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Unser
Thema: Weihnachten
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Nr. 83 September 2002
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Ausgabe: Träume und Utopien Schulgottesdienst / GS Adventsfeiern in der GS Adventsgottesdienst im KU Aktueller Buchtipp Literatur zum Thema Ideenbörse Weihnachten |
Unzeitige WeihnachtsgedankenAusgerechnet heute Abend, als ich Weihnachtsgedanken zu Papier bringen wollte, gab es im Fernsehen einen Film, der mit einer Weihnachtsszene beginnt. Oma, die Töchter, ihre Männer und zwei Enkelkinder stehen vor einem geschmückten Baum und quälen sich durch "Stille Nacht". Mitten in der ersten Strophe verschwindet der eine Schwiegersohn (Heiner Lauterbach) mit dem Handy nach nebenan, um zu telefonieren. Der andere Schwiegersohn folgt ihm, auch mit Handy. Die Töchter schämen sich für das Benehmen ihrer Männer und versuchen, Oma abzulenken. Der ohnehin schüttere Gesang erstirbt vollends. Die Enkel reißen das Papier von den Geschenken. Das anschließende Weihnachtsessen artet in einen Krach aus.Versatzstücke oder Antwort auf Menschheitsfragen?In dieser Szene kommt so ziemlich alles vor, was Weihnachten zu einem schwierigen Fest macht: Man tut so, "als ob", "Oma und den Kindern zuliebe". Eine Traditionshülse wird mühsam aufrecht erhalten, obwohl der Lebenszusammenhang mit ausgeübter Religion längst abhanden gekommen ist. Die Versatzstücke - Weihnachtsbaum, Singen, Schenken, Essen - liegen sinnlos herum wie Puzzlestücke, die beim Aufräumen vergessen worden sind und von denen keiner weiß, zu welchem Puzzle sie gehörten. Die Atmosphäre schwankt zwischen gekünstelt, sentimental und verlogen _ bis die Aggressionen aller gegen alle zum Ausbruch kommen. Aber ist das die ganze Wahrheit über Weihnachten? Weihnachten ist auch ein ungeheuer strapazierfähiges Fest. So leicht nicht umzubringen. Das geht nur deshalb, weil auch im verlogenen und verkorksten Weihnachten etwas steckt, dem weder das Unechte und die falschen Gefühle noch die bildungsbürgerlichen Ästhetisierungen, noch die uferlose kommerzielle Ausbeutung etwas anhaben können. Weihnachten ist nicht die Antwort auf die Menschheitsfragen und auf unsere Sehnsüchte nach Geborgenheit und Frieden, wie wir so oft sagen. Weihnachten ist überhaupt keine Antwort auf etwas. Genau so wenig wie ein Kind die Antwort auf Wünsche und Sehnsüchte und Erwartungen seiner Eltern ist. Weihnachten ist da, wie ein Kind da ist und alles Recht der Welt hat, einfach da zu sein. Weihnachten kann nicht wirklich verstanden, wohl aber gefeiert werden. Hang Gottes zu NebenstraßenGründe dafür gibt es genug, aber
andere als die üblichen und bekannten. Da ist zum Beispiel dieser
Hang Gottes zu den Nebenstraßen, den Winkeln und den kleinen
Leuten: - Nicht im Palast der Hauptstadt kommt der Sohn Gottes zur Welt, sondern in einem Stall bei einem unbedeutenden Dorf namens Bethlehem. - Statt dass ein Hofchor eine Thronfolgermesse aufführt, Salut geschossen wird und der Königsvater dem Volk einen ausgibt, singen Engel nachts auf einem Feld, das übersät ist mit Schafskötteln und auch so riecht, einen Gesang für ein paar schmuddelige Hirten. Nicht gerade ein professioneller Medienauftritt. - Und statt dass der Sohn Gottes auf eine irgendwie über- und außerirdische Weise vom Himmel herab schwebt, passiert das Unansehnlichste von der Welt: arme Leute, unverheiratet, kriegen unter unpassenden Umständen ein Kind und wissen nicht so recht, wohin damit. Weihnachten ist ein Ereignis, für das sich niemand im Voraus Karten kaufen konnte. Winkelfest GottesDas Unerwartbare, so wenig wie die Schöpfung der Welt erwartbar und vorauszusehen war. Von wem denn auch. Weihnachten ist das Winkelfest Gottes mit den kleinen Leuten; Ausdruck seines Wunsches, Mensch unter Menschen zu sein: einer von uns, aber keiner wie wir. Und das geht unserer normalen Denkrichtung und unseren Wünschen so gegen den Strich, dass wir pausenlos an diesem Ereignis herumdekorieren und ihm Mäntelchen umhängen: Fest der Familie, Fest des Friedens, Fest der Kinder, Fest der Geschenke, Fest der Liebe etc.. Das alles sind Versuche, mit der Sperrigkeit dieses Ereignisses zurechtzukommen. Ramponiert wie der Lieblingsteddy
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"Weihnachten ist einfach da, wie ein Kind" (s.o.). Das ist wohl so. Und wie bei Kindern wird dieses Fest von manchen sehnsüchtig und freudig erwartet. Andere stöhnen jetzt schon bei der Vorstellung, dass es in acht Wochen mit Advent losgeht.
Für die Schule, besonders für den Religionsuntericht, und natürlich für die Kirchengemeinden ist das in jedem Jahr wieder eine Herausforderung. Da gibt es eindeutige Traditionen, direkte Wünsche der Schülerinnen und Schüler (eine Kerze auf jedem Tisch muss sein!) und die Sorge, "U-Boot-Christen", die nur einmal im Jahr auftauchen, zufriedenstellen zu müssen.
Weihnachten ist ein KG-Fest: Kommerz und G emüt bestimmen die Hauptlinien. Was machen wir damit? Protestieren, anprangern oder einfach (im doppelten Sinn einfach) feiern?
Wir möchten Ihnen bei Ihrer Arbeit in Kirche und Schule ein wenig Anregung und Entlastung bieten: Einige Ideen haben wir entwickelt, einiges Vorhandene haben wir zusammengestellt und vor allem möchten wir Mut machen, Eigenes auszuprobieren.
Wir bieten Ihnen Unterrichtsideen, aber auch Vorschläge für Feiern in der Schule und für Schulgottesdienste. Bei all dem war unser Ziel, „den Ball flach zu halten", also nicht für diese oft gehetzte Zeit hochaufwändige Konzepte vorzuschlagen, sondern solche die mit rechtzeitiger Planung realistisch und durchführbar erscheinen oder vielleicht sogar spontan in Unterricht und Gemeinde einsetzbar sind.
Diese Nummer ist die erste, die von dem neu entstandenen Redaktionskreis mit auf den Weg gebracht wurde. Wir versuchen durch diese Gruppe die Perspektiven von Sonderschule, Konfirmandenunterricht und Berufsschule besser einzubeziehen. Wenn Sie Interesse haben, mitzumachen, melden Sie sich gerne!
Ich danke allen, die an dieser Nummer mitgearbeitet haben für ihre Beiträge. Das war oft mit viel Arbeit und Geduld verbunden. Gleichzeitig grüße ich Sie alle und wünsche uns gutes Gelingen!
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Von Friedrich-August Schaefer
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Wolf und Schaf in inniger Umarmung, ein Liebespaar, aneinander geschmiegt. Das gibt es doch gar nicht. Wölfe müssen Schafe jagen, um zu fressen, Schafe müssen vor den Wölfen fliehen, um zu überleben. Das Bild von M. Prechtl ist naturalistisch gezeichnet, fast wie ein Foto so wird das Paradox noch augenfälliger.
Hat das was mit Weihnachten zu tun?
Andere Stellen, die vom zukünftigen Friedensreich reden, nennen auch den Friedenskönig, der als Kind kommen soll. Jes.9,1ff "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.... Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt WunderRat, GottHeld, EwigVater, FriedeFürst."
Matthäus versucht immer wieder zu zeigen, dass in dem Kind, das in Bethlehem geboren ist, die "Worte der Propheten erfüllt" sind (z.B. Mt.1,23). Das Friedensreich hat angefangen in dem Jesus von Nazareth, so glauben die ersten Christen. Er ist der Messias, der gesalbte König, griechisch der Christus, mit dem Gottes Reich auf Erden anfängt.
Aber Jesus hat doch die Welt nicht zum Frieden gebracht, wir träumen immer noch den Traum vom ewigen Frieden auf Erden. Kann es den überhaupt geben?
Wolf und Schaf friedlich beieinander sicher ein Traum vom Paradies, eine Utopie. Aber wie sähe unsere Welt aus ohne Utopien und ohne Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Kriegstreiber nicht das letzte Wort haben, und die hilflosen Mitläufer nicht mit schuldig werden und die gewaltlosen Friedensfreunde den Mut nicht verlieren? Kann man seit den letzten Jahren (Balkan-Konflikt, 11. Sept.) Kriege wieder führen? Sind sie auch für Christen ethisch verantwortbar? Ist gegen das Reich des Bösen alles erlaubt?
Jesus stand dafür ein, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten und den Feind zu lieben. Weihnachten erinnert daran. Das Bild kann uns zum Nachdenken anregen und die Auseinandersetzung provozieren.
Unterrichtsmöglichkeiten für OS, Sek.I und KU:
1. Bildbetrachtung im Plenum: Spontane Äußerungen; Verhältnis der beiden Gestalten; Einfälle; eine Überschrift finden; Wovon träumt der Künstler? Wovon träumen wir? Was steht der Verwirklichung von Friedensträumen im Wege? (Folie, Tafelbild). Ist das ein Weihnachtsbild?
2. Gruppenarbeit: Vergleich des Bildes mit dem Text Jes.65,25 (evtl. auch mit Jes.9,1ff); Welche Sehnsüchte haben viele/wir zu Weihnachten?
3. Rollenspiel: Streit am Weihnachtsabend Lösungsmöglichkeiten.
4. Malen: Unsere Weihnachtsträume, unsere Friedensträume.
5. Sichtung von Zeitungsartikeln in der Vorweihnachtszeit: Was macht uns fertig, was macht uns Mut?
6. Gestaltung von Plakatwänden: Uns macht Angst: ... Wir hoffen auf: ...Weihnachten ist wie ...
Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik Ostfriesland
(ARO), Georgswall 7, 26603 Aurich
Tel.: 04941/96860
Fax: 04941/968621
V.i.S.d.P.: Gerhard Wittkugel, Pastor