Das heißt nicht, dass es keinen Grund gäbe
zu jammern. Gründe zu jammern gibt es
immer. Manchmal sind es nichtige Gründe,
dann ist Jammern verschenkte Zeit.
Manchmal sind es gute Gründe, dann hilft
es, zu klagen und zu benennen, was einen
bedrückt.
Gründe zu jammern
gibt es immer
In jedem Fall aber hat Jammern ein Problem:
Es breitet sich aus – so wie ein
Tropfen Tinte, der in ein Taschentuch fällt,
in alle Richtungen verläuft und übergreift,
so wie ein fallender Kegel auch andere
Kegel zu Fall bringt. Jammern ist eine
Abwärtsspirale, die sich immer weiter
dreht – nach unten.
Jammern allein hilft nicht weiter.
In der Bibel stehen einige Briefe von einem
Menschen, der vom Jammern nicht viel
hielt. Das heißt nicht, dass bei ihm immer
alles prima lief. Auch er hatte gute Gründe
zum Jammern.
Aber mit diesen Gründen ging er nicht so
um, dass er im Jammern stehen blieb. In
seinem 2. Brief an die Gemeinde in Korinth
schreibt der Apostel Paulus (4. Kapitel):
Schwierigkeiten bedrängen uns von allen
Seiten. Aber wir lassen uns von ihnen nicht
überwältigen. Wir wissen oft nicht weiter.
Aber wir verlieren nie den Mut.
Vorweg: Paulus simuliert nicht. Was er
schreibt, hat er wirklich erlebt. Warum
jammert er nicht? Ist Paulus ein ganz
Harter? Einer, der nach dem Motto lebt
"Was nicht tötet, härtet ab."? Einer mit
dickem Panzer und dicker Rüstung um
sich?
Gerade nicht! Er vergleicht sich selbst mit
einem Gefäß aus Ton. Und Ton ist zerbrechlich.
Man stößt mit einem Tongefäß
gegen eine Wand – und es hat einen
Sprung. Man lässt es versehentlich auf
den Boden fallen – und es zerbricht.
Der Schatz
im Tongefäß
Aber dieses zerbrechliche Gefäß, sagt
Paulus, ist nicht alles. In ihm befindet sich
ein Schatz. Paulus schreibt:
Gott hat einst
gesagt: "Aus der Finsternis soll Licht aufleuchten."
So hat er jetzt in uns sein Licht
aufleuchten lassen, damit die Menschen
Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus
Christus sichtbar wird. Diesen kostbaren
Schatz tragen wir allerdings in zerbrechlichen
Gefäßen, damit jeder erkennt, dass
die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt,
von Gott kommt und nicht von uns selbst.
Dieser Schatz mit seinem hellen Schein –
das ist der Grund, warum Paulus nicht
jammert. Er weiß, wie zerbrechlich menschliches
Leben ist. So wie ein Tongefäß.
Daran lässt sich im Grundsatz nicht viel
ändern. Darüber zu jammern bringt gar
nichts.
Hinnehmen und verändern
Aber in diesem zerbrechlichen Gefäß ist
ein Schatz. Ein Schatz, der leuchtet, der
ausstrahlt. Diesen Schatz hat nicht Paulus
selbst hervorgebracht. Dann könnte er ihn
ja auch wieder verlieren. Dieses Licht hat
nicht Paulus selbst angezündet. Dann
könnte es ja auch wieder verlöschen. Dieses
Licht kommt von Gott. Und deswegen
kann es nicht verlöschen.
Dieses Licht ist nicht von mir, aber es ist
in mir. Es ist das Licht von Ostern. Jesus
ist auferstanden von den Toten, und er
nimmt uns mit. Ostern – das heißt: akzeptieren,
dass unser Leben zerbrechlich ist,
und auf Gottes Licht in uns setzen, das
unser zerbrechliches Leben kostbar macht.
Dann bleiben wir nicht beim Jammern
stehen und lassen uns runterziehen. Dann
gehen wir über das Jammern hinaus:
können hinnehmen, was nicht zu ändern
ist, und können verändern, was nicht
hinnehmbar ist.