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So ist das bei ...
(Folge 16)

Einem Pastor schenkt man zu Weihnachten am besten nichts weihnachtliches, sondern etwas zur eigenen Erholung, denn Weihnachten bei uns auf dem Dorf verlangt von so einem Hochwürden eine ganze Menge.
Wenn man das hier so sieht, wie gekauft und gegessen wird hier in der Stadt, von wer weiß woher kommen alle diese Leute, da fragt man sich doch, ob es so ein bescheidenes Weihnachten überhaupt gibt, ob es die noch gibt, die weniger oder nichts haben. Ich bin mir sicher, dass es die noch gibt, wahrscheinlich sogar mehr als ich glaube - denn hier beim Einkaufen werde ich sie wohl am wenigsten antreffen. Meine Oma und manchmal sogar meine Eltern haben oft von dem Paar Schuhe erzählt, das jedes Jahr verschenkt wurde - immer an einen anderen. Von Kleidern, Hosen und Jacken, die irgendwie wieder in Ordnung gebracht dann unter dem Weihnachtsbaum lagen. Orangen - Orangen! Paranüsse! Schokolade! Das kann ich mir nicht mehr richtig vorstellen und irgendwie bin ich ja auch froh, dass es bei uns zu hause eben keine Eisblumen mehr am Fenster gab. - Die schillerndsten Geschichten über das Weihnachtsfest mit den leuchtendsten Augen kommen aber von diesen Menschen. Und das gehört irgendwie dazu, das Weniger und das Fehlende und das Unterdurchschnittliche. Nicht umsonst haben als erstes die Hirten verkündet bekommen, wo das Geschenk zu finden ist, in einem alten Stall in einer Futterkrippe (einem Futtertrog?). Diejenigen, die damals am allerwenigsten am Leben teilnahmen, weil sie fernab die Schafe der Bauern bewachten, die niemand sah und die niemand respektierte und die am ärmsten waren.
Hier war niemand fernab. Alle waren sie hier. Ob man ihnen gesagt hat, dass Weihnachten eigentlich woanders stattfindet? Draußen, vor der Stadt?

©  für die Geschichte: Martin Böhnke

 

©  für den Adventskalender 2001: Karl-Martin Voget