Zum Monatsspruch März 2011

Monatsspruch - Erstellt von Jobst v. Stuckrad-Barre
Nicht nur am 1. Mai geht es um das Thema Arbeit, Reichtum und Armut. In den Sprüchen Salomos wird zu weisem Leben erzogen. Die Weisheit dieser Worte beruht auf kurzen Sätzen, dramatischen Gegensätzen und vielen einprägsamen Beispielen, die aus dem Leben formuliert wurden. Die Sprüche kennen die Gottesfurcht als ihre Grundlage. Aus dieser Gottesfurcht entspringt auch der Gehorsam gegenüber den Geboten. Nichts aus dem menschlichen Leben und Erleben wird ausgelassen. Ob es um Stolz und Demut, um Freunde, Herren und Knechte, um den Gerechten und das Böse oder um Faulheit und Fleiß geht: Die Bibel hat immer einen passenden Spruch parat.

An unserem Spruch können wir erkennen:
Der Kontrast bringt die Wahrheit ans Licht!

Wenn ich austeile, wird doch alles weniger? Nein, sagt der Spruch: Das Gegenteil ist richtig. Unmerklich begibt sich das Wort damit auf eine "zweite Ebene" - und holt zugleich unsere eigene Erfahrung mit ins Boot. Wenn ich einen Besuch mache, stelle ich mich darauf ein, "viel zu geben". Und, oh Wunder, ich bekomme in den Gesprächen ein Mehrfaches zurück. Bin ich ein knauseriger Mensch, "behalte" ich das wenige, das mir zur Verfügung steht. Dementsprechend kann ich nichts abgeben: Die innere Armut ist die Folge. Erfahrungen, die das Leben weitergibt: Auf diesem Grund basieren unsere Sprüche. "Wer sein Haus zerrüttet, der wird Wind erben" (Sprüche 11,29):
Wie in einem kostbaren Gefäß ist auch in diesem Wort eine gemachte Erfahrung aufgehoben. Und das Geheimnis? Eine Geschichte dazu wird nicht erzählt. Jede Leserin und jeder Leser kann sich nun ihre oder seine Geschichte dazu vergegenwärtigen. Denn "die" Geschichte dahinter ist nicht zu erkennen. Ein allgemeiner Ausdruck von einzelnen Aussagen beherrscht das Bild dieser Worte. "Wer nichtigen Dingen nachjagt, der leidet Mangel" (Sprüche 12,11).

Eigentlich "spricht" so ein Wort ganz unmittelbar zu uns. Uns wird schlagartig bewusst: Dieses Wort, so alt es auch sein mag, es gibt mir doch eine tiefe Wahrheit preis: So habe ich das auch schon erlebt - und vielleicht auch die Konsequenzen daraus gezogen. Darum sagen uns die Sprüche Salomos aus den vergangenen Zeiten: Auch damals gab es Streitsucht und Neid, das vergebliche Jagen nach Ruhm und Reichtum, Demut und Stolz, Gerede und Versuchungen. Folglich: Gehen wir pfleglich mit unseren Ressourcen um. (Auch mit den eigenen!) Richten wir uns nach den Sprüchen 13,11: "Erhasteter Reichtum vermindert sich; wer allmählich sammelt, vermehrt ihn."
Bernd Schliephake