekehrt. Die bedrückenden Erlebnisse verarbeitet der 52-Jährige, in dem er viel darüber spricht.
Zwei Tage nach dem Beben ging es los. Flug in die Dominikanische Republik, gesponsert von Air Berlin, mit 17 Erdbebenhelfern aus Deutschland an Bord - und Suchhund Pablo. Der wurde später zu einer kleinen Berühmtheit. Von Haitis Nachbarland brachte sie ein Hubschrauber der US-Armee in die Katastrophenregion. "Eigentlich sollte das die UNO übernehmen, aber die Koordination hat nicht funktioniert", sagt Ziaja.
"Zuerst haben wir nach Überlebenden in den Trümmern gesucht", beschreibt er die Arbeit. In manchen Stadtteilen der Hauptstadt Port-au-Prince sei kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. "Zum Teil sind 80 Prozent der Häuser zerstört. Am Tag sieben nach dem Beben erlebte Ziaja mit seinem Team dann ein "Wunder". Bei US-Kollegen hatte ein Detektor etwas geortet. Suchhund Pablo aus dem deutschen Team musste genauer nachschnüffeln - und schlug an. In dem Berg aus Schutt musste sich eine lebende Person befinden. Aus den meterhohen Trümmern eines zerstörten Hauses befreiten die Helfer nach zwei Stunden eine 69 Jahre alte Frau. Sie war nach Medienberichten auf dem Weg zur nahegelegen Kathedrale, als sie vom Erdbeben überrascht und verschüttet wurde.
Ziaja und seine Kollegen gingen dann dazu über, medizinische Hilfe zu leisten. Gemeinsam mit Mediziner-Teams aus Großbritannien, Taiwan und Ungarn stießen sie in der Nähe der von den Einheimischen so genannten "Church Cathedral" zufällig auf ein halbwegs intaktes Krankenhaus, dass mit Verletzten überfüllt war. Dort kam ihre Hilfe wie gerufen. "Wir amputierten Gliedmaßen, versorgten Kopfverletzungen - und das oft ohne Betäubung - bis zum Einbruch der Dunkelheit." Dann mussten sie aus Sicherheitsgründen wieder ins Camp am Flughafen, wo die meisten internationalen Hilfskräfte untergebracht waren.
"Für die Hilfe waren die Leute mehr als dankbar, viele hatten Tränen in den Augen", sagt Ziaja. Vor allen Dingen, weil sein Team im Gegensatz zu anderen in den Slums von Port-au-Prince unterwegs war. "Da konnten wir uns nur hinein trauen, weil wir uns selbst einen Trupp US-Soldaten als Schutz organisiert hatten." Ohne ihre Hilfe wäre der Einsatz wohl lebensgefährlich gewesen. "Ich habe selbst Exekutionen auf der Straße beobachtet."
"Und dann gibt es noch genug Leute, die plündern", sagt Ziaja - vor allem in den etwas besseren Gegenden der Stadt. Ohne anklagend zu klingen, ergänzt er: "Ich weiß nicht, wie einer in Deutschland reagieren würde, wenn es ums nackte Überleben geht. Wenn die Stadt in Trümmern liegt, dann ist die Ethik abgehakt."
Insgesamt beschreibt er die Lage in Haiti auch zwölf Tage nach dem Erdbeben als "mehr als chaotisch." Das liege aber auch an der UNO. In dem Camp am Flughafen warteten 2.000 Helfer auf ihre Einsätze. Aber nur 300 würden täglich hinausgelassen, weil es entweder keine Lkw's oder keine UN-Kräfte zur Sicherung gebe. "Wir haben uns dann irgendwann einen Lkw von einem Einheimischen gemietet und 3.000 Dollar privat gezahlt", sagt Ziaja.
"Eine Zerstörung solchen Ausmaßes habe ich noch nicht erlebt", sagt Ziaja, der schon nach dem Erdbeben 2005 in Pakistan für die USAR im Einsatz war. Auch wenn er mit seinem Team vielen Menschen im Chaos Hoffnung gegeben hat, so bleibt er doch realistisch: "Was wir gemacht haben, war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Haiti wird noch viele Jahre Hilfe benötigen." Für seinen nächsten Einsatz hat der ehrenamtliche Erdbebenhelfer auch etwas gelernt: Genügend Bargeld mitnehmen, damit das persönliche Engagement nicht verpufft, wenn offizielle Stellen versagen.
Internet: www.erdbebenrettung.de
Internet-Video vom Einsatz: http://cnn.com/video/?/video/world/2010/01/19/sanchez.cooper.woman.rescued.cnn
epd lnb fra mig/ Jan Fragel/26.1.2010 Copyright www.epd-niedersachsen-bremen.de
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Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet dringend um Spenden.
Diakonie Katastrophenhilfe: - Konto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70, Kennwort: „Erdbebenhilfe Haiti" - Im Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/haiti - Per SMS: Spender können an die 8 11 90 eine SMS mit dem Stichwort 'BEBEN' schicken. Von der Mobilfunk-Rechnung werden dann 5 Euro abgebucht.
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