Apg.17, 22-28a / Jakobi: 100 Jahre  Bürgerverein / 13.04.08

 

Liebe Gemeinde,

zwei Engel, nennen wir sie Michael und Gabriel, stehen vor der Himmelspforte und schauen sich das menschliche Treiben auf unserem Planeten an. Beide haben einen Faible für den Charme der kleineren Orte, die oft im Windschatten der großen Metropolen zu finden sind.

 

Michael: „ Schau mal, siehst du da den kleinen Ort bei, in oder hinter Hannover – warte mal, ich befrage Google, - ja, das muss Kirchrode sein“.

Gabriel: „ Ja, ja, da sieht man wieder: Du bist auf Kirche spezialisiert.“

 

Michael: „Ach wo, sei doch nicht so engstirnig. Ich schaue gerade auf das Treiben in der Ortsmitte. Da wuselt ja alles durcheinander.“

Gabriel: „Du hast recht, guck mal, die Kirchröder richten sich doch wirklich nach dieser Plastik, wo sich zwei  Frauen unterhalten“.

 

Michael: „Das würde ich aber anders nennen. Der Duft zieht ja bis zu uns hier oben. Da dampft doch die Gerüchteküche.

Die Leute sind ja richtig aufgeregt.“

Gabriel: „Kein Wunder. Gerüchte und Gerüche. Man möchte meinen, wie aus dem Schweinestall...“

 

Michael: „Nun ja, wo der Durchblick fehlt, eine Transparenz  vermißt wird, da entsteht Unsicherheit und Angst. Da werden Vermutungen zur angeblichen Wahrheit und Behauptungen zu Tatsachen erklärt.

Da fehlt einer, so möchte ich mal sagen, der aufklärt, der den Leuten trotzdem nicht nach dem Mund redet, der mutig ist und eine Perspektive hat.“

 

Gabriel: „Du sagst das jetzt so, als ob du schon ein gutes Beispiel vor Augen hast.“

 

Michael: „Es müsste einer sein, der unerschrocken ist, der ihre Bedenken und Anliegen aufnimmt, der Tacheles redet aber sie auch mit Sachlichkeit zu gewinnen versucht – und, der sich in alle Seiten hineinversetzen kann.“

 

Gabriel: „Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Du meinst den Paulus, wie er da auf dem Marktplatz in Athen steht und unbefangen und klug den Athenern ins Gewissen redet.“

Michael: „ Du sagst es“.

Gabriel: „ Aber wie war das noch, so unbefangen und klug

 ist der doch auch nicht gleich, im Gegenteil, er ist sehr erbost über den religiösen Gemischtwarenladen, der sich da auftat.

Er sieht den Hunger und die Sehnsucht der Menschen nach dem Sinn des Lebens. Sieht die esoterischen Zirkel, die Wunderheiler, die Neunmalklugen und Besserwisser.

Sie hatten sogar einen Altar für den unbekannten Gott, so nach dem Motto, man kann nie wissen, wen man vergessen hat.“

 

Michael: „Da hast du recht, das Faszinierende an diesem Mann war jedoch, das diese Anfangsstimmung mit ihm nicht durchging. Die Athener hätten bestenfalls die Nase gerümpft, schlechtestenfalls ihn aus der Stadt getrieben.

Nein, er fragt sich: Was ist denn bei mir eigentlich los?

 

Warum raste ich aus? Hat das etwa mit mir selber zu tun?

Wie bin ich in das Ganze verwickelt? Diese Fragen helfen seinem schwachen Geist auf und er findet den Anknüpfungspunkt für seine Ansprache. Er sagt nicht: Weg mit den Göttern, merkt ihr nicht den Kokolores, den ihr hier veranstaltet? Nur mein Gott ist der Beste. - Nein, das tut er nicht.“

 

Gabriel: „Aber wollte Paulus die Athener nicht missionieren?“

 

Michael: „Nein, er wollte sie nicht überrumpeln, er wollte ihnen sein Herzensanliegen verdeutlichen. Er wollte die Botschaft vom befreienden Evangelium Jesu Christi, die Botschaft vom ganz und gar gnädigen  und menschenfreundlichen Gott nicht verramschen.

 

Gabriel: „Wie hat er das angestellt?

Michael: „Indem er sich erst mal an Gott selbst wandte.

Du kannst es in seinem Römerbrief nachlesen.

„Oh, welch Tiefe des Reichtums, der Wahrheit und der Erkenntnis Gottes, wie unerforschlich sind deine Wege mit uns.“ - „Du merkst, Gabriel, da knüpft er schon an den unbekannten Gott an.“

Gabriel: „Was sagt er noch“?

 

Michael: „Nun beschreibt er das Verhältnis der Menschen zu Gott, besser noch, das Verhältnis Gottes zum Menschen.

Er sagt: „Wie konnte ich nur übersehen, dass diese ganze Welt voll von Sehnsucht nach dir ist.

Alle Menschen suchen dich, auf ihre eigene Weise, ob sie es wissen oder nicht.

Denn du hast sie von Urzeiten an geschaffen, das sie zu dir gehören und das Du zu ihnen gehörst. Ebenbilder Gottes sind sie alle und sie ahnen es auch, grad dann, wenn  es krumme und schiefe Wege sind, die sie gehen.“

 

Gabriel: „Du gerätst ja richtig in Begeisterung.“

Michael: „Ja, ich meine, Paulus hat den Nerv der Einwohner Athens getroffen. Darum müsste er auch heute für die Menschen aktuell sein. Er hat bei dem unbekannten Gott angeknüpft, hat in ihm aber den menschenfreundlichen Gott gesehen, der selber auf die Menschen zugeht in seinem Sohn Jesus Christus.

All die Fragen, die Sehnsüchte, die Suche nach Gott hat er aufgenommen und gezeigt, dass unser Chef für seine Menschen da ist.“

 

Gabriel: „ Da hast du recht, wir sehen ihn ja nie.“

Michael: „Nein, er muss ja bei den Menschen sein. Gott ist so etwas wie ein ungehobener Schatz, der sich finden lassen will. Einer von den klugen Dichtermenschen hat das so formuliert:

 

„Einer ist da, der mich denkt, der mich atmet. Der mich lenkt.

Der mich schafft und meine Welt.

Der mich trägt und der mich hält.

Wer ist dieser irgendwer? Ist er ich? Und: Bin ich er?“

 

Gabriel: „Ich schaue jetzt wieder auf Kirchrode. Meinst Du, unser Chef kennt den kleinen Ort?

Michael: „Da bin ich sicher. Sieh dir doch noch einmal das kleine Denkmal in der Ortsmitte an. Was fällt dir da auf?“

 

Gabriel: „Die Vögel beschenken es manchmal mit ihren Gaben.“

Michael: „Quatsch, komme doch mal zum Wesentlichen.

 Zwei Figuren gehören zum Austausch, meinetwegen auch zu den Gerüchten. Und das ist der Anknüpfungspunkt.“

 

Gabriel: „Anknüpfungspunkt für was. Ich verstehe dich nicht.“

 

Michael: „Na, der Anknüpfungspunkt für das Gespräch, das Miteinander, für das Ich und Du. Auch, wenn Du willst, für die  senkrechte Verbindung zu uns nach oben. Nur im Miteinander kannst Du Probleme benennen und lösen.

Da gibt es doch den Bürgerverein, übrigens den größten in Hannover. Der versucht es immer wieder.“

 

Gabriel: „Was versucht der?“

 

Michael: „Na, ins Gespräch zu kommen. Mit den Leuten in Kirchrode, mit dem Bezirksrat, mit der Stadt, mit den Einwohnern, die ihre Anliegen vorbringen. Das geht schon hundert Jahre so und die Vereinsmitglieder sind immer noch nicht fertig!

Sie haben den Weihnachtsmarkt aus der Taufe gehoben, sie wollen den Kronprinzen nicht untergehen lassen, die Verkehrspolitik mit der Sicherheit für Kinder: all das steht auf ihrem Programm.

Man müßte ja blind sein, wenn man das nicht bemerkte. Apropos blinde Menschen: Für sie hat der Verein auch Orientierungshilfen erstellt.

 

Gabriel: „Da ist für die Kirchröder Paulus sicher ein gutes Beispiel.“

 

Michael: „Ist er blind für die Athener gewesen?

Nein, Paulus hat sicher  manches nicht  gesehen. Aber dann ist es ihm bekanntlich wie Schuppen von den Augen gefallen. Bevor wir das Himmelstor wieder schliessen, möchte ich denen da unten noch ein Wort von  ihm  mitgeben, der von Gott sagt:

 

„Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“

 

Auch ich liebe Gemeinde, schließe mit „So ist es: Amen.“