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Arbeitsstelle für ev. Religionspädagogik Ostfriesland 
 
Unser Thema:                    Wunder   

Nr. 81                                                                 März 2002


In dieser Ausgabe: Wunder - Zugang über Standbilder - 6.Schj.

Wundergeschichten - Sek.II / BBS

Wunder -
GS 3./4. Schj.


Aktueller Buchtipp

Wunder aus
theologischer Sicht


Literatur zum Thema


Fußballwunder, 
Frodo Beutlin und Jesus

    W ir haben bei der Vorbereitung dieses Heftes herumgefragt: wer kann uns einen Unterrichtsentwurf zu ? "Wundern im RU" beisteuern? Bei den meisten Achselzucken: "Habe ich lange nicht mehr gemacht...", ? "Wunder, weiß ich auch nicht so genau...",  "Im Konfirmandenunterricht?, nein, da machen wir anderes!".

Das Ergebnis ist sicher nicht repräsentativ, aber es trifft unsere Erfahrungen. Wundergeschichten machen einen Großteil der Jesustradition aus, aber passen sie in unsere moderne Zeit? Schrecken sie nicht zu sehr von der Religion ab, ? "das kann man doch sowieso alles nicht glauben!", wo wir doch mit der Schöpfungsgeschichte eh' schon genug Probleme haben, uns neben dem Urknall zu behaupten?

Symbolik

Gewiss, man kann sie symbolisch deuten, nach dem Motto "es ist ja auch ein Wunder, wenn die Menschen ihr Essen teilen". Auch für mich war die Auslegung der Sturmstillung durch Matthäus, der sie zu einer Nachfolgegeschichte für seine Gemeinde umgestaltet, ein wichtiger Verstehensansatz. Aber kann man denn das Wunderbare ganz aus den Wundergeschichten herausinterpretieren? Und wenn nein, was machen wir dann mit dieser merkwürdigen, schrägen Herausforderung, dass Jesus ein Wundertäter ist, der böse Geister in Schweineherden schickt und mit Dreck und Spucke Augenleiden heilt?
Eigenartigerweise ist das mit dem Wunder im nicht-kirchlichen Sprachgebrauch gar nicht so schwierig: Da gibt es Pokalwunder im Fußball und auch Wunderheiler, wenn man z. B. von uns aus über die Grenze nach Holland fährt. Die Menschen, auch heute, halten solche Phänomene anscheinend sogar in ihrer Mehrheit nicht für ausgeschlossen.

Sehnsucht nach Mystik

Frodo Beutlin und Harry Potter sind die typischen schwachen Helden, mit denen man/frau sich gerne solidarisiert. Aber sie haben auch deshalb einen so großen Fanclub, weil die Menschen sich wieder mehr nach Übernatürlichem, nach Mystik und Schicksal sehnen. Es ist m. E. Aufgabe von Kirche und Unterricht, hier klären zu helfen, damit das Pendel von der rein naturwissenschaftlichen Seite nicht unreflektiert in Richtung Schicksal und Führung durch irgendwelche Götter umschlägt.

Der Unterricht über Wunder kann dazu beitragen, indem er das eigene Verhältnis zu diesen Fragen klärt und auch auf Gott bezieht. Ich plädiere also dafür, Wundergeschichten zu erzählen und zu gestalten, und
dann gemeinsam zu schauen, wie wir sie verstehen. Dabei möchte ich die Entscheidung über das Verständnis der Geschichten den Schülerinnen letztlich nicht aus der Hand nehmen, aber Ihnen Handwerkszeug und Meinungen anbieten, damit sie sie selbst in die Hand und in das Herz nehmen können.


 

Wunder - 6. Schj.


Wunder verstehen? - eine Frage der Perspektive!

Ein Unterrichtsentwurf zur Aufnahme von Wunderberichten
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VON GERHARD WITTKUGEL
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Von Wundern wird immer wieder erzählt, in Geschichten der Völker der Welt, in der Bild-Zeitung und natürlich (?) auch in der Bibel. Verschiedenste Funktionen haben sie: Auflagenstärke erhöhen, Staunen lassen und vieles andere mehr. Im neuen Testament, so haben wir gelernt, sind sie vor allem Zeichen, mehr noch, eigentlich der Beginn des anbrechenden Reiches Gottes.


Passieren Wunder wirklich? Sind sie einfach "wundersame" Zufälle? Sind Wunder die normalen Abweichungen, die es von jedem Mittelwert einer Statistik gibt oder geht es hier um paranormale Dinge?
Die Augen öffnen. Darstellung von Ernst Alt: "Die Heilung des Blinden"
Aus: T. Eggers (Hsg.): Gott und die Welt, Lesebuch RU 9./10. Schj., S.109, Düsseld. 1987.
Wundergeschichten, nicht nur die biblischen, haben einen Mehrwert (vgl.Wunder GS), sie wollen mehr erzählen als das Geschehen selbst: wie großartig der einstige Herrscher war, wie sehr die Wissenschaft irren kann, dass das Teilen sich lohnt oder eben dass das Gottesreich schon angebrochen ist.
Das Wundergeschehen wollen sie jedoch trotzdem erzählen.

Ob der Zuhörer oder die Leserin diese Geschichten nun als Wunder versteht, hängt m. E. nicht so sehr von der "Christlichkeit" oder "Glaubensstärke" der Rezipientin ab, sondern von der eigenen Perspektive auf die Erzählung hin. (Die säkulare oder allgemein-religiöse Rede von Wunderheilungen oder dem Fußballwunder sind m. E. emotional ernst zu nehmen. Es reden von Wundern auch solche Menschen, die behaupten, nicht gläubig zu sein.)

Der folgende Unterrichtsentwurf will nicht das Ganze der Wundergeschichten in den Blick nehmen, sondern einmal nur einladen, die verschiedenen Blickwinkel, die ich in Bezug auf Wundergeschichten einnehmen kann - vom Betroffenen bis zum Spötter - in den Blick und in Sprache zu bekommen.

Das Bild - die Heilung des Blinden von Ernst Alt - bietet verschiedene Haltungen zu einem Geschehen in den "Randpersonen" an, die zunächst auch ohne das Geschehen selbst interpretierbar sind. Das ist die Unterrichtsidee.



Was will denn dieser Dreckskerl hier?!
Was sind die anderen denn schon?
Pph!


Ich beginne mit den Randpersonen, lege sie nacheinander in Ausschnitten auf dem OH-Projektor vor, ohne dass die Lerngruppe von der Geschichte weiß. Je nach Geduld und Alter der SchülerInnen bieten sich also folgende Personen zur Betrachtung und Identifikation an:

1. Der Skeptiker - oder ist er überheblich?
2. Der Desinteressierte.
3. Der Abwehrende (Priester).
4. Der Interessierte in der zweiten Reihe.
5. Die Mitleidende, die helfende Hand.

Die SchülerInnen assoziieren: "was denkt der / die wohl", "was könnte er/sie sagen?".

Die Haltungen lasse ich von den Kindern nachstellen, andere sagen dazu einen möglichen Satz. Die Beispiele der Bildunterschriften stammen aus einer sechsten Klasse.

Eine Alternative zu dieser Frontal-Methode liegt in der Möglichkeit, Arbeitsgruppen je eine Randperson in Kopie zu geben mit der Aufgabe die Haltung zu interpretieren (s.o.) und dann ein entsprechendes Standbild zu bauen. Im Plenum werden dann die Standbilder gedeutet und später im Bild wiedergefunden.

Dieses Nachempfinden von Haltungen füllt in jedem Fall eine ganze Unterrichtsstunde, in der folgenden kann durch erneutes Auflegen das Erarbeitete wieder wachgerufen werden.


Lasst mich bloß mit so was in Ruhe!
Geht weg!
Ich will damit nichts zu tun haben!



Da ich zumeist und gerne Doppelstunden unterrichte, geht's weiter:

Ich setze das Puzzle der Haltungen zusammen, der Leidende kommt dazu und wir reden über seine Wünsche und Hoffnungen vielleicht auch seine Befürchtungen. Die 6/e der IGS meint: etwas Geld, zu Essen; Sätze fallen wie

"Ich will endlich wieder zu Menschen dazugehören" und "ich möchte wieder sehen können!"

Hier spätestens verlassen wir die distanzierte Beobachterebene: Wunder am eigenen Leib erleben, gibt es so was? Ist solch ein Geschehen "nur" übernormal oder ganz und gar unmöglich?

Jesus - was tut er? Was macht seine Hand auf der Schulter des Blinden? Ihn auf Distanz halten? Ihn beruhigen? Segnen?
Warum hat er den Finger vor dem Mund, wieso soll jemand schweigen?

Die Geschichte nach Markus oder Matthäus wird erzählt oder gelesen.

Dann lege ich die unzerschnittene Folie auf: wir sprechen über die verschiedenen Haltungen und Reaktionen nun in Bezug auf das Wunder (können auch noch einmal Sätze der Reaktion formulieren: "Alles Scharlatane, diese Wunderheiler!"). Was passt zu meiner Einstellung?

Ein Brücke für mich persönlich bietet die Frauengestalt hinter Jesus: sie scheint zu Jesus zu gehören (das will ich als Christ!) und sie bietet mit warmem Gesicht dem Leidenden einfach die Hand, obwohl doch Jesus bereits in Aktion ist (auch das trifft auf unser Sein in der Welt).


Du Armer, wie kann ich dir bloß helfen?
Komm, du kannst mit uns gehen!

Fotos: G.Wittkugel

Bilder und Vorlagen zu dieser Einheit können in der ARO ausgeliehen oder kopiert werden.

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Wundergeschichten - Sek.II / BBS


Wundergeschichten des Neuen Testaments

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VON ANDREAS FOCKE
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... ein Stein des Anstoßes in einer modernen, von Wissenschaft geprägten Welt oder mehr noch ein Hindernis, sich überhaupt mit dem Neuen Testament und mit Jesus auseinander zu setzen?

Mit Schülerinnen und Schülern eines 11. Jahrganges (Fachgymnasium Wirtschaft) möchte ich der Frage nachgehen, Möglichkeiten schaffen, sich mit den Texten der Evangelien zu beschäftigen.

Zu Beginn des Kurshalbjahres steht die Frage nach der Bedeutung Jesu (damals und in heutiger Zeit). Um nicht von vornherein die Vermutung zahlreicher Schüler zu bestätigen, das sei eher langweilig und nicht so ganz auf der Höhe der Zeit, wähle ich nach einem Vorgespräch den Film "Jesus von Montreal"* aus, um eine Brücke zu schlagen zwischen dem historischen Jesusbild (auch Inhalt zahlreicher Jesusfilme) und seiner Relevanz für heute.
Wunder - Interpretation  
Wunder: Eine Sache der Interpretation?
Aus: P. Schawohl, Alles oder nichts. München 1986, S. 15.

  Vor dem Betrachten des Films wird ein "Protokoll" des Filmablaufs allen Schülerinnen und Schülern als Kopie verteilt.**
Im Vorgespräch wurde die eher skeptische Frage einer Schülerin laut, in der sie bemerkte: "WER glaubt denn noch, dass Jesus über' s Wasser lief?" - Das war Anlass im weiteren Kursverlauf, den Text Markus 6,45-54 parr. in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei ist die historisch-kritische Methode in Grundzügen leitend.

Dass eine Textkritik nicht mit dem griechischen Urtext erfolgen konnte, war selbstverständlich. Sich jedoch bei dem synoptischen Vergleich verschiedener Bibelausgaben zu bedienen, öffnete die Schülerinnen und Schüler für Übersetzungsvarianten und für die Frage: Was ist richtig (übersetzt)?

Nachdem der synoptische Vergleich "Schwerpunkte" aufzeigte, beschäftigten sich Arbeitsgruppen mit Fragen der (damaligen) Zeit und des historischen Ortes. Geographische Erkenntnisse über den See Genezareth wurden ebenso gewonnen wie über religiöse Strömungen der damaligen Zeit.

Warum war es den ersten christlichen Gemeinden wichtig, gerade diese Erzählung in den Kanon eines Evangeliums aufzunehmen?

Antworten fanden wir u.a. durch die Beschäftigung mit Texten der antiken und rabbinischen Literatur/Wundergeschichten.

Insbesondere die Situation der ersten Christen (nach 70 n.Chr.) wurde beleuchtet. Stichworten dazu wurde nachgegangen: Zerstörung des Jerusalemer Tempels, einsetzende Verfolgung der Christen, Missionsbemühungen im heidnischen Umfeld, Parusieerwartungen bzw. -Verzögerung...

Der Text Markus 6,45-52 parr. ist m. E. hervorragend geeignet, an bestehenden Vorurteilen gegenüber der Beschäftigung mit dem NT und besonders der Wundergeschichten Schülerinnen und Schüler abzuholen und ihnen die Welt des NT zu öffnen:

- Kenntnisse über den historischen Jesus
- Umgang mit der historisch-kritischen Methode (incl. synop. Textvergleich)
- Heranziehung außerbiblischer Quellen (Klärung des antiken Wunderverständnisses)
- Wissen über die "Umwelt des NT" (Zeit, Ort, Personen)
- Entstehungszeit und -gründe für die ntl. Evangelien (Mit welcher Absicht schreiben die Verfasser?).

Ziel ist die eigene Bewertung neutestamentlicher Aussagen durch die Schülerinnen und Schüler - nicht ein "Das brauchst du nicht zu verstehen, sondern nur glauben". Die "Fremdheit der Texte" soll erkannt und die Chance eröffnet werden, diese in der Welt des 21. Jahrhunderts als Glaubensaussage des 1. Jahrhunderts zu würdigen.

Eine Interpretationsmöglichkeit besteht darin, aus der Sicht der nachösterlichen Gemeinde den Text zu verstehen: Die Jünger Jesu im Boot werden zum Spiegelbild der Gemeindesituation (allein, ohne ihren Herrn, auf dem Wasser - bedrängt und bedroht durch die Wellen, orientierungslos, unsicher, ob sie das Ziel (die Beauftragung) erreichen, Beruhigung durch sein Wort...u.a.).

Die Parallelen zur heutigen Situation der christlichen Gemeinde, wie des Einzelnen liegen sehr nahe.

Die anfängliche Skepsis der Schülerinnen und Schüler ("Wer glaubt denn noch, dass Jesus über' s Wasser lief?") konnte ernstgenommen und ansatzweise geklärt werden und (der Seewandel) machte Lust auf "Meer" / mehr, z.B.: Wie kann man Gleichnisse Jesu heute noch verstehen?

Anmerkungen:
* Regie: Denys, Kan. / Fr. 1990
** Material zum Film und Anregungen zur Umsetzung in:
Mack/Ramsperger/Volbert, Jesus - Neue Aspekte der Christologie, Calwer Materialien, Stuttgart 1997.

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Wunder im Unterricht der Grundschule


Eine Unterrichteinheit für das 3./4. Schuljahr

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VON KIRSTEN LIETZAU
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Übernehme ich eine Klasse 3 oder 4 neu im Fachunterricht ev. Religion, ist es mir ein wichtiges Anliegen, das Interesse der Schülerinnen und Schüler für das Fach in der ersten UE zu wecken und an das Fach zu binden. Gute Erfahrungen habe ich mit einer UE zum Thema Wunder gemacht.

"Wundergeschichten", ist das nicht ein zu schwieriges Feld für die Arbeit in der Grundschule? Nein! Nach meinen Erfahrungen wollen die Kinder in der Schule nicht beschäftigt werden, sie wollen etwas lernen, wollen gefordert sein, wollen viel entdecken. Die Thematisierung von Wundererzählungen bietet den Kindern die Möglichkeit, sich mit religiösen Fragestellungen auseinanderzusetzen, Stellung zu beziehen, persönliche Annäherungen zu entdecken.

Bevor ich als Lehrerin, als Lehrer mit der Aufarbeitung des Themas für den Unterricht beginne, muss ich mir zunächst einen eigenen Zugang zu Wundergeschichten verschaffen. Sehr hilfreich sind hierbei Hubertus Halbfas Zugänge, veröffentlicht im Lehrerhandbuch 2 seines großen Unterrichtswerkes, und Ingo Baldermanns Ausführungen, veröffentlicht in WdL 8 "Gottes Reich - Hoffnung für Kinder". Die didaktischen Ansätze dieser beiden alten Herren der Religionspädagogik sind immer noch und immer wieder überzeugend.

In der gedanklichen Vorbereitung auf das Thema muss ich zunächst klären, was Wundergeschichten sind. Baldermann definiert so: Wundererzählungen sind Hoffnungs- und Verzweiflungsgeschichten, sie sind keine Mitleidsgeschichten, keine Beweisgeschichten, dass Jesu Gottes Sohn ist.

Nach einigem Stöbern in der Literatur übernehme ich diese Definition und mache sie zur Grundlage meiner Arbeit. Jetzt kann ich mich mit der unterrichtlichen Umsetzung befassen. Hier übernehme ich den symboldidaktischen Ansatz von Hubertus Halbfas. Niemand hat so konsequent und so gelungen Symboldidaktik in eine unterrichtliche Konzeption umgesetzt wie Halbfas.

Obwohl die Einheit "Wunder" für das 3. oder 4. Schuljahr konzipiert ist, arbeite ich mit Texten und Bildern aus den Büchern des 1. und 2. Schuljahres. Grob skizziert sieht die UE so aus:
- Geschichte vom Korb mit den wunderbaren Sachen
- Heilung des Bartimäus
- Heilung des Gelähmten

Die Heilung des Gelähmten Die Bilder zur UE von Relindis Agethen und Pieter Bruegel müssen als Farbfolie oder Dias zur Verfügung stehen.

Hier möchte ich in einem Nebensatz ein Plädoyer für die Arbeit mit
Bildern von Relindis Agethen einfügen. Ich habe sehr lange, mehrere Jahre, gezögert, die Bilder so jungen Schülerinnen und Schülern zu präsentieren. Schon nach der ersten Erfahrung habe ich mich geärgert, so zögerlich gewesen zu sein. Kinder entdecken unendlich viel in diesen Bildern. Die Bilder fordern gedankliche Leistung. Im Gespräch zu den Bildern lernen die Kinder und die Lehrerin, der Lehrer sehr viel.

Zurück zur UE. Den Einstieg finden wir über die Bilder zur "Geschichte vom Korb mit den wunderbaren Sachen". Zunächst betrachten die Kinder das erste Bild in der Stille. Ich habe diese Einheit schon mehrfach durchgeführt und bin immer wieder überrascht, dass die Geschichte weitestgehend von den Kindern an Hand der Bilder entwickelt wird. Es bleibt für mich als Lehrerin in der Regel nur ein ergänzendes Erzählen.
Mit Bild 2 - 4 verfahre ich genauso. Spannend ist immer das Schlussgespräch zu der Geschichte unter der Fragestellung "Warum musste die Frau ihren Mann verlassen?"

Zu den Religionsbüchern gibt es Arbeitshefte, ich möchte fast sagen leider. Ich halte sie für wenig brauchbar, mit einer Ausnahme. Die Bildgestaltung des Arbeitsblattes zu dieser Geschichte. Dieses Bild kann man nutzen, um die Verbindung von der Geschichte zum Hörer, zur Hörerin noch einmal zu vertiefen.

Im nächsten Abschnitt der UE steht wieder eine Bildbetrachtung im Mittelpunkt. Diesmal ein ganz anderes Bild, "Das Gleichnis von den Blinden" von Pieter Bruegel. Nach der Betrachtung in der Stille und einem Gespräch bitte ich die Schülerinnen und Schüler eine Perspektive einzunehmen, die Perspektive einer abgebildeten Person. Sie sollen versuchen, Gedanken und  ussprüche dieser Person in der dargestellten Situation zu formulieren. In der Reflexion dieser Gedanken sehen wir in der Regel das Bild noch einmal ganz neu.

Jetzt folgt die erste Wundererzählung, die Heilung des blinden Bartimäus. Sie wird erzählt, langsam und sehr textnah. Wir erinnern uns, dass Baldermann die Wundererzählungen Hoffnungs- und Verzweiflungsgeschichten nennt. Im weiteren Verlauf kommt es darauf an, Hoffnungs- und Verzweiflungsaspekte in der Bartimäusgeschichte zu entdecken. Gute Möglichkeiten ergeben sich aus der Arbeit mit einem oder zwei Standbildern. In jedem Fall lasse ich den aufhorchenden Bartimäus darstellen. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, sich in seine Gedankenwelt hineinzufinden. Evt. kann man noch den Bartimäus nach
seiner Heilung oder in der Gegenüberstellung mit Jesus darstellen lassen. Das hängt davon ab, wie vielschichtig die geäußerten Gedanken zum 1. Standbild sind.

Die zweite Wundererzählung, die den Schülerinnen und Schülern im Rahmen dieser UE präsentiert wird, ist die Geschichte von der Heilung des Gelähmten. ...

Mit Baldermanns Definition im Hinterkopf scheint mir dieser Weg der Annäherung an die Wundergeschichte auch für den Unterricht ein möglicher und richtiger Weg zu sein. Methodisch gehe ich vor, wie in den anderen Teilen der Einheit, zunächst die Bildbetrachtung, dann die Erzählung. Ähnlich wie beim Bruegelbild fordere ich die Kinder auf, eine Perspektive einzunehmen. Diesmal gebe ich die Personengruppe vor, die Träger der Bahre.

Die Kinder überlegen:
- Wie sind die Männer zu ihrem Entschluss gekommen, den Lahmen zu Jesus zu bringen?
- Welche Gedanken kreisen in ihrem Kopf auf dem Weg zu Jesus?
- Was bringt sie dazu, das Dach zu öffnen?
Als letzten Auftrag bekommen die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, aus der Perspektive eines Menschen aus der Menge zu erzählen, was hier geschah.

Die reflektierenden Gespräche über die Schülerinnen- und Schülerarbeiten sind Gespräche über Hoffnungs- und Verzweiflungsgedanken. Es sind religiöse Gespräche über Glaubensvorstellungen, über Perspektiven aus einer festgefahrenen Situation. In jedem Fall sind es Gespräche auf einer sehr nachdenklichen Ebene. Junge Schülerinnen und Schüler können
sehr genau formulieren, äußern häufig Gedanken, die den Erwachsenen in Erstaunen versetzen.
Der didaktische Ansatz dieser UE bleibt sehr nahe an den beiden Wundererzählungen. Über die Sensibilisierung des Sehenlernens wird eine Voraussetzung geschaffen, wach und offen Wundererzählungen zu hören. Es gibt keine Erklärungsversuche. Es werden nach Möglichkeiten gesucht, in die Wundererzählung einzudringen, etwas in ihr zu entdecken, was für mich von Bedeutung ist. Dies gilt gleichermaßen für die Schülerinnen und Schüler wie auch für die Lehrerinnen und Lehrer.

Literatur:
H. Halbfas: Religionsbuch für das 1. und 2. Schuljahr, Lehrerhandbuch 1
und 2. Patmos Verlag.
I. Baldermann: Gottes Reich _ Hoffnung für Kinder, WdL 8, Neukirchener
Verlag.
* Abb. in: H. Halbfas (Hrsg.): Religionsbuch f. d. 2. Schj., Düsseldorf
1984, S. 38f.

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Impressum:

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Tel.: 04941/96860
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V.i.S.d.P.: Gerhard Wittkugel, Pastor

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