Schulanfängergottesdienst
An einem Samstag morgen 9 Uhr, die
Glocken der St. Johannis-Kirche Sandhorst läuten zu dieser Stunde
zum Gottesdienst?! Familien strömen in die Kirche!?
Ungewöhnlich, äußerst
ungewöhnlich. Was ist los? Die Kirche ist gefüllt wie an hohen
Feiertagen. - Kinder der GS Sandhorst und der Finkenburgschule feiern ihren
Schulanfängergottesdienst, bevor sie um 10 Uhr in ihren Schulen eingeschult
werden. Viele sind unserer Einladung gefolgt. Sie sind in Begleitung von
Eltern, Geschwistern, Großeltern und Paten. Die SchulanfängerInnen
sitzen in den ersten Reihen, haben kaum Platz mit ihren großen Tornistern
und den Schultüten. Nachdem die Orgel verstummt ist, begrüße
ich alle. Ich sehe in die gespannten erwartungsvollen Gesichter der Kinder,
sehe auch hier und da einen „wehmütigen" Blick der Erwachsenen. Nach
einem kurzen Gebet werden erst einmal alle durch ein Lied mit in den Gottesdienst
einbezogen. Wir singen: "Wir sind die Kleinen in den Gemeinden." Dann kommt
der Hauptteil. Mit Hilfe eines Tageslichtprojektors erzählen wir Teile
des Bilderbuchs: "Das Kleine-Ich-bin-Ich". Es geht um ein kleines Wesen,
das sich selbst nirgendwo einordnen kann. Nicht weiß, wo es hingehört,
das Freunde sucht. Es versucht erfolglos, sich mit Vögeln, Pferden,
Hunden, Fischen usw. zu identifizieren. Zum Schluß läuft es
mutlos und einsam durch die Stadt. Bis es vor einer Pfütze stehen
bleibt. Im Wasser sieht es sein eigenes Spiegelbild. Und plötzlich
begreift es: Egal, wie ich aussehe, wer ich bin. Wichtig ist, es gibt mich
„Ich bin Ich". Mit seinem neuen Selbstbewußtsein wird es von allen
anerkannt und findet Freunde.
Wir singen miteinander das „Kindermutmachlied".
Ich bitte die SchulanfängerInnen und die anwesenden KlassenlehrerInnen
nach vorne in den Altarraum. Jedes Kind bekommt einen Aufkleber mit dem
Kleinen „Ich-bin-Ich". Zusätzlich bekommt jede Klasse ein ca. 30 cm
großes „Ich-bin-Ich" aus Stoff (Arbeitsanleitung im Bilderbuch).
Nach einem letzen Lied „Das wünsch
ich sehr...", einem Gebet und Segensworten werden Kinder und Erwachsene
verabschiedet. Für sie geht es in einer halben Stunde in ihren Grundschulen
mit der Einschulung weiter. Und dann dürfen endlich die Tüten
aufgemacht werden.
Wie „toll" Schule dann wirkich wird,
hängt von vielen Dingen ab. Einen in dieser Klasse habe ich im Auge
behalten. Mein Sohn gehörte dazu. Ich habe mitbekommen, welch wichtige
Rolle das „Kleine-Ich-bin-Ich" übernommen hat. Es ist oft als Mutmacher,
Tröster oder Kuschelfreund zum Einsatz gekommen.
Brigitte Thiele
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