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Arbeitsstelle für ev. Religionspädagogik Ostfriesland 
 

Unser Thema:

Hungertücher

Nr. 94                                                                         Dez. 2006




In dieser Ausgabe:



Der Wettbewerb

(K)eine reine Weste -
Tuch einer 7. Klasse

"Am Hungertuche
nagen"

Frisch ausgepackt!

Hungertücher
praktisch in RU/KU

Der besondere
Buchtipp


Rückblick

Materialkoffer
Christentum

Den Armen Gerechtigkeit

Wettbewerb Hungertücher
Die Gewinner
Siegertypen mit Landessuperintendentin: die Gewinner des Wettbewerbs Hungertücher

Kennen Sie einen sogenannten "Nick-Neger"? Das ist so eine Art Spardose. Obendrauf kniet ein dunkelhäutiger Junge mit weißem Gewand und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Auf dem Geldkasten ist eine Aufschrift angebracht: "Willst du den Heiden Hilfe schicken, lass mich Ärmsten freundlich nicken". Und das tut er dann auch: fällt ein Geldstück durch den Schlitz, wakkelt die Figur mit dem Kopf. Was uns heute wenn nicht zum Lachen erscheint, dann als koloniales Übermensch-Hilfsgebaren der weißen Rasse, wurde in seiner Zeit als ernsthafter Ausdruck von Helfen-Wollen verstanden und geachtet. Die Tradition der Hungertücher spricht da seit längerer Zeit eine andere Sprache. "Den Armen Gerechtigkeit" soll auf solche Weise dargestellt werden, dass die Perspektive der ärmeren Länder und Bevölkerungsteile im Vordergrund steht. Es ist ein "altes" Anliegen von Hungertüchern, auf Not, auf Missstände hinzuweisen, aber eben auch von Hoffnung, Buntheit des Lebens und von weltweiter Partnerschaft zu erzählen.

Wettbewerb und Jury


Unter dem Motto "global player – global prayer" startete im September der 2. ostfriesische Aktionstag für Mission, Ökumene und Partnerschaft weltweit. Aus diesem Anlass haben der Vorbereitungskreis um die Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein und die ARO den Wettbewerb ausgeschrieben und eine gut besetzte Jury gebildet: die Seite der Kunst wurde von Eske Nannen (Kunsthalle Emden) und dem Norder Maler Hermann Buß vertreten. Für die weltweite Partnerschaft standen der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Entwicklung Thilo Hoppe und der Vorsitzende des Afrikavereins Ostfriesland Abdou Ouedraogo, den kirchlich-religionspädagogischen Blick steuerten Oda-Gebbine Holze-Stäblein und Gerhard Wittkugel bei.
Die Jury war überrascht und begeistert, wie vielfältig die beteiligten Gruppen und Schulklassen das Anliegen der Hungertuchtradition fortgeführt haben: Es ging nicht um vordergründiges Mitleid mit den Armen der Welt, sondern vielfach um das Aufspüren von Strukturen. Da wurde z.B. der Weg zur Herstellung einer Jeans vom Baumwollfeld bis in die Auricher Filiale von H&M untersucht: Wer profitiert, wer leidet, warum sind Stoffe so billig und das Endprodukt Markenjeans so teuer? Die SchülerInnen haben in Geschäften recherchiert, Briefe geschrieben und schließlich ein Label für "saubere" Kleidung entworfen (sioeh unten!).
Eine Kinder-Gruppe hat besonders die Belastung von Mädchen in Entwicklungsländern untersucht: betroffen von den gleichen Armutsfolgen wie die Jungen haben sie zusätzliche Aufgaben zu erfüllen, z.B. die Versorgung kleinerer Geschwister. Die verantwortungsvolle Rolle vieler Frauen wird ja heute in Entwicklungsprojekten genutzt: statt große Industrieprojekte zu finanzieren bekommen Frauen Kleinkredite, z.B. um ein Geschäft aufzubauen.

Der 1. Preis für die Jugendlichen ist eine Fahrt nach Berlin für die ganze Klasse. In der Kinderkategorie gibt es einen Tagesausflug mit dem historischen Segelschiff Friedrich
auf der Ems. Für die zweiten Plätze gab es einen Tag in der Malschule der Kunsthalle Emden, die dritten Sieger bekamen Bälle aus fairem Handel.
Alle beteiligten Gruppen (es gab die erfreuliche Zahl von 17 Hungertüchern) haben davon erzählt, wie viel Freude ihnen die Arbeit im Projekt gemacht und wie anders das Lernen durch das Ziel, ein gemeinsames Bild zu gestalten, gewesen ist: kreativer natürlich aber auch lustvoller und lebendiger.
Das macht Mut. Nicht nur für einen weiteren Wettbewerb solcher Art sondern auch Mut zum Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler sind interessiert und motiviert, neue Formen des Lernens kommen bei ihnen an und verändern den Stil und die Stimmung des Unterrichts. Oder ist diese Folgerung übertrieben?

Mit diesem Heft wollen wir Sie einladen, in Ihren Gruppen und Klassen ähnliche Projekte durchzuführen. Für meine eigenen Schulklassen war das Herstellen eines solchen Tuches jedes Mal ein besonderes Lernerlebnis: der Aufwand ist nicht so hoch, wie man vermuten könnte, die Motivation besser und der Lernerfolg ein bleibender.

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen bei Ihrer Arbeit in Schule und Kirche; beide Einrichtungen können froh sein, dass es Sie gibt!


1. Preis Kinder: Kirchengemeinde Holtland.
 
Die Preisträger

Gruppe der Jugendlichen
1. Preis: Klasse 7b, Ulricianum Aurich
2. Preis: Jugendkreis St. Ansgari, Hage
3. Preis Jugendgruppe Remels

Gruppe der Kinder
1. Preis: Kindergruppe Holtland
2. Preis: Klassen 4a und 4b GS Victorbur
3. Preis: Klasse 5 der KGS Ihlow

Sonderpreis der Jury
- Klasse 5 des HRS Pewsum
- Klasse 5 der Leinerschule, Großefehn



Die "werkstatt ku/ru" bald in neuem Gewand

Einiges hat sich ja in der ARO in den letzten Jahren geändert, vor allem dass wir insgesamt auch offiziell eng mit dem rpi Loccum verbunden sind: Die Finanzierung des lutherischen Teils kommt aus dem Haushalt des rpi und auch unsere Verwaltung geschieht nicht mehr in Aurich, sondern inzwischen in Loccum. Vielen Dank an alle Beteiligten, dass dies so reibungslos geklappt hat!
Die enge Verbindung zwischen ARO und rpi wird sich nun auch in unserer Zeitschrift zeigen: statt der gelben "werkstatt ku/ru" wird es vermutlich zweimal im Jahr ein "ARO-aktuell" geben, das im Layout dem Loccumer Pelikan ähnelt und auch von einer gemeinsamen Redaktion verantwortet wird. In diesem Heft werden Sie auch das Fortbildungsprogramm der ARO finden.

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Hungertuch Klasse 7


(K)eine reine Weste

Eine Jeans reist um die Welt - Tuch einer 7. Klasse
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ZUSAMMENGESTELLT VON G. WITTKUGEL
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W
ie wurde aus einer Idee ein Hungertuch?
Als Frau Groen, unsere Religionslehrerin, fragte, ob wir ein Hungertuch erstellen wollten, waren wir sofort begeistert. Die Jeans nahmen wir stellvertretend für ein Kleidungsstück und informierten uns über
die Herstellung, über die Umstände, unter der eine Jeans hergestellt wird und darüber was gegen die schlechten Umstände, z.B. der Arbeiterinnen gemacht wird, beziehungsweise was da gegen gemacht werden könnte. Dann diskutierten wir darüber, was auf das Hungertuch kommen sollte. Zu diesen Themen bildeten wir Gruppen, die aber kurz darauf neu gemischt wurden, weil Herr Brüning, unser Kunstlehrer, die Bilder in möglichst kleinen Gruppen bewerten wollte, so dass letztlich Zweiergruppen zu einen Schwerpunkt arbeiten konnten. Dann konnten wir endlich anfangen die Bilder als erstes auf Papier zu zeichnen. Besonders bei dem großen Bild in der Mitte wurde lange diskutiert, wie man die einzelnen Produktionsschritte darstellen könnte. Nachdem dies geklärt und der Klasse vorgestellt wurde, übertrugen wir die Zeichnungen auf die einzelnen Stoffstücke und bemalten sie im Kunstunterricht.

Text: SchülerInnen der Klasse 7






Ein pfiffige Idee,

die Sehnsucht nach Markenklamotten in die Szene der "Ursünde" bei Adam und Eva zu verlegen: Schamgefühl und Neid beschreiben die Schülerinnen und Schüler als Motoren für eine Welt, an deren Ungerechtigkeit wir "Reichen" durch unser Kaufverhalten mitwirken. Die "Schlange" flüstert es uns ein (den Männern übrigens ebenso wie den Frauen): "Kauf dir was Schickes und am besten ein Schnäppchen!" "Geiz ist geil" – egal, wo der Apfel oder die Hose herkommt.






Hergestellt Unter Guter Option

HUGO schlagen die SchülerInnen als ein neues Label für "saubere" Kleidung vor: fair gehandelt und ohne quälende Arbeit von Kindern und Erwachsenen hergestellt. Das wäre eine gute Entscheidungshilfe beim Kauf von Kleidung!












Wo kommt die Jeans her?
Auf dem linken Bild sieht man eine Kundin und eine Verkäuferin des Geschäftes "Nomelis". Die Kundin hält eine Jeans in der Hand, die sie kaufen möchte, doch sie weiß nicht, wo die Jeans herkommt. Deswegen fragt sie die Verkäuferin, doch diese weiß es auch nicht.
Das rechte Bild ist das darauffolgende Bild. Hier sieht man die Verkäuferin des ersten Bildes. Sie sitzt am Computer und sucht im Internet nach Informationen. Gleichzeitig telefoniert sie, um etwas herauszufinden. Doch niemand weiß etwas über die Herkunft der Kleider aus den Modehäusern.
Die meisten Menschen wissen auch nicht, unter welchen Bedingungen die Kleidung hergestellt wird. Viele Modehäuser belügen ihre Kunden, wenn sie fragen, woher die Kleidung kommt. Sie sagen, ihre Kleidung wird unter guten Bedigungen hergestellt und es soll dort auch Kontrolleure geben. Doch in der Wirklichkeit weiß keiner so genau Bescheid über die Herstellung der Kleider.

Text: SchülerInnen der Klasse 7










Impressum:

Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik Ostfriesland (ARO), Georgswall 7, 26603 Aurich
Tel.: 04941/96860
Fax: 04941/968621

V.i.S.d.P.: Gerhard Wittkugel, Geschäftsführer.
Werkstatt ku/ru ist  kostenlos und erscheint in der Regel vier mal im Jahr.
Wir bitten um eine Spende
für Porto und Versandkosten von  5,00 Euro jährlich an:
Sparkasse Aurich-Norden, BLZ: 28 35 00 00, Ko.Nr.: 90 506,
Stichwort: Relpäd. Sonderprojekt ARO.




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