In dieser
Ausgabe:
Der Wettbewerb
(K)eine reine Weste -
Tuch einer 7. Klasse
"Am Hungertuche
nagen"
Frisch ausgepackt!
Hungertücher
praktisch in RU/KU
Der besondere
Buchtipp
Rückblick
Materialkoffer
Christentum
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Den Armen Gerechtigkeit
Wettbewerb Hungertücher

Siegertypen mit
Landessuperintendentin: die Gewinner des Wettbewerbs Hungertücher
Kennen Sie einen sogenannten "Nick-Neger"?
Das ist so eine Art Spardose. Obendrauf kniet ein dunkelhäutiger
Junge mit weißem Gewand und hat die Hände zum Gebet
gefaltet. Auf dem Geldkasten ist eine Aufschrift angebracht: "Willst du
den Heiden Hilfe schicken, lass mich Ärmsten freundlich nicken".
Und das tut er dann auch: fällt ein Geldstück durch den
Schlitz, wakkelt die Figur mit dem Kopf. Was uns heute wenn nicht zum
Lachen erscheint, dann als koloniales Übermensch-Hilfsgebaren der
weißen Rasse, wurde in seiner Zeit als ernsthafter Ausdruck von
Helfen-Wollen verstanden und geachtet. Die Tradition der
Hungertücher spricht da seit längerer Zeit eine andere
Sprache. "Den Armen Gerechtigkeit" soll auf solche Weise dargestellt
werden, dass die Perspektive der ärmeren Länder und
Bevölkerungsteile im Vordergrund steht. Es ist ein "altes"
Anliegen von Hungertüchern, auf Not, auf Missstände
hinzuweisen, aber eben auch von Hoffnung, Buntheit des Lebens und von
weltweiter Partnerschaft zu erzählen.
Wettbewerb und Jury
Unter dem Motto "global player – global prayer" startete im September
der 2. ostfriesische Aktionstag für Mission, Ökumene und
Partnerschaft weltweit. Aus diesem Anlass haben der Vorbereitungskreis
um die Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein und die
ARO den Wettbewerb ausgeschrieben und eine gut besetzte Jury gebildet:
die Seite der Kunst wurde von Eske Nannen (Kunsthalle Emden) und dem
Norder Maler Hermann Buß vertreten. Für die weltweite
Partnerschaft standen der Vorsitzende des Bundestagsausschusses
für Entwicklung Thilo Hoppe und der Vorsitzende des Afrikavereins
Ostfriesland Abdou Ouedraogo, den kirchlich-religionspädagogischen
Blick steuerten Oda-Gebbine Holze-Stäblein und Gerhard Wittkugel
bei. 
Die Jury war überrascht und begeistert, wie vielfältig die
beteiligten Gruppen und Schulklassen das Anliegen der
Hungertuchtradition fortgeführt haben: Es ging nicht um
vordergründiges Mitleid mit den Armen der Welt, sondern vielfach
um das Aufspüren von Strukturen. Da wurde z.B. der Weg zur
Herstellung einer Jeans vom Baumwollfeld bis in die Auricher Filiale
von H&M untersucht: Wer profitiert, wer leidet, warum sind Stoffe
so billig und das Endprodukt Markenjeans so teuer? Die
SchülerInnen haben in Geschäften recherchiert, Briefe
geschrieben und schließlich ein Label für "saubere" Kleidung
entworfen (sioeh unten!).
Eine Kinder-Gruppe hat besonders die Belastung von Mädchen in
Entwicklungsländern untersucht: betroffen von den gleichen
Armutsfolgen wie die Jungen haben sie zusätzliche Aufgaben zu
erfüllen, z.B. die Versorgung kleinerer Geschwister. Die
verantwortungsvolle Rolle vieler Frauen wird ja heute in
Entwicklungsprojekten genutzt: statt große Industrieprojekte zu
finanzieren bekommen Frauen Kleinkredite, z.B. um ein Geschäft
aufzubauen.
Der 1. Preis für die Jugendlichen ist eine Fahrt nach Berlin
für die ganze Klasse. In der Kinderkategorie gibt es einen
Tagesausflug mit dem historischen Segelschiff Friedrich
auf der Ems. Für die zweiten Plätze gab es einen Tag in der
Malschule der Kunsthalle Emden, die dritten Sieger bekamen Bälle
aus fairem Handel.
Alle beteiligten Gruppen (es gab die erfreuliche Zahl von 17
Hungertüchern) haben davon erzählt, wie viel Freude ihnen die
Arbeit im Projekt gemacht und wie anders das Lernen durch das Ziel, ein
gemeinsames Bild zu gestalten, gewesen ist: kreativer natürlich
aber auch lustvoller und lebendiger.
Das macht Mut. Nicht nur für einen weiteren Wettbewerb solcher Art
sondern auch Mut zum Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler
sind interessiert und motiviert, neue Formen des Lernens kommen bei
ihnen an und verändern den Stil und die Stimmung des Unterrichts.
Oder ist diese Folgerung übertrieben?
Mit diesem Heft wollen wir Sie einladen, in Ihren Gruppen und Klassen
ähnliche Projekte durchzuführen. Für meine eigenen
Schulklassen war das Herstellen eines solchen Tuches jedes Mal ein
besonderes Lernerlebnis: der Aufwand ist nicht so hoch, wie man
vermuten könnte, die Motivation besser und der Lernerfolg ein
bleibender.
Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen bei Ihrer Arbeit in Schule und
Kirche; beide Einrichtungen können froh sein, dass es Sie gibt!

1.
Preis Kinder: Kirchengemeinde Holtland.
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