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Arbeitsstelle für ev. Religionspädagogik Ostfriesland 
 

Unser Thema:

  Tod

Nr. 89                                                                         September 2004


In dieser Ausgabe:

Literaturprojekt (GS)

Vom Friedhof lernen
(Sek.I)


Computer-
Kunstprojekt (Sek II)


Abschied in der Schule

Bilderbücher

Buchtipp: Kinderfragen

Literatur zum Thema

Ausstellung




Was uns allen blüht ...
Ideen zur Arbeit über Tod und LebenReligionskurs

Ist das so, wie meine Schülerinnen es für das Foto darstellen: der Tod,  verhüllt und unheimlich, greift auch junge Menschen über den trennenden Zaun hinweg, nimmt sie mit in "sein Reich" hinter der großen Absperrlinie? Oder ist der Tod ein guter Neuanfang nach einem - hoffentlich erfüllten - Leben hier auf der Erde.
Die Frage nach dem Tod ist vermutlich genau so alt wie die Menschheit, vielleicht markiert sie den Übergang vom Tier zum Menschen. Auf jeden Fall ist sie auch eine der Grundfragen der Religion, und  wenn der Religionsunterricht sie im Laufe eines SchülerInnenlebens nicht stellt, hat er einen groben Fehler gemacht. Es gibt viel gutes Material für Schule und Konfirmandenarbeit zum Thema. Dieses Heft hat in seinem Werkstattcharakter nicht das Ziel, einen Aspekt oder das ganze Thema erschöpfend  zu behandeln. Wir stellen Ihnen Früchte unserer eigenen Arbeit mit Jugendlichen und Kindern und auch Früchte unseres Lesens vor, bedienen Sie sich!





Foto: Religionskurs IGS / G. Wittkugel. Hier der Hinweis  zu einer Ausstellung.

                      
... und was der ARO blüht

Einige von Ihnen haben sicher schon davon gehört, die Arbeit der ARO ist in Folge der Finanzkrisen der beteiligten Kirchen auch in finanzielle Nöte gekommen. Es ist nun gelungen, eine drohende Zahlungsunfähigkeit in diesem Jahr abzuwenden und auch für die Zukunft ist man sich einig: die ARO soll bleiben. Allerdings wird sie mit Einschränkungen leben müssen. Das fällt sehr schwer, weil die ARO ja seit der Reduzierung der Geschäftsführerstelle und der zweiten Verwaltungsstelle auf eine halbe an der unteren Grenze arbeiten muss. Eine Folge wird sein, dass einige Leistungen nicht mehr umsonst sein können, so werden wir z.B. eine LeserInnenkarte mit einer jährlichen Gebühr  zur Ausleihe einführen müssen. Nachgedacht wird auch über die Gründung eines Fördervereins und über andere Möglichkeiten des „found-raising“. Auf jeden Fall wollen wir daran arbeiten, dass der ARO nicht der Tod blüht sondern das Leben, und zwar in vielen kleinen Blüten, mit denen Sie bei Ihrer oft schwierigen Arbeit in Schule und Gemeinde Hilfe, Ideen, Anregungen und Anstiftung zur Freude an der Arbeit finden.

Gerhard Wittkugel

 
Grundschule

Astrid Lindgren: "Als der Bäckhultbauer in die Stadt fuhr"

Ein Literaturprojekt zum Thema Trauer und Tod

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Von Cordula Aulke
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Das Projekt
Mit meiner zweiten Klasse habe ich fächerübergreifend ein Literaturprojekt1 zu dem Erstlesebuch „Als der Bäckhultbauer in die Stadt fuhr“ von Astrid Lindgren durchgeführt. Kernfächer waren Religion und Deutsch, integriert waren musikalische und gestalterische Aspekte sowie sachunterrichtliche Bezüge.

Das Buch
Das Erstlesebuch "Als der Bäckhultbauer in die Stadt fuhr" aus der Reihe Sonne, Mond, Sterne aus dem Oetinger Verlag ist die gekürzte Fassung einer Erzählung von Astrid Lindgren. Sie spielt in Smaland/Schweden zur Winterszeit, ungefähr zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Johann, Sohn eines armen Kätners, ist völlig verzweifelt. Die einzige Kuh der Familie, Embla, ist gestorben. Johann ist traurig und böse auf Gott, der doch hätte aufpassen können, dass seiner Embla nichts passiert. Am selben Tag fährt der reiche Nachbar, der Bauer aus Bäckhult, in die Stadt, um sich dort seinen jährlichen freien Tag zu nehmen und ein Kalb zu kaufen. Der Bäckhultbauer schlägt dabei  wie jedes Jahr über die Stränge. Auf der Rückfahrt wirft er das Kalb, das er in seiner vom Alkohol getrübten Wahrnehmung für ein Ungeheuer hält, aus dem Schlitten. Johann findet das Kalb und ist glücklich. Für ihn ist das Kalb vom Himmel gefallen! Sein Vater geht jedoch mit ihm zum Bäckhultbauern, um das Kalb zurückzugeben. Der aber schenkt Johann das Kalb - einerseits, um dem Kind eine Freude zu machen, andererseits, um kein Gerede entstehen zu lassen. So geht für Johann die Geschichte doch glücklich zu Ende.
Diese Erzählung von Astrid Lindgren ist ein echtes Kleinod der Kinderliteratur, obwohl sie gar nicht so bekannt geworden ist. Zutiefst menschliche Gefühle im Spannungsfeld zwischen Tod und Leben, Zweifel und Vertrauen, Trauer und Freude, Versagen und Bestehen werden hier angesprochen, bewegen und fordern zur Auseinandersetzung heraus. Dabei entsteht durch den elementaren, liebevollen Erzählstil Astrid Lindgrens niemals falsches Pathos.

Bausteine der Erarbeitung zum Themenschwerpunkt Trauer
- Gespräch, bildhafter Vergleich
Johann bedrückt der Kummer um Embla wie eine schwere Last. Der Kummer liegt ihm wie ein Stein auf dem Herzen.
- Johanns Gebet
Die Kinder schreiben Johanns Gebet zu Gott in eine vorbereitete Sprechblase.
- Kummerstein
In einen vorgezeichneten "Kummerstein" schreiben die Kinder ihren eigenen Kummer, etwas, das sie bedrückt wie ein Stein auf ihrem Herzen. Sie schneiden den Stein aus und legen ihn in einen Korb. Dort beschweren sie ihn mit einem echten Stein, z.B. einem glatten Flusskiesel. Sie nehmen sich nun ein Arbeitsblatt "Trostpsalm" und gestalten dieses als Schmuckblatt.

Klassenandacht (s.unten)
als Abschluss des Projektes
In einer Klassenandacht werden die Kummersteine vorgelesen (von der Lehrerin, die den Text etwas anonymisiert, damit die Privatsphäre der Kinder geschützt bleibt).

Das Literaturprojekt erscheint demnächst im Buch-Verlag Kempen.

Gestaltungsidee für eine Andacht mit/in der Klasse

Kerze entzünden; Stilleübung
Geschichte Teil 1 (S.5 – 20) vorlesen
Lied: Herr, erbarme dich
Würdigung der persönlichen Klagegebete,
dazwischen: Herr, erbarme dich
Psalm 57 in Auszügen, im Wechsel gesprochen
Lied: Meine Hoffnung und meine Freude
Geschichte Teil 2 (S.41-61) vorlesen
Lied: Du verwandelst meine Trauer in Freude
Salbkreuz-Segen (mit duftendem Öl zeichnen sich die Kinder ein Kreuz in die Hand und sprechen "Der Herr segne dich und behüte dich")
Lied: Gott, dein guter Segen


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Sekundarstufe I 

Vom Friedhof lernen                         
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Von Gerhard Wittkugel
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Feste Bestandteile einer Unterrichtseinheit zum Tod ist für viele Gruppen das Gespräch mit einem Beerdigungsunternehmer, dem Pastor oder der Pastorin und vor allem der Besuch auf dem Friedhof. Für viele Schülerinnen und Schüler ist es in meinen Klassen das erste Mal, dass sie den Friedhof betreten und in Ruhe auf sich wirken lassen. Das ist dann auch der erste Schritt: Wahrnehmen wie dieser besondere Ort auf mich wirkt. Unheimlich? Friedlich? Ganz normal?
Vor allem die vielen Symbole und Zeichen auf den Grabsteinen bieten  für den weiteren Unterrichtsgang Gesprächs- und Fragemöglichkeiten: Warum drücken Menschen das so aus? Wie denken sie über den Tod und das Leben danach? In Aurich z.B. lasse ich es mir nicht nehmen, mit den Jugendlichen die Stele mit dem in Stein gemeißelten Schmetterling zu betrachten. Für was steht der bunte Flatterflieger und was hat der mit dem Tod zu tun?
Der folgende Beobachtungsbogen soll anregen, einen eigenen für den örtlichen Friedhof zu entwerfen, das „kleine Lexikon“ bietet einen Ausschnitt möglicher Erklärungen. Aber zuerst sind die Schülerinnen und Schüler dran!

Beobachtungsbogen "Friedhof"

Bitte denkt daran, auf dem Friedhof niemanden zu stören!
1. Wie ist der gesamte Friedhof angelegt? (Form, Himmelsrichtung)
2. Beschreibt drei ganz verschiedene Grabzeichen (Material, Art, Beschriftung usw.) Worauf deutet die jeweilige Art hin?
3. Es gibt auf Grabsteinen und in Skulpturen viele Symbole. Findet fünf verschiedene und versucht ihre Bedeutung herauszufinden.
4. Sucht einige Kindergräber auf und beschreibt, welchen Eindruck sie auf Euch machen.
5. Welches ist das älteste Grab, das ihr findet?
6. Welches ist das höchste Alter, das ein Begrabener erreicht hat, welches das niedrigste?
7. Wo kommen die Menschen  in den Soldatengräbern her?


Kleines Lexikon der Symbole auf Grabstellen


A und Ω: Alpha und Omega: der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Anfang und Ende eines Lebens. Jesus sagt: "Ich bin das A und das O" (Off. 22,13 - Off. 1,8 und 22,6 Bezeichnung für Gott).
Ähre: Zeichen für die Ernte - ein fruchtbares Leben. Paulus beschreibt die Auferstehung mit dem Weg eines Weizenskorns, das in der Erde "stirbt", um dann auferweckt zu werden (1.Kor.15,36ff).
Anker (manchmal mit Kette): Der Mensch ist vor Anker gegangen, ist im Hafen, zu Hause angekommen.
Buch: eingetragen im Buch des Lebens, unvergessen bei Gott.
Engel: Vielleicht eine Erinnerung an die Engel, die den Frauen die Botschaft von der Auferstehung Jesu bringen. Volkstümlicher ist die Vorstellung von Schutzengeln als Begleiter auch durch den Tod oder als jene, die die Seele ins Jenseits bringen.
Efeu: Die immergrüne Pflanze ist Zeichen für ein ewiges Leben.
Hände (Betende H. meiste nach Dürer): Das Sterben macht hilflos. Der Trauernde wendet sich bittend an Gott. Gereichte Hände sind Zeichen für das Bewahrtwerden im Tod und über den Tod hinaus.
Kinderspielzeug: Trauer um ein totes Kind. Soll es im Jenseits weiter spielen können?
Kranz: Die Kreisform ist ein altes Zeichen für Gott: Ohne Anfang und Ende. Außerdem ist der Kranz Zeichen für den Sieg über den Tod.
Kreuz - manchmal mit Strahlenkranz oder aufgehender Sonne: Erinnerung an das Leiden Jesu, vielleicht auch an die darin zugesagte Vergebung. Der Strahlenkranz ist Hinweis auf die Auferstehung. Das Kreuz kann auch in der Gestalt eines Lebensbaumes gestaltet sein.
Lamm: Zeichen für Jesus Christus, der sich am Kreuz geopfert hat.
Lichtstrahlen: Siehe “Strahlenkranz” bei “Kreuz” und siehe “Sonne”.
Palmzweig: Ein Hinweis auf den Einzug in Jerusalem und damit die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit.
Rose (manchmal geknickt): wohl ein Hinweis auf die Schönheit des Lebens, aber auch dass es enden kann vor der Zeit.
Säule: Ist als Stütze des Gebäudes Garantie für Stabilität. Eine gebrochene erinnert an das abgebrochene, vor der Zeit beendete Leben.
Schmetterling: Zeichen für die Seele. Der Kokon deutet den Übergang in einen anderen Zustand, eine Verwandlung.
Sonne: Die untergehende Sonne steht für das verlöschende Leben, die aufgehende für die Hoffnung auf ein neues Leben. Die Sonne ist auch Hinweis auf Jesus Christus, der sagt: “Ich bin das Licht der Welt.”
Wasser: Alles fließt, alles vergeht, menschliches Leben ist vergänglich.
Weg: Der Weg ist das Symbol des Lebens mit seinem Auf und Ab. Denken kann man auch an den breiten Weg der Masse und den schmalen Weg derer, die sich um ein tugendhaftes Leben bemühen.
X und P: Die ineinander verschränkten Buchstaben X=Chi und P=Rho aus dem griechischen Alphabet sind das Zeichen für Christus.

(Friedrich-August Schaefer, Z.T. nach „forum religion“ Heft 3/2003)



Impressum:


A
rbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik Ostfriesland (ARO), Georgswall 7, 26603 Aurich
Tel.: 04941/96860
Fax: 04941/968621
E-Mail: aro-aurich<an>t-online.de

V.i.S.d.P.: Gerhard Wittkugel, Geschäftsführer.
Werkstatt ku/ru ist  kostenlos und erscheint in der Regel vier mal im Jahr.
Wir bitten um eine Spende
für Porto und Versandkosten von  5,00 Euro jährlich an:
Sparkasse Aurich-Norden, BLZ: 28 35 00 00, Ko.Nr.: 90 506,
Stichwort: Relpäd. Sonderprojekt ARO.




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