Wer in der Christnacht geboren wurde, soll eine besondere
Gabe mit auf die Welt bekommen
haben und Feuer, Hochzeits- und Trauerzüge voraussehen können. Er
besitzt also die Gabe des "Zweiten Gesichts".
Zwei Männer, von denen einer die Fähigkeit hatte, Geister sehen zu können, gingen nach durchzechter Nacht über den Friedhof an der St. Michaelkirche nach Hause. Die Turmuhr schlug gerade zur zwölften Stunde, da rief der Geisterseher seinem Gefährten zu, er solle schnell zu ihm auf die andere Wegseite kommen. Der war aber der Meinung, es ließe sich besser in der Mitte des Weges gehen. Doch kaum hatte er das gesagt, stürzte er lang hin, so dass er laut zu fluchen und zu schelten begann.
Als die beiden danach weitergingen, fragte der mit der Gabe
des Zweiten Gesichts nach einiger Zeit:
"Hast du denn gar nichts gesehen?"
Das verneinte sein Gefährte. Da erklärte er ihm:
"In den nächsten fünf Tagen kommt hier ein
Leichenzug mit einer verstorbenen Frau hergefahren, und wenn mich nicht alle
Zeichen trügen, ist die Tote eine Person vom Gut in Westerbrak. Ich habe
dich eben gesehen, wie du auf der Deichsel entlang oben auf den Leichenwagen
gestiegen bist. Dann bist du über den Sarg hinweggegangen und hinten
vom Wagen gefallen.
Deswegen bist du auf die Nase gefallen."
Was der Mann im Geiste gesehen hatte, ist danach auch wirklich
eingetroffen. Zwei Tage später starb ein Fräulein auf dem Gut.