Wort des Lebens | März 2010 |
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Ein monatlicher Impuls zum Umsetzen eines Schriftwortes im Alltag. Der Text wird in über 90 Sprachen und Dialekte übersetzt und ist für eine Vielzahl von Menschen weltweit wichtiger Orientierungspunkt für das tägliche Handeln. |
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Wie oft im Leben möchten wir, dass uns jemand zur Seite steht, und spüren gleichzeitig, dass niemand unsere Situation lösen kann! Vielleicht wenden wir uns dann unwillkürlich an jemanden, der das Unmögliche möglich machen kann. Dieser Jemand hat einen Namen: Jesus.
„Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rücke von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“
Es versteht sich, dass der Ausdruck „Berge versetzen“ nicht wörtlich gemeint ist. Jesus hat seinen Jüngern nicht die Kraft verliehen, Aufsehen erregende Wunder zu wirken, um die Menge in Staunen zu versetzen... Die Jünger sollen vielmehr begreifen, dass dem Glauben nichts unmöglich ist.
Jedes Wunder, das Jesus – direkt oder durch seine Jünger – gewirkt hat, hatte immer das Reich Gottes, die Verkündigung des Evangeliums oder das Heil der Menschen zum Ziel. Berge zu versetzen würde nicht dazu beitragen.
Der Vergleich mit dem Senfkorn sagt aus, dass es Jesus nicht auf die Größe unseres Glaubens ankommt, sondern auf seine Echtheit. Und ein echter Glaube verlässt sich einzig auf Gott und nicht auf die eigenen Fähigkeiten.
Zweifel oder Unsicherheit im Glauben bedeuten, dass unser Gottvertrauen noch wachsen kann; unser Glaube ist vielleicht noch schwach und bewirkt nichts, er stützt sich noch zu sehr auf die eigene Kraft und menschliche Logik.
Wer hingegen ganz auf Gott vertraut, lässt ihn wirken... Und für Gott ist nichts unmöglich.
Der Glaube, den Jesus von seinen Jüngern möchte, ist genau diese Haltung des vollen Vertrauens. Sie ermöglicht es Gott, seine Macht zu erweisen.
Ein solcher Glaube kann Berge versetzen. Er ist nicht einigen wenigen außergewöhnlichen Menschen vorbehalten; alle Christen können und sollen einen solchen Glauben haben.
„Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“
Man nimmt an, dass Jesus diese Worte zu seinen Jüngern gesagt hat, als er sie aussandte. Wir könnten leicht erschrecken bei dem Gedanken, einer kleinen Schar anzugehören, die über keine besondere Vorbereitung und Begabung verfügt und doch zahllosen Menschen die Wahrheit des Evangeliums bringen soll.
Wir könnten leicht den Mut verlieren, wenn wir mit Menschen zu tun haben, die sich für alles andere interessieren als für das Reich Gottes.
Kurz: Die Aufgabe scheint unmöglich zu sein.
Doch Jesus verspricht uns, dass der Glaube die Berge der Gleichgültigkeit versetzen kann. Mit diesem Glauben wird uns nichts unmöglich sein.
Dieser Satz gilt auch für alle anderen Situationen des Lebens, wenn sie nur der Ausbreitung des Evangeliums und dem Heil der Menschen dienen.
Manchmal kann vor unüberwindlichen Schwierigkeiten die Versuchung aufkommen, sich nicht einmal mehr an Gott zu wenden. Die menschliche Logik will uns weismachen, es habe ohnehin keinen Sinn.
Doch Jesus ermahnt uns, nicht mutlos zu werden, sondern uns mit Vertrauen an Gott zu wenden. Er wird uns erhören – auf welche Weise auch immer.
So ist es auch der Italienerin Lella ergangen: Seit einigen Monaten hatte sie eine Arbeit in Belgien angetreten. Zwischen ihr und den Kolleginnen, mit denen sie eine Wohnung teilte, schien eine unüberwindliche Sprachbarriere zu bestehen. Sie fühlte sich isoliert, obwohl sie ihnen mit Liebe und Aufmerksamkeit begegnete...
Oft hatte sie versucht, diesen Berg des Ausgeschlossenseins zu versetzen. Vergeblich! Sie begann, den Mut zu verlieren. Was konnte sie noch tun?
Sie dachte an das traurige Gesicht von Godelieve, einem Mädchen aus der Wohngemeinschaft. An diesem Abend hatte sich Godelieve in ihr Zimmer zurückgezogen, ohne das Essen anzurühren. Lella war ihr nachgegangen, dann aber vor ihrer Zimmertür schüchtern und verunsichert stehengeblieben. Gern hätte sie geklopft, doch mit welchen Worten sollte sie sich verständlich machen? Sie hatte kurze Zeit gewartet, dann jedoch aufgegeben.
Am nächsten Morgen ging sie in aller Früh in die Kirche, setzte sich in die letzte Reihe und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Hier war der einzige Ort, wo sie keine fremde Sprache sprechen musste. Es war auch nicht nötig, viel zu erklären; denn hier gab es jemanden, der sie auch ohne Worte verstand... Sie schlug das Evangelium des Tages auf und las: „Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“1 Diese Worte gaben ihr unerwarteten Frieden.
Als sie nach Hause kam, traf sie Anni und half ihr schweigend, das Frühstück vorzubereiten. Die erste, die hinzukam, war Godelieve. Sie wollte sich schnell einen Kaffee kochen, ohne jemanden zu sehen. Aber dann blieb sie doch. Der Friede, der von Lella ausging, hatte sie stärker berührt als jedes Wort.
Am selben Abend trafen sie sich auf dem Heimweg. Godelieve bemühte sich, so zu sprechen, dass Lella sie verstehen konnte, und fügte leise hinzu: „Du brauchst nichts zu sagen. Denn heute habe ich durch dein Leben verstanden, dass auch ich lieben soll.“ Der Berg war nicht mehr da.
Chiara Lubich
Erstmals veröffentlicht in: NEUE STADT, September 1979
1) Johannes 16,33
Chiara Lubich ist Gründerin der internationalen Fokolar-Bewegung. Auch hier in Arnum gab es 25 Jahre lang eine Kommunität dieser Bewegung. Heinrich Nocke, ein langjähriges Mitglied unserer Kirchengemeinde, gehört dazu. Seit Januar 2009 lebt er in einer Hamburger Gemeinschaft.