“Hört mal zu, ich muss euch etwas erzählen ...”

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf als Comic
  -  4.-7. Klasse
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Von Helmut Schirmer
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Wir schauen auf eine alltägliche Szene an der Zollschranke der Stadt Kafarnaum. Ein aufgebrachter Händler schimpft mit dem Zolleinnehmer Levi: “Meinst du, Levi, ich hätt ‘nen Goldesel?” - Levi aber, scheinbar unbeeindruckt, erwidert nur mürrisch und kurz angebunden: “...nichts zu ändern, du musst zahlen. Im Namen Cäsars!” Damit ist die Ausgangssituation eines Comics beschrieben, der als “Streifenbild” das “Drehbuch” einer Rahmenerzählung für das Gleichnis vom verlorenen Schaf darstellt.

Levi am Zoll

In dem Heft von Norbert Scholl, Gleichnisse als Comics - Comics als Gleichnisse, Herder-Verlag 1980, wird das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15, l -3 und 4 - 7) mit der Berufung des Zöllners Levi (Lk 5, 27 - 32) unter dem Titel „Zu Gast bei Levi“  kombiniert und als Comic (bzw. als “Streifenbild”) mit der vorgestellten Eingangsszene dargeboten und erzählt (S. 47 - 50) bzw. erläutert und mit einigen Unterrichtsvorschlägen versehen (S. 22 -24).
Auch wenn diese Bildergeschichte nicht mehr ganz neu ist, kann sie noch didaktisch sinnvoll und mit Erfolg im RU der 4. bis 7. Klassen eingesetzt werden:

1. Jesus erzählt unser Gleichnis in Bildern, die den damaligen Zuhörern unmittelbar zugänglich waren. Auch in den Köpfen heutiger Zuhörer und Leser entstehen Bilder. Es entsteht eine Geschichte in Bildern, die ein Drehbuchschreiber als Comiczeichner zu der vorliegenden Bildergeschichte umgestaltet hat.

2. Diese Bildergeschichte ist auch heutigen Kindern und Jugendlichen als Betrachtern - je nach Lerngruppe mit kleinen Erläuterungen - zugänglich.

3. Sie bietet als „Drehbuch“ viele Gelegenheiten zur handelnden Selbsttätigkeit der Schulkinder: Die einzelnen Szenen der Rahmenerzählung und des Gleichnisses können nicht nur - unter eigener Überschrift! - nacherzählt werden, sondern sie regen an, sie nachzustellen, sie durchzuspielen und ihnen eine neue Gestalt zu geben.
Hört mal zu, ich muss euch was erzählen
4. Didaktisch-methodisch ist es wichtig, dass das Bild zu der Aufforderung Jesu: „Hört mal zu, ich muss euch etwas erzählen ...” zunächst nicht gezeigt wird. Es bleibt eine Lücke zum Nach- und Weiterdenken. Indem es anschließend unter die eigentliche Gleichnisdarbietung als „Bilderpuzzle” gemischt wird, ist es nicht die Vorgabe des Zeichners, sondern die selbstständige Leistung der Lernenden, die Verbindung zwischen dem Wort Jesu und dem Gleichnis, die Analogie zwischen Levi und dem verlorenen Schaf herzustellen, und damit ein erstes Verstehen von Gleichnissen anzubahnen.
Das verlorene Schaf
5. Ebenso anregend wie didaktisch sinnvoll ist es, auf die letzten drei Originalbilder der Rahmengeschichte, nachdem Jesus das Gleichnis erzählt hat, zu verzichten. Mein Vorschlag: Die Mädchen und Jungen tragen selbst ein und/oder setzen szenisch um, wie die Zuhörer und sie selbst (!) auf Jesu Gleichnis reagieren.
Dieses hier nur pointiert vorgestellte  Arrangement zeigt m.E., dass Lehrkräfte durchaus auch ältere Medien im RU einsetzen können, sofern die didaktische Perspektive von der Sache auf das lernende Subjekt verschoben wird. Was Schweitzer, Nipkow u.a. nach 1988 in ihren Tübinger Untersuchungen (RU und Entwicklungspsychologie. Elementarisierung in der Praxis, Gütersloh 1995) als Erkenntnis noch verblüfft hat, dass nämlich Kinder und Jugendliche Gleichnisse auf ihre Art verstehen, muss endlich in einem elementarisierenden Grundansatz in den Alltag des Religionsunterrichts einfließen. Wenn sich die Lernenden mit ihren Fragen und Ansichten im RU wiederfinden, findet auch das Wort Jesu möglicherweise eher Beachtung: „Hört mal zu, ich muss euch was erzählen ...!”










Das Heft „Gleichnisse als Comics - Comics als Gleichnisse“ ist in der ARO ausleihbar.

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