Draußen vor dem Haus - Schulgottesdienst zum Bußtag
DIE VORBEREITUNG
Im Herbst 1996 trafen sich in Emden LehrerInnen und PastorenInnen aus dem Westen der Stadt an zwei Nachmittagen. Aus den Beratungen entstanden drei Gottesdienste zum Bußtag an drei Standorten: einer mit Grundschülern, einer mit 5. Klassen und einer mit 6. Klassen und älter. Letzteren wollen wir teilweise dokumentieren. Pastoren besuchten z.T. die mitarbeitenden Schulklassen und jeweils eine Hauptprobe fand statt. Im Musikunterricht wurden die Lieder eingeübt.

GOTTESDIENSTABLAUF
Vorspiel der Orgel
Begrüßung
Lied: Danke 1-4 mit Gitarrenbegleitung
Bildbetrachtung: Schüler äußern sich zum Bild (Kl. 6a) (Tageslichtprojektor)
Lied: Aus tiefer Not 1+3 (Orgel)
Anspiel zum Verlorenen Sohn (Kl. 6b)
Lied: Herr, gib uns Mut zum Brückenbauen 1-3 (Gitarre)
Gedanken zum Tag und zum Thema
Lied: Hilf, Herr, meines Lebens 1-5 (Orgel)
Gebet (Fürbitten)
Bitte um den Segen, Sendung
Lied: Komm, Herr segne uns 1-4 (Gitarre)

ZU DEM BILD
(farbig enthalten in: P. Biehl: Symbole geben zu lernen, Neukirchen 1991) ist den SchülerInnen unserer Klasse eingefallen:

DIE ZWEI VERLORENEN SÖHNE DRAUSSEN VOR DEM HAUS
1. Szene
Erzähler: Jesus hat eine Geschichte erzählt, in der stehen Menschen draußen vor dem Haus. Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere ließ sich sein Erbteil auszahlen und zog in die Fremde. Dort brachte er sein ganzes Vermögen durch. Als er nichts mehr hatte, hatte er auch keine Freunde mehr. Schließlich ging es ihm so schlecht, daß er Knecht eines Bauern in dem fremden Land wurde. Er mußte die Schweine hüten und er hatte so großen Hunger, daß er am liebsten das Schweinefutter essen wollte.
Da macht er sich schließlich auf den Weg zu seinem Vaterhaus.
Er sah das Haus von ferne. Als er die erleuchteten Fenster sah, bekam er Angst. Er überlegte sich:
Sohn: Soll ich wirklich da anklopfen? Wie abgerissen sehe ich aus! Ob mich mein Vater überhaupt wiedererkennt? Bestimmt wird er schimpfen und mich wegjagen.
Erzähler: Andererseits aber dachte er:
Sohn: Wenn er genug geschimpft hat, wird er mich vielleicht hereinlassen. Dann bitte ich ihn, ob ich hinten im Stall schlafen kann. Wenn ich als Knecht arbeiten könnte, bräuchte ich wenigstens nicht zu verhungern.
Erzähler: Dann aber ging ihm doch durch den Kopf:
Sohn: Ich habe es wirklich nicht verdient. Ich habe das ganze Erbe durchgebracht. Ich habe alles verdorben. Ich bin nicht mehr sein Sohn. Ich bin es nicht wert, daß er mich überhaupt in die Nähe läßt.
Erzähler: Da aber sah ihn der Vater von ferne. Er lief ihm entgegen und schloß ihn in seine Arme. Er freute sich so sehr, seinen Sohn wieder zu haben.
2. Szene
Erzähler: Aber noch ein anderer stand bald darauf draußen vor der Tür. Der ältere Bruder war bei der Arbeit gewesen. Sein Schritt stockte.
Ä. Sohn: Was ist das für eine fröhliche Musik? Warum sind die Fenster so hell erleuchtet?
1.Knecht/1.Magd: Junger Herr, kommen Sie schnell, Ihr Bruder ist zurückgekehrt!
Ä.Sohn: Mein Bruder, das ist doch wohl nicht möglich?
1.K/M: Doch, er ist wieder hier.
2.K/M: Ohne einen Pfennig ist er heimgekommen, zerlumpt und schmutzig.
3.K/M: Er hat sein Geld mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen, großartige Feste hat er mit Freunden und Frauen gefeiert.
1.K/M: Als dann kein Geld mehr da war, hat er bei einem Bauern im fremden Land die Schweine gehütet.
2.K/M: Er mußte sich von Schweinefutter ernähren.
3.K/M: In seiner Not hat er sich daran erinnert, daß wir Knechte hier bei seinem Vater immer genug zu essen bekommen.
1.K/M: Und so hat er beschlossen, heimzukehren. Als Knecht wollte er hier auf dem Hof arbeiten.
2.K/M: Aber da hätten Sie Ihren Vater sehen sollen!
3.K/M: Er ist ihm entgegengelaufen und hat ihn in die Arme genommen.
1.K/M: Dann gab er uns den Befehl, ein kostbares Kleid für Ihren Bruder zu holen
2.K/M: und Schuhe,
3.K/M: und den Ring hat er ihm an den Finger gesteckt.
1.K/M: Er hat ihn wieder als Sohn aufgenommen.
2.K/M: Schließlich mußten wir das gemästete Kalb schlachten und die Nachbarn zusammenrufen. Ihr Vater hat sich so gefreut, daß er es allen Leuten zeigen wollte: Ich habe meinen Sohn, der verloren war, wieder!
3.K/M: Herr, jetzt wartet Ihr Vater nur noch darauf, daß Sie auch mitfeiern. Kommen Sie mit uns hinein, Herr!
Ä.S.: Ich soll dort hinein? Ich denke nicht daran! Feiert nur, aber ohne mich!
3. Szene:
Erzähler.: Die Knechte gingen ohne den älteren Bruder in den Festraum.
1.K/M: Herr, Ihr älterer Sohn will nicht hineinkommen.
Vater: Entschuldigt mich einen Augenblick! Ich werde nach ihm sehen.
Erz.: Der Vater ging nach draußen vor die Tür.
Vater: Mein Sohn, warum bleibst du hier draußen?
Ä.S.: Das fragst du noch?
Vater: Hast du denn nicht gehört, daß dein Bruder wieder da ist?
Ä.S.: O ja, und du hast ihn wieder als Sohn aufgenommen! Und nicht genug damit: Du läßt sofort das gemästete Kalb schlachten und feierst seine Heimkehr mit einen großen Fest! Ich habe all die Jahre für dich geschuftet und habe immer alles getan, was du gesagt hast. Nicht ein einziges Mal hast du für mich ein Kalb schlachten lassen, damit ich mit meinen Freunden feiern konnte. Ist das Gerechtigkeit?
Vater: Mein Sohn, ich verstehe deinen Zorn. Aber sieh mal, du warst die ganze Zeit bei mir, dir ging es gut und dir gehörte alles, was mein ist. Jetzt aber ist dein Bruder wieder zurückgekehrt. Ich dachte, er wäre tot. Er war verloren und ich habe ihn wieder aufgenommen. Du hast recht. Gerechtigkeit ist das vielleicht nicht - aber Liebe. Freu dich doch mit uns! Komm herein und feiere mit uns! <--zurück!