Draußen vor
dem Haus - Schulgottesdienst zum Bußtag
DIE VORBEREITUNG
Im Herbst 1996 trafen sich in Emden
LehrerInnen und PastorenInnen aus dem Westen der Stadt an zwei Nachmittagen.
Aus den Beratungen entstanden drei Gottesdienste zum Bußtag an drei
Standorten: einer mit Grundschülern, einer mit 5. Klassen und einer
mit 6. Klassen und älter. Letzteren wollen wir teilweise dokumentieren.
Pastoren besuchten z.T. die mitarbeitenden Schulklassen und jeweils eine
Hauptprobe fand statt. Im Musikunterricht wurden die Lieder eingeübt.
GOTTESDIENSTABLAUF
Vorspiel der Orgel
Begrüßung
Lied: Danke 1-4 mit
Gitarrenbegleitung
Bildbetrachtung: Schüler
äußern sich zum Bild (Kl. 6a) (Tageslichtprojektor)
Lied: Aus tiefer Not 1+3
(Orgel)
Anspiel zum Verlorenen Sohn
(Kl. 6b)
Lied: Herr, gib uns Mut zum Brückenbauen
1-3 (Gitarre)
Gedanken zum Tag und zum Thema
Lied: Hilf, Herr, meines Lebens
1-5 (Orgel)
Gebet (Fürbitten)
Bitte um den Segen, Sendung
Lied: Komm, Herr segne uns 1-4
(Gitarre)
ZU DEM BILD
(farbig enthalten in: P. Biehl: Symbole
geben zu lernen, Neukirchen 1991) ist den SchülerInnen unserer Klasse
eingefallen:
-
Es ist Nacht, im Wald steht ein verlassenes
Haus.
-
Im Haus ist ein Fenster hell erleuchtet.
Neben dem Haus steht ein kahler Baum.
-
Das ist eine ganz trostlose Gegend. Das
Haus steht ganz entfernt von allen anderen.
Ein warmes Licht dringt aus dem Fenster.
-
Nebel steigt auf. Das Haus ist sehr gruselig.
Es ist das einzige Haus im Wald.
-
Es ist Winter. Es ist sehr kalt und naß.
Ein gebrochener Fußboden
und kalter Boden wird von
dem Regen genäßt.
-
Vielleicht ist Schnee auf dem Dach.
-
In dem Haus brennt ein orangenes Licht.
Der ist sehr allein. Das
ist eine Holzhütte mit einem
Baum und Gras.
-
Ich denke an: Dunkelheit. Kälte.
Einsamkeit. Angst. Bescheidenheit.
Armut. An: Feuer. Helligkeit.
Wärme. Geborgenheit.
-
Da ist einer verlassen, traurig, von der
Außenwelt ausgeschlossen.
-
Aber in dem Haus hat er es warm, fühlt
er sich geborgen.
-
Es ist ruhig. Es ist Nacht. Es ist romantisch.
There's a Party.
In diesem Haus lebt ein alter weiser
Mann. Er hat Angst. Es ist dunkel, kalt und unheimlich. Er findet im Dunkeln
eine Kerze und Streichhölzer. Er zündet eine Kerze an und sagt:
"Jetzt ist es nicht mehr kalt und dunkel und auch nicht mehr unheimlich."
DIE ZWEI VERLORENEN SÖHNE DRAUSSEN
VOR DEM HAUS
1. Szene
Erzähler: Jesus hat eine
Geschichte erzählt, in der stehen Menschen draußen vor dem Haus.
Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere ließ sich sein Erbteil
auszahlen und zog in die Fremde. Dort brachte er sein ganzes Vermögen
durch. Als er nichts mehr hatte, hatte er auch keine Freunde mehr. Schließlich
ging es ihm so schlecht, daß er Knecht eines Bauern in dem fremden
Land wurde. Er mußte die Schweine hüten und er hatte so großen
Hunger, daß er am liebsten das Schweinefutter essen wollte.
Da macht er sich schließlich
auf den Weg zu seinem Vaterhaus.
Er sah das Haus von ferne. Als er
die erleuchteten Fenster sah, bekam er Angst. Er überlegte sich:
Sohn: Soll ich wirklich da
anklopfen? Wie abgerissen sehe ich aus! Ob mich mein Vater überhaupt
wiedererkennt? Bestimmt wird er schimpfen und mich wegjagen.
Erzähler: Andererseits
aber dachte er:
Sohn: Wenn er genug geschimpft
hat, wird er mich vielleicht hereinlassen. Dann bitte ich ihn, ob ich hinten
im Stall schlafen kann. Wenn ich als Knecht arbeiten könnte, bräuchte
ich wenigstens nicht zu verhungern.
Erzähler: Dann aber ging
ihm doch durch den Kopf:
Sohn: Ich habe es wirklich
nicht verdient. Ich habe das ganze Erbe durchgebracht. Ich habe alles verdorben.
Ich bin nicht mehr sein Sohn. Ich bin es nicht wert, daß er mich
überhaupt in die Nähe läßt.
Erzähler: Da aber sah
ihn der Vater von ferne. Er lief ihm entgegen und schloß ihn in seine
Arme. Er freute sich so sehr, seinen Sohn wieder zu haben.
2. Szene
Erzähler: Aber noch ein
anderer stand bald darauf draußen vor der Tür. Der ältere
Bruder war bei der Arbeit gewesen. Sein Schritt stockte.
Ä. Sohn: Was ist das für
eine fröhliche Musik? Warum sind die Fenster so hell erleuchtet?
1.Knecht/1.Magd: Junger Herr,
kommen Sie schnell, Ihr Bruder ist zurückgekehrt!
Ä.Sohn: Mein Bruder, das
ist doch wohl nicht möglich?
1.K/M: Doch, er ist wieder
hier.
2.K/M: Ohne einen Pfennig ist
er heimgekommen, zerlumpt und schmutzig.
3.K/M: Er hat sein Geld mit
vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen, großartige Feste hat
er mit Freunden und Frauen gefeiert.
1.K/M: Als dann kein Geld mehr
da war, hat er bei einem Bauern im fremden Land die Schweine gehütet.
2.K/M: Er mußte sich
von Schweinefutter ernähren.
3.K/M: In seiner Not hat er
sich daran erinnert, daß wir Knechte hier bei seinem Vater immer
genug zu essen bekommen.
1.K/M: Und so hat er beschlossen,
heimzukehren. Als Knecht wollte er hier auf dem Hof arbeiten.
2.K/M: Aber da hätten
Sie Ihren Vater sehen sollen!
3.K/M: Er ist ihm entgegengelaufen
und hat ihn in die Arme genommen.
1.K/M: Dann gab er uns den
Befehl, ein kostbares Kleid für Ihren Bruder zu holen
2.K/M: und Schuhe,
3.K/M: und den Ring hat er
ihm an den Finger gesteckt.
1.K/M: Er hat ihn wieder als
Sohn aufgenommen.
2.K/M: Schließlich mußten
wir das gemästete Kalb schlachten und die Nachbarn zusammenrufen.
Ihr Vater hat sich so gefreut, daß er es allen Leuten zeigen wollte:
Ich habe meinen Sohn, der verloren war, wieder!
3.K/M: Herr, jetzt wartet Ihr
Vater nur noch darauf, daß Sie auch mitfeiern. Kommen Sie mit uns
hinein, Herr!
Ä.S.: Ich soll dort hinein?
Ich denke nicht daran! Feiert nur, aber ohne mich!
3. Szene:
Erzähler.: Die Knechte
gingen ohne den älteren Bruder in den Festraum.
1.K/M: Herr, Ihr älterer
Sohn will nicht hineinkommen.
Vater: Entschuldigt mich einen
Augenblick! Ich werde nach ihm sehen.
Erz.: Der Vater ging nach draußen
vor die Tür.
Vater: Mein Sohn, warum bleibst
du hier draußen?
Ä.S.: Das fragst du noch?
Vater: Hast du denn nicht gehört,
daß dein Bruder wieder da ist?
Ä.S.: O ja, und du hast
ihn wieder als Sohn aufgenommen! Und nicht genug damit: Du läßt
sofort das gemästete Kalb schlachten und feierst seine Heimkehr mit
einen großen Fest! Ich habe all die Jahre für dich geschuftet
und habe immer alles getan, was du gesagt hast. Nicht ein einziges Mal
hast du für mich ein Kalb schlachten lassen, damit ich mit meinen
Freunden feiern konnte. Ist das Gerechtigkeit?
Vater: Mein Sohn, ich verstehe
deinen Zorn. Aber sieh mal, du warst die ganze Zeit bei mir, dir ging es
gut und dir gehörte alles, was mein ist. Jetzt aber ist dein Bruder
wieder zurückgekehrt. Ich dachte, er wäre tot. Er war verloren
und ich habe ihn wieder aufgenommen. Du hast recht. Gerechtigkeit ist das
vielleicht nicht - aber Liebe. Freu dich doch mit uns! Komm herein und
feiere mit uns!
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