In seinem grundlegenden Werk "Kindheit und Gesellschaft" entwickelt E. Erikson sein Modell der psychosozialen Phasen in der Entwicklung eines Menschen. In jeder Phase durchlebt das Kind/der Erwachsene einen Grundkonflikt, den es zu überwinden gilt (Bsp. Urvertrauen gegen Mißtrauen in der ersten Phase). Die dritte Eriksonsche Phase heißt "Initiative gegen Schuldgefühl", und Erikson beschreibt, wie das Kind in dieser Phase Freude daran hat, Neues zu machen, Unternehmungen zu beginnen - wenn nicht Schuldgefühle und Resignation in dieser Zeit und für später die Oberhand gewinnen. "Die Tatsache, dass das menschliche Gewissen das ganze Leben hindurch partiell infantil bleibt, stellt ja den Kern der menschlichen Tragödie dar." (a.a.o. S.251) Viel zu oft lähmt das Schuldgefühl, führt zu Resignation und Unterdrückung der äliebsten Träumeä. Eriksons Begriffspaar gibt mir Anstoß für die Theologie und die Pädagogik: Bei "Schuld" geht es eben nicht allein um die Frage, was ich alles Falsches tue, sondern auch um eine andere: "Wie überwinde ich lähmende Schuldgefühle und finde zurück zu freier Initiative und fröhlicher Kreativität?" Der christliche Glaube hat gute Antworten dazu. Hoffentlich gelingt es, die Kinder in Eriksons Phase -und die Größeren in unserem Unterricht dann genauso - spüren zu lassen, Gott ist der, der dich mag. Er schenkt dir einen neuen Anfang!