Gnade sei mit uns und Frieden
von dem der da ist und der da war und der da kommt. Amen.
(Einleitung: Das Leben als Wanderung)
Liebe Gemeinde,
Leben heißt wandern, so haben wir es eben gesungen in dem schönen Adventslied „Vertraut den neuen Wegen“ (EG 395).
Eigentlich bin ich immer Wanderer, ein Pilger auf dem Weg durchs Leben.
Was brauche ich auf diesem Lebensweg?
Ich habe nur das Nötigste mitgenommen. Auf dem weiten Weg muss das Wenige reichen, das ich eingepackt habe, sonst wird der Rucksack einfach zu schwer.
Und was ist da drin, in meinem Rucksack? Schauen wir doch mal gemeinsam ‘rein:
(EG 395,1: Vergangenheit/Evangelium)
Als erstes habe ich da Farbstifte.
Das ist gut:
da kann ich lieben Menschen einen kurzen Gruß schicken oder mir Notizen machen auf meiner Pilgerreise – hat mein Kumpel Hans-Peter auch so gemacht...
Aber eigentlich habe ich die Farbstifte zur Erinnerung dabei:
Sie erinnern mich daran, dass Gott uns all die verschiedenen Farben geschenkt hat als Zeichen dafür, dass wir alle so sein dürfen, wie Gott uns in diese Welt gestellt hat.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns in unserer Vielfarbigkeit und Verschiedenheit als seine Ebenbilder ansieht.
Mich erinnern die Farben auch daran: Ich darf mich nicht zum Maßstab machen, muss andere nicht abwerten und kann sie als von Gott gewollte und geliebte Nächste akzeptieren. Die Stifte sind für mich ein Zeichen dafür, dass Gott die Vielfalt liebt und unsere Gemeinde eine bunte Truppe, oder besser: eine bunte Herde sein darf.
Wenn ich als Pilger mit meinem Rucksack unterwegs bin, dann ist es oft sehr leise um mich herum, dann kann ich nach innen hören und die Gedanken kreisen lassen. Und manchmal höre ich dann, wie Gott mir ganz leise zuflüstert:
„Du, du und all die Menschen in deiner Kirche, vertraut doch den neuen Wegen, die ich euch immer wieder bereithalte und zeige! Vertraut nicht irgendwelchen Wegen, vertraut meinen neuen Wegen. Es gibt nicht nur den einen richtigen Weg.
Dein Weg ist nicht das Maß aller Dinge, aber wenn du ihn mit mir gehst, ist er eine der Möglichkeiten, die ich dir biete, einer der Wege zu mir, zu dem einen Gott!
Der Regenbogen, den ich als Zeichen meines Bundes mit meinen Farben an den Himmel male, gilt nicht nur dir, er gilt allen Menschen, ob sie mir fern stehen und an mir zweifeln, ob sie sich auf den Weg machen, mich zu suchen oder ob sie mir vertrauen und Orientierung finden bei mir.
Allen Menschen in ihrer Vielfarbigkeit leuchte ich den Weg in das gelobte Land!“
(EG 395,2: Gegenwart/Ethik)
Dann habe ich im Rucksack noch eine Uhr. Nicht, damit ich mich unter Zeitdruck setzen lasse oder – was einige Konfis vielleicht hoffen – damit ich dran denke, nicht allzu lang zu predigen.
Nein, die Uhr hat einen anderen Sinn: bei jedem Atemzug, den Gott mir einhaucht, in jeder Sekunde, in der er mich durchatmen lässt, auch, wenn ich mal außer Puste bin, zeigt die Uhr mir: Wir alle bekommen eine Zeitspanne auf dieser Erde geschenkt, und die können und sollen wir nutzen! Wir dürfen auf den neuen Wegen Gottes darauf vertrauen, dass Gott uns die Richtung weist und die Hände führt, damit wir gut handeln können, wo immer wir gebraucht werden.
So wie Gott uns segnet, wie er uns reichlich mit seinem guten Segen beschenkt, so können wir seinen Segen weitergeben an Menschen in nah und fern, an Menschen, die in Not sind und die diesen Segen bitter nötig haben. Denen können wir zum Segen werden.
(EG 395,3: Zukunft/Eschatologie)
Das passt auch zum Nächsten: eine Kerze.
„Diakonie“ steht da drauf – „Damit Zuversicht wächst“.
In der Dunkelheit der Welt und in meinen eigenen Dunkelheiten brauche ich Licht, Licht, das mir die Hoffnung gibt, dass es nicht dunkel bleibt.
In der Adventszeit öffnen wir unsere Herzen und hören diese Botschaft:
Gottes Licht kommt bis in unsere Dunkelheiten und lässt Zuversicht wachsen. „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.“ (EG 16,5) So hat es Jochen Klepper gesagt. Wir werden diesen Vers nachher noch singen. „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.“
In Jesus hat Gott sein menschliches Gesicht gezeigt. Als Mensch kommt Gott in unsere Welt und will Gast sein bei uns, bei dir und bei mir, bei uns allen, damit es hell wird bei uns und in uns und um uns herum.
Advent bedeutet:
Gott bleibt nicht fern, er kommt zu uns.
Er bricht immer wieder auf und macht sich auf den Weg zu uns.
Bevor wir aufbrechen und uns aufmachen auf den Weg des Glaubens hin zu Gottes Zukunft, macht er den ersten Schritt auf uns zu, denn Gott ist entgegenkommend, er ist ein entgegenkommender Gott, wie es in dem Lied heißt (EG 395,3): „er selbst kommt uns entgegen“.
Viele Menschen zu allen Zeiten haben das dankbar erfahren, viele erleben und spüren das auch heute:
Mit Jesus Christus ist Gottes Zukunft angebrochen! In ihm ist ein Hoffnungslicht in die Welt gekommen, das in unserer Welt strahlt und unser Leben hell werden lässt!
Jesus selbst hat gesagt: „Ich bin das Licht der Welt.Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12) Die Kerze ist ein Zeichen dafür.
(Schluss: Advent)
Liebe Gemeinde,
weil Gott es gut mit uns meint, dürfen wir seinen neuen Wegen vertrauen. Seine Liebe kommt immer wieder zu uns in unsere kleine und in unsere große Welt.
Das ist Advent, gestern, heute und morgen:
Gott bleibt nicht bei sich, er kommt zu uns.
Er kommt, damit ich bei mir ankomme,
er kommt, damit ich bei dir ankomme,
Gott kommt, damit ich bei ihm ankomme. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.