Nun sitze ich wieder in der ersten Vorlesung dieses Semesters,
aber so recht wollen sich meine Sinne nicht auf die Figurationssoziologie von
Norbert Elias einlassen. In Gedanken reise ich noch immer durch die Eindrücke
der letzten Tage. Seit einem Jahr geplant, unzählige To-Do-Listen angefertigt,
Terminkalender bis auf die letzte Minute ausgepresst und nun ist es doch geschafft:
unser Stammesjubiläum liegt hinter uns und es war super! Nun aber mal bitte
von vorn: also es begab sich im Herbst 2001, als unserem Stammesältesten Rolf
Ebritsch auffiel, dass die Pfadfinderei in Hannover-Döhren bald 50 Jahre alt
wird. Eigentlich ragen unsere Wurzeln ja noch tiefer, denn bereits 1932 begann
der damalige Diakon Heinrich Kuck mit anderen, den bündisch geprägten Ev. Jugendverein
unserer Kirchengemeinde in die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands zu
überführen. Wie dem auch sei - 50 oder 70 Jahre - bislang hatte es kein Stammesjubiläum
gegeben, das musste geändert werden. Unser Stammesrat war sich wie immer völlig
einig und da wir ja eh über viel zu viel Zeit und Mitarbeiterinnen verfügen,
konnten wir uns gleich für die Idee begeistern. Also begannen wir die alten
und völlig verwahrlosten Archive zu durchwühlen und waren nicht selten überrascht:
Morgenübungen bis die Glieder knacken, frühe Koedukation, Elternabende mit Konzerten
von Bach, gelbe Gummistiefel, Hippies, Hausbesetzungen, Atomstrom, Stammesauflösung
und Wiederanfänge mit lauter Quereinsteigern. Mehr sei nicht verraten, denn
dank vielfacher Spenden wurde es möglich, dass wir 70 Jahre Pfadfinderei unseres
Stammes in einem hochwertigen Bildband dokumentieren konnten und nun an Interessierte
verkaufen. Den Archivarbeiten folgte eine Einschwörungszeit aller Stammesmitglieder
auf die Jubiläumsfeier, mindestens 4 Elternbriefe sorgten für reichlich Verwirrung,
ein Jubiläumslied wurde geschrieben und reichhaltig instrumentiert, ehemalige
Stammesmitglieder aus 70 Jahren wurden gesucht und benachrichtigt, tausende
Fotos wurden sondiert, alte Filme und Aufnahmen digitalisiert, 200 Steine beschrieben,
eine Festschrift geschrieben ... und die Gruppen übten ihre Auftritte. Und dann
kam der 19.Oktober 2002, an dem wir mit etwa 80 ehemaligen Stammesmitglieder
unser auf Pfadfinderei gestimmtes Gemeindehaus belebten. Die jüngsten Pfadis
waren 9 Jahre, der älteste war Heinrich Volker, der uns mit seinen 92 Jahren
von den Anfängen Döhrener Pfadfinderei erzählte. In Erinnerung bleibt mir die
Spontantheatergruppe "Zuckerschweine" ("Hammer!", Zitat eines Kindes) sowie
der von uns weitestgehend gestaltete Festgottesdienst zum Thema Lebenswege,
an dessen Ende unser Stamm "Nehmt Abschied Brüder" begann und die vielen ehemaligen
Pfadfinderinnen und Pfadfinder und Gemeindeglieder in der vollen Kirche mit
einstimmten. "Und plötzlich waren wieder alle Erinnerungen und Bilder da", las
ich ein paar Tage später im Gästebucheintrag. Die Kollekte sowie Tombolaerlöse
und Spenden ergaben eine Summe von 557,- Euro, die wir für das Regenwaldprojekt
Caminos Verdes des VCP Niedersachsen gesammelt haben. Beim anschließenden Empfang
wurden wir dann reichlich gelobt und beschenkt und freuten uns über Gäste aus
allen Ebenen des VCP. Auch unser Buvo Hans-Jürgen Poppek fand trotz Jamboree
-Vorbereitung den Weg nach Döhren und überreichte uns eine ganz besondere Vierecksplane,
die ihr auf kommenden Lagern an unserer Jurte bestaunen könnt - unser MatWart
ist ganz stolz ;-) Nun, es war ein ganz besonderes Jubiläum, dessen Vorbereitung
sich dann doch gelohnt hat und das unseren Stamm noch mehr zusammengebracht
hat. Nun hoffen wir, dass sich unser Jubiläumsmotto auch in den nächsten Jahren
bestätigen wird: "Und immer weiter geht die Fahrt..."