„Die Seele laufen lassen –
                           Die Seele füllen“ Neues Pilgerprojekt -
                            Auf dem Jakobsweg in Frankreich
                Via Podiensis – Von Le Puy en Velay nach Conques

Die erste Pilgerreise auf dem Jakobsweg durch Nordspanien nach Santiago de Compostela liegt bald zwei Jahre zurück. Die 18 Pilgerinnen und Pilger dieser Reise im Sommer 2007 haben auf dem Weg einen unsagbar wertvollen Schatz an Erfahrungen, geistlicher Vertiefung und Gemeinschaft gewonnen, auf den sie
im alltäglichen Leben zurückgreifen können. In diesem Jahr soll es wieder die Möglichkeit solchen Erlebens geben. Diesmal gehen wir auf der Via Podiensis, dem wichtigsten Jakobsweg der vier von Ost nach West geleiteten Wege in Frankreich, die zum Camino Francés und dann ins spanische Santiago de Compostela führen. Die gesamte Via Podiensis führt vom schweizerischen Genf über Lyon, Le Puy, Conques, und Moissac nach St. Jean Pied de Port. In seiner althergebrachten Wegführung ab Le Puy ist die Via Podiensis
der schönste der französischen Jakobswege. In Le Puy beginnen wir unseren Weg auf einer der ältesten Pilgerrouten und legen zu Fuß eine Strecke von ca. 200 Kilometern bis nach Conques zurück. Dabei wandern
wir durch Landschaften von außerordentlicher Schönheit und Natur, die klar vor dem Lärm und der Hektik des modernen Lebens dominiert. Wir kehren in Orten ein, die kulturell und architektonisch unsere Pilgerschaft bereichern werden. Unsere Pilgerwanderung ist kein Erholungsurlaub, sondern enthält auch Heraus-forderungen. Wir übernachten überwiegend in einfachen Pilgerherbergen. Wir wandern täglich ab den frühen Morgenstunden mit Rucksack auf ausgewählten Abschnitten zwischen Le Puy en Velay bis Conques ca. 25 km. Technisch, konditionell und auch spirituell stellen die cken Anforderungen, die aber zu bewältigen sind.
Das Pilgerprojekt richtet sich an Erwachsene verschiedener Altersgruppen,  die Interesse haben die Spiritualität des Pilgerns kennen zu lernen und Erfahrungen mit dem Pilgern zu sammeln
+ die schon lange mit dem Gedanken spielen auf den Jakobsweg zu gehen, sich aber allein eine solche Tour nicht zutrauen
+ die gern mit anderen unterwegs sind, aber sich auch Zeit für sich nehmen
+ die auf der Suche sind nach Stille, Weite, Klärung, Gespräch,…
+ die erfahren wollen mit wenig auszukommen und einfach zu leben
+ die sich Ziele erlaufen und Grenzen überwinden wollen
+ ...
Die An- und Abreise erfolgt mit dem Flugzeug und der Bahn. Abreisetag ist Sonntag, 28. Juni 2009 ab Hannover nach Le Puy en Velay. Rückkehr ist am Sonntag, 12. Juli 2009 ab Conques / Rodez nach Hannover. Es können 15 Personen teilnehmen. Wir pilgern ökumenisch. Pilger dieser Gruppe können evangelisch, katholisch oder freikirchlich sein. Auch wer keiner Kirche angehört, sich aber auf die spirituelle Ausrichtung dieses Projektes einlassen kann, ist eingeladen teilzunehmen. Die Gruppe wird gemeinsam geleitet von
Pastorin Ute Schneider-Smietana, Pastor Andreas Anke, Susanne Hilmer-Anke. Die Kosten pro Teilnehmer betragen 895,00 € ohne Verpflegung. Enthalten sind An- und Abreise mit Flugzeug und Bahn, Transfers, Unterkünfte, Pilgerpässe, Vor- und Nachbereitung der Pilgerreise mit der Gruppe.
Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Dann melden Sie sich bei: Pastorin Ute Schneider-Smietana, 05132 / 864051, pastorin.uss@htp-tel.de. Pastor Andreas Anke und Susanne Hilmer-Anke, 05132 / 53860, andreas.anke@evlka.de.

 

Eine Tourbeschreibung aus dem Internet  Wir pilgerten von LE PUY nach Conques

 

Kleine Fotoreportage    Weitere Bilder am 12.11. bzw. 26.11. bei Matthäus  oder Markus

                                                    siehe unter Termine     

  

   
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    Dieser Weg ....
- eine Hommage an die Pilgerreise im Sommer 2007 -

18 Frauen und Männer unterschiedlicher Konfessionen aus Lehrte und Sehnde trafen sich gut vorbereitet im Juli 2007 zu einer Reise mit besonderen Eindrücken. An 10 Tagen pilgerten wir auf dem Jakobsweg von Ponferrada nach Santiago de Compostela (Spanien). Unter der Leitung von Pn. Ute Schneider-
Smietana und P. Andreas Anke sowie seiner Frau Susanne Hilmer-Anke lernten wir viel über das Pilgern, Spanien und uns selbst. Einige Pilger-Erkenntnisse - es gibt noch viel mehr - seien kurz benannt:
Pilgern, das ist ...
... Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten
... Gemeinschaft mit Fremden beim Essen, Waschen und Schlafen
... Entdecken der Natur in ihrer abwechslungsreichen Vielfalt
... Anstrengung beim Auf- und Ab auf unterschiedlichen Wegstrecken
... Eintauchen aus der Welt des Alltags und Konsums in eine andere Lebensart
... Singen unter dem Sternenhimmel
... Freude, nicht nur am Ziel der Reise
... Fürsorge und Hilfe erfahren
... den Nächsten spüren
... Überwindung von Sorgen und Nöten
... Begegnung mit mir selbst
... Begegnung mit Gott und Gotteserfahrung
... Stillen einer tiefen Sehnsucht nach Sinn, Spiritualität und mehr
... Beten mit den Füßen.
Herzlichen Dank für das wunderbare Erlebnis!

                                                               Weiter unten das Pilgertagebuch

 

   
 
HAZ-Anzeiger 17.10.2007

Von Katerina Jarolim-Vormeier

18 Lehrter pilgern auf dem Jakobsweg
Die Gruppe bewältigt innerhalb von zehn Tagen eine Distanz von 220 Kilometern
Lehrte. Mit wenig Gepäck auf dem Rücken und eingelaufenem Schuhwerk haben sie sich auf den Weg gemacht: 15 Frauen und drei Männer marschierten von Ponferrada nach Santiago de Compostela – insgesamt 220 Kilometer auf dem spanischen Jakobsweg im Nordwesten der Iberischen Halbinsel.

Zehn Tage waren die 41- bis 69-Jährigen auf schmalen Pilgerwegen überwiegend abseits der Straßen unterwegs. Die Tagesetappen lagen zwischen 13,5 und 29 Kilometern.
„Untrainiert bin ich losgefahren", berichtete Brigitte Boetel nach der Pilgerreise. Am liebsten wäre die 60-Jährige schon am ersten Tag wieder umgekehrt. Doch der erste Marsch hatte sie überzeugt. „Mein Kopf war klar und ich fühlte mich wohl", sagte Boetel.
Eine andere Vorbereitung wählte Felicitas Steinke. Die 63-Jährige machte zunächst eine Fastenkur und ging täglich schwimmen und laufen, um ihre Kondition aufzubauen. „Mit der Reise erfüllte ich mir einen Jugendtraum", erzählte die Lehrterin.
Auch wenn so manche Tagestouren an die Grenzen der Belastbarkeit gingen, „war der Pilgermarsch für alle Beteiligten eine gute Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen", sagte Pastorin Ute Schneider-Smietana, auf deren Initiative die Reise veranstaltet wurde.
Jeden Morgen startete die Gruppe um 6.30 Uhr, um die kühlere Tageszeit zum Laufen zu nutzen. Sie marschierten nicht gemeinsam, sondern jeder Teilnehmer wählte seinen Rhythmus und genoss die Landschaft. Mit zehn Kilogramm auf dem Rücken, Berg hoch, Berg ab, manchmal auch Blasen an den Füßen, erreichte die 18-köpfige Gruppe jeden Abend spartanisch ausgestattete Herbergen. „Das war ein tolles Erlebnis mit unvergesslichen Eindrücken", waren sich die Teilnehmer am Ende einig.
   
 

Berichten von ihrer Pilgerreise auf dem spanischen Jakobsweg

(von links): Wilfried Peters, Pastorin Ute Schneider-Smietana,

Gisela Hingst, Felicitas Steinke sowie Brigitte und Lutz Boetel.

                                                                        Jarolim-Vormeier

 
   
Hannover  -  Bilbao                                                                                                                    Sonntag, 22. Juli 2007

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Der Tag ist da!

Um 9.30 Uhr trafen wir uns auf dem Flughafen Langenhagen am Schalter von Air Berlin.

15 Frauen und 3 Männer wollen sich auf den Weg machen nach Spanien, um den Jakobsweg von „Ponferrada“ bis „Santiago de Campostela“ zu gehen. Nachdem wir unsere Bordkarten bekommen hatten, und das Gepäck aufgegeben war, begaben wir uns in die Flughafenkapelle zu einem kurzen Moment der Besinnung und einer kleinen Andacht. Von Ute bekamen wir ein Pilgerbuch überreicht, in dem jeder von uns kleine Sprüche, Psalmen oder gern gehörte Lieder eingebracht hatte. Zum Abschluss wurde uns die Jakobsmuschel umgehängt, das Zeichen der Pilger auf dem Jakobsweg.

Dann ging es ins Flugzeug. Im Airbus A 319 bis „Mallorca“ und weiter mit dem A 320 bis „Bilbao“.Wir haben festgestellt, aus 10 000 m Höhe sieht die Erde sehr schön aus.

Auch unsere Erstflieger Patricia und Wilfried haben den Flug gut überstanden. In Bilbao ging es in einer rasanten Taxifahrt zum Hotel „Hesperia Bilbao“.

Es ist eine Herberge der gehobenen Klasse. Die Unterkünfte werden in den nächsten Tagen sicher einfacher werden. Nachdem wir uns erfrischt hatten, unternahmen wir einen kleinen Erkundungsgang. Der futuristische Bau des Guggenheim-Museums hat uns sehr beeindruckt. Zum Abendbrot um 20.30 Uhr begaben wir uns ins „Fresco“; dort durften wir für 9,95 € soviel essen und trinken wie wir wollten. Das haben wir dann auch getan. vom Salat über Pizza, Spaghetti, Paella bis zum Obstsalat, Eis und Kaffee haben wir durchgehalten. Anschließend wurde noch der Weg zum Bahnhof erkundet, damit am nächsten Morgen der Zeitplan nicht durcheinander geraten würde. Jetzt waren wir reif für die Matratze und gingen zurück ins Hotel.

 

Wilfried

Bilbao  -  Ponferrada                                                                                                                     Montag, 23. Juli 2007

Nach einem schnellen aber ausgezeichneten Frühstück gingen wir um 8.30 Uhr mit gepackten Rücksäcken zum Bahnhof von „Bilbao“. Mit etwas Verspätung fuhr unser Zug Richtung „Ponferrada“ ab. Wir fuhren durch wechselnde Landschaften, grüne Wiesen, Sonnenblumenfelder, Berge, Felsen …

In „Miranda de Ebro“ hatten wir 30 Minuten Aufenthalt, da andere Waggons an unsere Waggons angehängt wurden.

Die Fahrt von ca. 7 Stunden haben wir in fröhlicher Runde, mit einem Besuch im Bistro – „Café con leche“ zur Aufmunterung, „Baguette“ zur Stärkung – gutgelaunt überstanden.

Bei der Ankunft in „Ponferrada“ erwartete uns trüber Himmel.

Endlich konnten wir uns bewegen, der Fußmarsch führte uns zu unserem ersten Refugium. Die Frage war, bekommen wir noch einen Schlafplatz oder nicht in der Albergue „San Nicolas de Flüe“? Es hat geklappt; wir sind mit 18 Leuten untergekommen. Unser Schlafsaal befand sich im Keller, ein Riesenraum mit ca. 60 Schlafplätzen (Doppelstockbetten), für alle Schlafräume im Haus gab es je 2 Toiletten und Duschen für Damen und Herren.

Einige nutzten die Zeit bis zum Abendessen, um einkaufen zu gehen, einige nahmen an einer kleinen Andacht in der dazugehörigen Kapelle teil, andere entspannten. Nach einem sehr guten und üppigen Pilgeressen mussten wir uns rechtzeitig um 22.30 Uhr einfinden, denn dann ging im Refugium das Licht aus.

 Giesela und Margret

Ponferrada  -  Cacabelos                                                                                                          Dienstag, 24. Juli 2007

Der Tag begann mit Schrecken! Beim Aufstehen bekam ich einen Krampf und fiel aus dem Bett (von oben!). Zum Glück ohne Folgen außer einem blauen Fleck. Dann wurden nur die Zähne geputzt, etwas Wasser ins Gesicht, Sachen packen und Aufbruch.

 

Unser Tagesmotto für heute: „Schritt für Schritt“.

 

Die Schritte führten zunächst nicht sehr weit – in dem Restaurant vom Vorabend bekamen wir ein frühes Frühstück: „Café con leche“, ein Stück Kuchen und Orangensaft für 1 €! Aber dann ging es endlich los. Der Weg führte zunächst durch das noch recht ruhige „Ponferrada“.

Der richtige Tritt, das richtige Tempo musste erst gefunden werden. Im weiteren Verlauf ging es an landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei. Auf einer Wiese standen 9 Störche!

Kleine Ortschaften wurden passiert, in denen es ab jetzt etwas zu sammeln gibt: an verschiedenen Stellen bekommt man Stempel für den Pilgerpass. Die schönste Strecke liegt am Schluss des Weges und führt leicht hügelig durch Weinberge.

Die Füße haben inzwischen auch ihren Rhythmus gefunden. Die Herberge, die uns in „Cacabelos“ erwartete, besticht durch viele kleine 2er Zellen, sogar mit Regal für die ganzen Utensilien. Da wir heute sehr früh die Herberge beziehen, ist viel Zeit für Körperpflege und fröhliches Waschen. Warum artet zu Hause bloß alles immer so in Arbeit aus?! „Ponferrada“ ist jedoch noch nicht für alle erledigt. Zwei Teilnehmerinnen haben Kleidungsstücke vergessen und holen diese mit dem Bus. Der Vorteil: alles war schon frisch gewaschen! Außerdem wurden heute zuviel mitgebrachte Dinge wie zusätzliche Wanderschuhe und Isomatten per Post auf den Heimweg geschickt. Unterstützt wurde die Aktion durch einen freundlichen Polizisten, der einen Karton besorgte und mit zur Post ging und bei Verständigungsschwierigkeiten noch mit seiner aus der Schweiz stammenden Frau telefonierte. Der Tag klang aus mit einer Abendrunde, einer Reflexion auf den Tag sowie einem leckeren Abendessen.

 Ilona

Cacabelos  -  Vega de Valcarce                                                                                              Mittwoch, 25. Juli 2007

Wanderstrecke von „Cacabelos“ nach „Vega de Valcarce“

Der 25.07. ist der Namenstag des Heiligen Jakobus, der 44 n. Chr. durch König Herodes Agrippa I in Jerusalem hingerichtet wurde; Wiederauffindung des Grabes zu Beginn des 9. Jh. in Santiago de Compostela.

 

Tagesimpuls des heutigen Tages lautete: „Gehe, darum geht es!“

 

Ohne Gepäck und ohne Frühstück aber leichten Mutes machten wir uns auf den Weg – eine Strecke von ca. 27 km. Wir beobachteten einen herrlichen Sonnenaufgang. Unser Pilgerweg führte uns durch urige alte Weinberge, vorbei an vielen Obstbäumen (Äpfel, Birnen, Kirschen).

Am Ortseingang von „Villafranca del Bierzo“ begrüßte uns die Jakobuskirche mit angrenzendem Pilgerfriedhof.

Nachdem unsere Gruppe wieder vollzählig war, machten wir uns auf die Suche nach einem netten Frühstückslokal, was wir auch am Marktplatz fanden. Dank unseres Führungsteam kam jeder von uns auf seine Kosten. Frisch gestärkt bummelten wir in

kleinen Grüppchen durch die Stadt und über den Einkaufsmarkt, wo Wilfried einen

schmucken Sonnenhut kaufte. An der Brücke über den Fluss „Burbio“ trafen wir uns überraschend alle wieder und entschieden uns einstimmig für die Alternativroute über den „Cerro del Real“, die etwas mühsamer (steiler Anstieg), aber dafür inmitten der Natur verlief.

Heidekraut, Ginster und viele schöne andere Blumen sowie alte knorrige Esskastanien, Pinien und Eichen säumten unseren Weg. Beim Abstieg ins Tal verlor sich die Gruppe, nachdem der Weg nicht mehr so gut ausgezeichnet war. Einige gingen den steilen Weg hinunter; der Rest folgte dem Straßenverlauf (Serpentinen). Erschöpft kamen wir im Tal an und erfrischten uns mit kühlem Brunnenwasser. Nach einer Pause im Ort „Trabadelo“ (mit Stempeleintrag im Pilgerpass)  ging es weiter. 8 lange Kilometer lagen noch vor uns. Mit brennenden Füssen unter sengender Sonne ging es weiter bis zur Ortschaft „Portela“, wo eine ausgiebige Kaffeepause eingelegt wurde. 11 Personen waren total „erschossen“. Vor der Figur des „Heiligen Jakobus“ gab es noch ein lustiges Gruppenfoto. Nach vielem Gelächter war der Schwung in den Beinen wieder da. Die „Vorhut“ erreichte viel früher – da ohne Pause – die vorbestellte Herberge „Fernández“ in „Vega de Valcarce“. Ute wartete – wie immer –

geduldig auf den Rest der Gruppe. Eine schöne Unterkunft erwartete uns, wo wir alle in einem Raum einen Schlafplatz fanden. Frisch geduscht und nach „kleiner Wäsche“ ging es zum gemeinsamen Abendessen, wo wir bei schmackhaftem Essen sowie Wein den Abend ausklingen ließen. Mit einer anschließenden Andacht am Fluss hinter der Herberge beendeten wir den Pilgertag. Ca. 450 Höhenmeter wurden an diesem Tag überwunden!.

Danke dem Führungsteam (Ute, Susanne und Andreas), dass wir diesen schönen aber auch anstrengenden Tag ohne Rucksacktragen intensiv genießen konnten!.

 Karin und Gisela

Vega de Valcarce  -  O’Cebreiro                                                                                        Donnerstag, 26. Juli 2007

Nachdem ich am Abend zuvor sehr erschöpft war und mich nach dem andächtigen Tagesausklang nur noch nach Erholung und Schlaf gesehnt hatte, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich am nächsten Morgen bereits wieder unterwegs sein könnte.

Aber ich war nach einer erholsamen Nacht in der Pension „Fernandez“ erstaunlich munter und konnte mich voller Erwartung auf den Weg machen. Vor uns lag der Aufstieg nach

„O Cebreiro“.

 

Der Tagesimpuls: „Geh langsam, du kommst ja doch nur bei dir selber an“.

 

Lediglich einige Schluck Wasser im Bauch gingen wir los – in der Erwartung nach 3 km ein Frühstück einnehmen zu können. Alle drei Möglichkeiten im nächsten Ort „Hesresia“ blieben uns verschlossen. Steiler Aufstieg zwischen 7.00 und 9.00 Uhr. Den meisten von uns machte es kaum etwas aus - im Gegenteil, es tat ihnen sogar gut -, dass wir erst in „La Faba“ und auch erst nach dem Abstecher zur Albergue und der kleinen Kapelle mit Bronzepilger davor (beide Gebäude werden von der Stuttgarter Jakobusgesellschaft renoviert und unterhalten) und einer langen „Boccadillos“, die einige bestellten, musste erst noch aufgetaut werden. Der Käse war sehr lecker. Der Jüngste der Familie kam erst, als das größte Chaos vorbei war – dafür wurde er dann auch von Muttern lautstark zurechtgewiesen.

Aufbruch gegen 11 Uhr. 1 Stunde Aufstieg. Wir genießen die herrliche Aussicht und die Vielfalt an Pflanzen. Ginster zwischen tollen blauen und violetten und weißen Blumen. Kurz vor den Dorf „Laguna“ fallen die besonderen Reet gedeckten Häuschen auf. Der Wirt der Bar „Escuela“ erklärt später, dass sie zum Lufttrocknen von Schweinefleisch genutzt werden. Von dieser Raststation aus haben wir ein Taxi für Wilfried bestellt. Auch Lutz sowie Brigittes Rucksack fahren die letzten zwei Kilometer mit. Zu siebt (Dorothea, Karin, Gisela, Giesela, Brigitte, Andreas, Susanne) harren wir noch lange aus, bevor wir die restlichen Meter aufsteigen. Bei 152 wartet der Grenzstein zwischen Kastilien und Galicien.

Unsere Gelassenheit rächt sich, denn in der Albergue in „O Cebreiro“ können wir nicht kollektiv die Zimmer belegen. Zunächst werden nur die ersten zehn von uns rein gelassen.

„Drahtbürste“, die den Empfang mürrisch regelt, ermahnt uns, weil wir nicht

ordnungsgemäß in der Schlange gestanden haben. Schließlich gewährt sie uns doch Eintritt.

Ein anstrengender, aber idyllischer Weg liegt hinter uns. Abseits der Straßen, mit beeindruckender Vegetation und einem wieder neuen herrlichen Panorama.

Abends beim Essen bekommen wir erstmals galicische Spezialitäten wie „Caldo“ (Kohlsuppe) und „Tarta de Santiago“.

Der Tag endet mit einem schönen Sonnenuntergang hinter den Bergen. Fröstelnd beenden wir den Abend mit dem Lied „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen ...“. Angesichts der herrlichen Aussicht ein Loblied an die Schöpfung.

P.S. Während Karin und ich in der Küche der Herberge sitzen, um für dieses Tagebuch Notizen zu machen, kommt „Drahtbürste“ herein. Sie hatte in den Schlafräumen die Nachtruhe eingeläutet. Aber uns Schreiberlingen macht sie extra besseres Licht und verabschiedet sicht äußerst freundlich. Die Menschen sind eben doch unergründlich.

 

Susanne

                                                                   

O Cebreiro  -  Tricastela                                                                                                                Freitag, 27. Juli 2007

In der neu ausgestatteten Albergue in „O Cebreiro“ begann der Tag gegen 6.00 Uhr ohne besondere Vorkommnisse. Zum Einklang des 4. Pilgertages fanden wir uns gegen 7.00 Uhr zur Morgenmeditation auf der Terrasse ein. Ein zauberhafter Blick auf eine unwirkliche Berglandschaft, die erahnend im Nebel auftauchte, mit der hinter den Bergen aufgehenden Sonne das erste Licht in den neuen Tag warf, faszinierte uns.

Mit dem Tagesimpuls: „Pilger, nicht du sollst den Weg machen, sondern lass zu, dass der Weg dich macht“, pilgerten wir los …und stiegen am Hang des „Pozo de Area“ ab, um wieder und wieder einen Blick auf das beeindruckende Bergpanorama Galiciens zu werfen. Links am Wegesrand entdeckten Karin und Giesela zwischen einer wunderschönen Blumenwelt Türkenbundlilien, Iris und schmackhafte Walderdbeeren. Der Weg führte uns auf eine Landstraße, an der vor uns das große Jacobus-Denkmal auf dem „Alto de San Roque“ (1270m) zum Fotoshooting einlud.

In „Hospital de Condesa“ frühstückten wir und verließen das kleine Bergbauerndorf, wo der Hahn zu krähen begann, wieder, um hinter „Padornelo“ den schwierigen, wenn auch kurzen Anstieg zum „Alto del Poio“ (1337 m) mit viel Kraft zu bewältigen. Die Belohnung des Aufstiegs. Direkt auf dem Plateau eine Bar, wir nutzten die Gelegenheit zum 2. Päuschen. Wilfried sang aus voller Brust Louis Armstrongs „wonderfull world“ und kassierte dafür 11 Cent in seinem Becher. Gestärkt setzten wir den Weg – von nun an ging’s bergab – fort. Sanft abfallende Hügel begleiteten uns fortan talabwärts. Mittlerweile zeigte die Sonne größte Strahlenkraft, so dass wir über jeden schattigen Baum erfreut waren. In „Fonfria“ sahen wir einen Rucksack mit einer roten Fliesjacke, die nur Ute gehören konnte, und nahmen auch diese Gelegenheit zum Päuschen (3.) wahr. Ute folgte Wilfried auf den Fuß, aus Sorge um seine Gesundheit ließ sie ihn nicht aus den Augen. Die fast 600 m Höhenunterschied machten sich beim Abstieg auch an meinen Waden ziemlich stark bemerkbar, obwohl der alte Pilgerweg über einen schattigen Pfad tief gelegen von alten Schiefer- bzw. Steinmauern, Bäumen und unterschiedlichen Sträuchern umrandet, uns vr der nun stechenden Sonne schützte. Aus einem alten Steinhaus kam eine kittelbeschürzte Frau mit einem Teller leckerster Crepes, um uns die mit Puderzucker incl. reizendem Lächeln anzubieten (übrigens: Einheimische sind ausgesprochen freundlich; der Pilgergruß „Buen Camino“ fehlt nie). Andreas, Lutz, Ute, Wilfried, Giesela und ich ziehen froh gelaunt, trotz aller körperlichen Plagen, weiter, bis sich vor uns ein Esel aufbaut, zum Glück an der Leine einer jungen Frau. Wilfried und der Esel geben ein lustiges Foto- motiv ab, obwohl vielleicht etwas störrisch?!

So zieht sich der Weg trotz Abwechslung für uns schier endlos hin – auf dem steinigen Weg doch nicht ohne Mühsal. Him-, Johannis- und Blaubeeren stehen vor einem Bauernhof zum Kauf bereit.

Als wir unsere Albergue in „Triacastela“ gegen 15 Uhr erreichen, sind wir zwar die letzten, Patrizia war bereits um 13 Uhr angekommen, jedoch sooooooo froh, am Ziel des heutigen Tages zu sein. Um 19 Uhr trafen wir uns dann zum gemeinsamen Essen im „Xacobeo“, wo wir in bester Stimmung ausgelassen den Abend ausklingen ließen.

Brigitte

                                                                         

Tricastela  -  Sarria                                                                                     Samstag, 28. Juli 2007

Tagesimpuls: Der eigentliche Sinn der Pilgerschaft ist, sein Herz zu öffnen und nicht in Santiago anzukommen!

Heute ging es von „Triacastela“ (671 m) nach „Sarria“. „Nur“ 19 km.

Wir mussten leider einen sehr traurigen Wilfried zurücklassen. Er war erkrankt und fuhr mit dem Taxi zu unserem nächsten Zielort.

Für uns ging es zu Beginn unserer Etappe gleich bergauf bis auf 910 m. Die Luft war neblig und sehr feucht. Ideales Wanderwetter, nicht zu kalt und nicht zu heiß. Erst gegen Mittag wurde es wieder richtig heiß.

Der Weg zog sich über Steine und feuchte Erde - romantisch eingerahmt von bewachsenem Fels, Wald und teilweise angelegten Steinmauern - dahin. Wir alle freuten uns auf das nächste Dorf, dass uns dann hoffentlich eine Frühstücksmöglichkeit bot. Durch das unterschiedlich gegangene Tempo bildeten sich bald 2 Gruppen. Susanne, Brigitte, Lutz und ich sind einige Kilometer gemeinsam gegangen. Wir wollten die restliche Gruppe einholen. Was leider restlos misslang. Nachdem ich mich zu einer kurzen Auszeit hinter dem Gebüsch verabschiedet hatte, ist Susanne bereits weiter gezogen, um zur restlichen Gruppe zu gelangen! Lange Rede kurzer Sinn: Wir haben uns danach auf dem Weg nicht mehr getroffen und so bin ich alleine weitergewandert. Im Dorf „Furela“ habe ich dann wohl alle endgültig hinter mir gelassen, weil ich dem Pfeil oberhalb gefolgt bin und das Frühstückscafé unterhalb im Dorf lag! Tja, Wanderpech! Doch nach einem ausgiebigen und ständig nach bekannten Wandergesichtern Ausschau haltendendem Frühstück in „Pintin“, bin ich die letzten 6 km erfrischt, satt und munter weiter bis „Sarria“ gelaufen – leichte Steigungen rauf und runter waren zu bezwingen, aber längst nicht mehr so steil wie zu Beginn des Weges. Der weitere Wanderweg, der von Bergen, Hügeln und Feldern gesäumt war, war wunderschön. Vogelgesang, gelegentliches Gackern eines Huhnes nach vollendeter Eiablage und ab und zu ein Laut der Kühe begleiteten meinen Wanderweg nach „Sarria“. Gern wäre ich noch leichten Schrittes ein paar Stunden weiter gewandert, es fiel mir heute besonders leicht und ich fühlte mich eins mit Gott und der Welt.

In „Sarria“ angekommen habe ich einen ausgiebigen Stadtbummel mit Einkauf unternommen! Dabei hat mir ein Apotheker eine tolle Gesichts- und Fußcremeprobe geschenkt! (Die Pflege kann beginnen!). In der Herberge angekommen, war ich sehr überrascht über die sorgenvolle Nachfrage, wo ich denn geblieben sei. Dabei war es erst 14.30 Uhr! Aber es ist trotzdem schön, nicht vergessen zu werden!

Heute wurde das Abendessen in der Albergue (Hauskoch) bereits um 18 Uhr kredenzt (super lecker!) und fand mit „Froschwasser“ und 5jährigem Likör seinen krönenden Abschluss (Likör aus dem Bestand des Hauses).

Mein Wunsch des Tages:

Santiago ist hoffentlich noch weit, weit weg!!!!

Patricia

Sarria  -  Portomarin                                                                                                                   Sonntag, 29. Juli 2007

 

Warum gehen Pilger auch am Sonntag?! Pilgern ist beten mit den Füßen und damit wir auch anfangen, treffen wir uns um 6.30 Uhr vor der Albergue. Für unseren Weg von „Sarria“ (111 km) nach „Portomarin“ (89 km) lautet der heutige Tagesimpuls: „ Das Ziel gibt den Weg seinen Sinn“. In „Sarria“ war es sehr warm, doch sobald wir die Stadt verließen, wurde es merklich kühler und nebliger. Wieder ging es außerhalb des Ortes stetig bergan und die

hohe Luftfeuchtigkeit belastete. In dem nächsten Ort „“Vilei“ war der erste

Maisspeicher zu sehen (typisch für die Region), doch leider gab es keine Bar für das Frühstück. Nach weiteren Kilometern, die durch die mit keltischen Mauern geprägten Orte führten, konnten wir uns in „Leimán“ verwöhnen lassen. Der Service war schnell und freundlich. So gestärkt ging es weiter bis zu dem „100-Kilometer-Stein“. Er bot Anlass zur Freude und vielen Fotos. Das besondere Highlight war der Vortrag von Gisela Hingst. Sie las ein schwedisches Märchen über das Leben vor, das uns alle sehr berührte.

Was ist das Leben?

(ein schwedisches Märchen)

 An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stelle am Wandrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt und alles ruhte. Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte:

„ Was ist eigentlich das Leben?“

Alle waren betroffen über diese schwierige Frage.

Die Heckenrose entfaltete gerade eine Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach:

„Das Leben ist Entwicklung.“

Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er flog von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte:

„Das Leben ist Freude und Sonnenschein.“

Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst, und sagte:

„Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit.“

Geschäftig kam eine Biene von einer honighaltigen Blume auf die Wiese zurück und meinte  dazu:

                            „Nein, das Leben ist ein Wechsel zwischen Arbeit und Vergnügen“.

 

Wo so weise Reden geführt wurden, streckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte:

                                                     „Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunklen“.

 

Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte:

                                           „Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen“.

Dann zog er weiter zum Meer.

 

Dort brandeten die Wogen, warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten:

                                    „Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit“.

Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte:

                                          „Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben“.

 

Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide. Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte:

„Das Leben ist ein sich Neigen unter eine höhere Macht“.

 

Da kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese dem Wald zu und krächzte:

„Das Leben heißt: Die Gelegenheit nützen, wenn andere schlafen“.

 

Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese.

 

Nach einer Weile kam ein junger Mann des Weges. Er setzte sich müde ins Gras und meinte:

„Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen“.

 

Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach:

„Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit“.

 Der Jakobsweg führte weiter durch kleine Wälder, Wiesen, Felder in der schon gewohnten Pflanzenvielfalt. Oftmals auch zwischen den keltischen Mauern hindurch und über alte Steine hinweg. Bei Kilometer 96 hatte der Stein einen silbrigen Abrieb und schimmerte glitzernd. Der Tag rückte weiter, und wir hätten gerne ein schattiges Plätzchen mit Kaffeeservice genossen; das schattige Plätzchen war gefunden – vom Kaffee nichts zu sehen. „Portomarin“ war aber nicht mehr weit. Bald konnten wir über die Brücke den aufgestauten Fluss „Rio Mino“ überqueren, der Wasserstand war aber so hoch, dass wir die Grundmauern der alten Stadt nicht sehen konnten. Vor der öffentlichen Herberge wurden wir von Andreas, Ute und Patricia empfangen und eingewiesen. Unseren Tagesabschluß mit einer sehr angeregten Diskussion machten wir vor der Kirche „San Juan“. Diese Kirche sieht aus wie ein Kastell mit Wehrtürmen und auf einem Turm nistet ein Storch. Auf dem Platz vor der Kirche befindet sich eine Pilgerstatue, die den richtigen Weg weist.

Alles in allem war es ein anstrengender aber wunderschöner Tag.

Marianne und Dorothea

(bei Notbeleuchtung)

Portomarin  -  San Xulian                                                                                                           Montag, 30. Juli 2007

Heute gehen wir von „Portomarin“ nach „San Xulián do Camino“ (die längste Strecke von 29 km).

 

Der Tagesimpuls für heute lautet: „Pilgern heißt mit den Füßen beten“.

 

Per Rucksackservice werden die Rucksäcke nach „San Xulián“ vorausgeschickt. Ohne Rucksack mit leichtem Handgepäck geht es los. Wir verlassen „Portomarin“ über einen schmalen Metallsteg. Es geht auf den „Monte San Antonio“ vorbei an einer Töpferei in Richtung „Gonzar“. Die Landschaft ist hügelig wie schon in den Tagen zuvor.

Bei „Hospital da la Cruz“ überqueren wir die Landstraße und gehen ca. 10 km neben der Landstraße bis „Brea“. Von dort nach „Palas de Rei“ und weiter nach „San Xulián“. Die private Herberge (Albergue „O

Abrigadoiro“) ist ein Steinhaus, in dem man sich sofort wohl fühlt.

Zur täglichen Abendrunde finden sich sämtliche Hunde des Dorfes in unserer Nähe ein. Die Abendrunde wird vom Gebell der Hunde begleitet.

Der Tag findet einen wundervollen Ausklang bei gutem Essen in der Herberge und vor der Herberge. Die Tochter des Hauses singt und spielt Gitarre vor dem Haus. Zu guter Letzt wird noch eine Kuhherde vorbei getrieben und wir müssen dem Autoverkehr auf der Straße Platz machen. Ein sehr schöner Tag in der Albergue „O Abrigadoiro“ geht zu Ende.

Schade, dass wir morgen weitergehen.

 

Angelika

San Xulian  -  Ribadiso                                                                                                             Dienstag, 31. Juli 2007

Unser Impuls für den heutigen Tag: „Ich setze den Fuß voller Achtsamkeit auf die Erde, im Wissen, dass ich auf einer wunderbaren Erde gehe“.

Wir brechen etwas verspätet gegen 7 Uhr in „San Xulián“ auf. Ute und Susanne stärken sich noch bei einem leckeren Frühstück in der Herberge und kommen später nach.

Nach etwa 10 km auf- und abwärts durch Wiesen, Pinien- und Eichenwälder erreichen wir „Campanilla“, wo wir frühstücken.

Unser weiterer Weg führt uns durch „Furelos“. In der dortigen Kirche empfängt uns mit netten Worten ein Padre und drückt uns gleich 2 Stempel in unseren Pilgerpass. Wir werden mit kleinen Bildchen beschenkt und mit guten Worten auf den Weg geschickt.

Kurz darauf erreichen wir die große Stadt „Melide“. Hier müssen wir sehr achtsam sein, um die gelben Pfeile oder Meilensteine zu finden, die uns auf dem durch dichten Eichen- und Eukalyptuswald, um später über Feldwege durch galicische Dörfer und unter Pinien zwischen Farnen im Dorf „Boente“ anzukommen. Dort finden wir eine Kirche mit Steinstufen und breitem Portal vor; ein erneuter Stempel ziert unseren Pilgerpass.

Camino weiterführen. Nachdem wir die Stadt verlassen haben, führt uns unser Weg Weiter geht es bei glühender Mittagshitze bergauf, bergab bis wir die Brücke über den „Rio Iso“ überqueren und in der typisch galicischen schönen Herberge Einlass finden. Erfreut nehmen etliche von uns die Abkühlung der Füße im Fluss „Iso“ wahr.

Das Abendessen nahmen wir im Restaurant nebenan ein und beendeten den Tag mit unserer Abendandacht.

 

Giesela und Brigitte

 

Ribadiso  -  Santa Irene                                                                                                       Mittwoch, 1. August 2007

„Ribadiso – Santa Irene“ (erstmals Regen)

 

Der Tag begann um 6.30 Uhr mit dem Tagesimpuls: „ Ich bin dankbar für diesen Weg. Er lehrt mich wieder offener zu sein, aufmerksamer zu hören und zu spüren.“

 

Der Weg führte an einer Hauptstraße entlang, ziemlich monoton, durch „Arzua“. Als wir diese nach ca. 2 km verlassen können, wird die Erleichterung deutlich: endlich wieder zwischen Hecken und auf weichem Boden gehen. Wir gingen am Eichenwald vorbei und durch kleine Dörfer. Es war feucht, die Luft kühl aber nicht kalt. Gegen 8 Uhr war  es dann soweit, wir mussten erstmals unsere Regencapes auspacken und überstreifen, denn aus dem feinen Nieselregen entwickelten sich mehrere lang andauernde Regenschauer. Gegen 8.40 Uhr erreichten wir eine Bar und konnten uns ein Frühstück gönnen. Nebenbei lief Radiomusik; „wie bei NDR I“ stellte Felicitas fest. Wilfried, unser Percussion-Meister, griff sofort zu den Löffeln und untermalte damit den Takt. Schließlich luden seine rhythmischen Körperbewegungen Gisela H. zum Tanzen ein. Das blieb nicht unbemerkt und wurde von einer australischen Pilgerin fotografiert.

Der Regen ließ etwas nach, und wir setzten unseren Weg auf dem durchfeuchteten Waldboden fort und umgingen geschickt die großen Pfützen. Die Bäume boten etwas Schutz, so dass das Weitergehen gut möglich war. Am Wegesrand blühten die Hortensien üppig und in intensiven Farbtönen (blau, rosa) aber auch ganz in weiß. Oftmals standen große Fuchsien dazwischen, ebenfalls üppig blühend.

Bereits um 12 Uhr erreichten wir das Tagesziel „Santa Irene“. Neun Pilger unserer Gruppe, die in einer öffentlichen Herberge untergebracht wurden, mussten ca. 1 Stunde im Regen vor der Tür auf deren Öffnung warten. Da saßen 4 Frauen (Susanne, Edeltraut, Ute und Dorothea) in wallenden roten Regencapes auf den Bänken vor der Herberge. Die Vorbeigehenden lächelten, wenn sie uns so sahen. Das inspirierte Felicitas zu einer Namensgebung: „Orden der Schwestern der brennenden Herzen“. Einige suchten Schutz vor dem Regen in Telefonzelle und Bushaltestelle. Die Zeit des Wartens war nicht lang, denn trotz der längeren Zeit der gemeinsamen Pilgerschaft gab es immer noch etwas zu erzählen und zu hören (vergl. auch Tagesimpuls). Es war schön, als die Herberge öffnete und die nassen Sachen zum Trocknen abgelegt werden konnten. In der öffentlichen Herberge hatten wir (8 Personen) ein sog. „Lehrter Zimmer“ mit anliegendem Sanitärraum. Der pure Luxus, wir waren von unserem Refugium begeistert. Nachdem die ersten beiden Personen geduscht hatten, war das Wasser kalt und somit trat erst mal eine Ruhepause für alle ein.

In der privaten Herberge von „Santa Irene“ waren 9 Personen unserer Pilgergruppe untergebracht.

Dort durften alle gemeinsam im Wohnraum das Pilgermenü (Suppe, Fisch, Pfirsich / Ananas) – gekocht von der Herbergsmutter und Tochter – einnehmen.

Es hatte aufgehört zu regnen und so fand der abendliche Abschluss unter Bäumen (von der stark befahrenen Nationalstraße entfernt) statt. Die Sonne blinzelte durch die Baumkronen als Gisela H. das Gedicht „September“ vortrug.

 

 

September

 

Hörst Du das Raunen der Blätter im Wind?

Hörst, was sie wispern, hör` wie fröhlich sie sind.

Ich höre: wir sind frei, durch uns spricht Gott!

Versteht doch ihr Menschen: aber euch zieht es fort

zu Stätten, die ihr eure Arbeit nennt,

zu einem Nutzen, den nur ihr kennen könnt.

Wir lassen euch euer Hasten, euer Rennen, euer Spiel.

Wir kennen die Liebe, die Freiheit und das Ziel.

Wir erwarten den Herbst, verlassen unseren Ort.

Wir fallen zur Erde und dienen dort.

Du, oh Mensch, heb aus der Erde dein Kinn,

sehe gen Himmel und fühle,

oh Herr, ich bin!

Nun hab` ich es begriffen, nun will ich nichts mehr;

ich überlasse mich Dir,

mein Gott und mein Herr!

 

Der Weg hatte uns gelehrt, zuzuhören und Begegnungen zu ermöglichen, d.h. die Tür des Herzens zu öffnen.

Wir gingen gegen 22 Uhr ins Bett, denn am nächsten Morgen wollten einige bereits um 4.30 Uhr starten, um rechtzeitig um 12 Uhr in „Santiago de Compostela“ in der Kathedrale an der Pilgermesse teilnehmen zu können (verschwitzt und mit Rucksack – eben authentisch!).Eine „Gute-Nacht-Geschichte“ gab es auf Wunsch dann aber doch noch. Susanne wählte dazu eine Geschichte von Rainer Maria Rilke aus

Sehnsucht nach Antworten

 

„Inge, die mit uns auf dem Jakobsweg unterwegs war, überrascht mich einige Wochen danach mit einem interessanten Brief. Sie erzählt darin, was diese Fußreise ausgelöst hat: ‚Das jakobsche Pilgern (nicht das Wandern!) hat in mir die Sehnsucht geweckt nach Antworten, deren Fragen ich noch gar nicht kenne. Aber ich möchte sie kennen lernen, mich ihnen stellen.’

Was für ein schöner Satz! Er zeigt, was in Menschen aufbrechen kann, wenn man als Pilgerin bewusst den Weg geht. Wer mit Fragen unterwegs ist, kann sich mit Antworten Zeit lassen. Das rät auch Rilke einem jungen Dichter.

Die Fragen lieb haben

Ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben. … Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben können. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie sich dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

 

(Rainer Maria Rilke an einen jungen Dichter)

Beim Einschlafen wussten wir noch nicht, wie sehr uns die Mücken in der Nacht belästigen würden.

Dorothea

Santa Irene  -  Santiago de Compostela                                                                    Donnerstag, 2. August 2007

Zwei Berichte von der letzten Etappe: „Santa Irene – Santiago de Campostela“ – 24 km

 

Tagesimpuls: „Um zu wissen, dass der Weg das Ziel ist, muss man meist sehr seit gehen.“

 

Gestern Abend beschlossen wir, dass einige aus der Gruppe gerne am Pilgergottesdienst um 12 Uhr teilnehmen wollten. Das bedeutete, um 4 Uhr aufstehen und um 4.30 Uhr losgehen. Es schliefen bis auf zwei alle in der gleichen Herberge. Pünktlich um 4 Uhr weckte uns Utes Handy. Schnell waren wir aus den Betten und eine kurze Morgentoilette folgte. Um die zwei Schlafenden nicht zu stören, packten wir abends schon unsere Rucksäcke und stellten sie in den Waschraum.

Susanne hielt die Morgenbetrachtung, der Tagesimpuls wurde gesprochen und dann sollte es losgehen, denn es lagen ca. 24 km vor uns. Leider klingelte der Wecker im anderen Quartier nicht und Giesela und Patricia verschliefen. Mit halbstündiger Verspätung ging es dann doch los. Der Mond schien und auf dem ersten kurzen Stück reichte seine Helligkeit zum Sehen. Im Wald mussten zwei Taschenlampen uns den Weg erleuchten, um die gelben Pfeile an den Mauern oder Steinen zu erkennen. Wir gingen sehr schnell. Der Regen vom Vortag machte die Waldwege weich. Die Luft war kühl und die Eukalyptusbäume verströmten einen angenehmen Duft. Gegen 7 Uhr wurde es heller. Wir kamen gut voran und erreichten gegen 7.30 Uhr den Flugplatz von "„Santiago"“ Plötzlich ein ernst zunehmender Zwischenfall. Gisela H. übersah einen Stein und stürzte. Zum Glück nicht in die große Pfütze. Sie kühlte ihre Hände darin, und alle waren froh, dass nicht mehr passiert ist.

Es war inzwischen 8 Uhr und wir bekamen Kaffeedurst. In „Villamaior“ fanden wir eine Bar, leider gab es noch keine Boccadillos und Toast. Nach kurzer Pause – ca. 20 Min. – ging es forschen Schrittes weiter. Danach folgte ein langer stetiger Anstieg zum „Monte del Gozo“, von wo aus wir schon „Santiago“ sahen. Um 9.30 Uhr waren wir am Denkmal, das zu Ehren Papst Johannes Paul II gebaut wurde. Es wurden einige Fotos gemacht und weiter ging es. Wir waren geradezu beflügelt, bald unser Ziel erreicht zu haben.

Um 10 Uhr erreichten wir den Stadtrand von „Santiago“. Nun ab durch die Stadt zur Kathedrale. Es dauerte fast 1 Stunde, bis wir sie erreicht hatten. Ab ins Pilgerbüro, aufstellen und unsere Urkunden entgegennehmen. Wir nahmen uns in die Arme, denn unser Pilgerziel war erreicht.

Dann ging es mit dem Glockenschlag in die Kathedrale. Im Mittelschiff in der 7. Reihe haben wir Platz genommen und bald fing die Messe an. Alle Pilger wurden erwähnt. Der Pfarrer sprach spanisch und wir verstanden nur „Lehrte“ und „Ponferrada“. Welch erhebendes Gefühl. Lagen doch 10 schwere Pilgertage hinter uns – meist bei großer Hitze. Die Predigt konnten wir nicht verstehen, aber er sprach vom Geist und Liebe und vom „Camino“, das wir auch ohne spanisch verstanden. Einige hatten mit den Tränen zu kämpfen, denn alles brach aus. Anschließend gingen wir in unser Hotel, nahmen die Zimmer ein und warteten auf die 2. Gruppe.

 ………….

 

Wir stehen vor dem letzten Pilgertag. Aus zuverlässiger Quelle wird bekannt: Eine Pilgermesse in der Kathedrale findet um 12 Uhr statt. Ein Teil der Gruppe beschließt um 4.40 Uhr aufzubrechen, um diesen Gottesdienst zu erreichen. Patricia und Giesela sind dabei. Aber wie aufwachen – ohne Wecker? Großzügig biete ich ihnen mein Handy an, stelle es vorsorglich und dann ab ins Bett. Als ich in der Nacht aufwache, sehe ich unsere beiden „Frühpilger“ hektisch herumlaufen. Der Wecker hatte nicht geklingelt, und es war bereits 4.35 Uhr. Trotzdem machten sich die beiden auf den Weg.

Vor lauter schlechtem Gewissen konnte ich nicht mehr einschlafen. Um 6.30 Uhr machte sich der Rest der Truppe im Dunkeln auf den Weg. Schnell merkte man, dass wir der Zivilisation wieder näher waren, denn die Geräusche der Straße ließen uns kaum noch los. Auch die landestypischen Steinhäuser werden schnell von moderneren Bauten abgelöst. Durch einige kleine Dörfer und Siedlungen ging es „Santiago“ entgegen. Jeder Hügel forderte noch einmal alle Kraft. Wie waren wir nur den „O Cebreiro“ hinaufgekommen? Geduldig durchschritten wir eine öde Farnlandschaft, um uns auf der anderen Seite von einem netten „Mitpilger“ an einem großen Stein mit der Aufschrift „Santiago“ fotografieren zu lassen. Weit konnte es nicht mehr sein bis zur Kathedrale! Aber wo war die erhoffte Frühstücksbar? Weiter ging es am Flughafen vorbei – schon wieder einen Hügel hinauf. Über die Straße kamen wir nur mit Mühe. Gut das Autos Bremsen haben! Die Strapaze wurde wenige Schritte später belohnt. Es gab Kaffee und Croissant. Die Gruppe war fast wieder zusammen. Es war 9.20 Uhr und wir unkten, dass wir den Pilgergottesdienst auch noch schaffen würden. Der Weg zum „Monte del Gozo“ zog sich dann jedoch noch etwas hin, und wir gaben diesen Plan – auch mit Rücksicht auf die Gefühle der Frühaufsteher – auf. Oben auf dem Berg suchte Andreas den „alten Kasten“ und wurde auf Grund der guten Sicht auch fündig. Frohen Mutes stiegen wir den Berg hinunter auf die Stadt zu. Einige wagten es kaum zu glauben, aber wir erreichten gegen 13.30 Uhr die Kathedrale und waren von ihrem Anblick schier erschlagen. Ein unglaublicher Weg fand einen würdigen Abschluss. Das Abholen der „Compostelana“ war schnell erledigt. Wir fanden unser wunderschönes Hotel, in dem erst einmal jeder den Luxus genoss.

Gegen 18.30 Uhr trafen wir wieder zusammen, denn Susanne und Ute hatten wieder ein nettes Lokal für uns ausfindig gemacht. Das erste Mal bekamen wir in Spanien hausgemachte Paella serviert. Es ging ausgelassen und fröhlich zu, denn wir hatten unser Endziel erreicht. Um 20.30 Uhr zogen wir zur Kathedrale, um an der Abendmesse teilzunehmen. Diese entpuppte sich als Andacht in einer kleinen Seitenkapelle. Allen anwesenden Pilgern wurde die Möglichkeit geboten, ihre Gedanken auszutauschen.

Zum Abschluss des Tages trafen wir uns kurz, um die letzten organisatorischen Einzelheiten für den folgenden Tag in „Santiago“ zu besprechen. Einige machten sich vor Kälte schlotternd auf den Weg ins Hotel, andere die Stadt unsicher. Der „Camino“ meinte es gut mit uns, denn alle waren gesund angekommen!

 

Felicitas & Angela

Santiago de Compostela                                                                                                        Freitag, 3. August 2007

Santiago de Compostela   -  Hannover                                                                            Samstag, 4. August 2007

und zu letzt:

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