Vergeben und Vergessen?

Das muß erfahren werden!

Versuche zu handelndem Erleben von Vergebung

Unmodern und nicht mehr zeitgemäß ist für viele so etwas wie Beichte und Schuldvergebung. Trotzdem ist es ja nicht so, daß sich etwa heutzutage weniger Menschen schuldig fühlen.

Die Behandlung des Themas "Schuld" im Rahmen von Unterricht birgt die Gefahr, daß die eigene Verstrickung nur marginal deutlich wird und insbesondere die Rede von der "Gnade" und der "Vergebung" bestenfalls als interessantes Denkmodell wahrgenommen werden kann.

Um wirklich zu spüren, daß eine Last von mir weggenommen ist, brauche ich einen direkten Zuspruch oder eine symbolische Handlung.

Zwei Versuche will ich andeuten:

Bei diesen Ideen (Ihnen werden sicher eigene einfallen z.B. zum Begraben in der Erde, Anheften schwarzer Flecke an ein Kreuz usw.) geht es um drei Dimensionen der Erfahrung:
  1. Meine Privatsphäre wird geschützt, ich muß nichts offenbaren, was ich nicht will.
  2. Ich erlebe in einer Handlung, daß meine Last konkret symbolisch weggenommen wird. Auch wenn ich meine Schuld nicht vergesse, sie wird mir - vorläufig oder endgültig - abgenommen!
  3. Ich erfahre Solidarität in meiner Schuld. Ich bin ja gar nicht der einzige, den etwas belastet, die anderen erleben ähnliches neben mir.
Solche Symbolhandlungen sind Annäherungen oder Verweise, die erlebbar machen, was die Rede von Gnade und Vergebung bedeuten können. Es versteht sich von selbst, daß solche Erlebnisse nicht ihren Platz in einer kurzen Wochenstunde Religiondunterricht haben können, sondern auf Freizeiten oder in besonderen Gottesdiensten.
Gerhard Wittkugel
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