Treffpunkt Jakobibücherei

  
In diesem Jahr wird der evangelische Buchpreis 2011 das 33. Mal verliehen. Er ist ein Literaturpreis, der aus Vorschlägen von Leserinnen und Lesern hervorgeht. Der Autor Michael Kleeberg erhält den Preis für seinen Roman „Das amerikanische Hospital“. Die Pariserin Hélène und der Amerikaner David treffen sich zufällig im amerikanischen Hospital in Paris. Voller Hoffnung kämpfen sie gegen ihr jeweiliges Schicksal. Hélène versucht mit Hilfe künstlicher Befruchtung, ihre Unfruchtbarkeit zu überwinden, David, als Kriegsteilnehmer im ersten Golfkrieg traumatisiert, hofft mittels einer Therapie wieder den Schritt ins Leben zurück wagen zu können. Michael Kleeberg sagt in einem Interview über die beiden Protagonisten: „Es ist die Geschichte der Begegnung zweier Versehrter, die den Anforderungen, die ihre Umwelt an sie stellt und die sie selbst an sich stellen, nicht gerecht werden können. Zwei Menschen, die sich in dieser Situation stützen und helfen auf dem schmerzhaften Weg, die Autonomie, die sie verloren haben, wiederzuerlangen.“ Ein wunderbares Buch, das für Sie in der Jakobi- Bücherei bereit liegt.
In ihrem Roman „Der Maler und das Mädchen“ berichtet Margriet de Moor von einem wahren Ereignis, das sich im Jahr 1662 in Amsterdam zugetragen hat. Die 18- jährige Elsje, die sich erst seit zwei Wochen in Amsterdam aufhält, wird hingerichtet, denn sie hat ihre Zimmerwirtin erschlagen. Der Maler Rembrandt skizziert das Mädchen wenige Stunden nach ihrem Tod. In mehreren Rückblicken werden die Lebensgeschichten des Malers und des Mädchens erzählt. Bertina Henrichs Roman „Ein Garten am Meer“ führt uns nach Frankreich. Als ein kleines Küstendorf in der Bretagne einem Freizeitpark weichen soll, organisieren sich die Bewohner und leisten Widerstand. Zu den Akteuren zählen auch die Arztwitwe Marthe Simonet und der Außenseiter Hans von Scharnbeck. Eine schwierige Aufgabe liegt vor ihnen.
Das Bücherei-Team freut sich auf Ihren Besuch in der Jakobi- Bücherei und wünscht allen Lesern ein frohes Osterfest.
Ulrike Billib
und das Bücherei-Team

Leitungswechsel in der Bücherei

  
Die Verabschiedung Frau Linnemanns ist für mich ein Neuanfang als Büchereileiterin. Ich heiße Ulrike Billib, arbeite seit 11 Jahren im Büchereiteam mit und habe mich in dieser Zeit als Büchereiassistentin im kirchlichen Dienst qualifiziert sowie ein Studium der Geschichte und Religionswissenschaft abgeschlossen. Ich freue mich, eine in der Gemeinde gut integrierte Bücherei übernehmen zu dürfen und danke Frau Linnemann und dem Team für die geleistete Arbeit.

Mir liegt sehr am Herzen, mit dem Teams weiterhin unsere Leser mit Kompetenz und Freundlichkeit zu beraten und ihnen in gewohnter Weise viele Neuerscheinungen des Büchermarktes anzubieten.

Die ersten Bücher habe ich gekauft und stelle sie Ihnen gerne vor:
Der neue Thriller von John Le Carré, Verräter wie wir, ist ein fesselnder Roman über Korruption und Bestechung im Westen und über die Zerbrechlichkeit der Demokratie. Ein neues Meisterwerk.

Der neue Inspector-Linley-Roman Wer dem Tode geweiht von Elizabeth George ist ein solider Krimi, der in zwei Handlungssträngen verläuft. Thomas Linley kehrt nach Wochen der Einsamkeit nach London zurück und wird von einer früheren Kollegin um Unterstützung bei einem Mordfall gebeten. Nach kurzer Überlegung sagt er zu und ermittelt mit Hilfe von Detective Sergeant Barbara Havers.
Schon nach den ersten Sätzen ist man hingerissen von dem Briefroman Deine Juliet von Mary Ann Shaffers. Er garantiert beste Unterhaltung und ist dabei geistreich, amüsant und warmherzig trotz manch trauriger Berichte über die Zeit im 2. Weltkrieg auf der Kanalinsel Guernsey.

Auf der Grundlage von Tagebüchern, Briefen und Notizen zeichnet die Historikerin Barbara Goldsmith ein einfühlsames Portrait von Marie Curie, der Wissenschaftlerin, die als erste Frau einen Nobelpreis erhielt.

Hans-Peter Schwarz legt mit Das Gesicht des 20. Jahrhunderts eine Analyse dieses geschichtsträchtigen Jahrhunderts mit seinen denkwürdigen politischen Gestalten, mit dem Ringen zwischen Diktatur und Demokratie, der Gründung vieler Nationalstaaten und der Entspannung und Reform am Ende des Jahrhunderts vor. Ein historisches Standardwerk für alle, die mehr über das vergangene Jahrhundert wissen wollen.

Trotz 11-jähriger Tätigkeit in der Bücherei kommen viele neue Aufgaben auf mich zu, in die ich mich hoffentlich schnell einarbeiten kann. Mit der Unterstützung durch das Team, das Pfarramt und die Fachstelle für Büchereiarbeit hoffe ich auf ein gutes Gelingen bei meinem Neuanfang.
Allen Leserinnen und Lesern eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
Ulrike Billib
und das Bücherei-Team

Bericht aus dem Kirchenvorstand

Die Seele der Jakobi-Bücherei - Zur Verabschiedung von Frau Linnemann
Paulus hatte zum Abschied ge-schrieben, und alle vier Evangelis-ten. Nach 27 Jahren verab-schiedete sich Ute Linnemann Anfang November mit einem Empfang aus der von ihr mit aufgebauten Jakobi-Bücherei. Die Erfolgsgeschichte unserer Bücherei ist und bleibt fest mit ihrem Namen verbunden. Als eine der Frauen der ersten Stunde hatte Frau Linnemann zu-nächst gegen Widerstände aus dem damaligen Kirchenvorstand zu kämpfen, bevor die Jakobi-Bücherei am 1. Advent 1983 ihre Türen öffnen konnte. Starke Frauen setzen sich am Ende immer durch! Die Bücherei gewann in den kommenden Jahren immer mehr an Profil und Akzeptanz, heute ist sie aus unserem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken! Frau Linnemann absolvierte die Ausbildung zur Büchereiassistentin im kirchlichen Dienst, bevor sie vor 15 Jahren die ehrenamtliche Lei-tung der Bücherei übernahm. Sie hatte ein zuverlässiges Team an ih-rer Seite, in dem alle an einem Strang gezogen haben, aber als Leiterin hatte sie mehr als genug zu tun: Jeden Tag war sie mit der Bücherei beschäftigt, für sie war es ein Full-Time-Job. Frau Linnemann war all die Jahre die Seele der Jakobi-Bücherei. Sie hat der Bücherei ein menschliches Gesicht gegeben, weil sie immer sehr auf den freundlichen Umgang mit den kleinen und großen Lesern geachtet hat. "Es geht um den Le-ser, er ist wichtiger als das Buch", das war ihr Motto. Auch die kom-petente Beratung lag ihr sehr am Herzen, auf ihr Urteil konnten sich Kleine wie Große immerzu verlas-sen, hatte Frau Linnemann die von ihr empfohlenen Bücher doch alle selbst gelesen! Jahrgänge von Kin-dern aus Kindergarten und Wasser-kampschule hat sie in der Bücherei und mit Angeboten und Veranstal-tungen für die Bücher und das Le-sen begeistert. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Bücherei zu ei-nem beliebten Treffpunkt, den in-zwischen viele auch über die Gren-zen der Konfessionen und des Stadtteils hinweg nutzen. So ist die Bücherei auch ein Stück gelebte Ökumene, so dass heute viele ein-stimmen können in die vermutlich echte (!) und auf dem Empfang vorgelesene Grußbotschaft des Evangelisten Lukas: "Die Jakobi-Bücherei ist mitten unter uns!" Neben den vermutlich echten (!) Grußbotschaften der biblischen Autoren gab es auf dem Empfang weitere wirklich echte (!!!) schriftli-che und mündliche Grußworte zu hören, die alle die überaus großen Verdienste Frau Linnemanns für unsere Bücherei zu schätzen wuss-ten, formulierten und würdigten, und einige Lieder des Kinder- und Jugendchores, diesmal geleitet von Frau Linnemanns Tochter Ulrike Born. Nun hat Ute Linnemann die Lei-tung der Jakobi-Bücherei an Ulrike Billib übergeben, und wir alle sind froh und dankbar, unsere Bücherei auch zukünftig in guten, kompe-tenten und bewährten Händen zu wissen! Bescheiden hatte Frau Linnemann vor ihrem Abschied gesagt: "Ich habe der Bücherei mehr zu verdan-ken als die Bücherei mir." Dass wir das etwas anders sehen, ist nicht verwunderlich, denn wir haben ihr sehr, sehr viel zu verdanken! Der anhaltende Applaus für Ute Linne-mann beim Empfang zeigte, dass viele sich dieser Sicht anschließen. Kirchenvorstand und Pfarramt dan-ken Ute Linnemann für ihren un-ermesslichen ehrenamtlichen Ein-satz und alle treuen Dienste sehr herzlich und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute! Danke, Frau Linnemann! Rolf Wohlfahrt

Schon nach den ersten Sätzen ist man hingerissen von dem Briefroman Deine Juliet von Mary Ann Shaffers. Er garantiert beste Unterhaltung und ist dabei geistreich, amüsant und warmherzig trotz manch trauriger Berichte über die Zeit im 2. Weltkrieg auf der Kanalinsel Guernsey.

Auf der Grundlage von Tagebüchern, Briefen und Notizen zeichnet die Historikerin Barbara Goldsmith ein einfühlsames Portrait von Marie Curie, der Wissenschaftlerin, die als erste Frau einen Nobelpreis erhielt.

Hans-Peter Schwarz legt mit Das Gesicht des 20. Jahrhunderts eine Analyse dieses geschichtsträchtigen Jahrhunderts mit seinen denkwürdigen politischen Gestalten, mit dem Ringen zwischen Diktatur und Demokratie, der Gründung vieler Nationalstaaten und der Entspannung und Reform am Ende des Jahrhunderts vor. Ein historisches Standardwerk für alle, die mehr über das vergangene Jahrhundert wissen wollen.

Trotz 11-jähriger Tätigkeit in der Bücherei kommen viele neue Aufgaben auf mich zu, in die ich mich hoffentlich schnell einarbeiten kann. Mit der Unterstützung durch das Team, das Pfarramt und die Fachstelle für Büchereiarbeit hoffe ich auf ein gutes Gelingen bei meinem Neuanfang.
Allen Leserinnen und Lesern eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
Ulrike Billib
und das Bücherei-Team

Heinrich Böll - Sein Leben

Sein Leben Als im Jahre 1972 Heinrich Böll den Literatur-Nobelpreis verliehen bekam, galt er als "bejubeltes und bekämpftes Gewissen der Bundesrepublik Deutschland".

Geboren 1917 in Köln, erlebte er eine behütete Kindheit. Die Geborgenheit und der Zusammenhalt in seiner Familie und die Prägung durch den rheinischen Katholizismus begleiteten ihn sein ganzes Leben. Er machte 1937 Abitur und begann bald darauf mit seinen ersten schriftstellerischen Versuchen. Nach Ableistung des Arbeitsdienstes studierte er Geschichte und klassische Philologie in Köln. Sein Studium musste er abbrechen, weil er zur Wehrmacht einberufen wurde. Böll kämpfte an verschiedenen Fronten, erkrankte schwer an Typhus und wurde mehrfach verwundet. Während des Krieges heiratete er die Lehrerin und Übersetzerin Annemarie Çech. Nach seiner Entlassung 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft begann er in Köln Germanistik zu studieren, seine schriftstellerische Tätigkeit zu intensivieren und erste Kurzgeschichten und Romane zu veröffentlichen. Er war Stipendiat der Villa Massimo in Rom, Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt/Main, Präsident des Deutschen sowie des Internationalen PEN-Zentrums. Ihm wurden zahlreiche Auszeichnungen verliehen, unter anderem der Georg Büchner Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und als herausragende Anerkennung 1972 der Nobelpreis für Literatur. Sein politisches Engagement spielte eine immer größere Rolle in seinem Leben und seinen Werken. So fand z. B. Alexander Solschenizyn nach seiner Ausweisung aus der Sowjetunion Zuflucht in Bölls Haus. Trotz seiner schweren Krankheit engagierte sich Böll verstärkt für die Friedensbewegung und unterstützte den Appell der Schriftsteller Europas gegen die Neutronenbombe und den Nato-Nachrüstungsbeschluss. In einem offenen Brief forderte er, die Verbannung des Nobelpreisträgers Andrej Sacharow aufzuheben.

1976 traten Annemarie und Heinrich Böll aus der Katholischen Kirche aus. Böll starb am 16. Juli 1985 und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von einem katholischen Priester beerdigt. Sein Werk

Böll wurde zu Recht von dem evangelischen Pastor Heinrich Albertz ein "Poet in der Nähe Jesu" genannt. Nach der Veröffentlichung verschiedener Kurzgeschichten und dem Roman Wo warst du Adam gelang Böll 1953 der literarische Durchbruch mit dem Roman Und sagte kein einziges Wort.

Bereits am Anfang seines literarischen Schaffens kritisierte er die Rituale und Konventionen innerhalb der katholischen Kirche als sinnentleert. Für ihn war Jesus Christus die wahre Kirche, weil er sich in besonderer Weise den Schwachen und Gebrochenen zuwandte. Im Rundfunk wurde sein angekündigter Beitrag Brief an einen jungen Katholiken wegen seiner Kritik am Nachkriegskatholizismus nicht gesendet, aber er nutzte die Veröffentlichung seiner Satiren Dr. Murkes
gesammeltes Schweigen und Nicht nur zur Weihnachtszeit, um sich mit der Glaubenspraxis, die sich "weithin im äußerlichen Prunk erschöpfte", auseinanderzusetzen. Die Interessenvermengung von Staat und Amtskirche waren ihm ein Dorn im Auge. In seinen zahlreichen Essays nahm er immer häufiger Stellung zu den politischen Situationen in der Bundesrepublik Deutschland. Als Mitherausgeber der Zeitschrift "Labyrinth" versucht er auf christlicher Basis einen Gegenentwurf zum bestehenden gesellschaftlichen und politischen System zu formulieren.

Der 1963 erschienene Roman Ansichten eines Clowns ist Bölls umstrittenstes Werk. Nach seinem Erscheinen kam es zu monatelangen heftigen Auseinandersetzungen. Durch die Person des Clowns Hans Schnier stellte er die verkrusteten politischen und kirchlichen Institutionen in der Bundesrepublik und in der DDR in Frage.

Heinrich Bölls Roman Gruppenbild mit Dame erschien 1971. In erzählerischer Meisterleistung schrieb er nicht nur über die Geschichte einer Frau mittleren Alters, sondern auch über die Sinnlosigkeit des Krieges, den Katholizismus, die Gesellschaft, Vorurteile, soziale Ungerechtigkeit und Heuchelei. Böll selbst sagte zu seinem Roman: "Ich habe versucht, das Schicksal einer deutschen Frau zu beschreiben, die die ganze Last der Geschichte zwischen 1922 und 1970 mit und auf sich genommen hat."

Mit der Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann nahm Böll auf eindringliche Weise Stellung gegen den menschenverachtenden Sensationsjournalismus. Dorothee Sölle schrieb: "Eine Gestalt wie Katharina die zwei lebensgefährliche Eigenschaften hat: Treue und Stolz spricht eine Hoffnung auch in der Zeit der Gewalt aus". Bis heute hat die Erzählung nicht an Aktualität verloren.

In zahlreichen Essays äußerte er sich immer wieder zur politischen Situation in der Bundesrepublik. Böll trat der internationalen Friedensbewegung bei und begründete dieses folgendermaßen:"…ich unterstütze diese Bewegung als Staatsbürger und Zeitgenosse. Grundsätzlich sehe ich es als außerordentlich wichtig an, auf die Absurdität weiterer Rüstung… hinzuweisen….Für den Frieden sind wir alle, die Frage ist nur, wie er sicherer wird - durch Rüstung oder Abrüstung." "Seine Radikalität" sagte Carola Stern über ihn, "wurzelt in seiner Güte, seiner Empfindsamkeit und Religiosität", und Christoph Gellner fügte hinzu: "In der Tat gibt es kaum eine Äußerung, in der nicht der christliche Hintergrund aufleuchtet, vor dem Böll dachte, sprach und schrieb."

Durch seinen persönlichen Einsatz spielte Böll eine maßgebliche, aber nicht unumstrittene Rolle sowohl in der Literatur als auch in der Gesellschaft.

Wir würden uns freuen, wenn Sie Lust hätten, einige seiner Romane oder Erzählungen bei uns auszuleihen.
Ulrike Billib, Hella Heere

Warten auf den Bücherherbst - Warten auf den Bücherherbst

Im Hochsommer ist die Zahl der Neuerscheinungen im Buchhandel noch gering. Die Vorfreude steigt, wenn man in der Frankfurter Allgemeinen vom 24. Juli mit der Überschrift "Das Leben ist lesenswert" von Felicitas von Lovenberg Hinweise auf elf neue Romane erhält. Wir sind gespannt, wie viele davon Frau von Schwarzkopf bei ihrer Buchvorstellung am Montag, den 25. Oktober uns nahe bringen wird.

Aber es gibt auch jetzt schon einige lesenswerte Bücher neu in der Bücherei, auf die ich Sie hinweisen möchte: Die Erinnerungen von Joachim Gauck "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" sind ein Stück Zeitgeschichte vom Leben in der DDR und von der Dramatik der Wiedervereinigung. Eine Freundin empfahl mir "Wolkengänger", die ergreifende wahre Geschichte eines behinderten russischen Waisenjungen, der unter unmenschlichen Bedingungen in Anstalten aufwächst. Durch seinen Mut, seinen Willen und seine Intelligenz gelingt es ihm, mitfühlende Menschen auf sich aufmerksam zu machen und in Amerika ein Zuhause zu finden. Der israelische Schriftsteller David Grossmann erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Für seinen Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" gab es so viele Vorbestellungen, dass ich noch keine Gelegenheit hatte, das Buch selbst zu lesen.
Von dem ungarischen Autor Sándor Márai (1900 - 1989) werden immer wieder Romane ins Deutsche übersetzt. In diesem Jahr "Befreiung". Darin schildert Márai die Belagerung und die Eroberung seiner Heimatstadt Budapest durch die russischen Truppen. Geprägt vom eigenen Erleben erzählt der Schriftsteller von den Gräueln des Krieges, aber auch von Hilfsbereitschaft und Anstand. Trotz des bedrückenden Themas ein lesenswertes Buch!

In der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 gibt es mehrere Bücher, die sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet sind. Aus Platzgründen werde ich nur zwei herausgreifen: Das Buch der niederländischen Polizeibeamtin Helen Vreewijk "Chatroom-Falle" macht eindrucksvoll auf die Gefahren im Internet für Kinder und Jugendliche aufmerksam und ist besonders für Eltern lesenswert. Der Roman des jungen italienischen Autors Paolo Giordano "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist ein Buch vom Erwachsenwerden und der Kunst, das Leben auch unter schwierigen Bedingungen zu meistern. Auch an die Krimifans haben wir gedacht mit Jan Seghers "Die Akte Rosenherz" und an neue Kinderbücher sowieso.

Wie Sie sehen, lohnt es sich immer, in der Bücherei nach Neuanschaffungen zu fragen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Das Büchereiteam und
Ute Linnemann

Ferienzeit / Lesezeit

  
Ende Juni beginnen die Sommerferien. Für Viele die schönste Zeit des Jahres! An den Lücken in unseren Regalen sehen wir, dass oft das Lesen unbedingt zu einem gemütlichen Urlaub dazugehört. Deshalb haben wir uns rechtzeitig nach spannender Urlaubslektüre umgeschaut.

Einige interessante Bücher will ich Ihnen kurz vorstellen: Der französische Autor Marc Levy hat mit seinem neuen Roman "All die ungesagten Worte" wieder ein spannendes, humorvolles und phantastisches Buch geschrieben. Kurz vor ihrer Hochzeit erfährt Julia, dass ihr Vater gestorben ist, und so muss sie statt ihres fröhlichen Festes Trauerfeier und Beerdigung ausrichten. Am nächsten Tag bekommt sie als letztem Gruß der Verstorbenen ein großes Paket, dessen Inhalt ihr Leben verändert.

"Julia" heißt auch der historische Roman der dänischen Autorin Anne Fortier. Seit ihrer Kindheit ist sie von Shakespeares Roman "Romeo und Julia" fasziniert. Sie fand heraus, dass es viele ältere Bearbeitungen des gleichen Stoffes gegeben hat. Allerdings war in früheren Erzählungen immer Siena und nicht Verona Schauplatz der tragischen Liebesgeschichte, die sich aus der Feindschaft zweier Familien ergab. In ihrem Roman verbindet die Autorin Ereignisse im Jahre 1340 mit der Geschichte einer jungen Amerikanerin, die aus einer der verfeindeten Familien stammt. Das ist so spannend! - Ich konnte gar nicht aufhören und ließ dabei das Mittagessen anbrennen. Leider ist das für manchen Urlaubskoffer etwas dick.
Gerade lese ich mit viel Interesse den Roman von Moritz Rinke "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel". Der Autor, der selbst aus Worpswede stammt, erzählt mit viel Humor Geschichten aus diesem Künstlerdorf, das langsam im Moor versinkt. Zurzeit wird der Roman in der Hannoverschen Allgemeinen abgedruckt.

Für Krimiliebhaber gibt es einige neue Romane: Henning Mankell "Der Feind im Schatten", Jo Nesbø "Leopard", Susanne Mischke "Tod an der Leine": Die meisten dieser Krimis sind mir zu aufregend! Eine Ausnahme sind die Romane von Martin Walker. Schon der erste Fall von "Bruno, Chef de Police" hat mir viel Spaß gemacht. Jetzt ist "Grand Cru" erschienen, der zweite Fall für den Dorfpolizisten, der gern gut isst und trinkt und seine Fälle mit Humor und Menschenkenntnis löst. Die Bücher sind Krimi, Reise- und Weinführer und führen uns in das Périord, eine der schönsten Landschaften Frankreichs.

Aus Platzgründen kann ich nicht mehr Bücher erwähnen. Kommen Sie zu uns, wir beraten Sie gern! Allen Reisenden schöne, unterhaltsame Ferien! Für die Daheimgebliebenen bleibt die Bücherei, wie gewohnt, jeden Mittwochnachmittag geöffnet.
Ute Linnemann

Der Evangelische Buchpreis 2010

 
Jedes Jahr aufs Neue berichten wir über den Evangelischen Buchpreis. Zum einen, weil Leser und Mitarbeiter der Bücherei mit ihren Vorschlägen zur Auswahl der Jury beigetragen haben, zum anderen, weil sowohl das preisgekrönte Buch als auch viele Titel der Auswahlliste besonders lesenswert sind. 2010 werden Jugendbücher ausgezeichnet. Den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis bekommt die junge Autorin Marlene Röder am 19. Mai in Wuppertal überreicht. Ihr Jugendroman "Zebraland" ist auch für Erwachsene lesenswert. Vier Jugendliche rammen auf der Rückfahrt von einem Fest ein Moped. Sie halten die Fahrerin für tot und fliehen in Panik. Am nächsten Tag erfahren sie, dass das Mädchen erst auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben ist Es gelingt ihnen, alle Spuren zu verwischen - aber wie können sie mit dieser Schuld leben? Ein spannendes Buch, das zum Nachdenken anregt.

Einige besonders interessante Bücher aus der Auswahlliste sind in der Bücherei vorhanden: In ihrem historischen Roman "Alhambra" schildert Kirsten Boie die abenteuerliche Zeitreise eines Schülers in das Granada des Jahres 1492. Bedrückend ist das Buch "Rotkäppchen muß weinen" von Beate Teresa Hanika. Es geht um sexuellen Missbrauch in der Familie. "Ein Buch, das Mut macht, sich Wahrheiten zu stellen. Und sie auszusprechen. Klar, präzise und poetisch", schreibt Mariam Pressler über dieses Buch.
Jetzt bitten wir um Vorschläge für den Evangelischen Buchpreis 2011. Die Bedingungen haben sich geändert: Es dürfen nur noch Bücher vorgeschlagen werden, die 2010 erschienen sind, dafür aber sowohl Kinder- als auch Erwachsenenbücher. Wir haben aber das ganze Jahr 2010 Zeit, Vorschläge zu sammeln. Über diese Erweiterung der Vorschlagsmöglichkeiten waren wir im Team sehr erstaunt, und wir sind gespannt, ob sich die neue Regelung bewährt. Auch sonst ist der Deutsche Verband Evangelischer Büchereien, der sich jetzt Evangelisches Literaturportal nennt, für Überraschungen gut: Wir sollen von nun an nicht mehr das aufgeschlagene Buch als Logo verwenden, sondern ein neues Logo, das von nun an auch unsere Artikel im Gemeindebrief zieren wird. Hoffentlich gefällt es Ihnen!

Nun ein kurzer Blick auf neue Erwachsenenbücher:
Den Preis der Leipziger Buchmesse hat Georg Klein für sein Buch "Roman unserer Kindheit" bekommen. Der Roman wurde von der Kritik sehr unterschiedlich aufgenommen, und es lohnt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Am besten in diesem Frühjahr gefällt mir bisher der Roman der französischen Schriftstellerin Marie-Sabine Roger "Das Labyrinth der Wörter" Das Buch handelt von der Freude am Lesen und von einer zauberhaften Freundschaft. - Mehr verrate ich nicht! Sie müssen das Buch selber lesen!
Besuchen Sie uns in der Jakobibücherei!
Ute Linnemann

Bücher für die dunkle Jahreszeit

"Magische Wesen und märchenhafte Welten - Fantastische Geschichten für Kleine und Große" Unter diesem Motto stand am 20. Februar in der Neustädter Hof- und Stadtkirche die Jahresversammlung der Ev.- luth. Landeskirche Hannovers für die Mitarbeiter der kirchlichen Büchereien. Den gleichlautenden Vortrag hielt Dr. Gudrun Stenzel, Dozentin an der Universität Hamburg mit Forschungsschwerpunkt Fantastik in der Kinder- und Jugendliteratur.

Die Vortragende teilte die Fantasy-Literatur in 3 Kategorien ein:
1. Fantasy findet in der Realität statt.
2. Es gibt einen Übertritt in eine andere Welt.
3. Geschichten spielen in geschlossener, fantastischer Welt.

Die Literaturliste, die die Dozentin mit vielen Beispielen vorstellte, reichte von Klassikern wie E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf (1814) über Lewis Caroll: Alice im Wunderland (1865) bis Joanne K. Rowling: Harry Potter (ab 1997).

Viele Jugendliche, aber auch Erwachsene lieben fantastische Literatur, die von Bilderbüchern bis zu Romanen reicht. Politischgesellschaftliche Verhältnisse und Probleme werden darin gespiegelt. Kinder sind fasziniert, da sie in der Geschichte stellvertretend allein in die Welt gehen können und sich dort bewähren müssen. Der Held erlebt tiefste Ängste und kehrt gereift zurück. Auch wenn Kinder nicht gerne lesen, lassen sie sich von Fantasy-Büchern mitreißen. Diese Beobachtung macht man in allen Büchereien.

Nach einer Mittagspause gab es "Fantastische Filme" im Vergleich von zwei Filmen. Gezeigt wurde zuerst die 8-minütige Verfilmung des Bilderbuches "Wo die wilden Kerle wohnen" mit Zeichnungen von Maurice Sendak in der Version von 1975, der mit Originaltexten nahe am Bilderbuch bleibt. Die untermalende Musik wirkt dabei interpretierend. Ausschnitte aus dem gleichnamigen 2009 gedrehten 101-minütigen Spielfilm ließen deutlich die Unterschiede erkennen: Statt Zeichnungen agieren Menschen in Kostümen, der Inhalt wurde ausgeweitet und verändert, in dem Trickfilm wurden digitale Techniken eingesetzt. Dieses trifft auf fast alle modernen Verfilmungen zu.
Anschließend las die 16-jährige Schülerin Eva Dumann aus Hemmingen aus ihrem Erstlingswerk: "Im Zeichen der Schwäne". Bereits mit 14 Jahren hatte sie begonnen, für ihren jüngeren Bruder diese spannende Abenteuer-Geschichte der Halbelfe Eolée und des Menschen Pellinor zu schreiben. Bei einem Ferienaufenthalt in Schottland begeisterte sie die dortige Landschaft so sehr, dass ihr Fantasy-Land Nituria die schottische Landschaft widerspiegelt. Ein Deutschlehrer ermutigte die junge Autorin, die im nächsten Jahr auf einem Internat in Schottland ihr Abitur machen wird, ihr Manuskript dem Papierfresserchens MTM-Verlag anzubieten. Dieser Verlag fördert junge Autoren, die noch gar nicht oder kaum veröffentlicht haben. Das Buch wurde sofort ein großer Erfolg.

Neben vielen anderen Fantasy-Geschichten wird demnächst auch das von Eva Dumann signierte Buch "Im Zeichen der Schwäne" zur Ausleihe bereitstehen. Schon deshalb lohnt sich ein fantastischer Besuch in der Jakobi-Bücherei!
Neue Bücher in der Bücherei
Beuys, Barbara: Sophie Scholl, Biographie
Walls, Jeanette: Ein ungezähmtes Leben, Autobiografie
Hochgatterer, Paulus: Das Matratzenhaus, Roman
Haart, Maarten't: Der Schneeflockenbaum, Roman
Leky, Miriana: Die Herrenausstatterin, Roman
Boie, Kirstin: Ringel, Rangel, Rosen, autobiografischer Jugendroman
Doyle, Roddy: Wildnis, Jugendroman
...und viele Kinderbücher
Barbara Altenburg

Bücher für die dunkle Jahreszeit II

Am 4. Januar 1960 starb der französische Philosoph, Schriftsteller und Journalist Albert Camus im Alter von 47 Jahren bei einem Autounfall in Frankreich.

Camus gilt als einer der Hauptvertreter des französischen Existenzialismus. Seine Philosophie mit dem zentralen Begriff des Absurden entwickelte er in seinen Romanen, Bühnenstücken und philosophischen Essays. Das Absurde besteht seiner Ansicht nach in einer Kluft zwischen dem Menschen, der sich nach Sinn, Einheit und Harmonie sehnt, und einer Welt, die keinen Sinn erkennen lässt und alles verneint. Menschliche Solidarität betrachtet Camus als eine Möglichkeit, das Streben des Menschen nach Glück und die Absurdität des Seins in Einklang zu bringen und dadurch, zeitlich begrenzt, Sinn zu erfahren. Erlösung oder unumstößliche Lösungen, wie Religion oder Ideologien sie versprechen, gibt es nach seiner Aussage nicht.

Albert Camus wurde 1913 in Algerien geboren. Sein Vater fiel, als Albert ein Jahr alt war, so dass seine Mutter ihre beiden Kinder als Fabrikarbeiterin allein großziehen musste.

Camus studierte Philosophie, wurde jedoch wegen seiner langjährigen Tuberkuloseerkrankung nicht zum Staatsexamen zugelassen. Er gründete mehrere Theater, war als Schriftsteller tätig und prangerte als Journalist die kolonialen Ungerechtigkeiten in Algerien an. Mit Kriegsbeginn meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst, wurde aber aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt.

Nach seiner Heirat ging Camus als Reporter einer großen Zeitung nach Paris und wurde in Frankreich Mitglied der Widerstandsbewegung. Die Veröffentlichung seines Romans "Der Fremde" und des philosophischen Essays "Der Mythos von Sisyphos", in denen er sich mit dem Absurden und dem Sinnlosen auseinandersetzt, brachte ihm erstes literarisches Ansehen und Aufmerksamkeit. Während seines Lektorats bei dem Verlag Gallimard in Paris veröffentlichte er die "Briefe an einen deutschen Freund", in denen er trotz seiner Arbeit im Untergrund versuchte, den Grundstein zu einer deutsch-französischen Versöhnung zu legen. Außerdem wurde er Mitbegründer der illegalen Zeitung "Le Combat", die sich nach Kriegsende zum Sammelbecken der nichtkommunistischen Mitglieder des Widerstands entwickelte. In den folgenden Jahren veröffentlichte Camus verschiedene Dramen und Romane, von denen "Die Pest" mit dem "Preis der Kritik" ausgezeichnet wurde. Als seine Essaysammlung "Der Mensch in der Revolte" erschien, kam es zu Auseinandersetzungen mit Jean-Paul Sartre, der ihm Verrat linker Ideen vorwarf. Camus brach daraufhin das freundschaftliche Verhältnis zu Sartre ab.
Als Journalist griff er immer wieder politische Themen auf, dabei beschäftigte er sich besonders mit der französischen Kolonialpolitik und den oftmals grausamen Handlungen der Kolonialtruppen. Er forderte die bürgerliche Gleichstellung der Araber.

Den Nobelpreis für Literatur erhielt Camus für seine "bedeutende literarische Schöpfung, die mit klarsichtigem Ernst die Probleme des menschlichen Gewissens in unserer Zeit beleuchtet".

Durch seinen Unfalltod wurde Camus mitten aus der Arbeit zu seinem autobiographischen Roman "Der erste Mensch" gerissen, der sich mit seiner Kindheit und frühen Jugend auseinandersetzt. Der Roman erschien postum als Fragment.

In der Jakobi-Bücherei liegen folgende Werke Camus vor:
"Der Fremde": Eine Erzählung über einen Menschen, der sich selbst fremd ist und der Welt mit Fremdheit begegnet, dem das Dasein sinnlos erscheint.
"Die Pest": Im sinnlosen Leben und dem aussichtslosen Kampf dagegen finden Menschen zu Solidarität, Freundschaft und Liebe.
"Der Fall": Ein Roman über Schuld und Unschuld, Selbstsucht und Selbsthass. Die Lebensbeichte eines Staranwalts, Analyse der menschlichen Existenz.
"Der erste Mensch": Autobiographische Schilderung seiner ersten Lebensjahre in Algier.

Wenn Sie angeregt wurden, sich mit Camus Werken zu beschäftigen, freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Jakobi-Bücherei.
Ulrike Billib

Bücher für die dunkle Jahreszeit I

 
Wenn die Abende länger werden, greifen viele Menschen gern zu einem interessanten Buch. Auch in diesem Herbst gibt es wieder eine solche Menge von Neuerscheinungen, dass man kompetente Beratung dringend braucht.

Da kamen die beiden Buchvorstellungen gerade recht. Am 26. Oktober stellte Frau v. Schwarzkopf, lebhaft und kenntnisreich wie immer, vor über 80 Zuhörern ein Sachbuch über China und zwanzig Romane vor. Am 2. November kamen die Herren Lang und Wiedenroth mit fünfundzwanzig Titeln. Den 40 Zuhörern verging die Zeit wie im Fluge bei den knappen Erläuterungen von Herrn Lang und der Vorlesekunst von Herrn Wiedenroth. Die jeweiligen Titellisten waren sehr unterschiedlich. Wer an beiden Abenden nicht kommen konnte, hat viel verpasst, kann aber die Listen in der Bücherei einsehen und auch erfahren, welche Bücher schon vorhanden sind.

Ich möchte hier noch auf zwei Bücher eingehen, die in beiden Buchvorstellungen nicht vorkamen, mich aber sehr beeindruckt haben: Der Literaturnobelpreisträger von 2008, J.M.G Le Clézio, hat in dem Roman "Das Lied vom Hunger" die Vorkriegszeit und die Besatzungszeit in Frankreich im 2.
Weltkrieg aus der Sicht eines heranwachsenden jungen Mädchens ergreifend dargestellt. Aus einem zurückhaltenden und beobachtenden Kind reift Ethel zu einer energischen jungen Frau, der die lebensuntüchtigen Eltern die Rettung verdanken.

Von Hanns-Josef Ortheil gibt es schon mehrere interessante Romane. Besonders bewegend durch den autobiografischen Hintergrund ist der neue Roman "Die Erfindung des Lebens". Es ist die Geschichte eines Kindes, dessen Mutter nach Schicksalsschlägen das Sprechen aufgegeben hat und das daher ebenfalls stumm bleibt und einsam und isoliert aufwächst. Ortheil selbst hat erst mit acht Jahre sprechen gelernt. Auch sein weiterer Lebensweg, den er zum Roman verdichtet, ist außergewöhnlich. Für die Mitarbeiterinnen der Bücherei beginnt mit den Vorbereitungen auf den Basar die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Bücherberge türmen sich und wollen sortiert werden. Zweieinhalb Tage wird aufgebaut, damit am ersten Advent alles übersichtlich ist und zum Kauf anregt. Danach freuen wir uns alle auf etwas mehr Ruhe in der Adventszeit.

Und so wünschen wir allen, die dies lesen, eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und viel Gutes für das Neue Jahr!
Ulrike Billib

Neue Bücher in der Jakobi-Bücherei

(eine Auswahl)

Müller, Herta "Atemschaukel"
Lenz, Siegfried "Landesbühne"
Schmidt Kathrin "Du stirbst nicht"
Küng Hans "Was ich glaube"
Wellersdorf, Dieter "Der Himmel ist kein Ort"
Kässmann, Margot "In der Mitte des Lebens"
Heidenreich, Elke / Bernd Schroeder "Alte Liebe" (auch als Hörbuch)
Walker, Martin "Bruno - Chef de police" (Krimi)
Zafon Carlos Ruiz "Der dunkle Wächter" (Fantasie)
Durst-Benning, Petra "Die Zarentochter" (hist.Roman)
Weizsäcker, Richard von "Der Weg zur Einheit".
November 2009
Im Juli 2009 haben wir den 100. Geburtstag Hilde Domins gefeiert. Als sie am 22.02.2006 hochbetagt in Heidelberg starb, war das Leben einer der großen deutschen Nachkriegslyrikerinnen zu Ende.

Hilde Domins Biographie war durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Am 27. Juli 1909 als Tochter des jüdischen Rechtsanwalts Eugen Siegfried Löwenstein und dessen Ehefrau Paula, einer ausgebildeten Sängerin, in Köln geboren, wuchs sie in wohlhabenden Verhältnissen auf und erlebte eine behütete Kindheit. Nach dem Abitur 1929 begann sie zunächst ein Jurastudium in Heidelberg, später in Köln, Bonn und Berlin, wechselte dann in die Fächer Nationalökonomische Theorie, Soziologie und Philosophie. 1932 schloss sie ihr Studium in Heidelberg zur Diplomvolkswirtin ab. Mit ihrem späteren Ehemann Erwin Walter Palm, 1932 noch Student der Altphilologie und Archäologie, ging sie zu einem Auslandsstudium nach Italien, das 1933 infolge Hitlers Machtergreifung zu ihrem ersten Exilland wurde. In Florenz wurde sie 1935 zum Dr. rer. pol. promoviert, lebte danach in Rom und erteilte dort Privatunterricht in Deutsch, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 1936 heiratete sie Erwin Walter Palm. Als die italienischen Rassegesetze 1938 in Kraft traten und alle Juden das Land bis zum März 1939 verlassen mussten, entschlossen sich Hilde Palm und ihr Ehemann zur Flucht nach England, wohin ihre Eltern bereits aus Deutschland geflohen waren. Bis zum Juni 1940 lebte das Ehepaar Palm in England, angesichts des Kriegsverlaufs entschieden sie sich für die Dominikanische Republik als einen noch verbliebenen Zufluchtsort. Dort wurde Hilde Palm Assistentin ihres Mannes, übersetzte und dokumentierte seine Arbeiten und erteilte Deutschunterricht an der Universität von Santo Domingo. 1946 begann sie mit ersten schriftstellerischen Tätigkeiten, die ihr halfen, ihrer seelischen Vereinsamung, besonders nach dem Tod ihrer Mutter, zu entkommen. Zu Ehren ihres Gastlandes nahm sie das Pseudonym Domin an.

1954 kehrte sie mit ihrem Mann Erwin Walter Palm nach Deutschland zurück und musste erleben, dass ihr dieses Land sehr fremd geworden war. Sie veröffentlichte erstmals Gedichte unter ihrem Pseudonym Domin in Zeitungen und Zeitschriften, pendelte zwischen Spanien und Deutschland, um in Spanien ihre schöpferischen Kräfte zu sammeln.
1959 erschien ihr erster Gedichtband "Nur eine Rose als Stütze", dem u. a. 1962 "Rückkehr der Schiffe" und 1970 "Ich will dich" folgten. Mit soziologischen und literaturtheoretischen Essays, autobiographischen Texten, dem Roman "Das zweite Paradies" und ihrer Lyrikanalyse "Wozu Lyrik heute" fand sie Beachtung im Literaturbetrieb und bei ihren Lesern. 1961 ließ sich Hilde Domin endgültig in Heidelberg nieder, 1996 starb sie 96-jährig an den Folgen eines Sturzes.

Der Weg zur anerkannten Lyrikerin und Autorin ist steinig gewesen. In ihrer Lyrik verarbeitete sie ihre eigenen Lebenserfahrungen, wollte darauf hinweisen, dass der Mensch fähig ist, sich mit Mut dem zu stellen, was ihm widerfährt und nie die Hoffnung verlieren sollte. Ihr Lebensmotto war das "Dennoch", das nicht nur in ihrem Privatleben Gültigkeit hatte, sondern sich auch auf ihr gesellschaftliches und politisches Engagement bezog.

Für ihr Werk wurde Hilde Domin mit vielen Auszeichnungen und Literaturpreisen bedacht, und sie erhielt die Ehrenbürgerwürde Heidelbergs.

Wenn Sie an weiteren Informationen über die Ereignisse im aufregenden Leben Hilde Domins interessiert sind, liegt für Sie die spannend erzählte Biographie von Marion Tauschwitz in der Bücherei vor.

Marion Tauschwitz: "Dass ich sein kann, wie ich bin. Hilde Domin. Die Biografie".

Die Autorin war in den letzten fünf Lebensjahren Hilde Domins Vertraute und Freundin und hat aus dieser Nähe detailliert den Lebensweg nachgezeichnet. Die Jahre des Exils, das komplizierte Verhältnis zu ihrem Mann und der schwierige Weg zur anerkannten Dichterin mit ihren Erfolgen und Misserfolgen werden anschaulich dargestellt, Zitate aus ihren wunderbaren Gedichten werden in Zusammenhang gebracht mit ihrer jeweiligen Lebenssituation. Eine empfehlenswerte Biographie, die zu einem Besuch in der Jakobi-Bücherei einlädt.
Ulrike Billib

Treffpunkt Jakobibücherei

Nach den Ferien, in denen die Öffnungszeiten der Bücherei reduziert waren, geht es mit den gewohnten, vollständigen Ausleihzeiten weiter. Bücher, die neu angeschafft wurden, warten darauf, von Ihnen gelesen zu werden.
Das Buch von Dara Horn "Vor allen Nächten" wird die Freunde des historischen Romans erfreuen. Thema ist der amerikanische Bürgerkrieg 1862-1865. Der 19jährige Jacob, Sohn jüdischer Einwanderer aus Deutschland, kämpft auf Seiten der Nordstaaten für die Abschaffung der Sklaverei und wird mit mehreren schwierigen Missionen beauftragt. Ein grandioser Roman über Liebe und Loyalität.
Der Krimi von Stieg Larsson "Vergebung" als Abschluss der Reihe "Verblendung" und "Verdammnis" ist ebenso mitreißend wie die beiden ersten Bücher. Die Protagonistin Lisbeth Salander, sympathische, unangepasste, untypische Ermittlerin und der Journalist Mikael Blomkvist sorgen wieder für Spannung.
Amelie Fried erzählt die Geschichten von Freda und ihrer Tochter Josy, die eng miteinander verknüpft sind. Während die 18jährige Josy ein soziales Jahr in Mexiko beginnt, muss sich die Mutter mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. "Immer ist gerade jetzt" ist ein spannender Unterhaltungsroman.
Mit einer Panikattacke, die sie ins Krankenhaus bringt, endet für Harri der Tag, der eigentlich der schönste ihres Lebens werden sollte: die Heirat mit James. Harri weiß nicht, was diese Panikattacke zu bedeuten hat, bis sie von ihren Eltern die Geschichte ihrer Vergangenheit erfährt. Anna McPartlin ist es gelungen, mit "Wo dein Herz zu Hause ist" einen mitreißenden Unterhaltungsroman über Freundschaft und Liebe zu schreiben.
Das Buch von Herta Müller "Atemschaukel" hat uns am meisten beeindruckt.
Die Autorin erzählt vom Elend deutschrumänischer Zwangsarbeiter in einem sowjetischen Arbeitslager nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Buch sollte eine Gemeinschaftsarbeit mit Oskar Pastior werden, auf dessen persönlichen Erfahrungen es basiert, der aber während der Vorbereitung verstarb. Herta Müller entschied, dass der Roman im Gedenken an Oskar Pastior und seine unzähligen Leidensgefährten in Arbeitslagern in der Sowjetunion aber auch in Deutschland vollendet werden musste.
"Atemschaukel", was für ein Wort! Es bedeutet atemlos zu sein, aus dem Gleichgewicht zu kommen vor Hunger. "Ich hab ein Magendrücken, das in den Gaumen steigt. Die Atemschaukel überschlägt sich, ich muss hecheln… Am Himmel steht ein Mond wie ein Glas kalte Milch, sie spült mir die Augen. Mein Atem findet wieder seinen Takt. Ich schluck die kalte Luft, bis ich nicht mehr im Lager bin."
Der Deportierte Leopold Auberg lässt den Leser seine persönlichen Erfahrungen miterleben, die Mechanismen der Unterdrückung und Demütigungen mitempfinden und über die Überlebensstrategien staunen. Das Ausgeliefertsein an das sadistische System verursacht nicht nur körperliches Leiden, sondern tiefe seelische Verletzungen, die das Leben der Opfer über die Lagerzeit hinaus prägen.
Die Sprache des Buches ist sehr ungewöhnlich: realistisch, schonungslos, aber oft auch poetisch, fast lyrisch. In diesem Werk sind Sprache und Inhalt eine Einheit, ein absolutes Leseerlebnis, das wir unseren Lesern ans Herz legen.
Auf Ihren Besuch in der Jakobi-Bücherei freuen sich
Ulrike Billib, Karin Knieper

Ein Amerikanischer Traum

Seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), der mit der Befreiung der Sklaven endete, gab es immer viele Amerikaner, die von einem gleichberechtigten Miteinander der Rassen träumten. Malcolm X (1925-1968), Martin Luther King (1929-196) und andere wurden wegen dieses Traumes ermordet. Es gibt viele Bücher zu diesem Thema. Einige, die in der Bücherei vorhanden sind, möchte ich Ihnen nun vorstellen.

Besonders beeindruckt hat mich die Autobiografie "Die Farbe von Wasser" von James McBride. Er schildert das Leben seiner Mutter, die mit 17 ihr jüdisches Elternhaus verlässt, einen Schwarzen heiratet, mit ihm zwölf Kinder bekommt und eine Baptistenkirche gründet. Mit Strenge und viel Humor meistert sie Widrigkeiten und Anfeindungen und sorgt dafür, dass alle Kinder tüchtige Menschen werden. McBride schreibt eine rührende Liebeserklärung an seine Mutter.

Der Roman "Der Klang der Zeit" von Richard Powers ist wohl vielen bekannt. Die Heirat eines jüdischen Wissenschaftlers mit einer Afroamerikanerin wird von beiden Familien entrüstet abgelehnt. In New York hoffen sie, mehr Toleranz zu finden. Da alle Kinder sehr musikalisch sind, wird die Musik ihre Zukunft. So lernt der Leser außer über Rassenfragen auch eine Menge über Musik.
Sehr interessant sind auch die beiden Bücher von Hans J. Massaquoi, Jahrgang 1926, "Neger, Neger, Schornsteinfeger! - Meine Kindheit in Deutschland" und "Hänschen klein, ging allein... - ein Weg in die Neue Welt". In diesen Autobiografien schildert der Autor seine Erfahrungen mit Rassismus und Bombenkrieg im Nazideutschland, und wie er später in USA eine andere Art von Rassismus erfuhr. Nach dem Studium wurde er Mitarbeiter und später Chefredakteur von EBONY, der größten afroamerikanischen Zeitung in Amerika.

Alle bisher erwähnten Bücher zeigen Menschen, von denen ein Elternteil weiß, der andere schwarz ist und die erst herausfinden müssen, welches ihre Identität ist.

Mit diesem Konflikt hat sich auch Barack Obama beschäftigen müssen. Seine Kindheits- und Jugenderinnerungen, die schon 1995 herauskamen und die 2004 neu verlegt wurden, sind nun neu in der Bücherei. Auch Obama stammt von einer weißen Mutter und einem schwarzen Vater. Geboren wurde er auf Haiti. Als der Vater die Familie verlässt, um nach Kenia zurückzukehren, zieht die Mutter mit dem Sohn und einem neuen Partner nach Indonesien. Dort bleibt Barack drei Jahre, dann wird er zu seinen Grosseltern in die USA zurückgeschickt, um eine bessere Schulausbildung zu bekommen. Im College wird er zum ersten Mal wegen seiner Hautfarbe verspottet. Das Buch mit dem Titel "Ein amerikanischer Traum - die Geschichte meiner Familie" hat nun durch die Präsidentschaft von Barack Obama noch mehr an Bedeutung gewonnen.
Ute Linnemann

Neue Bücher im Frühling

Eine meiner liebsten Beschäftigungen ist es, durch Buchhandlungen zu schlendern und nach Neuerscheinungen Ausschau zu halten. In diesem Jahr macht das besonderen Spaß, weil es schon viele interessante Bücher gibt. Es begann mit "Ruhm" von Daniel Kehlmann, einem Roman in neun Geschichten. Er selbst sagt dazu: "Das Ganze ist ein Roman, aber jede Geschichte außer der letzten funktioniert auch für sich allein." Dieses Kunststück schafft Kehlmann auf nur 200 Seiten. Das stellt einige Ansprüche an die Aufmerksamkeit des Lesers - lohnt sich aber sehr! Im Hörbuch wird der Text von zwei guten Schauspielern gelesen, wodurch manches noch klarer wird. Anfang Februar erschien "Empörung" von Philip Roth. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der intelligent, anständig und fleißig ist und immer alles richtig machen will. Doch dann lehnt er sich auf gegen Willkür und Diskriminierung an seinem College. Seine Empörung wird ihm zum Verhängnis. Roth beschreibt eindrucksvoll die Gesellschaft im Amerika der 50er Jahre zur Zeit des Koreakrieges.

Der Roman mit dem seltsamen Titel "Der Regen, bevor er fällt" weckte mein Interesse. Der englische Autor Jonathan Coe schildert in eindrucksvollen Bildern drei Generationen von Frauen und ihre unerfüllte Sehnsucht nach Liebe. Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

Inzwischen haben so viele Leser nach dem Roman "Der Turm" von Uwe Tellkamp gefragt, dass wir uns doch zum Kauf entschlossen haben. Das Buch schildert in epischer Breite auf 972 Seiten ein Panorama der untergehenden DDR. Ich hoffe auf ruhige Ferientage für die Lektüre.

Viele von Ihnen erinnern sich aus der Schulzeit oder von einer Theateraufführung an Lessings "Nathan der Weise". Aus diesem Stoff hat Mirjam Pressler einen spannenden historischen Roman gemacht. "Nathan und seine Kinder" ist für Jugendliche und Erwachsene geeignet und sicher ein willkommenes Konfirmationsgeschenk. Ebenfalls für Jugendliche und Erwachsene sind die Romane des amerikanischen Autors Carl Hiaasen. "Panther" heißt sein neuestes Buch, in dem es ebenso wie in "Eulen" und "Fette Fische" um die Rettung bedrohter Tierarten in Florida geht. Das Buch ist so spannend - ich konnte gar nicht aufhören.

Noch mehr Bücher passen nicht auf diese Seite. Ich hoffe, ich habe Sie neugierig gemacht. Für die bevorstehenden Osterferien viel Sonne und bei Regen viele interessante Bücher!
Ute Linnemann

Neues in der Bücherei

 
In diesem Jahr feiern wir nicht nur den 200. Geburtstag des britischen Naturforschers Charles Darwin, sondern auch den 150. Jahrestag der Veröffentlichung seiner Evolutionstheorie. Kaum ein Gelehrter hat unser Weltbild so verändert, wie Charles Darwin mit seiner Theorie, dass die Welt nicht in sechs Tagen von Gott geschaffen wurde, sondern dass sie sich in vielen Millionen von Jahren zu dem entwickelt hat, was sie ist.

Am 12. Februar 1809 wurde Charles Robert Darwin in Shrewsbury, England, geboren. Seine Familie war wohlhabend und galt als liberal. Bereits mit 16 Jahren ging er nach Edinburgh, um dort Medizin zu studieren, entdeckte aber schon bald, dass er für den Arztberuf nicht geeignet war. Daraufhin begann er auf Wunsch des Vaters ein Theologiestudium in Cambridge, jedoch ohne Begeisterung. Vielmehr widmete er sich dem Sammeln und Identifizieren von Käfern und war generell an der Botanik interessiert. Ein Förderer seiner Interessen war der Botaniker John Steven Henslow, der ihm die Teilnahme an einer Expedition auf dem Vermessungsschiff "Beagle" vermittelte. Auf seiner fünf Jahre dauernden Weltreise, vom Dezember 1831 bis zum 12. Oktober 1836, sammelte er in kaum vorstellbaren Mengen Tiere und Pflanzen. Sein Besuch auf den Galapagosinseln und seine dortigen Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt waren von größter Bedeutung für seine spätere Evolutionstheorie. Weil er wusste, dass nicht nur die Fachwelt, sondern auch die Kirche darüber schockiert sein würde, zögerte er die Veröffentlichung lange hinaus.

1839 heiratete Darwin Emma Wedgewood und lebte mit ihr zunächst in London. Sein Gesundheitszustand veranlasste ihn 1842, aufs Land zu ziehen. Erst 1859 veröffentlichte er sein Hauptwerk "On the origin of species by means of natural selection" ("Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtauswahl"), das in Kirchenkreisen auf Kritik stieß, jedoch von vielen aufstrebenden Naturwissenschaftlern begrüßt und verteidigt wurde.

Charles Darwin starb am 19. April 1882. Er wurde in London in der "Westminster Abbey" beigesetzt. Seine Verdienste für die Naturwissenschaft sind unermesslich, seine Evolutionstheorie gilt zum großen Teil noch heute.

Wenn Sie mehr Lust auf Charles Darwins Leben und sein Wirken haben, halten wir für Sie in der Jakobi-Bücherei verschiedene "Darwin-Bücher" bereit.
Aus der beliebten Reihe "Abenteuer und Wissen" erzählt die Autorin für Kinder ab etwa zehn Jahren die spannende Geschichte von Darwins Leben als Forscher. Der Evolutionsbiologe Dr. Matthias Glaubrecht beantwortet mit ihr zusammen Fragen zu Darwins Evolutionstheorie, die uns bis heute beschäftigen. Maja Nielsen: Charles Darwin: Ein Forscher verändert die Welt. Die gleich lautende CD ist eine hörenswerte Produktion, die Spaß macht und sehr gelungen ist. Mit dem Buch Darwin für Kinder und Erwachsene möchte der Autor Volker Mosbrugger Kindern ab 12 Jahren die bedeutendsten Publikationen von Charles Darwin nahe bringen. Mit Auszügen aus "Reise eines Naturforschers um die Welt" und "Die Entstehung der Arten durch Zuchtauswahl" so wie aus seinem Briefwechsel mit Freunden ist ein ansprechendes Buch entstanden, das durch witzige Illustrationen von Hans Traxler noch befördert wird. Auch für Erwachsene ein Gewinn.

Dem renommierten Professor für Wissenschaftsgeschichte Ernst Peter Fischer ist es gelungen, mit seinem Werk Der kleine Darwin. Alles, was man über Evolution wissen sollte die Geschichte der Evolutionstheorie spannend, anregend und amüsant zu erzählen. Fragen wie z. B. "Welches sind die wesentlichen Merkmale der Evolution und wie erscheinen sie im Licht der modernen Forschung?" werden beleuchtet und verständlich erläutert.

Der Wissenschaftsjournalist Jürgen Neffe hat mit seinem Buch Darwin. Das Abenteuer des Lebens einen anderen Weg beschritten. Er reiste in sieben Monaten Darwins Reiseroute nach, um den Entdeckungen Darwins zu folgen und sie nachvollziehbar zu machen. Herausgekommen ist eine Biographie, ein Reisebericht und eine Wissenschaftsreportage zugleich, in dem eigene Erlebnisse mit den Erfahrungen Darwins verknüpft und mit Originalzitaten aus seinen Reiseberichten ergänzt werden.

Alle Bücher über Darwins Leben und Schaffen sind empfehlenswert und laden zum Besuch der Jakobi-Bücherei ein.
Ulrike Bilib

In jedem Jahr steht der Januar im Zeichen der Bibliotheksstatistik. Während wir die Zahlen zusammensuchen, lassen wir das vergangene Jahr noch einmal an uns vorbeiziehen. Das Jahr 2008, in dem wir unser 25-jähriges Jubiläum feiern konnten, zeigt auch durch die nüchternen Zahlen, dass unser ehrenamtlicher Einsatz sich lohnt. Im Laufe des Jahres kamen 634 Leser in die Bücherei, darunter 401 Kinder und Jugendliche. Die Ausleihzahlen sind erfreulich gestiegen: von 12.912 im Jahre 2007 auf 15.038 im Jahre 2008. Einige besonders eifrige Leser sind weggezogen - umso mehr freuten wir uns über 152 Neuanmeldungen. Seit wir Neuanschaffungen durch Punkte kennzeichnen, sind sie noch leichter zu finden und werden bevorzugt ausgeliehen. 335 neue Bücher und Hörbücher wurden eingearbeitet Wir blicken dankbar auf das Jahr 2008 zurück und haben das Neue Jahr mit frischem Mut begonnen.

Im ersten Halbjahr 2008 hatten wir um Vorschläge für den diesjährigen Literaturpreis gebeten. Inzwischen hat die Jury in Göttingen aus den eingesandten Titeln das Preisbuch ausgewählt. Es ist die Erzählung von Friedrich Christian Delius "Bildnis der Mutter als junge Frau". Das Buch schildert eine junge Frau, die im Januar 1943 in Rom auf die Geburt ihres ersten Kindes wartet. Sie geht spazieren und sehnt sich nach ihrem Mann, der plötzlich an die Front musste.
In Gedanken bespricht sie mit ihm alles, was ihr fremd und gefährlich, was ihr aber auch zauberhaft schön erscheint. Es ist die Geschichte seiner eigenen Mutter, die Delius hier erzählt. Wer das kleine Buch einmal gelesen hat, möchte es immer wieder aufschlagen. Friedrich Christian Delius hat die Auszeichnung wirklich verdient.

Inzwischen sind die Teilnahmebogen für den Evangelischen Buchpreis 2010 eingetroffen. Diesmal sind Kinder und Jugendliche gefragt oder Erwachsene, die ebenso gerne Jugendbücher lesen wie ich. Wir werden wieder eine unverbindliche Vorschlagsliste bereitlegen und auch etwas beraten, denn es dürfen z.B. nur deutschsprachige Autoren vorgeschlagen werden.

Im Jahre 2009 gibt es viele Gedenktage, die wir wieder mit passender Literatur zu begleiten versuchen. Ich beginne mit der Schlacht im Teutoburger Wald, auch Varusschlacht genannt. Aus verschiedenen interessanten Büchern zu diesem Thema haben wir für die Bücherei von Peter Arens "Kampf um Germanien - die Schlacht im Teutoburger Wald" ausgesucht, weil es uns für Erwachsene und Jugendliche geeignet erscheint.

Auch zum 200. Geburtstag von Charles Darwin gibt es viele Bücher. Welche davon in der Bücherei zu finden sein werden, berichten wir in einem der nächsten Gemeindebriefe.

Hoffentlich sehen wir uns bald in der Jakobi-Bücherei.
Ute Linnemann

Buchvorstellungen

Am Donnerstag, dem 20. November um 20.00 Uhr, stellt Karl Lang, Buchhandlung an der Marktkirche, neue Bücher vor. Hermann Wiedenroth aus Bargfeld bei Celle liest Texte aus einigen der vorgestellten Bücher.

Ort: Raum G und H im Gemeindehaus, Kleiner Hillen 3.

Am Dienstag, dem 25. November um 20.00 Uhr, stellt Margarete von Schwarzkopf, NDR, Neuerscheinungen des Herbstes vor.

Ort: Großer Saal im Gemeindehaus, Kleiner Hillen 3.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.
Das ganze Jahr über beschäftigen wir uns mit Büchern, doch die Monate Oktober und November sind für die Bücherei besonders wichtig.

In den Herbstferien machen wir Großputz. Dazu gehört außer Fensterputzen und Staubwischen, dass wir alle Bücher feucht und trocken abwischen, was besonders bei den Kinderbüchern wirklich nötig ist. Dabei wird Veraltetes aussortiert und Zerlesenes geflickt oder erneuert. Bei vielen fleißigen Helfern ist die Arbeit in zwei Tagen geschafft.

Bald danach beginnt die Frankfurter Buchmesse, und wir versuchen, anhand der vielen Besprechungen die für unsere Leser wichtigsten Bücher herauszufinden. Aufmerksam verfolgen wir die literarischen Auszeichnungen. Ob der diesjährige Nobelpreisträger für Literatur Jean-Marie Gustave Le Clézio, der in Frankreich sehr bekannt ist, auch hiesige Leser interessiert, bleibt abzuwarten.

Im November werden wieder zu den Öffnungszeiten der Bücherei gut erhaltene Bücher für den Gemeindebasar angenommen und von uns nach Sachgebieten vorsortiert.

Wir freuen uns auf die beiden Buchvorstellungen! Am 10. November kommen die Herren Lang und Wiedenroth, am 25.11. Frau v. Schwarzkopf. Wir sind gespannt auf die Empfehlungen der Experten und halten noch einige Mittel für besondere Tipps zurück - aber solange wollten wir mit neuen Ankäufen nicht warten, und so gibt es schon jetzt viele Neuerscheinungen in der Bücherei.

Einige davon will ich hier vorstellen. Über "Das Museum der Unschuld" von Orhan Pamuk und "Die Box" von Günther Grass wurde in den Medien schon viel berichtet. Ich möchte deshalb mehr auf die kleinen, unscheinbaren Bücher hinweisen, die sonst leicht übersehen werden.
Michael Köhlmeier, an dessen umfangreichen Roman "Abendland" sich nur ausdauernde Leser heranwagen, legt nun ein kleines Buch vor mit dem befremdlichen Titel "Idylle mit ertrinkendem Hund". Es erzählt von der schwierigen Beziehung eines Autors zu seinem Lektor. Ein interessantes Buch; anschließend versteht man auch den Titel.

In Jakob Hein "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht" hat Boris Moser eine "Agentur für verworfene Ideen" eröffnet, für die sich niemand interessiert. Als eine junge Frau in seinen Laden kommt, will er sie nicht mehr gehen lassen und erzählt ihr einen "verworfenen" Romananfang. Drei Erzählebenen werden von Jakob Hein kunstvoll ineinander verwoben - zur Freude des Lesers.

Von Peter Härtling gab es lange nichts Neues zu lesen. In dem Büchlein "O' Bär an Enkel Samuel - Eine Erzählung in fünf Briefen" erfährt man in nur wenig verschlüsselter Form von vielen Krankheiten und einer damit verbundenen Schreibschwäche. Das Zusammensein mit seinem Lieblingsenkel hilft ihm in seiner Sprachlosigkeit. Die Briefe des Großvaters wird der kleine Samuel erst in vielen Jahren lesen. Wir können uns schon jetzt daran erfreuen.

Selten habe ich bei einem Buch so viel gelacht wie bei "Die souveraine Leserin" des englischen Autors Alan Bennett. Es ist zugleich eine Liebeserklärung an die Queen und an die Literatur. Die Königin entdeckt durch Zufall einen Bücherbus. Mehr aus Verlegenheit entleiht sie ein Buch und wird eine begeisterte Leserin. Die Auswirkungen der königlichen Leselust bringen Minister und Hofstaat völlig durcheinander. Ein köstliches Buch, das sich gut als Geschenk eignet!

Der Platz reicht nicht, um über neue Biografien und Krimis zu berichten. Neue Kinder- und Jugendbücher erwähne ich selten, denn die Kinder fragen uns lieber selbst. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Bücherei!
Ute Linnemann
hr
Als am 1. Advent 1983 die Jakobi-Bücherei, mit etwa 1000 geliehenen und gespendeten Büchern ausgestattet, eröffnet wurde, konnte sich niemand vorstellen, welche Rolle sie einmal in der Jakobi-Gemeinde und in Kirchrode spielen würde. Jetzt, nach 25 Jahren stellen wir fest: Geduld und Einsatz haben sich gelohnt! Dankbar blicken wir zurück auf die vielen Jahre, in denen die Bedeutung der Bücherei ständig gewachsen ist. Wir danken für die Unterstützung durch die Pastoren und den Kirchenvorstand und die vielen Leser, die durch freundliche Worte und Spenden unsere Arbeit anerkennen und fördern.

Inzwischen ist der Bestand auf über 6000 Bücher, 320 Kinderkassetten und 125 CDs für Kinder und Erwachsene gestiegen. Trotz der Vergrößerung unserer Räume vor fünf Jahren ist der Platz begrenzt. Deshalb müssen wir - oft schweren Herzens - Veraltetes aussortieren, um Platz für Neues zu schaffen. Seit wir die Neuanschaffungen durch bunte Punkte kennzeichnen, sind sie noch leichter zu finden. Die Nachfrage nach Kassetten nimmt ab, deshalb kaufen wir verstärkt Hörbücher und Kinder-CDs.

Beim Vergleich der Statistikbogen fällt auf, dass die Zahl der aktiven Leser seit einigen Jahren fast gleich geblieben ist. Ungefähr 650 Leser leihen regelmäßig Bücher aus. Trotz Fernseher, Computer und Internet, trotz altersbedingtem Wechsel - die Kinder damals sind ja schon heute Mütter - gibt es noch viele Menschen, für die Lesen wichtig ist. Durch sorgfältige Auswahl bei der Anschaffung und unsere Beratung versuchen wir, dieses Interesse zu fördern. Gerade bei Kindern ist es wichtig, ein geeignetes Buch vorzuschlagen, das nicht ermüdet und zu weiterem Lesen anregt. 14.249 Ausleihen im Jahr 2007 sind ein sichtbarer Erfolg.
Ein Team von 14 ehrenamtlichen Damen teilt sich die anfallenden Arbeiten. Einige sind schon viele Jahre dabei, andere sind dazugekommen mit neuen Ideen und frischem Elan. So hält nun auch ein Computer Einzug in die Bücherei. Bis alle damit umgehen können, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Die wichtigsten Aufgaben einer Bücherei kann uns sowieso kein Computer abnehmen: die Auswahl aus der Fülle der Neuerscheinungen und das Gespräch mit dem Leser.

Da der Basartag sich für eine Geburtstagsfeier nicht eignet, feiern wir diesmal am 6. Juli. Nach einem Familiengottesdienst mit dem Kinderchor - bei schönem Wetter draußen - spielt das Figurentheater Marmelock im Gemeindesaal das Märchenstück "Die Schöne und das Tier". (Beginn 11.30) Alle sind herzlich dazu eingeladen! Nach der Aufführung, die etwa eine Stunde dauert, ist bei einem kleinen Imbiss noch Gelegenheit zu einem Gespräch oder zu einem Besuch der Bücherei.

Die Mitarbeiterinnen der Bücherei wünschen sich zu ihrer Geburtstagsfeier viele fröhliche Gäste. Für die kommenden Jahre wünschen wir, dass die Jakobi-Bücherei ein Treffpunkt bleibt für alle, die sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen können!
Ute Linnemann
Heute möchte ich mich als neues Mitglied im Team der Jakobi-Bücherei vorstellen. Viele Gemeindeglieder kennen mich schon von anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde, vor allem vom Taschenbuchverkauf beim jährlichen Adventsbasar. Seit Januar 2008 arbeite ich nun in der Jakobi-Bücherei. Ich selber bin eine begeisterte Leserin, die die Bücherei seit fast 18 Jahren kennt - bisher allerdings nur von der anderen Seite des Arbeitstisches. Mich über Bücher zu unterhalten, macht mir Freude, der Kontakt zu Kindern und Erwachsenen ist mir ein Anliegen. Frau Linnemann und alle Mitarbeiterinnen im BüchereiTeam haben mich freundlich aufgenommen und geduldig in die Büchereiarbeit eingewiesen.

Zur Vertiefung des Gelernten habe ich an einem Grundkurs zur Büchereiarbeit teilgenommen. Dieser Kurs, den die Fachstelle für Büchereiarbeit und Medienverleih anbietet, wendet sich an ehrenamtliche Mitarbeiter, die ohne bibliothekarische Vorkenntnisse Büchereiarbeit leisten wollen. Er ermöglicht es den Teilnehmern, die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für diese Arbeit zu erlangen. An drei interessanten Tagen wurden folgende Themen behandelt:

  • Geschäftsgang der Medien: Darunter versteht man die Einarbeitung der Medien vom Erwerb bis zur Ausleihe.
  • Systematik: Sie dient dazu, Bücher einer Bibliothek in eine sachliche und logische Ordnung zu bringen.
  • Katalogkunde: Bibliothekskataloge verzeichnen und erschließen den Medienbestand einer Bücherei.
  • Titelaufnahme: Das ist die Beschreibung einer Veröffentlichung nach rein formalen Gesichtspunkten.
  • Ausleihe und Benutzung
  • Statistik: Die hier gewonnenen Daten sind eine wichtige Hilfe zur Planung der Arbeit und Überprüfung subjektiver Eindrücke. Sie dokumentiert die Leistungsfähigkeit einer Bücherei gegenüber Träger, Spendern und Sponsoren.
Außerdem erhielten wir eine kurze Einführung in ein elektronisches Büchereikatalogprogramm, das in nächster Zukunft auch in der Jakobi-Bücherei eingeführt werden soll. Am Ende der intensiven Kurstage war ich überrascht, wieviel Sachkenntnis und Wissen nötig sind, um eine Bücherei erfolgreich zu betreiben. Ich werde versuchen, möglichst viel von dem Erlernten in der täglichen Arbeit umzusetzen.

Auch im April hat es wieder einige Neuanschaffungen gegeben, von denen ich Ihnen zwei vorstellen möchte:
Die fast vergessene Erzählung "Die Zimtläden" - 1943 von Bruno Schulz geschrieben - liegen in einer Neuübersetzung von Daureen Daume vor. Es handelt sich um eine "Art autobiographischen Roman", der uns in die versunkene Welt eines galizischen Städtchens, seiner Bewohner und allem voran des wunderlichen Vaters einführt. Die rhythmische, melodische Sprache des Romans, das ausgefallene Vokabular, seine phantasievollen Wortschöpfungen und lautmalerischen Komponenten ziehen den Leser unmittelbar in seinen Bann, stellen aber auch keine geringen Anforderungen an ihn. Das Buch unterhält einen ausführlichen Anhang, u.a. mit einem Exposé von Bruno Schulz über "Die Zimtläden" und zehn Grafiken des Autors.

Die in Deutschland beliebte amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt bewahrt in ihrem neuen Roman "Die Leiden eines Amerikaners" die Erinnerungen an ihren 2003 verstorbenen Vater. Sie hat seine Notizen, vor allem aus den Kriegsjahren in Asien, zu einem Teil ihres Buches gemacht, eine Familiengeschichte voller dunkler Rätsel. Lars Davidsons erwachsene Kinder Inga und Eric finden die Tagebücher ihres Vaters nach dessen Tod und stoßen dabei nicht nur auf ein Geheimnis aus der Jugend ihres Vaters, sondern müssen sich auch mit dessen Kriegstrauma auseinandersetzen. Auch die Ereignisse des 11. Septembers 2001 werfen einen Schatten auf das Leben der Figuren. Eric, Psychotherapeut in Brooklyn, erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive.
Ich hoffe, Sie sind neugierig geworden und besuchen uns bald in der Jakobi-Bücherei.
Ulrike Küppers-Siepmann

Evangelischer Buchpreis

 
In jedem Frühjahr warten wir gespannt darauf, welches Buch mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet wird. Den Preis bekommt in diesem Jahr die in Prag lebende, deutschsprachige Autorin Iva Procházková für ihren Jugendroman "Wir treffen uns, wenn alle weg sind". Das Buch schildert einen Sommer im Leben des 15-jährigen Waisenjungen Mojmir, in dem er sich unter schwierigen äußeren Umständen bewähren muss und erwachsen wird. Mit Einsamkeit, Krankheit und Sterben konfrontiert verliert er doch nicht seinen Mut. Das Buch ist spannend und humorvoll erzählt und sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird am 7. Mai in Stuttgart verliehen. Auch die drei Kinder- und drei Jugendbücher, die auf der Auswahlliste stehen, können ausgeliehen werden.

Inzwischen werden Vorschläge für den Buchpreis 2009 in der Bücherei gesammelt. Gesucht wird ein Roman, der von einem deutschsprachigen Autor oder Autorin geschrieben und nicht vor 2006 erschienen ist. Eine Titelliste mit Büchern, die in Frage kommen könnten, hilft bei der Auswahl. Sie können natürlich auch in Ihrem eigenen Bücherschrank stöbern! Ende Juni werden die - hoffentlich zahlreichen - Vorschläge an die Jury nach Göttingen geschickt.

Dieses Frühjahr ist so reich an interessanten Neuerscheinungen, dass ich kaum weiß, welche ich hier vorstellen soll. Am besten, Sie fragen in der Bücherei! Um die Suche zu erleichtern, sind die 2008 eingearbeiteten Bücher mit einem orangenen Punkt versehen. Die gefragtesten Bücher sind bisher Martin Walser "Ein liebender Mann", Ken Follet "Die Tore der Welt" und Martin Suter "Der letzte Weynfeldt"
Interessant ist auch "Das Wochenende" von Bernhard Schlink. Ein RAF-Terrorist wird nach 20 Jahren begnadigt und verbringt das erste Wochenende in Freiheit bei seiner Schwester mit früheren Freunden. Schlink wirft viele Fragen auf, die nachdenklich machen.

Wenn eine junge Frau in London einen sehr viel älteren reichen Perser heiratet, der schon zwei Frauen hat, sind die Konflikte vorprogrammiert. Anthony McCarten schildert das in seinem Roman "Englischer Harem" humorvoll, aber auch provozierend.

Wie in seiner autobiografischen Erzählung "Der Verlorene" begibt sich Hans-Ulrich Treischel in seinem neuen Roman "Anatolin" noch einmal auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder und nach den Geburtsorten seiner Eltern. Der Weg führt ihn in ein abgelegenes Straßendorf in der Ukraine und in eine noch kleinere Siedlung im früheren Wartheland in Polen.

Seit einigen Wochen richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ereignisse in Tibet. Zum besseren Verständnis können die beiden Bücher von Maria Blumencron "Flucht über den Himalaja" (2003) und jetzt "Auf Wiedersehen, Tibet" beitragen.

Der Platz reicht nicht, um noch mehr Bücher vorzustellen. Kommen Sie selbst - wir beraten Sie gern!

Ute Linnemann.

Rückbesinnung auf Walter Kempowski

 
Nach dem Tod des bekannten Schriftstellers Walter Kempowski im Oktober 2007 gab es in den Feuilletons der Zeitungen viel über sein Leben und Werk zu lesen. Im Literatur-Kreis wollten wir unsere früheren Lese-Erlebnisse erneut überprüfen, denn natürlich hatten wir in den 1970er Jahren die Romane "Tadelöser und Wolff" und "Uns geht's ja noch Gold" verschlungen, mit denen Kempowski damals so schlagartig berühmt geworden war. Seine eindrucksvolle Art, den Alltag in Kriegs- und Nachkriegszeit zu beschreiben, war gänzlich neu. Er ließ die beteiligten Personen selbst zu Wort kommen, und so begeisterten sich die Leser an den urigen Redensarten im Hause Kempowski: "Kinder, wie isses nun bloß möglich?" oder "Klare Sache und dann Hopp!". Als Sohn einer gutbürgerlichen Familie wurde Kempowski 1929 in Rostock geboren, erlebte als Jugendlicher die Zerstörung und den Untergang der heilen Welt. Ohne Schulabschluss schlug er sich nach Kriegsende durch, geriet ins Pendeln zwischen den Besatzungszonen im geteilten Deutschland, wurde 1948 vom sowjetischen Geheimdienst als Spion verhaftet und zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Jahre in Bautzen waren zwar die schrecklichste Phase seines Lebens, aber er lernte dort durch seine Mithäftlinge eine Lebensbewältigung kennen, die ihn entscheidend prägte. Schon dort fing er an, sich Lebensgeschichten erzählen zu lassen und sie zu sammeln. Als er nach 8 Jahren vorzeitig entlassen wurde, fand er sich total entkräftet und weitgehend orientierungslos im westdeutschen Nachkriegsleben wieder. Er brauchte längere Zeit, um wieder Grund unter den Füßen zu finden. Schließlich nahm er in Göttingen ein Lehramtsstudium auf und lernte dabei auch seine spätere Frau kennen.
Der Beruf des Dorfschullehrers machte ihm Freude, aber daneben schrieb er wie besessen an seinen Erinnerungen. Er blieb durchdrungen von dem Bestreben, das Erlebte festzuhalten und anderen Menschen nutzbar zu machen, damit nichts in Vergessenheit geriet und umsonst gewesen war. Nachhaltig verfolgte ihn die Frage, wie Nazizeit und Krieg sich hatten ereignen können - ob die Deutschen nur Verführte oder doch Mitschuldige an dem Desaster waren. Sein Haftbericht "Im Block" fand 1968 nur mäßige Resonanz, aber mit den beiden oben genannten Romanen kam der Durchbruch. Beim nochmaligen Lesen faszinierten uns seine Bücher durchaus wieder. Gerade das Ineinander von banalen Alltagsgeschehnissen und weitreichender Zeitgeschichte verfehlte nicht seine Wirkung. Natürlich kamen viele eigene Erinnerungen hoch - aber dass Kempowski der Hitlerzeit gemütliche Seiten abgewinnen und sie somit verharmlosen wollte, wie ihm manche Kritiker vorgeworfen hatten: das erscheint uns völlig abwegig. Im Gegenteil, es gelingt ihm glaubwürdig, den Einbruch des Unheimlichen, Drohenden, Zerstörerischen in die behäbige Lebenswelt Rostocks nachvollziehbar zu beschreiben. Allerdings ist die Darstellung mitunter recht weitschweifig und nicht frei von Wiederholungen, die ermüdend wirken können. Es war immer Kempowskis persönliches Problem, aus der unendlichen Fülle seiner Erinnerungen etwas wegzulassen und den Stoff zu straffen. Auch die Lektüre späterer Romane wie "Heile Welt", "Hundstage", "Mark und Bein" bis hin zu seinem letzten Werk "Alles umsonst" gab anregenden Diskussionsstoff. Wir meinen: die Rückschau hat sich gelohnt.
Frouwa Rotzoll


Bücherherbst

  
Als im Herbst 2005 der Roman "Suite française" von Irène Némirovsky erschien, verfolgte ich zwar die Besprechungen, bezweifelte aber, dass das Buch für unsere Leser geeignet wäre. Sollte ein Roman, der vor über sechzig Jahren geschrieben wurde, von dem von fünf Teilen nur zwei fertig gestellt wurden und der den zweiten Weltkrieg in Frankreich schildert, heute noch interessant sein? - Inzwischen habe ich meine Meinung geändert und möchte nun auch Sie auf diese hervorragende Schriftstellerin aufmerksam machen.

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew geboren. Vor der russischen Oktoberrevolution floh die Familie nach Paris. Dort studierte Irène Literaturwissenschaften, heiratete den russischen Bankier Michel Ebstein und bekam zwei Töchter. 1929 erschien ihr erster Roman "David Golder" (bisher noch nicht in Deutschland erschienen), durch den sie sogleich berühmt wurde. 1940, beim Einmarsch der Deutschen, floh sie mit ihrer Familie in die Provinz. 1943 wurde sie verhaftet und starb vier Wochen später in Auschwitz. Noch im gleichen Jahr wurde auch ihr Mann in Auschwitz umgebracht. Die Töchter wurden von Freunden versteckt und konnten so den Krieg überleben. Nach dem Krieg suchten die Mädchen lange nach ihren Eltern. Ein Koffer mit Familienpapieren, Briefen und Schriften ihrer Mutter, den sie auf ihrer Flucht immer mitgeschleppt hatten, war nun ihr kostbarster Besitz. Erst viele Jahre später entdeckten sie, dass unter den Papieren auch ein Romanmanuskript war. 2004 wurde dieser Roman in Frankreich veröffentlicht und wurde ein derartiger Erfolg, dass jetzt frühere Romane neu verlegt und auch ins Deutsche übersetzt wurden.
Suite bedeutet in der Musik eine Folge von vier oder fünf Musikstücken in der gleichen Tonart. Mit "Suite française" wollte die Autorin offensichtlich ein vier- oder fünfbändiges Werk über den zweiten Weltkrieg in Frankreich schreiben. Nur die ersten beiden Bände waren fertig geworden. Im Anhang finden sich aber so viele Notizen zum Fortgang der Handlung, dass die Leser ahnen können, was die handelnden Personen später erleben.

Der erste Band heißt "Sturm im Juli" und beginnt 1940 mit dem Einmarsch der Deutschen. In Panik fliehen die Pariser aus der Stadt. Auf der Flucht spielen sich große und kleine Dramen ab, die von der Autorin klar, aber mit Mitgefühl und manchmal auch mit Humor geschildert werden. In "Dolce", dem zweiten Teil, hat sich die Lage beruhigt, und die Franzosen versuchen, mit den Besatzern auszukommen. Das Buch endet mit dem Abzug der Deutschen.

Wer Irène Némirovsky kennen lernen will, aber das Thema Krieg scheut, kann "Jesabel" lesen. Dieser 1936 erschienene Roman, schildert eine Frau, die nicht altern kann. Verzweifelt versucht sie, Schönheit und Jugend zu erhalten und ihr wahres Alter geheim zu halten.

Vor einigen Wochen erschien "Die Hunde und die Wölfe" (erstmals 1940). Es ist eine eindrucksvolle Schilderung jüdischen Lebens in Kiew und Paris und die Geschichte einer starken Frau, die um ihre Liebe kämpft.

Die drei Bücher von Irène Némirovsky haben mich sehr beeindruckt. Ich hoffe, dass die Bedeutung dieser Schriftstellerin jetzt, sechzig Jahre nach ihrem Tod, vielen Lesern deutlich wird.
Ute Linnemann


Sozusagen grundlos vergnügt

"Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen
    Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit.
       Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
          wenn Heckenrosen und Hollunder blühen.
             - Daß Amseln flöten und daß Immen summen,
          Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen.
       Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
    Daß Spatzen schwatzen und daß Fische schweigen."
...



Dies ist die erste Strophe eines Gedichtes von Mascha Kaléko, einer Dichterin, die ich schon lange liebe und die nun anlässlich ihres 100. Geburtstags wiederentdeckt wurde. Marcel Reich-Ranicki widmete ihr eine ganze Seite in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und auch in anderen Medien wurde an sie erinnert. In unserer Bücherei gibt es die gute Biographie "Mascha Kaléko 1907 bis 1957" von Jutta Rosenkranz. Zwei kleine Gedichtbände und ein eindrucksvolles Hörbuch "Interview mit mir selbst" mit Gedichtlesungen der Dichterin und Erläuterungen von Gisela Zoch-Wesphal. Mascha Kaléko wurde mit Erich Kästner, Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern verglichen; sie hat aber ihre ganz eigene Ausdrucksweise. Damit kann sie auch Menschen ansprechen, die - wie ich - sonst wenig Zugang zur Lyrik haben.

Die sommerlichen Verse am Anfang stimmen ein auf die großen Ferien, die zusammen mit dem Schuljahresende herbeigesehnt werden. Wir haben bei unseren Neuanschaffungen auch an den Reisekoffer gedacht.
Es gibt neue Krimis: Donna Leon "Wie durch ein dunkles Glas", der 15. Fall für Kommissar Brunetti, Stieg Larsson "Verblendung", Leonardo Sciascio "Der Tag der Eule" und Ake Edwardson "Zimmer Nummer 10".

Biographien: Bettina Eistel "Das ganze Leben umarmen", der erstaunliche Bericht einer jungen, kontergangeschädigten Frau, Azar Nafisi "Lolita lesen in Teheran", iranische Studentinnen lesen heimlich mit ihrer Professorin verbotene westliche Literatur, und die Erinnerungen des deutschen Äthiopiers Asfa-Wossen Asserate " Ein Prinz aus dem Hause David".

Einige neue Romane: Christoph Hein "Frau Paula Trousseau", die Geschichte einer Malerin in der DDR, bei der man sich fragt, wer sich wohl hinter diesem erdachten Namen verbirgt. J.R. Moehringer "Tender Bar", in dieser verrauchten Bar findet ein kleiner Junge sein Zuhause. Luo Lingyan, eine Chinesin, die auf deutsch schreibt, hält mit ihrem humorvollen Roman "Die chinesische Delegation" ihren Landsleuten und den Deutschen einen Spiegel vor. Wer nordische Autoren liebt, wird von dem "Schattenfuchs" des Isländers Sjon beeindruckt sein.

Der Platz reicht nicht, um noch mehr Bücher zu erwähnen, auch nicht die neuen Kinder- und Jugendbücher. Auf die Wünsche unserer kleinen und großen Leser versuchen wir einzugehen - sofern sie nicht zu ausgefallen sind. Dafür liegt in der Bücherei ein gelbes Wunschbuch. Natürlich gibt es auch Taschenbücher bei uns, allerdings nicht in einem gesonderten Regal, sondern nach Autoren geordnet zwischen den übrigen Büchern.

Wir wünschen allen, die verreisen, schöne, erholsame Ferien und den Daheimbleibenden etwas Ruhe und Entspannung - vielleicht mit einem Buch aus der Bücherei!
Ute Linnemann

Ein Vormittag mit Ingo Siegner


Der hannoversche Kinderbuchautor Ingo Siegner ist durch die Kinderbücher "Nachts auf dem Sambesi", das im hannoverschen Zoo und "Gustav spurlos verschwunden", das im Kinderkrankenhaus an der Bult spielt, bekannt geworden. Ebenso beliebt sind seine Abenteuer des kleinen Drachen Kokosnuss. Am 11. Mai hatten wir den Autor zu einer Lesung eingeladen. Die fünf ersten Klassen der Wasserkampschule kamen in zwei Gruppen in unser Gemeindehaus. Der Autor kam rasch mit den Kindern ins Gespräch. Fast alle kannten seine Bücher. Nun sahen sie voller Staunen, wie Ingo Siegner vor ihren Augen den kleinen Drachen entstehen ließ, eine Maus, die häufig auf den Bildern dabei ist, und den Schriftsteller an seinem Schreibtisch. Die signierten Zeichnungen durften die Schule und die Bücherei anschließend behalten.
Dann hörten wir die neuen Abenteuer des kleinen Drachen aus dem Buch "Der kleine Drache Kokosnuss und die Wetterhexe". Die Bilder wurden mit Dias an die Wand geworfen. Viel zu schnell war die Stunde vorbei, die Kindern, Lehrern und den Mitarbeiterinnen der Bücherei viel Spaß gemacht hatte. In der Pause zwischen den Lesungen und anschließend unterhielten wir uns mit Ingo Siegner über seine Bücher, seine Pläne und über Kinderbücher im allgemeinen. Wie hoffen, diesen besonders sympathischen Autor bald wieder in Kirchrode zu erleben.
Mit Autorenlesungen erreichen wir nur eine bestimmte Altersgruppe. Ins Märchenzelt beim Sommerfest am Kirchturm sind dann wieder alle eingeladen, die gern Märchen hören, und sich von der märchenhaften Stimmung im Zelt verzaubern lassen wollen. Märchen haben in der Literatur eine Sonderstellung. Ebenso wie Gedichte möchte man sie immer wieder hören - wenn möglich, mit den gleichen Worten. Unzählige Male musste ich meinen Kindern und Enkeln das Märchen von den drei kleinen Schweinchen erzählen. Immer wieder waren sie begeistert, wenn die Schweinchen am Schluss tanzen und singen: "Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot! Zu Ende ist die große Not." Wir freuen uns schon auf Samstag, den 23. Juni. Ab 15.00 Uhr werden wir so lange erzählen und vorlesen, wie Interesse besteht und der Außenlärm es zulässt. Ein kleines Quiz, das entweder gleich geraten oder später in der Bücherei abgegeben werden kann, ist vorbereitet. Als Preise werden drei besonders schöne Märchenbücher verlost. Wir wünschen, dass Märchen wieder neu entdeckt und in den Familien vorgelesen und erzählt werden.
Ute Linnemann


Anlässlich Paul Gerhardts 400. Geburtstags im März möchte ich ein Buch über ihn vorstellen von Christian Bunners:

Der Autor schreibt im Vorwort, Paul Gerhardt ist bekannt und unbekannt zugleich. Seit langem sind seine Lieder dem Gedächtnis der Menschheit eingeschrieben. Mit J. S. Bachs Musik erklingen seine Lieder rund um den Erdball, sein Name bleibt dabei oft ungenannt. Es war schon zu seinen Lebzeiten nicht sein Bestreben, Schlagzeilen zu machen.

Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren. Er studierte Theologie, war Hauslehrer und erhielt mit 44 Jahren seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde. 1657 wurde er an die Berliner Nikolai-Kirche berufen. Der Berliner Kirchenstreit, hervorgerufen durch die Konversion des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum reformierten Glauben, führte zu seiner Amtsenthebung, später zur Amtniederlegung und endgültigen Absetzung durch den Kurfürsten. Ordiniert auf die zentrale lutherische Bekenntnisschrift stand es für Paul Gerhardt fest, theologischen und geistlichen Widerstand gegen die calvinistische Lehre zu leisten. Ein Jahr später berief man ihn auf eine Pfarrstelle in Lübben.

Dreißig Jahre seines Lebens wütete in Deutschland der grausame Krieg. Brandschlag, Seuchen, Hunger und Mord gehörten zum Alltag. Seine Eltern, sein Bruder, seine Ehefrau und vier seiner Kinder starben früh, nur ein Sohn überlebte ihn. Und dennoch schrieb er kurz vor seinem Tode an seinen 13jährigen Sohn: "Ich danke Gott zuvörderst für alle seine Güte und Treue, die er mir gegeben, erwiesen hat." Paul Gerhardt starb am 27. Mai 1676 in Lübben.

Der Autor beschreibt den Lebensweg Paul Gerhardts im Kontext seiner Zeit und bedenkt ausführlich und souverän die Auswirkungen seines Schaffens auf die Musik, deutsche Literatur und Religion. Bischof Huber nennt Paul Gerhardt treffend "einen sprachmächtigen Interpreten elementarer Glaubensführung", bis zum heutigen Tage können er "als der fruchtbarste und schöpferischste Dichter geistlicher Lieder in deutscher Sprache gelten".

Für uns sind seine Lieder - 26 stehen im evangelischen Gesangbuch - treue Begleiter. Wenn Sie Lust haben, diese bemerkenswerte Biographie zu lesen, dann kommen Sie in die Jakobi-Bücherei.

Hella Heere


Abenteuer und Wissen

 

Um bei den Neuerscheinungen möglichst auf dem Laufenden zu sein, nutze ich jede Gelegenheit, so auch oft nachmittags die Büchersendung im Deutschlandfunk. Am wichtigsten ist für mich dabei der Sonnabend, denn da werden besondere Kinderbücher besprochen. Im Januar hörte ich ein Interview mit der Autorin Maja Nielsen. Weil sie sich bei Autofahrten oft über die schlechten CDs ihrer Kinder ärgerte, fing sie an, selbst Hörspiele zu gestalten, die für die ganze Familie spannend und informativ sein sollten. Nachdem diese Hörspiele erfolgreich waren, schrieb sie auch die passenden Bücher. Die Serie heisst "Abenteuer und Wissen", und sie gefällt mir so gut, dass die schön illustrierten Bücher mit den passenden CDs nun in der Bücherei zu finden sind. Die Themen sind sehr unterschiedlich: "Dschingis Khan - Die geheime Geschichte des Steppenkämpfers", "Mount Everest - Spurensuche in eisigen Höhen", "Kosmonauten - Mit 20 Millionen PS ins All" und "Tutanchamun - Das vergessene Königsgrab". Die Serie ist eine gelungene Mischung aus Roman und Sachbuch und wird hoffentlich unsere jungen Leser begeistern! Der Evangelische Buchpreis 2007 wird im Mai in Hannover verliehen. Jeder interessierte Leser ist eingeladen, an der Feierstunde in der Neustädter Kirche teilzunehmen. Im Mai werde ich Genaueres berichten. Ab Februar sammeln wir wieder Vorschläge für den nächsten Buchpreis, also für 2008, diesmal in der Sparte Kinder- und Jugendbuch. Wir wenden uns an alle, die gern Jugendbücher lesen - nicht nur an die Kinder! Bis Ende Juni müssen die Vorschläge in Göttingen sein, wo sie von einer Jury gelesen werden. Eins der vorgeschlagenen Bücher wird dann 2008 ausgezeichnet werden.

In den Buchhandlungen ist es jetzt ruhig. Man wartet auf die Neuerscheinungen des Frühjahrs. Der erste Roman des Jahres, "Ruhelos" von William Boyd, fiel darum besonders auf. Spannend und gut erzählt geht es um ein lang gehütetes Familiengeheimnis und um Spionage im 2. Weltkrieg. Zwei weitere Romane interessierten mich schon vor Weihnachten. Ich hatte aber erst jetzt Zeit, mich damit zu beschäftigten. "Das Wetter vor 15 Jahren" ist eine Liebesgeschichte in einer äußerst merkwürdigen Form: der Inhalt entwickelt sich in einem Gespräch zwischen dem Autor und der "Literaturbeilage" einer Gesprächspartnerin, die namenlos bleibt, aber offensichtlich eine Frau ist. Als Leser legt man den Roman entweder nach wenigen Seiten entrüstet weg - oder man amüsiert sich köstlich. Mir hat es Spass gemacht! Der Roman "Vierzig Rosen" von Thomas Hürlimann war nach begeisterten Kritiken sofort vergriffen, ist aber inzwischen neu verlegt. In der ZEIT hieß es: "Thomas Hürlimann hat einen grandiosen Roman über die destruktive Kraft der Leibe geschrieben, über das Gefängnis Familie und das unerbittliche Vergehen der Zeit…" Die 40 Rosen, die Marie jedes Jahr von ihrem Mann zum Geburtstag erhält, sind ein vergeblicher Versuch, die Zeit anzuhalten. Ich hoffe, ich habe Sie neugierig gemacht! Und da Kinder wahrscheinlich den Gemeindebrief nicht lesen, machen Sie doch bitte Ihre Kinder und Enkel auf die neue Serie "Abenteuer & Wissen" aufmerksam. Bis bald in der Jakobi-Bücherei!

Ute Linnemann



Drei gelungene Veranstaltungen der Bücherei

Der November war ein erfolgreicher Monat für die Jakobi-Bücherei. Zuerst wurden die dritten Klassen der Wasserkampschule und ihre Lehrerinnen zu einer Autorenlesung eingeladen. Der Jugendbuchautor Martin Ebbertz aus Boppard am Rhein las aus seinen Büchern "Der kleine Herr Jaromir" und "Onkel Theo erzählt vom Pferd". Dass "vom Pferd erzählen" eine Umschreibung für Scherzgeschichten ist, habe ich dabei gelernt. Die Schüler stellten viele Fragen nach dem Leben eines Schriftstellers: Woher nimmt er seine Ideen? Schreibt er mit der Hand oder dem Computer? Malt oder zeichnet er selbst? Wie viel verdient er an jedem Buch? Vielleicht wurden einige Kinder angeregt, selbst etwas zu schreiben. Die Gelegenheit ist günstig, denn bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung läuft gerade ein Schreibwettbewerb.

Fesselnd und lebhaft wie immer stellte dann Frau v. Schwarzkopf zwanzig Neuerscheinungen vor: Biografien, ernste Romane, leichte Unterhaltung und Kriminalromane. Einige Bücher aus der Titelliste waren schon in der Bücherei vorhanden; andere sind inzwischen dazugekommen.

Zwei Wochen später kamen die Herren Lang und Wiedenroth bei Sturm und Regen. Die Gäste, die sich trotzdem eingefunden hatten, erlebten einen abwechslungsreichen Abend. Sie stellten völlig andere Bücher vor - kein Wunder bei der Fülle lesenswerter Bücher in diesem Jahr! Durch das Vorlesen wurden einige der Bücher besonders eindrucksvoll. Elf der vorgestellten Bücher können in der Bücherei schon ausgeliehen werden.

Auf Empfehlung von Herrn Lang las ich den Roman "Sehnsucht nach Kapstadt". Der holländische Autor Otto de Kat schildert einige Jahre aus dem Leben eines jungen Mannes vor dem zeitlichen Hintergrund der Jahre 1935 bis etwa 1947. Rob ist ein "Einschiffer", "De inscheper", wie es auf holländisch heißt, immer rastlos und unstet.

Ferienregelung in der Jakobibücherei
Während der Weihnachtsferien (23.12.06 - 06.01.07) bleibt die Bücherei mittwochs von 15 - 19 Uhr geöffnet. Der letzte Ausleihtag vor den Ferien ist Donnerstag, d. 21. Dezember. Der erste Ausleihtag nach Schulbeginn ist Dienstag, d. 9. Januar. Ab dem 14.12. und während der Ferien dürfen bis zu 10 Bücher ausgeliehen werden. Die Ausleihfrist erstreckt sich über die gesamten Ferien.

Aus der Enge seines bürgerlichen Elternhauses bricht er aus und reist nach Kapstadt. Ohne die Empfehlungsbriefe seines Vaters, die er zerrissen hat, wird er ungern in das Land gelassen. Er findet Arbeit in den Goldminen von Johannesburg. Als Freiwilliger kämpft er in Niederländisch-Indien gegen die Invasion der Japaner und kommt in Gefangenschaft. Anstatt Freiheit erlebt er Hunger und Misshandlungen. Ein junger Holländer, Guus, wird sein Freund, und sie überleben alle Strapazen gemeinsam. Beim Weitertransport wird ihr Schiff torpediert. Rob kann sich retten, Guus verschwindet spurlos. Rob erlebt die Atombombe auf Nagasaki aus nächster Nähe und die Befreiung durch die Amerikaner. Er lässt sich treiben und hat nur noch einen Wunsch, seinen Freund wieder zu finden. Beim Tod seiner Mutter kehrt er nach Holland zurück, aber die Enge erdrückt ihn. Ein Gespräch mit dem Vater von Guus zerstört die letzte Hoffnung. Und wieder wird Kapstadt das Ziel seiner Sehnsucht. Vieles wird nur angedeutet in diesem Buch, das mich sehr beeindruckt und lange beschäftigt hat.

Die Basarvorbereitungen laufen auf vollen Touren. Kinder leihen Bastel- und Weihnachtsbücher und raten die von Frau Altenburg erdachten Weihnachtsrätsel. Überall merkt man, dass Weihnachten näher kommt.

So wünscht nun auch das Büchereiteam ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und für 2007 Gesundheit und eine friedliche Welt!

Ute Linnemann



Bücherherbst

Der Herbst ist für alle Literaturinteressierten eine besondere Jahreszeit! Zunächst die Frankfurter Buchmesse, deren Schwerpunkt Indien uns auf interessante Bücher über Indien und von indischen Schriftstellern aufmerksam machte; dann die gespannte Erwartung auf den Literaturnobelpreis. Mit Orhan Pamuk wurde ein türkischer Schriftsteller ausgezeichnet, der vielen Lesern schon ein Begriff war. Sein Roman "Schnee" wurde noch am gleichen Nachmittag ausgeliehen.

Die beiden Buchvorstellungen in unserer Gemeinde liegen jetzt, während ich dieses schreibe, noch vor uns. Wir freuen uns auf Frau von Schwarzkopf am 30. 10. und auf die Herren Lang und Wiedenroth am 13.11.! Zusammen mit Frau Schmidt hatte ich das Glück, schon eine Buchvorstellung von Herrn Lang vor Büchereimitarbeiterinnen zu erleben. Einige Bücher, die er hervorhob, sind schon in der Bücherei vorhanden:

Friedrich Christian Delius hat einen anrührenden Roman über seine Mutter geschrieben "Bildnis der Mutter als junge Frau", eine Begegnung mit Rom im Kriegswinter 1943 und zugleich eine zarte Liebesgeschichte. Einige Leser kennen schon "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück". Der französische Psychiater und Schriftsteller Francois Lelord hat nach einem weniger überzeugenden Buch über die Liebe nun "Hector oder die Entdeckung der Zeit" geschrieben. Es lohnt sich, mit ihm darüber nachzudenken, warum die meisten Menschen ständig in Eile sind und nie genug Zeit haben.

Wer den Titel "Jedermann" hört, denkt vielleicht an die Festspiele in Salzburg oder an anderen Orten, wo das Spiel um das Sterben eines reichen Mannes in der Fassung von Hugo von Hofmannsthal seit Jahren die Theaterbesucher beeindruckt. Im Lexikon erfahre ich, dass die ältesten Bearbeitungen dieses Stoffes schon 1495 in den Niederlanden und 1509 in England gedruckt wurden. Nun hat der amerikanische Schriftsteller Philip Roth das Thema in die heutige Zeit übertragen mit seinem Roman "Jedermann". Ich habe lange überlegt, ob dieses bedrückende Buch über Einsamkeit, Alter, Krankheit und Tod genug Leser interessiert. Erst nach dem zweiten Lesen war ich überzeugt, dass dieser wichtige Roman uns alle angeht.

Ab dem 1. November werden wir uns weniger mit neuen Büchern als mit den Bergen von gespendeten Büchern beschäftigen. Wir hoffen, dass wir wieder so viele gut erhaltene Bücher bekommen, wie im letzten Jahr! Bis Donnerstag, dem 30. November, können zu den Öffnungszeiten der Bücherei Bücher abgegeben werden, die von uns sortiert und aufgebaut und am Sonntag, dem 3. Dezember, verkauft werden.

Das Büchereiteam freut sich darauf, Sie/Euch beim Basar oder in der Bücherei zu treffen!

Ute Linnemann



Kinder-CD's und neue Bücher

Die Großen Ferien sind zu Ende, und wir freuen uns auf das Wiedersehen mit unseren Lesern! Wir haben die Zeit, in der die Bücherei nur einmal wöchentlich geöffnet war, gut genutzt. Für die vielen Schulanfänger liegen Begrüßungstüten bereit, die wir ab Mitte September verteilen werden. Ausserdem haben viel Neues angeschafft - aber davon später. Der Gottesdienst unter freiem Himmel war bei herrlichem Wetter und durch die gelungene Aufführung von "Bileam und seiner gottesfürchtigen Eselin" ein besonderes Erlebnis. Zu unserer Freude fiel die Kollekte für die Bücherei sehr reichlich aus. Auf Wunsch vieler Mütter haben wir vor allem Kinder-CDs gekauft. Von einigen Klassikern abgesehen, haben wir uns auf das Alter zwischen 3 und 10 Jahren eingestellt. Wir beeilen uns, damit die 30 CDs bald ausleihfertig sind. Es gibt auch wieder neue Bücher. Einige möchte ich besonders hervorheben: Von Philippe Claudel "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung". Linh hat in seiner Heimat die gesamte Familie durch Bomben verloren. Mit anderen Flüchtlingen wird er in ein fremdes Land gebracht. Seine Enkelin hält er fest im Arm. Sie gibt ihm die Kraft, weiter zu leben. Er lernt den traurigen Monsieur Bark kennen. Obwohl einer des anderen Sprache nicht versteht, beginnt eine wunderbare Freundschaft. Ein bewegendes Buch mit einem überraschenden Schluss. Indien ist diesmal das Thema der Frankfurter Buchmesse. Da kommt die interessante Biografie des indischen Schriftstellers Vikram Seth "Zwei Leben - das Portrait einer Liebe" gerade recht. Der Autor beschreibt anhand von Briefen und Fotos das Leben seines Onkels Shanti und seiner Tante Henny, einer deutschen Jüdin. In ihrem Haus in London hat Seth mehrere Jahre gelebt. Er schreibt: "Ihr Leben verlief unbemerkt, doch ihre Geschichte ist unvergesslich". Trotz einiger Längen lohnt sich die Lektüre sehr.

Eine Biografie von Ingeborg Prior mit dem Titel "Die geraubten Bilder" war lange vergriffen und ist jetzt unter dem Titel "Sophies Vermächtnis - Das tragische Schicksal einer Deutschen in sibirischer Verbannung" neu erschienen. Beide Titel passen nicht so richtig - aber das Buch ist interessant, auch und gerade für Hannoveraner. Die Autorin schildert das Leben von Sophie Schneider (1891-1978). Sie war mit Paul Erich Küppers verheiratet, der 1916 der erste künstlerische Leiter der Kestnergesellschaft in Hannover wurde. Nach dem frühen Tod ihres Mannes heirate sie den russischen Maler El Lissitzky und folgte ihm nach Russland. 1941 starb Lissitzky, und Sophie wurde mit ihrem Sohn nach Sibirien verbannt. Sophies Sammlung moderner Bilder, darunter viele von El Lissitzky, wurde weit verstreut - manche sind bis heute nicht mehr aufgetaucht. Nach ihrem Tod führte Len Lissitzky einen erbitterten Kampf um sein Erbe. Für Günter Grass "Beim Häuten der Zwiebel" haben wir uns entschieden, um unseren Lesern Gelegenheit zu geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Anlässlich des 400. Geburtstages von Rembrandt haben wir den historischen Roman "Der Gehilfe des Malers" von Alexandra Guggenheim eingestellt, dazu noch einen kleinen Kunstband mit den wichtigsten Gemälden. Der Platz reicht nicht, um noch mehr Bücher zu besprechen. Kommen Sie zu uns! Wir beraten Sie gern und freuen uns über jeden Besucher!

Ute Linnemann


Die Aufgaben des Büchereiteams

Wer die Bücherei besucht, trifft immer wieder auf andere Gesichter. Doch dass zwölf Damen, zum Teil schon seit vielen Jahren, ehrenamtlich in der Bücherei mitarbeiten, wissen wohl nur wenige. Damit eine Bücherei reibungslos funktioniert, gibt es viel Arbeit im Hintergrund - mehr als auf den ersten Blick sichtbar wird. Wichtig ist die Entscheidung darüber, welche Bücher aus der Fülle der jährlichen Neuerscheinungen gekauft werden sollen. Anregungen dafür bieten Kritiken, Buchvorstellungen, Buchpreise und Gespräche mit Buchhändlern. Dabei stellen wir uns bei jeder Kaufentscheidung die Frage, ob dieses Buch auch genügend Leser findet. Deshalb lesen wir fast jedes Buch vor dem Kauf. Dabei interessiert sich Frau Heere besonders für Kriminalromane und Biografien, Frau Knieper für Romane und ich mich für Kinder- und Jugendbücher. Wenn das neue Buch gestempelt und mit der Inventarnummer versehen ist, schreibt Frau Billib die Buch- und Karteikarten. Dann schlagen Frau Heere, Frau Hosterbach und Frau Schmidt die Bücher in Folien ein und kleben farbige Bänder mit der Signatur darauf. Die Unterscheidung durch verschiedene Farben nach Alters- und Sachgruppen erleichtert die Orientierung in der Bücherei und hilft den Besuchern, sich zurecht zu finden. Für beschädigte Bücher ist Frau Peters zuständig, die mit Geduld und Buchbindekenntnis so manches Buch wiederherstellt. Frau Reinecke macht uns auf veraltete und kaum gelesene Bücher aufmerksam und gibt uns dadurch wertvolle Denkanstöße. Die Entscheidung fällt oft schwer! Anschließend sitzt Frau Schmidt, die für die Karteikästen zuständig ist, stundenlang beim Aussortieren der Buchkarten.

Soweit die Arbeiten rund ums Buch! Es gibt aber viele Sonderaufgaben: Regelmäßige Besuche von Kindergartengruppen werden von Frau Nickel und Frau Rotzoll betreut. Auch Führungen für Schulklassen bieten wir an. Zweimal im Jahr laden wir Jugendbuchautoren für Schüler der Wasserkampschule ein. Frau Reinecke und Frau Dr. Wöhler-Hell gestalten mit Hilfe einiger Mütter im Winterhalbjahr Vorlesenachmittage. Frau Rotzoll leitet seit Jahren den Literaturkreis, der sich alle vier Wochen in der Bücherei trifft und der für jeden offen ist. Frau Altenburg ist unersetzlich bei der Gestaltung unseres Schaukastens, beim Entwerfen von Plakaten und Handzetteln für Sonderveranstaltungen und beim Austüfteln der Weihnachtsquize.

Das Team trifft sich einmal im Monat, um anfallende Fragen und neue Bücher zu besprechen. Gemeinsame Aktionen sind das Bücherwaschen in den Herbstferien, das Basteln der Schulanfängerbriefe, der Buchverkauf am 1. Advent und das Märchenzelt beim Sommerfest der Gemeinde. Höhepunkte sind die Büchervorstellungen im Herbst. Sicherlich habe ich noch einiges vergessen - aber die Aufzählung ist schon lang genug! Die wichtigste Aufgabe ist für uns alle, während der Ausleihstunden Kinder und Erwachsene zu beraten und auf Neuheiten hinzuweisen. Manchmal ist der Andrang so groß, dass man nicht für jeden Besucher genug Zeit findet, aber oft ergeben sich auch interessante Gespräche rund ums Buch. Wir freuen uns über Anregungen unserer Leser und prüfen jeden Vorschlag. Aber auch hier gilt: das Buch muss für einen größeren Leserkreis interessant sein. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, mit wieviel Liebe und großem Einsatz das ganze Büchereiteam bei der Sache ist. Die Sommerferien stehen vor der Tür. Wir wünschen allen, die verreisen, sonnige, erholsame Wochen. Die Bücherei ist wie immer in den Ferien mittwochs geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!

Ute Linnemann



Diskussionsfreudige Runden

 

Mit munterem Geplauder rücken unsere kleinen Gäste ein: einmal im Monat besuchen uns die Kindergartenkinder für eine Vorlesestunde. Ganz intensiv verfolgen sie das vorgelesene Geschehen in dem für sie ausgewähltem Bilderbuch, und oftmals unterbrechen wir die Lektüre, damit sie eigene Gedanken und Erlebnisse beisteuern können. Es ist immer wieder erstaunlich, wie lebhaft sie sich in die Geschichten hineinversetzen und auf eigene Lösungen sinnen. Sehr angeregt von den phantasievollen Einfällen versuchen wir, den roten Faden nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Zufrieden klappen wir das Buch zu, wenn etwa Lenas erste selbständige Einkaufstour gelungen ist oder der Besuch von Tante Klara mit all seinen Komplikationen doch noch gut überstanden wurde. Fröhlich geht es weiter: mit einem ansehnlichen Stapel ausgeliehener Bücher ziehen sie wieder los.

Der abendliche Literaturkreis für erwachsene Leser folgt etwas anderen Regeln: alle Teilnehmer haben das ausgewählte Buch bereits gelesen und möchten sich nun darüber austauschen. Auch dort ist die Gedankenvielfalt beachtlich und verhilft meistens zu einem differenzierteren Verstehen des Textes. Besonders eindrucksvoll war das Buch "Drachenblut" von Christoph Hein, das die totale Vereinsamung einer 40jähreigen Ärztin in einer Hochhaus-Wohnung beklemmend beschreibt. Sie hat "in Drachenblut gebadet" wie Siegfried in der Sage, d. h. sie ist unempfindlich geworden für alle zwischenmenschlichen Gefühle. Derselbe Autor hat in dem Buch "Landnahme" das schwierige Schicksal eines Flüchtlingjungen geschildert, der nur mühsam in der neuen Umgebung Fuß fassen kann. Vieles erinnerte mich an Szenen meiner eigenen Schulzeit in den ersten Nachkriegsjahren. Es war ein langer Weg, bis die Integration schrittweise gelang.

Der Schriftstellerin Monika Maron begegneten wir in ihrem autobiographischen Buch "Pawels Briefe". Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der jüdischen Großeltern und der naiven sozialistischen Einstellung der Mutter hat die Tochter geprägt und erst allmählich ihren eigenen Weg finden lassen. Mit ihrem kritischen Buch "Flugasche" wurde sie einer größeren Leserschaft bekannt. Als Folge musste sie aus der damaligen DDR ausreisen. Auch das Buch "Endmoränen" aus der Nachwendezeit gibt Eindrücke in Marons Werdegang: so unbeschreiblich groß die Freunde über die Wende 1989 war, so stürzten doch in ihren Folgeerscheinungen viele Menschen in Sinnkrisen. Die Romanfigur Johanna, eine Schriftstellerin, weiß nichts mehr zu schreiben, weil ihr kritischer Stil aus der Oppositionsphase nachgerade nicht mehr zeitgemäß ist. Sicher kann uns das Buch dahin führen, der Seelenlage der früheren DDR-Bürger einfühlsamer nachzuspüren.

Zur Erholung tauchten wir ins 19. Jahrhundert ab und lasen Stifters "Bergkristall" - eine Erzählung, an deren Langatmigkeit und innere Ruhe wir uns erst gewöhnen mussten. Die intensiven Naturschilderungen und das karge Leben der damaligen Zeit haben uns dann doch sehr angerührt.

Als nächstes Buch steht "Der wiedergefundene Freund" von Fred Uhlmann auf dem Programm.


Biografien von Philosphinnen


Jährlich veranstaltet die Ev.-Luth. Landeskirche Hannover eine Jahresversammlung für die Mitarbeiter der kirchlichen Büchereien. In diesem Jahr stellte sich am 24. Februar in diesem Rahmen die neue Fachstellenleiterin Frau Marion Wiemann vor. Sie berichtete, dass die veränderten Strukturen der Ev. Landeskirche auch im Haus kirchlicher Dienste zu spüren sind. Seit dem 1. Januar 2007 sind die ehemaligen Fachgebiete "Ev. Büchereiarbeit" und "Medienverleih" im neuen Fachgebiet "Büchereiarbeit und Medienverleih" verbunden. Zugleich wurden 6 Stellen auf 3 reduziert. Frau Wiemann stellte bei der Tagung ihre Fähigkeiten gleich unter Beweis (Applaus!): Mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 118 Gemeinde-, Krankenhaus- und Heimbüchereien waren der Einladung ins Freizeitheim Ricklingen gefolgt, darunter 11 Damen der Jakobi-Bücherei. Die Veranstaltung stand unter dem Thema "Biografien von Philosophinnen". Geplant war ein Vortrag von Frau Dr. Brüning. Am Tag zuvor war sie leider erkrankt. Sie stellte jedoch freundlicherweise ihr Manuskript zur Verfügung, das Frau Wiemann vortrug.
Die Autorin skizzierte kurz das Leben und Denken folgender Philosophinnen von der Antike bis zur Neuzeit:
1. Theano von Kroton, 550 v. Chr., Ehefrau von Pythagoras
2. Hildegard von Bingen (1098-1179)
3. Emilie du Châtelet (1706-1749)
4. Harriet Taylor Mill (1807-1858)
5. Simone der Beauvoir (1908-1986)

Allen gemein ist, dass sie als Philosophinnen in einer von Männern dominierten Welt keine Anerkennung fanden. Frauen, als dem schwächeren Geschlecht, wurde bis ca. 1900 der Zugang zu Schule und Bildung erschwert. Für Interessierte: Ingeborg Gleichauf stellt 44 Denkerinnen vor in ihrem Buch "Ich will verstehen" 2005.

Nach kurzer Diskussion und einer Mittagspause erläuterte der Schriftsteller Dr. Alios Prinz, Jg. 1958, mit Lichtbildern seine Biographie für Jugendliche und Erwachsene von Hannah Arendt (1906-1975) "Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt", für die er 2001 den Evangelischen Buchpreis erhielt. Spannend schildert er darin den Lebensweg der Philosophin, die sich als 20jährige Studentin in den Professor Martin Heidegger verliebte und 1925 bei Karl Jaspers in Heidelberg promovierte. Als Jüdin floh sie 1941 vor der drohenden Deportation über Marseille nach Amerika, enttäuscht von den Intellektuellen in Deutschland. In dem Fernseh-Interview, das Günter Gaus 1964 mit Hannah Arendt führte, sagte sie: "Die Intellektuellen wandten sich von den Juden eher ab als andere. Sie gingen den eigenen Einfällen in die Falle". Wir sahen Ausschnitte dieses Interviews und waren - wie der Autor Alois Prinz - von dieser starken, echten Persönlichkeit sehr beeindruckt.

Auch der folgende Film beschäftigte sich mit einer jüdischen Philosophin: Edith Stein (1891-1942). Sie promovierte und arbeitete als Assistentin bei dem Philosophen Edmund Husserl in Freiburg. Er verweigerte ihr jedoch die Habilitation, weil er dies einer Frau nicht zutraute. Mit 31 Jahren ließ Edith Stein sich katholisch taufen. Nach dem Berufsverbot 1933 trat sie in den Kölner Karmel Orden ein und wechselte später aus politischen Gründen in den Karmel Orden von Echt/Holland. Von dort wurde sie 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie sofort den Tod in der Gaskammer fand. 1998 wurde sie in Rom heilig gesprochen.

Mit dem Film war die Jahresversammlung beendet. Nachdenklich ging man auseinander. Den Ausspruch Hannah Arendts: "Denken ist nicht nur für Fachleute da, jeder kann darin Kompetenz erweben" setzte eine Teilnehmerin für die Büchereiarbeit um: "Wenn man nicht denkt, kann man mit Büchern gar nicht arbeiten."

Und eins ist klar: Über Biografien findet man einen sehr guten Einstieg in die manchmal komplizierte Gedankenwelt der Philosophinnen. Beide warten nun auf Leserinnen und Leser in der Bücherei. Alle erwähnten Bücher sind in der Bücherei vorhanden. Von Alois Prinz sind außerdem Biografien über Hermann Hesse und Ulrike Meinhof auszuleihen, ebenso die Biographie von Charlotte Kerner: "Alle Schönheit des Himmels. Die Lebensgeschichte der Hildegard von Bingen." 1994.
Barbara Altenburg