Theologie

An die Auferstehung glauben?

Ja, wenn wir damals dabei gewesen wären ...

------------------------------------------------
VON FRIEDRICH-AUGUST SCHAEFER
---------------------------------------------------------

Ja, wenn wir damals dabei gewesen wären, dann wollten wir wohl glauben. Denn: “Auferstehung” - das geht einfach nicht. Nie kommt ein Toter zurück. Das sagt unsere Erfahrung. Das meinte damals auch Thomas, der Zweifler (Joh. 21,24-29). Er war nicht dabei gewesen, wie Jesus von Jüngern “gesehen” wurde. Die bezeugen ihm, dass sie Jesus, den Gekreuzigten, gesehen haben. Thomas kann das nicht glauben. Thomas zweifelt. Er will selber sehen, er will Fakten, Beweise. Er will nicht nur Jesu Nägelmale sehen, er will sogar seine Finger hineinlegen und seine Hand an Jesu Seite, dann erst will er glauben, dass der Gekreuzigte auferstanden ist.
Nach 8 Tagen kommt Jesus zu ihm und den anderen Jüngern und sagt zu Thomas: Lege deine Finger in meine Wundmale “und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.” Es hat den Anschein, dass Thomas das Sehen reicht, er Jesus nicht berühren muss. Er sagt zu Jesus: “Mein Herr und mein Gott”! Das hat bisher noch keiner bekannt. Das wurde dann später zum Grundbekenntnis
der christlichen Kirche.
Thomas bekommt noch den warnenden Hinweis: “Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben!” Richtiger Glaube braucht demnach keine Beweise, keine bestätigenden Fakten. Warum wird aber dann diese Geschichte erzählt?
Warum bekommt Thomas diese nachträgliche Chance? Im gleichen Kapitel vorher wurde Maria von Magdala noch verweigert, Jesus anzurühren. “Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.” Was gilt denn nun, Glauben mit Beweis oder Glauben auf das Zeugnis anderer hin? Das Letzte ist ja unsere Rolle: Wir können bestenfalls glauben, auf die Aussage der Früheren hin, die behaupten, dass sie gesehen haben.
Hier ist nicht der Platz für ausführliche Darstellungen und Begründungen. Da sei verwiesen auf das Heft: “Tod und Auferstehung Jesu Christi, theologische und religionspädagogische Annäherungen, Arbeitshilfen Gymnasium 8, hg. v. Michael Wermke, rpi Loccum 1998. Wir halten zusammenfassend fest:

1. Fakten sind immer doppeldeutig.

Der Streit darum, ob das Grab Jesu leer war oder nicht, der vor allem von Lüdemann hervorgerufen wurde, zeigt das sehr deutlich. Lüdemann sagt als Historiker, dass sehr viel dafür spricht, dass das Grab Jesu “voll” gewesen ist. Andere behaupten aus einem wahrscheinlich theologischen Interesse heraus, dass es durchaus leer war. Hier gibt es auf der Ebene der Historie keine Eindeutigkeit. Es ist wohl nicht so, dass der Befund des leeren Grabes den Glauben an die Auferstehung produziert hat, sondern umgekehrt hat der Glaube an die Auferstehung als Nebenprodukt zur Aussage vom leeren Grab gedrängt, wo eine
bestimmte “leiblich” ausgerichtete Vorstellung der Auferstehung vorlag. Umstritten, doppeldeutig war die Geschichte vom leeren Grab schon damals: Man behauptete, die Jünger hätten den Leib Jesu weggenommen. Dagegen erzählt Matthäus die Geschichte von den Wächtern am Grab - Mt 27,62-66.

2. Glauben und Beweise sind ein Widerspruch in sich.

Beweise führen zum Wissen, da ist alles klar und eindeutig, da ist kein Glauben mehr nötig. Glaube ist ein persönliches Vertrauen, das keine Beweise braucht. Liebende, die vom Geliebten ständig Beweise für die Liebe verlangen, zerstören die Beziehung. Das meint wohl auch die Geschichte von Thomas, dem Zweifler, bei Johannes. Thomas sagt nicht: Ich glaube, dass du auferstanden bist, weil ich dich gesehen habe, sondern: “Mein Herr und mein Gott”. Der Glaube richtet sich auf ihn als Person, ist eine persönliche Beziehung. Wo rückhaltloses Vertrauen ist, treten dann alle Fakten und Beweise in den Hintergrund.

3. Glauben ist persönliches Wagnis und nicht abhängig von den Aussagen anderer.

Wir glauben selbst, glauben heute, machen eigene Erfahrungen mit dem Glauben an den Auferstandenen heute und sind nicht abhängig von den Zeugnissen der Menschen damals, die sagen, sie hätten ihn gesehen. Er ist auch nicht abhängig davon, wie diese Erscheinungsberichte zu deuten sind.

4. Auferstehung meint nicht, dass eine Leiche wiederbelebt wurde, sondern meint einen Neuanfang Gottes mit dem gekreuzigten Jesus.

Dass auch bei Johannes die Auferstehung nicht einseitig “leiblich” vorgestellt wird, ist schon darin deutlich, dass Maria Magdalena verwehrt wird, den Auferstandenen zu berühren, sein “Leib” ist offensichtlich bis zur Himmelfahrt geheimnisvoll anders als vorher und zu Thomas und seinen Freunden kommt er durch verschlossene Türen.
Wir glauben ja auch nicht an den Lazarus, der vom Tode auferweckt, um dann später doch wieder zu sterben (Joh.11), sondern wir glauben an den Jesus Christus, der in der Lazarusgeschichte sagt: “Ich bin die Auferstehung und das Leben” (V25). Jesus wird bekannt als der, der als Herr dem Tod ein für alle Mal die Macht genommen hat.

5. Die angemessene Rede von der Auferstehung bezieht sich nicht auf ein vergangenes Ereignis, sondern auf ein Geschehen, das uns heute umfasst. Sie kann nur symbolisch erschlossen werden.

Ingo Baldermann (Auferstehung sehen lernen, Entdeckendes Lernen an biblischen Hoffnungstexten, Neukirchen1999) will die Sprache der Hoffnung lernen. Das übt er ein vor allem an den Psalmen als “Grundschule der Hoffnung”. Dieses entdeckende, emotionale Lernen bezieht die eigene Todesverfallenheit mit ein und fragt danach, was hilft, dem stand zu halten. Symbolische Sprache schafft die Verbindung zwischen den alten Geschichten und der eigenen Hoffnung heute.



Bildbetrachtung/Didaktik Sek. I/II

Mit Thomas glauben

Textarbeit und Bildbetrachtung für die Sek. II


Bild: Ernst Barlach, Das Wiedersehen (Christus und Thomas), 1926.
Aus: Die Ernst Barlach Museen, Güstrow, Ratzeburg, Hamburg, Wedel/ Leipzig 1998.

Mögliche Unterrichtsschritte:

1. Ruhiges Ansehen des Bildes, spontane Äußerungen: Beobachtungen und Einfälle

2. Was geschieht da zwischen den beiden? Was war vorher? Was macht jetzt die Nähe so intensiv?

3. Was würde uns durch den Kopf gehen, wären wir in dem Bild?

4. Vergleich des Textes Joh. 21,24-29 mit dem Bild: Welche Ähnlichkeiten erkennen wir, welche Unterschiede?

5. Warum hat Thomas gezweifelt? Was möchte er?

6. Wie ginge es uns an Thomas Stelle?(Er ist nicht dabei gewesen, wie Jesus kam. Er hat nur die Erzählungen der Anderen)?
Welche Zweifel haben wir an der Auferstehung?

7. Jesus bietet Thomas an, ihn zu berühren. Der tut es aber nicht. Er sieht und legt ein Bekenntnis ab (Joh.20,28). Was sagt er damit?

8. Warum sagt Jesus: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!”?

9. Auferstehung ist nicht zu verstehen als Wiederbelebung einer Leiche.
Sichten Sie dafür die Belege: Joh.20,17 (“Rühre mich nicht an!”) und Joh. 20,26 (Jesus geht durch Türen)!
Was ergibt sich daraus?

10. Auferstehung bedeutet statt dessen, dass Jesus, der Gekreuzigte, geglaubt wird als (Joh. 20,28):

11. Wie deutet Ernst Barlach durch sein Standbild die Begegnung mit Thomas?

(Zum Vergleich: Michael Wermke erschließt die Thomas-Geschichte
mit zwei Gemälden von Caravaggio und Emil Nolde, in: Arbeitshilfen Gymnasium 8, rpi Loccum)



Didaktische Grundsätze für das Thema Auferstehung

a) Der/die Religionslehrer/in sollte sich nicht in der Rolle fühlen, bestimmte Vorstellungen verteidigen oder belegen zu müssen.

b) Es sollte den SchülerInnen klar sein, dass der Religionsunterricht sie nicht auf bestimmte Vorstellungen oder Glaubensaussagen festlegen will; keiner muss etwas Bestimmtes glauben.

c) Es sollte klargestellt werden, dass massive Fehlvorstellungen - etwa des Auferstehungsvorgangs - nicht aus der Bibel, sondern von Bildern, Erzählungen o.a. stammen.

d) Es sollte ebenso deutlich gesagt (oder erarbeitet) werden, dass kein Mensch genau sagen kann, was bei der Auferstehung im Einzelnen wirklich geschehen ist.

e) Es sollte klar werden, dass der wahre Inhalt des christlichen Osterglaubens nicht eine bestimmte Vorstellung vom Auferstehungsvorgang ist. Das wird am besten erreicht, indem man umgekehrt vorgeht: Der Unterricht erarbeitet den wesentlichen Inhalt des christlichen Osterglaubens. Dann wird den Lernenden der Disput um bestimmte Vorstellungen als vergleichsweise weniger wichtig einleuchten.

Nach: Alfred Riedinger, Religionspädagogische Hefte: Ostern, Sekundarstufe I, Nr. 1, Speyer, Jan. - März 94.

Ostern - Leben aus Glaube und Hoffnung.

Alfred Riedinger behandelt zunächst das Osterfest und sein Brauchtum, skizziert dann den Osterglauben im NT, übergeht dabei die Frage nach den historischen Ereignissen nicht, äußertsich kurz zum Osterglauben heute und kommt dann zu didaktischen Folgerungen
(s.o.!).
Der Unterrichtsvorschlag für das 7. bis 10. Schuljahr geht vom österlichen Brauchtum aus, behandelt dann die Emmaus-Geschichte nach Luk. 24. Es folgt die Behandlung des ältesten Auferstehungsbekenntnisses von 1. Kor. 15,3-8; die Betrachtung eines Bildes von Walter Habdank zur Emmaus-Geschichte sowie Erzählungen vom leeren Grab. Zum Schluss wird thematisiert: “Ostern für
uns - Leben gegen Resignation” - unterschiedliche Materialien und Methoden werden vorgeschlagen. Texte, Bilder, Lieder, Arbeitsblätter usw. machen das Heft zu einer guten Arbeitshilfe, aus dem man zur
Planung des eigenen Unterrichtsgangs auswählen kann.




 <--Zurück!