Viele werden sich noch an den letzten
Kirchentag 1983 in Hannover erinnern:
Lila Tücher, harte, aber faire Auseinandersetzungen
um die Atomwaffen, fröhliche,
singende Menschen überall auf den
Plätzen und in den Bahnen der Stadt,
volle Kirchen und schöne, mit viel Phantasie
gestaltete Gottesdienste und ein zu
Herzen gehender Abschluss im Niedersachsenstadion
haben jene Tage damals
geprägt.
Immer wieder haben die Kirchentage ja
wichtige Impulse, neue Erkenntnisse und
hilfreiche Veränderungen in die Gemeinden
getragen, besonders auch im Bereich
von Gottesdienstgestaltung und Kirchenmusik:
Das so gern gesungene Lied
"Komm, Herr segne uns" war 1983 der
Kirchentagsschlager.
Und ganz Entscheidendes ist zum Beispiel
durch die Kirchentage mit ihrem sogenannten
"Feierabendmahl" in Hinblick
auf unsere Abendmahlspraxis in Gang
gesetzt worden.
Führte das Abendmahl in unserer Evangelischen
Kirche - jedenfalls in Deutschland
- doch fast Jahrhunderte lang ein
Schattendasein, beschränkt auf Karfreitag
und Buß- und Bettag und ab und
zu einmal im Anschluss an den Gottesdienst.
Eine meist bitterernste Angelegenheit mit
dem Gedanken an persönliche Schuldbeladenheit
und den Tod Jesu Christi im
Zentrum, der man eigentlich nur mit
einer gewissen "protestantischen Zerknirschtheit"
und natürlich auch nur als
Erwachsener angemessen begegnen
konnte.
Von der Freude über die Auferstehung
und die Anwesenheit Christi mitten unter
den Feiernden, vom Gedanken der Gemeinschaft,
die durch das Mahl gestiftet
und gestärkt wird, war für viele lange
nichts zu spüren gewesen. Bis hin zur
Konfirmation, die nur "in Schwarz" und in
der "stillen" Zeit vor Ostern denkbar war.
Dass da heute vieles anders ist, dass wir
das Abendmahl auch mit fröhlichen
Liedern und Herzen feiern können, dass es
wieder viel selbstverständlicher in unsere
Gottesdienste gehört, dass auch Kinder
nach einer gewissen Vorbereitung daran
teilhaben dürfen, und dass sogar der
Wunsch nach einer gemeinsamen Mahlfeier
mit den katholischen Glaubensgeschwistern
nicht mehr aus der Welt zu
bringen ist, das ist mit Sicherheit auch
Ergebnis der Kirchentage von Nürnberg
1969 bis Berlin 2003.
Darum freue ich mich auch auf den kommenden
Kirchentag und bin gespannt,
was er uns bringen wird. Hoffnungszeichen
für die Benachteiligten in unserem
Land, weitere Schritte in der Ökumene
und Ermutigung für die Arbeit in
unseren kleiner werdenden Gemeinden
stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.
Wobei ich mich natürlich auch fragen
muss: Was bin ich bereit von mir mit in
diesen Kirchentag einzubringen? Die
Vorbereitungen sind inzwischen in vollem
Gange. Doch alles lässt sich nicht planen,
schon gar nicht das Wirken von Gottes
Geist. Und vieles hängt auch von den
beteiligten Menschen ab, nicht zuletzt
von uns Hannoveranern. Wir sind die
Gastgeberinnen und Gastgeber. Eine nicht
ganz leichte, aber sehr schöne Aufgabe.
Vielleicht haben Sie ja auch Lust an der
einen oder anderen Stelle mitzuarbeiten,
wenn wir in den nächsten Wochen und
Monaten auf Sie zukommen und Sie um
Mithilfe bitten werden.
Manchmal stellt man ja hinterher fest,
dass man einen Engel bei sich hatte.