Geschichte unserer Kirchen und Gemeinden
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Ein kleiner Führer durch die Matthäikirche
Bingum
Kirchen sind durchbetete Räume.
Sie geben Raum für die Begegnung mit Gott
Sie geben Schutz, damit wir uns Gott öffnen können
und Halt und Kraft zum Leben finden.
Die Matthäikirche zu Bingum (für Ansicht, bitte anklicken) wurde ungefähr von 1200 - 1225 im Stil einer romanischen Hallenkirche erbaut. Ursprünglich soll sie höher gewesen sein. Etwa 1700 wurde das Dach, die Decke etwas niedriger gelegt. 1793 ist der Westgiebel erneuert. Von 1959-1969 erfolgte eine erneute und tiefgreifende Umgestaltung der Kirche.
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Die Bilder geben einen ersten Eindruck vom Wandel unserer
Kirche und auch unserer Gemeinde über die letzten hundert Jahre. Es scheint sich um einen völlig anderen Kirchraum zu handeln, |
zumal auf der Nordseite noch die großen Fenster erkennbar sind. Mittlerweile gibt es auf dieser Seite nur noch kleine Fenster im oberen Wandbereich, wie in romanischen Kirchen üblich. |
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Der Name erinnert einerseits an den Evangelisten Matthäus, andererseits auch an einen Zöllner gleichen Namens, der den Kirchenbau mit erheblichen Mitteln (der Legende nach aus etwas zweifelhafter Quelle) unterstützt hat. Der Innenraum der Kirche wurde von 1959 - 69 renoviert. Leider konnten die alten Mauern nicht nach Wunsch trocken gelegt werden. Deswegen ist eine erneute Renovierung nötig geworden. Wegen Geldmangels ist diese vorerst zurückgestellt.
Der Altarraum, (für Ansicht, bitte anklicken) die Apsis, wird von dem Triumpfbogen betont. Triumpfbogen und Gewölbe symbolisieren für die Menschen im Mittelalter den Himmel, aus dem Christus wiederkehren wird. Früher war das Gewölbe mit einer Christusfigur bemalt.
Der Altar steht in der durch die versetzte Mauerung und die Stufe geschaffene Altarnische. Der Altar ist neu aufgemauert. Die Platte (Mensa) darauf ist aus rotem Sandstein. Sehr alt! Sie hat als Deckel auf einem Steinsarg gedient, den man unter der vorherigen Holzkirche fand. Das heutige Altarkreuz, ein Wendekreuz mit der Darstellung des siebenäugigen Lammes (Offenbarung 5, Vers 6), stammt von Joachim Schubotz (1968).
Der
Taufstein
(für Ansicht, bitte anklicken) dagegen ist jünger. Er ist
aus gelbem Sandstein und stammt aus dem Bentheimschen. Etwa aus dem 14. Jahrhundert.
Werkstätten für Steinmetzarbeiten gab es damals in Ostfriesland nicht.
Es war leichter, die Kunstwerke auf dem Wasserwege aus dem Flämischen zu
importieren.
Die Barockkanzel (für Ansicht, bitte anklicken) ist aus dem Jahre 1691. Sie ist mit altkirchlichen Symbolen verziert. Die ganz einfache Bauernschnitzerei stellt die 4 Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes dar. Oben, in der Mitte, ist das Wappen der Familie Cromminga. Im Buch des Lukas steht der Name des Erbauers „Frerick Albers“. In der Kirche zu Hatzum kann man sehen, wie diese Kanzel im Original aussah.
Die Orgel (für Ansicht, bitte anklicken) wurde von der Firma Ahrend und Brunzema, Loga gebaut. Am 09.03.69 wurde sie eingebaut. (Disposition der Orgel, für Ansicht, bitte anklicken) Die Werkstatt von Jürgen Ahrend gehört heute zu den bedeutendsten Orgelbaufirmen Deutschlands. Es besteht die Möglichkeit, z.B über eine Orgelexkursion wie sie vom Organeum in Weener angeboten wird, die Bingumer Orgel, aber auch die einzigartige Orgellandschaft Ostfrieslands näher kennenzulernen.
Das Gestühl wurde 1969 neu angefertigt. Die dunkelgrüne Farbe steht im Gegensatz zum Rot der Kanzel. Altes und Neues sollte so miteinander harmonieren.
Das
Kreuz über dem Chorraum (Joachim Schubotz, 1968) will darstellen,
was in der Bibel über Jesu Leiden geschrieben ist: Fürwahr, er trug
unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. (Jesaja 53). Eine andere
Deutung spricht davon, daß das Kreuz die Zerrissenheit der Welt in sich
aufnimmt und umschließt.
Die drei Glasfenster
der Apsis wurden ebenfalls von dem Hannoveraner Joachim Schubotz entworfen.
Sie nehmen die Themen der großen Feste des Kirchenjahres auf:
Das erste (Nord-)Fenster nimmt Motive des Weihnachtsfestes auf. Die Krippe und
der Stern von Bethlehem erinnern hieran.
Das zweite, mittlere Ostfenster erinnert an Ostern. Es stellt die Symbole für
Tod und Leben, für Schuld und Versöhnung dar: die Dornenkrone mit
den sieben Blutstropfen Christi, die Schlange als Symbol der sich selber verzehrenden
Sünde und das Kreuz von Golgatha als Zeichen der Versöhnung.
Das dritte (Süd-)Fenster ist dem Pfingstfest gewidmet: Die aufgehende Blüte
und die Feuerflammen verweisen auf den lebensschaffenden Geist Gottes der Menschen
den Zugang zur Erkenntnis Gottes öffnet.
Schlange und Dornenkrone (mittleres Fenster) wurden als Symbole auch von Karl-Ludwig
Böke (Leer) in der Gestaltung der Pforte
(für Ansicht, bitte anklicken) zum Friedhof aufgenommen.
Im Jahr 2003 kam ein Kerzenbaum (für Ansicht, bitte anklicken) hinzu, um z.B. nach einem Gottesdienst oder bei einem Besuch der Kirche (Offene Kirche), für ein Gebet innezuhalten und eine Kerze zu entzünden.
Der Turm
(für Ansicht, bitte anklicken) der Bingumer Matthäikirche
wurde im Jahr 1766 errichtet. "Im Jahr 1766 ist während der glorreichen
Regirung und unter allergnädigster Begünstigung Friedrichs II., Königes
in Preisen EE dise neue Kirch Thurm von der Gemeine zu Bingum Gott zu Ehren
erbauet worden." Aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse steht
der Turm frei neben der Kirche. Eine Gedenktafel
an der Ostseite des Turmes, sowie ein in Sandstein gehauenes Ziffernblatt
einer alten mechanischen Uhr (für Ansicht, bitte anklicken)
mit der Jahreszahl 1766 erinnern an diesen Neubau.
Der Turm wurde 2003 von außen umfassend saniert.
Seit 1972 ist ein Schwan, der von einem Gebäude aus Bingum stammt in der
Heinrich-Gätke-Halle des Instituts für Vogelforschung in Wilhelmshaven
ausgestellt. Der Schwan ist in Ostfriesland traditionell das Zeichen der evangelisch-lutherischen
Gemeinden.
Möglicherweise zeigte dieser Schwan
auf dem Bingumer Kirchturm an, dass es sich um eine evangelisch-lutherische
Gemeinde handelt. Falls es sich um den Schwan des Turmes handelt, wurde er anfang
der 1960er Jahre bei Renovierungsarbeiten durch einen
Wetterhahn ersetzt.
Nach einer anderen Erklärung handelt es sich bei dem im Wilhelmshaven ausgestellten
Schwan um eine Wetterfahne des ehemaligen lutherischen Armenhauses, das einst
in Leer-Coldam existierte. Der Bauernhof wurde anfang der 1970er Jahre abgebrochen.
Für diese These würde sprechen, dass der Schwan in Wilhelmshaven seit
1972 ausgestellt ist.
Das Geläut der Bingumer Matthäikirche besteht derzeit aus drei Glocken (I-III). Sie haben die Schlagtöne c2 (I), b1 (II) und g1 (III). Zwei Graugußglocken (Heute Glocke II und III) wurden 1951 von der Glockengießerei Weule als Ersatz für die im 1. und 2. Weltkrieg für die Kriegsproduktion eingeschmolzenen Glocken angefertigt. Sie hängen derzeit in einem aus Stahl gefertigten Glockenstuhl. Da die Glocken durch Korrosion gefährdet sind, plant die Gemeinde derzeit ein neues Geläut.
Vor der Kirche ist eine Gedenkstätte für die Opfer der Weltkriege des 20. Jahrhunderts und des Krieges von 1870/71 errichtet. Der Beschluß zur Neugestaltung einer Gedenkstätte erfolgte Anfang 1964 als gemeinsamer Beschluß von Kirchenvorstand und (zu der Zeit selbständiger) politischer Gemeinde Bingum. Die Statue "die Trauernde" (für Ansicht, bitte anklicken) wurde vom Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke von 1966-1968 vor Ort geschlagen. Sie korrespondiert mit der Pforte des Friedhofs. Auf den Gedenktafeln an der Südseite des Kirchplatzes wird neben den Opfern von Kampfhandlungen auch dreier Bingumer Bürger gedacht, die in Konzentrationslagern ihr Leben verloren.
Im Zuge der Dorferneuerung wurden der Kirchplatz und der alte Dorfkern 2005 neu gestaltet. Die Einweihung erfolgte im September 2005 mit einem Gemeindefest rund um Kirche und Gemeindehaus.
Zur Förderung der Gemeindearbeit und zum Erhalt der Kirche
hat die Bingumer Matthäigemeinde die Rheiderländer
Kirchenstiftung errichtet.
Wir freuen uns über Ihre Unterstützung, damit wir die Bingumer Kirche
auch in Zukunft für die Gemeinde und Gäste öffnen können.
Text: J.Sanders, A.Siegmund / Fotos und Gestaltung: A.Siegmund (2004-2010)
Für Interessierte steht ein kleiner Kirchenführer als pdf-Datei zum Download bereit.
| Unsere Kirchen sind außerhalb der Gottesdienste
von Mai bis September für Gäste geöffnet (Offene Kirche). |
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